Werden die USA ihre Operation erfolgreich durchführen können, um Kuba auf dem Gebiet der Energiewirtschaft zu erwürgen? Diese Frage interessiert heute sehr viele, da die Entwicklung der Kuba-Krise das Kräftegleichgewicht zwischen den USA und jenen Ländern, die nicht bereit sind, sich dem Diktat der gegenwärtigen amerikanischen Administration unterzuordnen, widerspiegelt. Peking hat bereits erklärt, dass es alles Mögliche für eine Hilfe für Kuba unternehmen werde, das heute den „unmenschlichen Handlungen, die dem kubanischen Volk das Recht auf ein Überleben und eine Entwicklung nehmen, trotzt“. Zuvor hatte Mexiko bekanntgegeben, dass es die humanitären Brennstofflieferungen für die Kubaner einstelle. Die Offiziellen der Russischen Föderation haben bisher ihre Pläne für eine Hilfe für Kuba nicht bekanntgegeben, wobei sie auf einen „Dialog mit den USA“ hoffen. Viele russische Medien konzentrieren sich derweil auf eine Beschreibung der Perspektiven für die Touristen-Flüge nach kubanischen Urlaubsorten.
Experten der UNO haben die Brennstoffblockade Kubas seitens der USA verurteilt. Die Spezialisten erklärten, dass die Handlungen der Vereinigten Staaten eine „grobe Verletzung des Völkerrechts“ seien und eine „ernsthafte Bedrohung für eine demokratische und gerechte internationale Ordnung“ darstellen würden. Mit einer Bewertung der Handlungen Washingtons traten der unabhängige Experte für eine Unterstützung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung George Katrougalos (aus Griechenland), der Sonderberichterstatter für den Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten unter den Bedingungen der Terrorismusbekämpfung Ben Saul (aus Australien), aber auch der Sonderberichterstatter zu Fragen des Rechts auf Ernährung Michael Fakhri (aus Kanada) auf. Laut ihrer Erklärung, die vom Pressedienst des UN-Menschenrechtsrates verbreitet wurde, sei die US-amerikanische Anordnung über eine Blockade Kubas eine „grobe Verletzung des Völkerrechts“, meldete die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS.
Wie die Experten meinen, handele es sich um eine „extreme Form einer einseitigen wirtschaftlichen Nötigung“, die auf Kuba Druck ausüben und andere Länder veranlassen soll, „ihre legitimen Handelsbeziehungen zu verändern“. Der Versuch der USA, Kuba als eine Bedrohung für ihre nationale Sicherheit zu charakterisieren, und die Vorwürfe einer Unterstützung transnationaler terroristischer Gruppen „halten keiner Kritik stand“, unterstrich man in der UNO.
Die Experten warnten, dass die Behinderung des Imports von Brennstoffen „zu einer ernsthaften humanitären Krise auf der Insel führen“ könne, die „bereits unter einem ernsthaften Strom-Mangel aufgrund der früheren Sanktionen der USA leidet“. Die Stromabschaltungen dauern in vielen Gebieten bis zu 20 Stunden an.
US-Präsident Donald Trump hatte am 29. Januar dieses Jahres einen Ausnahmezustand aufgrund einer Bedrohung seitens Kubas verkündet und einen Erlass über die Anhebung der Zollgebühren für den Import von Waren aus den Ländern, die Erdöl auf die Insel der Freiheit liefern werden, unterschrieben.
Russland ist eines jener Länder, die einen minimalen Export in die USA realisieren. Und daher hat die Russische Föderation eine bestimmte Immunität in Bezug auf die Drohungen Washingtons für den Handel. Gerade auf diese Tatsache lenkte am Donnerstag der Pressesekretär des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, die Aufmerksamkeit. „Wir hätten ungern irgendeine Eskalation. Andererseits aber haben wir gegenwärtig keinerlei besonderen Warenaustausch“, betonte er bei der Beantwortung der Frage, ob nicht der Kreml eine Eskalation vor dem Hintergrund der Verhängung von Zöllen durch die USA gegen jene Länder, die Energieträger nach Kuba liefern werden (Zitat der russischen staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti). Russland befinde sich mit Kuba im Kontakt und erörtere Varianten für die Gewährung von Hilfe für dieses Land vor dem Hintergrund der Brennstoffkrise, teilte Peskow mit. Russland rechne mit einer Regelung aller Probleme um die Blockade Kubas durch einen konstruktiven Dialog mit den USA, erläuterte Dmitrij Peskow.
China werde Kuba „auf der besten möglichen Art und Weise“ unterstützen, solange die Insel mit der Energiekrise nach den harten Maßnahmen der US-Administration konfrontiert werde, bekräftigte am Mittwoch der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Lin Jian. Er erklärte, dass China „alles Mögliche tun wird“, um Havanna zu helfen, und verurteilte erneut das, was er als „unmenschliche Handlungen, die dem kubanischen Volk das Recht auf ein Überleben und eine Entwicklung nehmen“, bezeichnete. Der Sprecher des Außenministeriums der Volksrepublik China lehnte es ab, irgendwelche konkreten Hilfsprogramme zu bestätigen, wobei er erklärte, dass die weiteren Schritte „von bilateralen Konsultation mit Havanna abhängen werden“, meldete die in Hongkong erscheinende „South China Morning Post“.
Am Montag, dem 9. Februar hatten die kubanischen Behörden einer Verkürzung der Arbeitszeit der Banken und eine zeitweilige Aussetzung von Kulturveranstaltungen bekanntgegeben. In Havanna ist der öffentliche Nahverkehr praktisch vollkommen gelähmt worden.
