Duschanbe und Peking beginnen die Realisierung des zweiten Teils eines großen Projekts zum Bau von Grenzposten an der tadschikisch-afghanischen Grenze. Neun neue schlüsselfertige Objekte werden an der Grenze der zwei Länder dank chinesischer Zuschüsse, deren Umfang 60 Millionen Dollar erreicht, entstehen. Die tadschikische Seite befreit das Vorhaben von Steuern und Gebühren. Die großangelegten Investitionen sind nicht einfach eine humanitäre Geste, sondern geopolitische Berechnung: Mit der Verstärkung des Pamirs verteidigt Peking seine logistischen Ambitionen in Berg-Badachschan und schafft einen Sicherheitsgürtel für Megaprojekte, die die Region mit den internationalen Märkten verbinden.
Die Befestigung der südlichen Grenzen Tadschikistans tritt in eine aktive Phase ein. Duschanbe und Peking beginnen die Realisierung des zweiten Teils eines Militärabkommens. Im Unterhaus des tadschikischen Parlaments stellte der 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatskomitees für nationale Sicherheit der Republik Tadschikistan, Murodali Radschabsoda, das neue Projekt vor, informierte das Nachrichtenportal „Asia-Plus“.
Der Preis der Frage – beinahe 60 Millionen Dollar, die Peking in Form einer unentgeltlichen Hilfe zur Verfügung stellt. Laut offiziellen Angaben macht die Gesamtfläche der Bebauung über 17.000 Quadratmeter aus. Wie Radschabsoda erläuterte, übernehme die tadschikische Seite im Rahmen des Abkommens Pflichten zur Freistellung des Projekts von Steuern, Zollgebühren und anderen obligatorischen Zahlungen.
Besonderes Interesse löst die komplexe Herangehensweise an die Realisierung aus: China errichtet nicht einfach Gebäude, sondern schafft vollwertige autonome kleine Städte. Neben Kasernen und Verwaltungsgebäuden sind der Bau von Straßen und ein Anschluss an alle lebenswichtigen ingenieurtechnischen Netze vorgesehen. Chinesische Ingenieure statten die Objekte mit Fernmelde- und Computersystemen aus, richten aber auch die Wohn- und Arbeitsbereiche mit Möbeln ein.
Ungeachtet dessen, dass die Standorte der künftigen Grenzposten geheimgehalten werden, ist die rechtliche Grundlage für das Projekt bereits vollkommen fertig: Gegenseitige Schreiben sind in allen zuständigen Institutionen Tadschikistans und Chinas abgestimmt worden, worüber das Mitglied des Ausschusses für Rechtsordnung, Verteidigung und Sicherheit des Unterhauses des Parlaments, Bachriddin Sijoji, informierte. Zur letzten Etappe würden nach seinen Worten die internen Regelwerke der Volksrepublik China werden, wonach die direkte Finanzierung der Arbeit beginnen werde.
Der Abgeordnete betonte, dass die Austauschschreiben durch die Regierung Tadschikistans bereits im November 2025 bestätigt, an das Parlament weitergeleitet und mit anderen Ministerien und Institutionen abgestimmt worden seien. Jedoch sei der Grund, weshalb die chinesische Seite die Unterzeichnung verschleppe, unbekannt. „Diese Schreiben durchliefen eine Antikorruptionsexpertise. Und in ihnen sind keine Faktoren festgestellt worden, die Bedingungen für Korruption schaffen“, unterstrich Sijoji.
Experten sind der Auffassung, dass die Parlamentarier Fragen der Gewährleistung der Sicherheit der chinesischen Spezialisten und der Investitionsvorhaben durcharbeiten müssten. China stecke nicht zufällig Millionen Dollar in die Befestigung der tadschikisch-afghanischen Grenze. Tadschikistan ist einer der Schlüsselpunkte, an dem die Situation direkt die nationale Sicherheit Chinas berührt und die Realisierung der Initiative „Ein Gürtel, eine Straße“ (bekannt auch als „Neue Seidenstraße“ — Anmerkung der Redaktion) beeinflusst. Und das tadschikische Berg-Badachschan ist ein direkter Weg in das chinesische Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang mit allen sich für die Sicherheit der Volksrepublik China ergebenden Konsequenzen. Daher vereinbarte Peking mit Duschanbe einen gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus.
Das erste tadschikisch-chinesische Abkommen, dem gemäß sich die Offiziellen der Volksrepublik China verpflichtet hatten, den Bau von elf tadschikischen Grenzposten unterschiedlicher Größe und eines Ausbildungszentrums für tadschikische Grenzer zu finanzieren, war bereits im Jahr 2016 unterzeichnet worden. Zusätzlich erhielt Peking die Rechte für die Rekonstruktion oder den Bau von bis zu 30 bis 40 Wachposten auf der tadschikischen Seite der Landesgrenze mit Afghanistan. Damals wurde auch durch die chinesische Seite das erste Militärobjekt im Gebiet von Murgab an der Schnittstelle der Grenzen Chinas, Tadschikistans und Afghanistans errichtet. Diese Objekte auszustatten und zu unterhalten, hatte sich China verpflichtet. Den Dienst in ihnen nehmen Militärs aus Tadschikistan vor. China errichtete gleichfalls in Duschanbe ein Haus der Offiziere und vereinbarte mit Tadschikistan die Durchführung gemeinsamer Antiterror-Übungen einmal in zwei Jahren. Die ersten Militärmanöver der tadschikischen Armee mit Militärs aus China fanden am 5. August 2019 in Berg-Badachschan statt.
