Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Moldawien ist ohne Wasser und Strom geblieben


Die Regierung der Republik Moldowa hat am Dienstag die Verhängung eines Ausnahmezustands in der Energiewirtschaft für 60 Tage verhängt. Der Ausnahmezustand hängt mit der Unterbrechung der Stromversorgung aus Rumänien zusammen, das eine Hochspannungsfernleitung mit der Republik Moldowa verbindet. Die hatte man als eine Alternative zum Cuciurgan-Wasserkraftwerk, das der russischen Inter RAO UES gehört, gebaut. Nach Ersetzung des alternativlosen russischen Stromlieferanten durch solch einen rumänischen ist Kischinjow in eine Situation geraten, in der es im Land keinen Strom geben kann. Aber auch kein Gas unter Berücksichtigung der Energiekrise in Rumänien. Und auch noch kein Wasser. Seine einzige Quelle – der Dnestr – ist durch irgendetwas verunreinigt worden.

Die Hochspannungsfernleitung Isaccea (Rumänien) – Vulcăneşti (Moldawien) war in den Abendstunden des 23. März nach 19.15 Uhr Ortzeit abgeschaltet worden. Die Energetiker teilten den Bürgern mit, dass mögliche Bombenangriffe gegen die kritische Infrastruktur auf dem Territorium der Ukraine zur Ursache geworden seien.

Die Präsidentin der Republik Moldowa, Maia Sandu, kam ohne Vermutungen aus, indem sie direkt Russland die Schuld zuschob und es als „für den Angriff auf uns alle“ verantwortlich machte (zumal Russlands Verteidigungsministerium beinahe jeden Tag über Angriffe gegen ukrainische Energieobjekte informiert – Anmerkung der Redaktion). So reagierte sie im Netzwerk X auf die Abschaltung der grenzüberschreitenden Hochspannungsfernleitung.

Die nächtlichen Schläge haben die entscheidende Energieverbindung Moldowas mit Europa zerstört. Es gibt alternative Wege, doch die Situation bleibt eine instabile. Die Verantwortung trägt nur Russland“, erklärte Maia Sandu.

Premierminister Alexandru Munteanu bestätigte, dass „nach den nächtlichen Schlägen Russlands gegen die Energieinfrastruktur der Ukraine die Stromleitung Isaccea – Vulcăneşti abgeschaltet worden war, womit erneut die Energiestabilität Moldowas in Gefahr gebracht wurde“.

Das Außenministerium der Republik Moldowa verurteilte gleichfalls die „Überfälle auf die Energieinfrastruktur im Süden der Ukraine, die sich auf die Fernleitung Isaccea – Vulcăneşti ausgewirkt haben“.

Diese Handlungen untergraben die regionale Energiesicherheit und gefährden überaus wichtige zivile Infrastruktur-Objekte. Die Republik bekräftigt ihre feste Unterstützung für die Ukraine“, heißt es in einer Erklärung des moldawischen Außenministeriums.

Die Regierung der Republik hat „zu einem rationalen Stromverbrauch in den Spitzenzeiten“, aufgerufen, „um eine Überlastung der Netze zu vermeiden“. Und sie verkündete einen Energie-Ausnahmezustand für 60 Tage.

Zur gleichen Zeit versorgt das Cuciurgan-Wasserkraftwerk weiterhin Transnistrien mit billigem Strom. Die moldawischen Offiziellen wollen jedoch ungeachtet der Appelle der Opposition, den Erwerb von Strom in Transnistrien wiederaufzunehmen, keine Abhängigkeit von dem russischen Lieferanten, wobei er durch einen rumänischen ersetzt wurde, der zu einem Monopolisten bei den Lieferungen nicht nur von Elektroenergie, sondern auch von Gas (erneut um einer einseitigen Abhängigkeit von der Russischen Föderation aus dem Weg zu gehen) in die Republik Moldowa geworden ist.

Derweil ist in Rumänien vor dem Hintergrund der Ereignisse im Nahen Osten eine Krise in der Energiewirtschaft verkündet worden. Und der Export von Energieressourcen ist im Land verboten worden. Bisher ist unklar, wie in diesem Fall Moldawien mit Gas versorgt werden wird, das vollkommen von den rumänischen Lieferungen abhängt.

Maia Sandu versuchten nach der Sitzung des Obersten Sicherheitsrates am Montag, die Situation auf dem Markt der Erdölprodukte zu kommentieren. Sie schlug vor, „sich auch auf die schlimmsten Szenarios vorzubereiten“, wobei sie betonte, dass „es eine Sache ist, wenn die Krise im Verlauf von zwei Wochen zu Ende geht, und eine völlig andere, wenn sie mehrere Monate andauern wird“. Und „wir haben kein eigenes Erdgas und Erdöl“.

