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Nawalnys Stab informierte über eine Einstellung der allwöchentlichen Meetings


Auf dem YouTube-Kanal „Nawalny Live“ hat der Koordinator der Stäbe des Oppositionellen, Leonid Wolkow, kein Datum für die nächste Aktion genannt. Anstelle dessen erläuterte er, dass der Protest auf dem höchsten Punkt bleiben müsse, der seiner Meinung bereits erreicht worden sei. Weiter gestand Wolkow ein, dass wahrscheinlich ein Rückgang eintreten werde. Und damit würden die Festnahmen und die Gummiknüppeleinsätze zu keinerlei politischer Wirkung führen.

 

Doch gerade jetzt würden sich die Nawalny-Anhänger in einer vorteilhaften moralischen Position im Vergleich zu den Herrschenden befinden, die nach Aussagen von Wolkow außer zu schlagen und zu verhaften schon nichts können. Und daher würden die Meetings natürlich fortgesetzt werden – große und zu ernsthaften Anlässen. Dies werde aber irgendwann im Frühjahr oder Sommer erfolgen. Während der Stream von Wolkow andauerte, überschüttete man ihn mit Fragen – warum verzichten wir auf Aktionen – und sogar mit Vorwürfen – der Stab Nawalnys würde den Protest auflaufen lassen.

 

Als Antwort sagte Wolkow, dass die Autoren der letzten Behauptungen überhaupt keine Bots seien. Möglicherweise seien dies einfach härter eingestellte Menschen. Er erläuterte, dass alle, die auf die Straße gehen wollen, können – und das Wichtigste – keine Angst haben, dies tun sollten und könnten. Obgleich sie dabei nichts Ungesetzliches verüben sollten, damit man die Tat eines Menschen nicht der gesamten Struktur anhänge. Wenn jedoch, wie Wolkow bemerkte, 300.000 auf die Straßen gehen würden und Millionen nur zugucken würden und nichts riskieren wollten, müsse man auch solchen Menschen etwas vorschlagen. Und ihnen werde eine Teilnahme am „Smart Voting“, an einer sogenannten „intelligenten Abstimmung“ vorgeschlagen. „Solch ein Plan ist mit Alexej abgestimmt worden. Dies ist gerade das, was er von uns erwartet“, erklärte Wolkow.

 

Somit werden, wie auch die „NG“ angenommen hatte, die berüchtigten DDoS-Attacken auf die Sonderhaftanstalten doch fortgesetzt werden (die führten u. a. dazu, dass in der Sonderhaftanstalt von Sacharowo bei Moskau nur etwa 40 bis 50 Teilnehmer der vergangenen Protestaktionen pro Tag aufgenommen werden konnten – Anmerkung der Redaktion), aber bereits nicht im Namen der Nawalny-Stäbe. Und wenn man noch genauer sein möchte, so wird es scheinbar auch weniger Festgenommene bei unterschiedlichen spontanen Aktionen – zum Beispiel zur Verteidigung früher Verhafteter – geben werden. Man kann aber durchaus gewiss annehmen, dass in den nächsten Tagen das Internet von Fotos, Videos und Berichten über den unmenschlichen Umgang des Regimes mit politischen Gegnern überflutet werden wird. Es bestehen keine Zweifel dahingehend, dass dieses Thema auch die ausländischen Medien aktiv aufgreifen werden.

 

Was aber den Kampf für die Freiheit von Nawalny angeht, so erläuterte Wolkow, dass sie keine baldige sein werde. Der Kampf werde nicht mehrere Monate und möglicherweise gar auch kein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Daher werde diesen Kampf, wie er erklärte, der Westen mittels Verhängung von Sanktionen führen, Sanktionen – seinen Worten zufolge – „gegen die Geldtaschen Putins“. Wolkow sagte geradeheraus, dass sich die Koordinierung solch einer Sanktionstätigkeit auf einer beispiellosen Höhe befinden würde. Und er versprach, dass alle bald ein Ergebnis zu den Listen von Figuren, die an die gegebenen Stellen übergeben worden seien, zu sehen bekommen würden.

 

Die Sache würde damit enden, prophezeite Wolkow, dass Putin selbst in die Zelle kommen, die Schlüssel übergeben und fragen würde, ob man sich irgendwie einigen könne. Nawalny würde sich natürlich nicht auf so etwas einlassen. Allem nach zu urteilen konnte die Übergabe von Material an den Westen für persönlichen Druck auf den Präsidenten und dessen unmittelbare Umgebung auch jener Hauptplan Nawalnys gewesen sein, mit dem er nach Russland zurückgekehrt war. Es ist sicherlich nicht notwendig, darüber zu sprechen, dass die ausländischen Sympathisierenden des Oppositionspolitikers ihn wahrscheinlich in jenen Hoffnungen trügen werden, von denen Wolkow so schön erzählte.

 

Derweil hat auch der Pressesekretär des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, den jüngsten Auftritt von Leonid Wolkow mit der Ankündigung einer zeitweiligen Einstellung der Protestaktionen kommentiert. Er konstatierte, dass das Ausbleiben von jeglichen ungesetzlichen Aktionen eine Norm und kein Anlass für das Verkünden deren Absage sein müsse. „Das Annoncieren irgendwelcher gesetzeswidriger Handlungen, das Ankündigen nichtlegitimer Aktionen korreliert an und für sich schon nicht mit dem Gesetz“, fügte Peskow hinzu. Und für die Nutzung außenpolitischer Methoden zur Befreiung Nawalnys durch dessen Anhänger fand der Pressesekretär Putins nur die Worte: „Das ist eine vollkommene Demonstration des Status eines ausländischen Agenten. Da werden sogar keinerlei Erläuterungen gebraucht“.