In Israel hatte der Widerstand gegen die Versuche von Premierminister Benjamin Netanyahu zugenommen, als Direktor des Auslandsgeheimdienstes Mossad“ Roman Hoffman einzusetzen, seinen russischsprachigen Militärsekretär, der früher damit beauftragt worden war, mit Moskau die Kontakte hinsichtlich der Syrien-Frage zu unterhalten. Dem „russischen General“ hatte man des Versuchs bezichtigt, sich in den Prozess der Überprüfung seiner Kandidatur einzumischen, der aufgrund eines vier Jahre zurückliegenden Skandals mit einem angeblichen Agenten ins Rudern gekommen war. Nun ist es Netanyahu gelungen, seine Ernennung durchzusetzen, womit der eingangs erwähnte Widerstand vergebens war. Doch damals hatten hochrangige „Mossad“-Vertreter auch angekündigt, dass sie massenhaft zurücktreten würden – aus Protest.
Auf dem Weg des 49jährigen Roman Hoffman zur Einnahme des Postens des „Mossad“-Direktors hatten sich immer neue Hindernisse aufgetürmt. Der vom Premierminister bereits im April nominierte General hatte versucht, den Prozess der eigenen Überprüfung zu beeinflussen, womit sich gar das Oberste Gericht für Gerechtigkeit Israels befassen sollte, wie Quellen der Zeitung „Haaretz“ unter Berufung auf Quellen im Justizsystem des Landes behaupteten. Nach deren Aussagen hätte Hoffman Anstrengungen unternommen, um auf die israelischen Offiziere Druck auszuüben, die als Schlüsselzeugen im Rahmen einer Untersuchung auftreten, die einem vier Jahre zurückliegenden Skandal mit einem angeblichen Agenten gilt. Dies hätte, wie die Quellen des erwähnten Blattes betonten, eine ernsthafte Gefahr für den Prozess der Bestätigung für dieses Amt darstellen können.
Das Oberste Gericht studierte die Biografie von Hoffman vor dem Hintergrund von Petitionen seitens einer Reihe gesellschaftlicher Informationen, die gegen seine Ernennung als „Mossad“-Direktor eingereicht worden waren. Den Hauptanlass für die Untersuchungen lieferte die Geschichte mit dem Israeli Ori Elmakayes, den Hoffman vor mehr als vier Jahren Informationsoperationen in sozialen Netzwerken unter arabischen Usern angeworben hatte (The Times of Israel bezeichnete diese Operationen als „influence campaign“ – Anmerkung der Redaktion). Dem damals 17jährigen Teenager, der in den sozialen Netzwerken einen Kanal administrierte, seinen geheime Informationen „für eine psychologische Beeinflussung terroristischer Elemente“ zur Verfügung gestellt worden. Jedoch hatte der Allgemeine Sicherheitsdienst Israels (Shin Bet – Inlandsgeheimdienst), der nichts von der Anwerbung gewusst hatte, Elmakayes plötzlich festgenommen und ins Gefängnis gesteckt.
Hoffman geriet damals in eine interne dienstliche Überprüfung und erhielt lediglich eine Disziplinarstrafe im Zusammenhang mit dem Zwischenfall. Dabei erhielt er die Bestrafung dafür, dass er über seine angebliche Unwissenheit über die Operation gelogen hatte und nicht für die Entscheidung, den Teenager-Informanten seinem Schicksal zu überlassen. Israels Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara, die sich mit der Überprüfung des Generals befasste, war der Annahme, dass der hochrangige Militär eine Verhaftung behindern könne, sogar ungeachtet dessen, dass die Untersuchungen gegen Elmakayes an sich nach anderthalb Jahren floppten. Diesen Standpunkt vertrat auch der Hoffman-Vorgänger, der 13. „Mossad“-Direktor David Barnea, der öffentlich die Ernennung Hoffmans kritisierte.