Sie versprach, dass „die Regierung Maßnahmen ausarbeiten wird. Doch im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten vermag keiner zu einhundert Prozent den Schaden wettzumachen. Dennoch gibt es Lösungen, und sie werden realisiert werden“. Was für Lösungen — ist unbekannt. Die Präsidentin riet ab, „das Problem durch eine Erhöhung der Energieeffektivität der erneuerbaren (Energie-) Quellen und durch eine Verringerung des Gasverbrauchs zu lösen“.

Außer den Energieproblemen bleibt für Moldawien die Frage nach der Versorgung der moldawischen Städte mit Trinkwasser eine ungelöste. Es ist bekannt, dass die einzige Wasserquelle für die Moldawier der Dnestr ist. Doch auf seiner Oberfläche wurden Ölflecken entdeckt. Und in den Städten im Norden das Landes hat man die Wasserleitungen zugedreht. Man begann, den Städtern Trinkwasser in Flaschen zu bringen. Und in den Dörfern fing man an, Brunnen zu reinigen. Verschmutzt hat den Dnestr das Nowodnestr-Wasserkraftwerk. Aber womit ist nach wie vor unklar, obgleich seit dem Zeitpunkt der Meldungen in den Medien über die Dnestr-Katastrophe bereits zwei Wochen vergangen sind. Die Ukrainer haben alles Russland angelastet. Moldawiens Präsidentin Sandu hat sie dabei unterstützt. Ökologen betonten aber, dass die Quelle der Verschmutzung wie auch die Verschmutzer unklar seien.

Am Vorabend teilte Kiew mit, dass der Dnestr gereinigt worden sei. Der Umweltminister der Reoublik Moldowa, Georgij Hazhder, entdeckte aber im Verlauf einer Reise in den Norden Moldawiens „neue Flecken von Erdölprodukten auf dem Dnestr, die weiter vom Oberlauf des Flusses her dahintreiben“. Dies teilte er am Montagabend in den sozialen Netzwerken mit.

Nach seinen Worten „hat die ukrainische Seite bestätigt, dass die Quelle der Verschmutzung beseitigt worden sei. Und diese Flecken kommen aus dem letzten Stausee, wo sie sich augenscheinlich durch die vorangegangenen Ableitungen aufstauten“.

Hinsichtlich der Vögel, die am Dnestr-Ufer tot aufgefunden worden waren, teilte er mit, dass Spezialisten der Nationalen Agentur für die Sicherheit von Nahrungsprodukten (Agenția Națională pentru Siguranța Alimentelor ANSA) zum Fundort gefahren seien, um die Ursachen für das Geschehen zu ermitteln.

Am Dienstag führte der Minister ein Treffen mit Vertretern von Umweltschutz-Organisationen und Experten durch, um den Einfluss der Verschmutzung auf den Dnestr zu analysieren und zusätzliche Maßnahmen zwecks Verringerung der Einwirkung und der Folgen der Verschmutzung zu koordinieren.

Derweil gibt es in Transnistrien eigenen Strom. Es gibt Gas, das von der Russischen Föderation bezahlt wurde, und Wasser, das aus artesischen Brunnen, die seit den Sowjetzeiten erhalten geblieben sind, gepumpt wird. In Moldawien gibt es über eintausend solcher Brunnen bzw. Wasserbohrungen, doch sie sind verwahrlost und heruntergekommen. Und damit sie wieder funktionieren können, muss man sie säubern und instandsetzen. Die moldawischen Offiziellen haben dazu vielleicht den Wunsch, aber kein Geld.

P. S.

Die Verhängung des Energie-Notstands diskutierten die Abgeordneten des Landesparlaments vier Stunden lang, bevor der notwendige Beschluss auf Bitten der Regierung Moldawiens gefasst wurde – mit 72 Ja-Stimmen aller Fraktionen mit Ausnahme der Partei der Sozialisten und der Partei der Kommunisten. Premier Alexandru Munteanu hatte zuvor hinsichtlich der abgeschalteten Energiefernleitung erklärt, „dass auf diese Leitung bis zu 60 bis 70 Prozent des Stromverbrauchs (auf dem rechten Dnestr-Ufer) entfallen“. Und die Verhängung des Notstands werde der Regierung erlauben, „schnell zu handeln“, um mögliche Abschaltungen zu vermeiden. „Das Energiesystem arbeitet an den Grenzen seiner Möglichkeiten und unterliegt Risiken, die sich wiederholen können. Mit der Verhängung des Notstands können wir Verbrauchsinseln organisieren und unterstützen, die über 110-kV-Stromlinien versorgt werden, sowie Havarie-Käufe gewährleisten“, betonte Munteanu.

Und am Mittwoch kündigte Energieminister Dorin Junghietu an, dass die Arbeiten zur Wiederherstellung der Infrastruktur der abgeschalteten 400-kV-Stromleitung Isaccea – Vulcăneşti voraussichtlich rund eine Woche andauern würden.