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Moskau hat Interesse für turkmenisches Gas bekommen


„Gazprom“ begann turkmenisches Gas wieder einzukaufen. Die Experten halten das für einen Versuch proaktiv zu sein: der russische Konzern reserviert für sich die Ressourcen, die in der Aussicht nach Europa an der Russischen Föderation vorbei gehen könnten.

Die Lieferungen des turkmenischen Gases werden im Rahmen des laufenden 25-jährigen Vertrags erneuert. Dieser Vertrag zwischen „Gazprom“ und „Turkmengaz“ wurde im Jahre 2003 geschlossen. Zuerst kaufte der russische Konzern von der turkmenischen Gesellschaft etwa 10 Milliarden Kubikmeter des Gases pro Jahr. Spätere Lieferungen wurden auf 4 Milliarden Kubikmeter reduziert. Aber im Jahre 2016 weigerte sich der russische Gasmonopolist, turkmenisches Gas zu kaufen. Derzeit wurde es erklärt, dass die russische Gesellschaft mit dem Preis nicht zufrieden war, gelang es ihr jedoch nicht, mit Aschgabat über die Preissenkung übereinzukommen. In „Gazprom“ nannte man den Kaufverzicht eine «Vertragsunterbrechung».

Der Kauf vom turkmenischen Gas durch Russland wurde aufgrund eines Streites im Stockholmer Schiedsverfahren um den Preis für die Lieferung vom blauen Kraftstoff aufgehört. Also, Anfang Juni 2015 hat „Gazprom Export“ ein Verfahren gegen Gesellschaft „Turkmengaz“ eingeleitet.

Vorigen Herbst aber flog der Chef von „Gazprom“, Alexej Miller, nach Aschgabat für Gasverhandlungen. Im März dieses Jahres wurde es bekannt, dass „Gazprom“ den Kauf vom turkmenischen Gas wieder aufnehmen will. „Wir sehen große Perspektiven für die Erweiterung unserer Zusammenarbeit im Gassektor, und das wichtigste ist die Kenntnis, dass wir förmlich unsere Arbeit im Rahmen des Einkaufsvertrags hinsichtlich des turkmenischen Gases in naher Zukunft fortsetzen werden“, sagte er damals. Nun wird jedoch die Wiederaufnahme der Einkäufe auch in der russischen Gesellschaft bestätigt. „Wir bestätigen Lieferungen aus Turkmenistan“, so laut „Gazprom“.

Auch in Europa gibt es bis jetzt ein offensichtliches Interesse an der Lieferung vom turkmenischen Gas. „Zum Beispiel, Deutschland hat schon lange Turkmenistan angebaggert … Es gab viele Projekte, es ging um die Pipeline nach Aserbaidschan und in die Türkei und dann durch die türkische Infrastruktur in die EU durch den sogenannten Südkorridor“, sagte Arash Duero, der Abteilungsleier des Beratungsunternehmens „Pflüger International“, in einem DW-Interview. Aber es kam zur Durchführung dieser Projekte nicht. Und China bleibt der Hauptkäufer vom turkmenischen Gas.

Nach der Meinung von „NG“-Experten hat der Beschluss, die Gaslieferungen aus Turkmenistan zu erneuern, für „Gazprom“ einen strategischen Charakter. „Indem die Lieferungen nach China für Turmenistan Priorität haben, hat Turmenistan eine Absicht, die Absatzmärkte zu diversifizieren, einschließlich auch Lieferungen nach Europa durch Russland zu machen, indem sie Gemeinsamkeit des Erdgasfortleitungsnetzes in Rücksicht nehmen“, meint Sergej Suwerow, Oberanalytiker von „BCS Premier“. „Gazprom“ hat den Kauf vom turkmenischen Gas wieder aufgenommen, um keine, auch undedeutende, zusätzliche Konkurrenz auf dem europäischen Gasmarkt zu bekommen“, denkt Natalia Miltschakowa, stellvertretende Direktorin des Analyse-Zentrums der Firma „Alpari“.

Sie erinnert, dass Turkmenistan nach dem Abbruch der Beziehungen zu „Gazprom“ bereit war, sich an dem Projekt „Südgaskorridor“ teilzunehmen und nach Europa im Laufe von 30 Jahren mindestens 30 Milliarden Kubikmeter des Gases jährlich zu liefern. Die Gaslieferungen aus Turkmenistan und Usbekistan nach Europa werden nur dann möglich, wenn der Südkorridor vollständig ausgebaut wird, merkt Miltschakowa. „Die Situation wird jedoch dadurch kompliziert, dass Usbekistan im Unterschied zu Turkmenistan keinen Zugang zum Kaspischen Meer hat, und außerdem einige Gasfelder Erdgas mit störenden Begleitungen enthalten, was vor der Lieferung zu den Konsumenten eine Gasreinigung fordern wird, deshalb wird der Preis erhöht. Deshalb ist es kaum wahrscheinlich, dass Turkmenistan und Usbekistan die zu „Gazprom“ alternativen Lieferanten des Gases nach Europa werden “, bezweifelt sie.

Alexander Pachomow, Direktor der Stiftung für Rechtsentwicklung und Mediation des Brennstoff- und Energiekomplexes, sagt, dass Turkmenistan braucht die Vertriebswege wie Luft. „Turkmenistan nimmt eine dominierende Stellung auf dem Pipeline-Gasmarkt in China mit einem Anteil von 86,5% ein, aber wenn man in absoluten Zahlen betrachtet, stellt es sich heraus, dass China in den 12 Monaten des Jahres 2018 über Pipelines aus Zentralasien (und das ist nicht nur turkmenisches Gas) 46,9 Milliarden Kubikmeter des Kraftstoffs importiert hat“, sagte er und erinnert daran, dass das Land noch keinen Zugang zu den europäischen Märkten hat. Der expert betont: Die einzige Möglichkeit für den direkten Zugang vom turkmenischen Gas zu den europäischen Märkten besteht in Rohrverleitung nach Aserbaidschan entlang des Bodens des Kaspischen Meeres. „Was theoretisch die Gasübertragung durch perspektive Transanatolische Gaspipeline (TANAP) ermöglichen kann“, meint Alexander Pachomow. Gazproms Kauf vom turkmenischen Treibstoff könnte Aschgabat den Anreiz dafür entziehen, den Bau der Transanatolischen Gaspipeline für den Anschluss an den Südkorridor unter Ungehung Rußlands zu fördern, schließt Alexej Kalatschjow, Analytiker der Firma „Finam“, nicht aus. „Dieses Thema könnte nach dem Start der ersten TANAP-Linie aus Aserbaidschan in die Türkei mit geplanter Erweiterung nach Südeuropa aktuell werden“, setzt er fort.

Einige Analytiker sehen einen Zusammenhang zwischen der Durchführung von Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und dem Kauf vom turkmenischen Gas. „Nach der Genehmigung der Änderungen der EU-Gasrichtlinie muss „Gazprom“ bis zur Hälfte der Kapazität der neuen Gaspipeline für Fremdlieferanten reservieren. Es ist möglich, dass „Gazprom“, indem sie Gas aus Turkmenistan kauft, künftige Mengen für Durchfuhrverkehr des turkmenischen Gases reserviert. Später, gegebenfalls, wird es möglich, den Ankauf in den Vertrag über Transitlieferungen des turkmenischen Gases nach Europa direkt oder durch Swap-Lieferungen umzusetzen“, unterstreicht Kalatschjow.