Der Staatsbesuch von Turkmenistans Präsident Serdar Berdymuchamedow in Aserbaidschan am 22. Juni hat einen Schlussstrich unter eine neue Phase der soegannten „Kaspi-Intrige“ gezogen, deren Sinn im Erhalt von Handlungsfreiheit hinsichtlich der Nutzung des ganzen Potenzials des Kaspischen Meeres inklusive dessen Kohlenwasserstoff- sowie Transport- und Transitressourcen besteht, aber auch in einem Ansprechen der außerhalb der Region existierenden Akteure zwecks Hilfe bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Kaspi-Region. Diesem Besuch waren eine Reihe von Ereignissen vorausgegangen, die nicht nur Entwicklungstrends der Ereignisse erhellten, sondern auch selbst zu Triebkräften von Prozessen geworden sind.
Beim V. Antalya-Diplomaten-Forum (ADF2026), das im April dieses Jahres durch das türkische Außenministerium organisiert worden war, erklärte Turkmenistans Außenminister Raschid Meredow, dass eine der entscheidenden Prioritäten der Energie-Agenda des Landes die Lieferung von Erdgas nach Europa sei. „Vor 15-20 Jahren hatten wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit den europäischen Kollegen gehabt. Und wir unternahmen viel für eine praktische Realisierung einer Reihe von Ideen zur Lieferung turkmenischen Erdgases über das Kaspische Meer nach Europa“, zitierte die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS den Minister. Meredow betonte, dass man bestimmte völkerrechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Demarkation des Bodens des Kaspischen Meeres entsprechend der Konvention über dessen Rechtsstatus regeln müsse.
Bereits Ende Mai bekundete bei einem Treffen von Meredow mit US-Außenminister Mario Rubio letzterer „die entschiedene Unterstützung der USA für eine Diversifizierung des Erdgasexports aus Turkmenistan über die transkaspischen Routen“, teilte in seiner Mitteilung der Leiter des Pressedienstes des US-State Departments Tommy Pigott mit. „Er (Rubio — „NG“) bekundete Außenminister Meredow Dank für den Fortschritt hinsichtlich der jüngsten kommerziellen Deals. Minister Meredow und State Secretary Rubio erörterten gleichfalls Wege für eine weitere Ausdehnung der Zusammenarbeit in den Bereichen Energiewirtschaft, Sicherheit und Handel“, fügte Pigott hinzu.
Hinsichtlich des „Fortschritts hinsichtlich der jüngsten Verträge“, wofür Rubio der turkmenischen Seite dankte, macht es Sinn zu betonen, dass der Vertragsabschluss zur Erschließung einer Erdöllagerstätte im Kaspischen Meer zwischen dem malaysischen Ölkonzern Petronas, dem Unternehmen ADNOC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dessen Investitionsabteilung XRG gemeint war. Ungeachtet dessen, dass Petronas schon über 30 Jahre in Turkmenistan arbeitet, kann man diesen Deal als einen „Eingangspunkt“ für die großen nichtchinesischen Akteure des Öl- und Gasbusiness nach Turkmenistan ansehen. Dabei befindet sich ADNOC/XRG im Prozess des Erwerbs von 30 Prozent des staatlichen Anteils des aserbaidschanischen Unternehmens „Südlicher Gaskorridor“, das über eine Reihe von Kapazitäten für den Transport aserbaidschanischen Erdgases nach Europa verfügt. Und Petronas bewirbt sich zusammen mit ADNOC um die Entwicklung einer der Phasen zur Erschließung und Ausbeutung der weltweit größten Gaslagerstätte Galkynysch auf dem Territorium Turkmenistans.
