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Netanjahu hat den Patriarchen nachgegeben


Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat am 30. März den Katholiken erlaubt, die Gottesdienste der Passionswoche (vom 30. März bis einschließlich 4. April) und die Osterliturgie (in der Nacht zum 5. April) in der Grabeskirche in Jerusalem zu zelebrieren. Die Entscheidung wurde nach dem Zwischenfall mit dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den die Polizei Israels nicht in die Kirche gelassen hatte, getroffen. Später gab die Behörde bekannt, dass alle für die Christen wichtigen Feierlichkeiten in der Altstadt von Jerusalem stattfinden werden, aber in einem „eingeschränkten Format“.

Im Zusammenhang mit der schwierigen Sicherheitslage im Rahmen der Operation „Löwengebrüll“ werden die Zeremonien einschließlich die des Heiligen Lichts (die vom orthodoxen Patriarchen von Jerusalem in der Heilig-Grab-Ädikula zelebriert wird, wobei er um die göttliche Segnung des Heiligen Feuers (eigentlich: Heiligen Lichts) betet und nach einigen Minuten mit zwei entzündeten Kerzenbündeln zu je 33 Kerzen zu den versammelten Gläubigen kommt, um die Flamme zu verteilen – Anmerkung der Redaktion) in einem symbolischen, in einem begrenzten Format durchgeführt. Solch eine Koordination garantiert eine Wahrung der Glaubensfreiheit neben unserer gemeinsamen erstrangigen Pflicht, den Schutz von Menschenleben. In den vergangenen Wochen stürzten iranische Raketen und deren Trümmer in der Altstadt herunter. Diese Maßnahmen zur Rettung von Leben sind eine direkte Reaktion auf die reale und unmittelbare Gefahr für die Gläubigen“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei von Israel.

Die Erklärung folgte, nachdem Polizeikräfte dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den Zugang zur Grabeskirche am Palmsonntag (dem Tag des Einzug Jesu in Jerusalem) – dem Kirchenfeiertag, der an das evangelische Ereignis erinnert, verwehrt hatte. Laut Überlieferungen war an diesem Tag, eine Woche vor seinen Leiden und dem Tod am Kreuz Jesus Christus auf einem Esel reitend feierlich in die Stadt eingezogen. Der Zwischenfall mit dem lateinischen Patriarchen löste einen internationalen Skandal aus.

In der Kanzlei Netanjahus hatte man anfangs erklärt, dass die Entscheidung von Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen für die Anzahl der Menschen im Gebäude bestimmt worden war. Nachdem jedoch Italiens Außenministerium Israels Botschafter zwecks Erklärungen einbestellt und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Vorfall „als eine Beleidigung nicht nur für die Gläubigen, sondern für jede Gemeinschaft, die die Religionsfreiheit anerkennt“, bezeichnet hatte, erkannte Netanjahu die Situation als einen „Fehler“ an und forderte, für den Patriarchen einen freien Zugang zu der heiligen Stätte zu gewährleisten und den Katholiken zu erlauben, Gottesdienste in der Kirche zu feiern.

Die Polizei Iraels, die sich im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für nationale Sicherheit befindet und Itamar Ben-Gvir, dem Anführer der extrem rechte Partei „Otzma Yehudit“ („Stärke für Israel“), untersteht, hat dennoch aber die Forderungen von Netanjahu korrigiert. Die Katholiken feiern Ostern am 5. April, die orthodoxen Christen eine Woche später, am 12. April. Dabei wird man weder Pilger noch Touristen in die Altstadt von Jerusalem lassen. Die Feiern werden in einem kleinen Kreis, von den in der Kirche lebenden Ordensleuten gefeiert.

Die Erwähnung der Zeremonie des Entzündens des Heiligen Lichts in der Erklärung der Behörde ist gleichfalls keine zufällige. Ihr Zelebrieren in der Grabeskirche am Vorabend des orthodoxen Osterfestes vereint seit Ende der 1990er Jahre beinahe mehr Pilger und Touristen als die Ostergottesdienstes. Zu der Zeremonie reisen bereits seit einigen Jahrzehnten Delegationen aus verschiedenen Staaten an und bringen entsprechende Laternen in ihre Länder heim. Diese Tradition war nicht einmal in den Pandemie-Jahren unterbrochen worden, als man ebenfalls niemanden in die Kirche gelassen, jedoch das Heilige Licht zum Flughafen Ben Gurion gebracht hatte, von wo aus es die Vertreter der orthodoxen Kirche mitnahmen.

In diesem Jahr wurde die Grabeskirche am 28. Februar für einen Besuch aufgrund des Raketenbeschusses seitens des Irans geschlossen, was Besorgnis der meisten christlich-orthodoxen Gläubigen auslöste.

Das Patriarchat von Jerusalem versicherte, dass die Zeremonie am 11. April selbst bei einer vollständigen Abwesenheit von Pilgern erfolgen werde. Gegenwärtig erörtert man in der Regierung Israels zusammen mit dem Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III., mehrere Szenarios für eine Übergabe des Heiligen Lichts. Laut einem von ihnen würden die Laternen mit dem Heiligen Feuer auf dem Landweg bis zur Grenze mit Jordanien gebracht werden, von wo aus die Delegationen sie mitnehmen und in ihre Länder bringen können. Diskutiert werden auch andere Routen: Das Heilige Feuer könnte man mit einem Hubschrauber oder einem Privatflugzeug aus Jerusalem bis zum nächsten offenen Flughafen bringen und dort an die Delegationen übergeben.

Hinzugefügt sei gleichfalls, dass in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale die Oster-Festgottesdienste über 20 Jahre lang mit dem Entzünden von Kerzen von dem gerade aus der Grabeskirche gebrachten Heiligen Feuers begannen. Das einzige Mal, dass der Festgottesdienst ohne das Heiligtum begann, war im Jahr 2023. Damals waren die Laternen erst zum Ende der nächtlichen Festliturgie aufgrund der Verspätung des Fluges aus Israel ins Moskauer Stadtzentrum gebracht worden.