Ein anderes Problem bestand darin, dass Hoffman als am meisten politisierter und unerfahrener Kandidat angesehen wurde, der je das Amt des „Mossad“-Direktors eingenommen hat. Im Auslandsgeheimdienst hatte daher die Opposition gegen den 49jährigen zugenommen, wie Quellen der Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ berichteten. „Er hat keinerlei Ämter bekleidet, die ihm Erfahrungen und Wissen gesichert hätten, die für die Leitung solch einer Behörde wie „Mossad“ nötig sind“, zitierte am 18. Mai das Blatt einer seiner Gesprächspartner im Auslandsaufklärungsdienst. „Wir befinden uns nicht in einer Zeit zwischen Kriegen, sondern gerade in einer Hochzeit eines Krieges. Und es gibt keinerlei Möglichkeit, ihm (Hoffman – „NG“) Zeit zum Lernen zu geben. Außerdem beherrscht Hoffman nicht perfekt die englische Sprache. Und er braucht einen Dolmetscher“.
Nach Aussagen der Quellen von „Yedioth Ahronoth“, die mit der Situation vertraut sind, könnten hochrangige Mitarbeiter von „Mossad“ aus Protest massenhaft den Geheimdienst verlassen. Aber solch ein Verhalten wäre kein neues, da solch eine Situation auch im Jahr 2021 beobachtet wurde, als Barnea das Amt des Direktors übernahm, der in den allerersten Monaten seiner Arbeit versuchte, den Aufklärungsdienst zu reformieren, um eine größere Automatisierung und einen hochtechnologischen Charakter der Tätigkeit zu erreichen. Und damals war es auch zu einer Reihe von Entlassungen auf eigenen Wunsch gekommen, die Ämter betrafen, die von Militärs im Range eines Generalmajors bekleidet wurden.
Netanyahu ließ sich aber nicht von der Absicht abbringen, Hoffman zum 14. „Mossad“-Chef zu machen, der ihm absolute Loyalität sichern soll. Zumal das israelische Gerichtssystem in seinen Augen der schlimmste Widersacher der Regierung sei. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass Netanyahu mehrfach versuchte, ihm breite Vollmachten zu entziehen.
Die Ernennung von Hoffman zum neuen „Mossad“-Chef, die am 2. Juni erfolgte, hat auch unmittelbare Bedeutung für Russland. Es ist üblich, die Auffassung zu vertreten, dass gerade der nunmehr ehemalige Militärsekretär Netanyahus für die Gespräche mit der russischen Führung zum Syrien-Dossier verantwortlich war. So begab sich zwei Monate nach dem Fall des Regimes von Baschar Assad Hoffman nach Moskau, um die weiteren bilateralen Kontakte im Sicherheitsbereich zu erörtern. Es sei daran erinnert, dass zwischen Russland und Israel lange Zeit eine Linie zur Überwindung von Konfliktsituationen in Bezug auf Syrien existierte. Und es bestanden Kontakte zur Situation im Süden Syriens.
Laut Angaben der „NG“ ist Hoffman ein Verfechter der in Israel verbreiteten Ansicht, dass sich gerade die Türkei unter Recep Tayyip Erdogan in eine der bedeutenden Bedrohungen für den jüdischen Staat verwandele. Ergo ist nicht gänzlich ausgeschlossen, dass ihn in Moskau die Frage nach der Bewahrung der russischen Militärstützpunkte in den Küstenprovinzen Syriens interessiert hatte, die von der israelischen Führung in den ersten Monaten nach dem Machtwechsel in Damaskus als ein effektives Gegengewicht zum Einfluss der Türkei – eines der entscheidenden Verbündeten der syrischen Übergangsregierung – angesehen wurden.
P. S.
Nach der Ernennung von Roman Hoffman zum 14. „Mossad“-Direktor haben die russischen Medien natürlich seine belorussische Herkunft hervorgehoben. Dieses historisch bedeutsame Ereignis für Israel, wie der Berater der Kanzlei des israelischen Premiers, Dmitri Gendelman betonte, markiert eine Zäsur, denn damit hat – so die russischen Medien — erstmals das höchste Amt in den Sicherheitsstrukturen Israels ein Vertreter der Repatrianten aus den Ländern der einstigen Sowjetunion erhalten.
Hoffman emigrierte 1990 mit seinen Eltern nach Israel, erhielt dort eine Ausbildung in einem Militärinternat in der Siedlung Eli im nördlichen Westjordanland in der historischen Region Samarien. Und seine Militärkarriere begann er als Panzersoldat. Den Rang eines Brigadegenerals erhielt er im Jahr 2019, als er die Reservedivision Ha-Baschan anführte. Im April 2024 ernannte Premierminister Benjamin Netanyahu Hoffman zu seinem Militärsekretär.