Während des Besuchs von Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim, der am 19. Juni stattfand und zu dessen Hauptthema die Verstärkung der Präsenz des malaysischen Ölkonzerns Petronas in Turkmenistan geworden war, wurden mehrere Abkommen abgeschlossen, von denen zwei Beobachter für Zeichen setzende halten – ein Regierungsabkommen über eine langfristige Zusammenarbeit bei der Erschließung von Kohlenwasserstoff-Ressourcen und ein Abkommen über Vertraulichkeit, das zwischen dem Staatskonzern Turkmengaz und Petronas unterzeichnet wurde. Laut Aussagen von den Verhandlungen nahestehenden Quellen würden diese Abkommen Petronas erlauben, einen Zugang zu geheimen Informationen über die Vorräte der Lagerstätte Galkynysch zu erhalten, aber auch ein Audit der Gaspipeline „Vostok-Zapad“, die für die Beförderung von Gas von diesem Feld zur Küste des Kaspischen Meeres gebaut wurde, vorzunehmen. Nicht ausgeschlossen ist, dass das malaysische Unternehmen auch einen Zugang zu dessen Verwaltung bekommt. Während des Besuchs des Premierministers von Malaysia war der Zugang von Petronas zur Erschließung von Galkynysch nicht ausgesprochen worden. Es sind aber alle dafür vorbereitenden Entscheidungen vereinbart worden.
Kommt man zu dem diese Phase der „Kaspi-Intrige“ abschließenden Aserbaidschan-Besuch von Turkmenistans Präsident Serdar Berdymuchamedow zwecks Gespräche mit Präsident Ilham Alijew am 22. Juni zurück, macht es Sinn zu betonen, dass alle Abkommen, die zwischen den Länder im Öl- und Gasbereich abgeschlossen wurden, in einer maximal möglichen diplomatischen Form ausformuliert wurden und den Beginn einer „strategischen Zusammenarbeit“ fixieren. „Turkmenistan und Aserbaidschan sind zwei Länder mit umfangreichen Ressourcen an Bodenschätzen und Energieressourcen. Wir zielen in diesem Fall darauf ab, bei einer Vereinigung unserer Anstrengungen zusammenzuarbeiten“. Dies ist das ganze Konkrete, zu dem sich Präsident Alijew bei einem Pressestatement geäußert hat.
Am Tag des Aserbaidschan-Besuchs des turkmenischen Präsidenten veröffentlichte die aserbaidschanische Nachrichtenagentur Trend eine vorab eingeholte Meinung der Internationalen Handelsadministration (International Trade Administration – ITA) des US-Departments für Handel, wo im Namen der Regierung der USA und unter Verweis auf die Charta für eine strategische Partnerschaft, die durch Präsident Alijew und Vizepräsident JD Vance unterzeichnet worden war, erklärt wurde: „Die ITA bleibt stets für eine Zusammenarbeit mit den Branchengruppen der USA und Aserbaidschans für eine Verstärkung der institutionellen Architektur der amerikanischen kommerziellen Präsenz in der Region offen, wobei eine Verbindung der amerikanischen Unternehmen mit den einheimischen Netzwerken und Regierungskanälen gesichert wird. Aserbaidschan spielt eine zentrale Rolle in diesem System unter Berücksichtigung dessen Stellung als ein Energie-Hub, logistischer Knotenpunkten für Korridore und Richtung für Technologie-Investitionen“. Unter Berücksichtigung der Erklärung von US-Außenminister Rubio geht es um eine Unterstützung für die Transkaspische Gaspipeline.
Ihrerseits hat die russische Seite am 18. Juni eine Erklärung abgegeben: „Wir rechnen damit, dass in der aller nächsten Zeit … die Kaspi-Anrainerstaaten … die Realisierung der früher geplanten gemeinsamen Schritte in einem fünfseitigen Format zwecks weiterer Verstärkung der Zusammenarbeit in der Kaspi-Region auch einschließlich Maßnahmen für eine Gewährleistung der komplexen Sicherheit der Region wiederaufnehmen können… und dass die Priorität dieser Arbeit die Nichtakzeptanz einer äußeren Einmischung in die Angelegenheit der fünf war und bleibt“.