Im Jahr 2021 wurde ein neues Abkommen über den Bau eines Militärstützpunktes in der Ortschaft Wachan des Verwaltungskreises Ischkaschim im Autonomen Verwaltungsgebiet Berg-Badachschan zwischen dem Innenministerium Tadschikistans und dem Ministerium für öffentliche Sicherheit der Volksrepublik China unterzeichnet. Später jedoch distanzierte sich das Innenministerium von den Plänen für den Bau eines Militärstützpunktes, wobei es dies als eine „Erfindung von Journalisten“ bezeichnete. Obgleich, wie der Abgeordnete des Unterhauses des Landesparlaments und 1. Stellvertreter der Rechtsschutzorgane Tadschikistans, Abdurachmon Alamschosoda, sagte, „wird der Stützpunkt mit einem Wert von rund 8,9 Millionen Dollar für eine schnelle Eingreifgruppe der Verwaltung für die Bekämpfung organisierter Kriminalität des Innenministeriums von Tadschikistan bestimmt sein“.
Wahrscheinlich werden neue Vorposten im Pamir entstehen. Gerade im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan bleibt die Grenze mit Afghanistan ein „entblößter Nerv“ der regionalen Sicherheit. Es sei daran erinnert, dass die Zuspitzung der Lage im Grenzgebiet im November zu einer Tragödie geführt hatte. Der Tod und die Verwundung chinesischer Spezialisten zwangen Peking, außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen. Die umfangreichen Bauarbeiten wurden unterbrochen, und die Spezialisten und Arbeiter sind in die Heimat gebracht worden.
Zum Haupt-„Opfer“ der Instabilität wurde der Transportkorridor Qalai-Khumb-Vanj, der für die Verbindung des Autonomen Gebiets Berg-Badachschan mit dem Verwaltungszentrum Ruschan und das Erreichen der Grenze ist und bereits den vierten Monat unterbrochen ist. Chinas Außenministeriums ist unbeugsam: Eine Wiederaufnahme der Arbeiten sei nur nach Schaffung eines garantierten „Sicherheitsgürtels“ möglich.
Ungeachtet der lokalen Schwierigkeiten bleibt China das wichtigste wirtschaftliche Geberland für Duschanbe. Im Verlauf von zehn Jahren hat Peking die kolossale Summe von 3,8 Milliarden Dollar in die tadschikische Wirtschaft gesteckt. Und die Anzahl der Gemeinschaftsunternehmen hat die Marke von 500 überschritten. Jedoch steht die Schuldenfrage extrem akut: Auf den Anteil der Volksrepublik China entfallen rund 60 Prozent aller Verbindlichkeiten Tadschikistans. Um die Partner nicht in die Sackgasse einer Schuldengrube zu führen, ändert Peking die Taktik. Anstelle neuer Darlehen werden immer häufiger kostenfreie Zuschüsse angeboten, solche wie für das gegenwärtige Vorhaben zum Bau von Grenzposten.
Das Interesse der chinesischen Militärs für Berg-Badachschan ist nicht nur mit Sicherheitsfragen zu erklären, sondern auch mit der Schaffung einer neuen Transportarterie durch den Wachan-Hochgebirgskorridor. Die Arbeiten am afghanischen Abschnitt der Grenze mit China sind bereits in eine aktive Phase getreten. Der offizielle Sprecher des Anführers der Taliban, Zabiullah Mudschahid, bestätigte, dass Straßenbaubrigaden vorrücken würden. Das Schicksal der Route als ein vollwertiger Handelsweg bleibe jedoch in den Händen der chinesischen Seite. In Kabul gesteht man ein: Das Bautempo beeindrucke. Doch ohne ein grünes Licht aus Peking bleibe das Transitpotenzial der Hochgebirgsregion ein nicht realisiertes. Laut Angaben der Internetseite www.afghanistan.ru würden die Seiten weiterhin schwierige Verhandlungen über eine offizielle Öffnung der Grenze für kommerzielle Frachtgüter führen. Für Afghanistan ist dieses Projekt ein Schlüsselelement der Wirtschaftspolitik. Die Schaffung eines direkten Zugangs nach China wird dem Land erlauben, aus der Transportisolation herauszukommen und lange erwartete ausländische Investitionen zu gewinnen.
Die Grenze mit Afghanistan mit einer Länge von 1344 Kilometern bewacht Tadschikistan seit dem Jahr 2004 mit eigenen Kräften (mit Unterstützung russischer Berater). Die Haupthilfe bei der Befestigung der Grenze kommt über die Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit. Im Jahr 2024 startete ein großes Programm für Lieferungen von Technik und Waffen. Zusätzliche Unterstützung bei der Gewährleistung der Sicherheit der Grenze leisten die USA, die Volksrepublik China und die EU.