Die Energiekrise hat Kuba gezwungen, große Veranstaltungen wie die 34. Internationale Buchmesse von Havanna, die vom 12. bis 22. Februar stattfinden sollte, zu verschieben und die nationale Baseball-Saison für ein Einsparen von Ressourcen zu korrigieren. Einige Banken haben die Öffnungszeiten verringert, und die Unternehmen für den Kraftstoff-Vertrieb haben erklärt, dass sie den Verkauf von Benzin für kubanische Pesos einstellen und zum Benzinverkauf nur für US-Dollar mit einem maximalem Limit von 20 Litern pro Person übergehen.
Es wird erwartet, dass der Kerosin-Mangel wenig die kurzen Inlandsflüge beeinflusse, schafft aber ernsthafte Probleme für die Langstreckenflüge aus Russland und Kanada – wichtige Märkte für den kubanischen Tourismus. Die Fluggesellschaft Air Canada hat eine zeitweilige Einstellung der Flüge nach Kuba bekanntgegeben. Einige andere Airlines haben aber erklärt, dass sie Flüge verzögern oder Zwischenlandungen in der Dominikanischen Republik vor dem Weiterflug nach Havanna vornehmen würden, berichtete die Internetseite des Kultur- und Tourismusministeriums von Vietnam.
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canal trat vor einer Woche mit einer zweistündigen Fernsehansprache auf, in der er das Ausmaß der Krise eingestand. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez verurteilte den „brutalen Aggressionsakt“ seitens der USA, der auf ein „Brechen des politischen Willens des kubanischen Volks“ abziele, und bekräftigte die unveränderte Bereitschaft Havannas zu einem Dialog zu eigenen Bedingungen. Claudia Sheinbaum, die Präsidentin Mexikos, erklärte, dass die amerikanischen Sanktionen, die dem kubanischen Volk Schaden zufügen, „nicht richtig“ seien, und bekräftigte die Bereitschaft Mexikos, diplomatische Anstrengungen zur Wiederaufnahme von Erdöllieferungen nach Kuba zu unternehmen. Zuvor hatte Mexiko zwei Schiffe mit über 800 Tonnen humanitärer Hilfsgüter zu dem Inselstaat entsandt, die am Donnerstag in Kuba angekommen sind. Später meldeten westliche Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Präsidentin Sheinbaum, dass Mexiko die Lieferungen von Erdöl nach Kuba gestoppt habe. Die Staatschefin habe dies mit der Notwendigkeit, die Interessen Mexikos zu verteilen, erklärt.
Die Offiziellen Chiles bereiten gleichfalls einen Hilfsplan für Kuba vor. „Die chilenische Administration ist ausgehend von humanitären Erwägungen stets bereits, den Völkern zu helfen, die sich im Zustand eines Krieges oder – wie in diesem Fall – im Zustand einer Wirtschaftsblockade befinden, die sich nicht auf das politische System, sondern letztlich auf die einfachen Menschen auswirkt“, zitierten einheimische Nachrichtenagenturen die Regierungssprecherin Camilla Valejo. Nach ihren Aussagen „nehmen die Offiziellen Chiles eine Bewertung der vorhandenen Ressourcen vor, die man für die Gewährung von Hilfe schicken könne“. Valejo trat mit diesen Erklärungen wenige Stunden nach dem Appell von Vertretern der zur regierenden Koalition gehörenden Kommunistischen Partei Chile, dass die Landesführung Kuba Hilfe leisten solle, auf.
Derweil werden die Flüge der Fluggesellschaft „Rossija“ (die zur Aeroflot-Gruppe gehört) in den nächsten Tagen zeitweilig ausgesetzt, informierte die Aufsichtsbehörde Russlands für Zivilluftfahrt Rosaviazija.
P. S.
Natürlich machen sich auch die in Russland lebenden Kubaner, von denen viele im Grunde genommen illegal im Land arbeiten (da sie oft nur mit einem Touristenvisum eingereist sind), große Sorgen darum, was in ihrer Heimat geschieht. Dabei berichten sie, dass oft die Telefonverbindungen abbrechen. Angehörige in Kuba hätten erzählt, dass im Grunde genommen auch die Überlandverbindungen per Busse eingestellt worden sind. Und dass zahlreiche Hotels in den kubanischen Urlaubsorten geschlossen wurden, meldeten auch russische Medien und Reiseveranstalter. Folglich werden die Einnahmen aus dem Tourismus in diesem Jahr erneut drastisch zurückgehen, nachdem sie bereits im vergangenen Jahr einen Einbruch von 20 Prozent erlebten.
Die gegenwärtige Situation auf Kuba erinnert viele gleichfalls an die sogenannte Período Especial (deutsch: „Sonderperiode“), die 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und damit mit dem Wegfall der ständigen umfangreichen sowjetischen Unterstützung auf der Insel begann und mehrere Jahre andauerte. Wartezeiten an Bushaltestellen in Havanna dauerten da mitunter mehrere Stunden an, um letztlich beispielsweise aus dem Stadtzentrum in die Wohnviertel am Stadtrand zu gelangen. Und vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Energiekrise wird mitunter auch darauf verwiesen, dass das AKW Juraguá bei Cienfuegos in Zentral-Kuba letztlich eine Investitionsruine geblieben ist. Die 1976 vereinbarte Errichtung des Kraftwerks mit zwei 440-Megawatt-Kernreaktoren war 1982 aufgenommen worden. Finanzielle und andere Schwierigkeiten führten aber zur Einstellung der Bauarbeiten 1992. Und im Jahr 2000 verabschiedete man sich vollkommen von diesem Vorhaben. Laut Experten-Meinungen ist es eigentlich nicht real, heutzutage dieses Projekt neu zu starten – sowohl aus Kostengründen als auch aufgrund des aktuellen Zustands der errichteten Bauten, die von Cienfuegos aus gut zu sehen sind.