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Rachmon hat Tadschikistan Strom in zwei Jahren versprochen


Tadschikistan werde im Jahr 2027 vollkommen die Limitierung für den Stromverbrauch vergessen, erklärte Präsident Emomali Rachmon bei einem Auftritt im Landesparlament am 16. Dezember. Laut seinen Worten werde bis zu dieser Zeit das dritte Aggregat des Rogun-Wasserkraftwerks in Betrieb genommen und bis zum September 2027 die Energie-Unabhängigkeit gewährleistet sein. Die Offiziellen ergreifen auch andere Maßnahmen zur Versorgung des Landes mit Elektroenergie. Geplant ist ein Beitritt Tadschikistans zum Vereinten Energiesystem (VES) Zentralasiens im ersten Quartal des gerade begonnenen neuen Jahres. Um mit dem aktuellen Mangel an Elektroenergie fertig zu werden, hat Tadschikistan begonnen, kurzfristige Lieferungen aus Usbekistan zu erhalten.

Tadschikistan setzt auf die Stromerzeugung mittels Wasserkraftwerke, wobei die Bauarbeiten für das Rogun-Wasserkraftwerk fortgesetzt werden. Erst zwei Turbinen von sechs sind in Betrieb, was etwa 25 Prozent der projektierten Leistung ausmacht.

Der Mangel an Finanzen verlangsamt die Bauarbeiten, die Fristen für deren Abschluss sind mehrfach verschoben worden. Geplant ist, das dritte Aggregat bis Ende des Jahres 2027 in Betrieb zu nehmen. „Wir haben schwere Zeiten durchgemacht, der Winter des Jahres 2026 wird leichter werden, und ab 2027 werden wir die Probleme mit der Elektroenergie vergessen“, sagte das Staatsoberhaupt. Laut seinen Worten seien gegenwärtig auf der Baustelle des Rogun-Wasserkraftwerks 18.600 Arbeiter und Fachkräfte im Einsatz, realisiert seien mehr als 60 Prozent der Bauarbeiten.

„Die größten und aufwendigsten Arbeiten sind erfolgreich abgeschlossen worden“, betonte er, wobei er unterstrich, dass für die Fortsetzung der Bauarbeiten im Jahr 2025 neun Milliarden Somoni (umgerechnet etwa 831,5 Millionen Euro) aus dem Staatshaushalt bereitgestellt wurden.

Vorerst aber hat Tadschikistan begonnen, Elektroenergie aus Usbekistan zu erhalten, täglich im Umfang von bis zu 2 Millionen kWh mit der Perspektive einer Erhöhung dieser Mengen entsprechend der Erweiterung der Möglichkeiten der usbekischen Seite. Dies teilte man dem Nachrichtenportal „Asia Plus“ im Ministerium für Energiewirtschaft und Wasserressourcen des Landes mit. Im Ministerium hatte man gleichfalls betont, dass auf der Ebene der Energieminister Vorabvereinbarungen in Bezug auf Stromlieferungen aus Kasachstan und Turkmenistan erzielt worden seien. Gegenwärtig wird an der Lösung der technischen Fragen gearbeitet, die mit den Lieferungen aus diesen Ländern zusammenhängen.

Jedoch bleibt die Hauptherausforderung für Tadschikistan der eingeschränkte Zugang zu äußeren Energiemärkten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erfolgt dieser ausschließlich im Südwesten des Landes über das Energiesystem Usbekistans dank der strategischen 500-kV-Überlandleitung Regar-Guzar. Dieser Umstand diktiert die Notwendigkeit einer sorgfältigen Koordinierung und Abstimmung von Fragen für einen Transit turkmenischen und kasachischen Stroms unter Berücksichtigung der Übertragungsleistung der usbekischen Stromnetze.

Wie man im Energieministerium mitteilte, werde eine vollwertige parallele Arbeit des tadschikischen Energiesystems im Rahmen des Vereinten Energiesystems Zentralasiens, das erlauben wird, automatisch derartige Schwierigkeiten zu beseitigen, erst organisiert werden, nachdem die nördlichen Stromleitungen der Republik in den regionalen Energiering integriert worden sind.

Duschanbe hatte bereits im letzten Sommer angefangen, sich über Stromlieferungen zu einigen, da die Republik alljährlich im Herbst-Winter-Periode, ab Oktober bis einschließlich April, einen Strommangel erlebt. Und 98 Prozent des Stroms wird durch Wasserkraftwerke erzeugt. Im vergangenen Jahr hat die Strom-Krise bereits Ende September begonnen. Während die Städter acht Stunden am Tag Elektroenergie erhielten, erhält die Bevölkerung in den abgelegenen Regionen des Landes ganze zwei bis vier Stunden am Tag Strom, was die Lebensqualität und die Wirtschaftsaktivitäten wesentlich beeinflusst.

Bei Verhandlungen der Energieminister Tadschikistans und Usbekistans, Daler Dschuma und Schurabek Mirsamachmudow, in der usbekischen Stadt Guliston ging es über einen Ex- und Import von Elektroenergie in der Herbst-Winter-Periode 2025/2026. Besonderes Augenmerk schenkten die Energieminister den technischen Problemen des Projekts „Wiederaufnahme der Arbeit des Vereinten Energiesystems Zentralasiens“. Sie gestanden ein, dass man dafür den gemeinsamen Energiering für die Länder Zentralasiens unter Hinzuziehung Russlands aufs Neue aktivieren müsse, worüber schon mehr als ein Jahr gesprochen wird.

Im tadschikischen Energieministerium erläuterte man, dass der Prozess der Schaffung des VES ein paralleles Arbeiten voraussetze, dessen entscheidende Besonderheit die Vereinigung der gesamten stromerzeugenden Kapazitäten der Region – etwa 90 Kraftwerke – zu einem Gesamtnetz ist. Alle Verbraucher werden Zugang zu einem gemeinsamen Energie-Pool erhalten. Dies bedeutet, dass jeder unabhängig von seiner geografischen Lage die notwendige Menge an Elektroenergie aus diesem gemeinsamen Netzwerk erhalten kann. Die Leitung und Kontrolle des VES werden zentralisiert aus einem in Taschkent angesiedelten Dispatcher-Zentrum vorgenommen. Gerade dieses Zentrum koordiniert die Verteilung des Stroms zwischen den Ländern.

Im Falle des Auftretens eines Mangels an Elektroenergie ist die einzige Form einer Stabilisierung des Systems die zeitweilige Abschaltung eines Teils der Verbraucher. Dabei wird der Zugang zum gesamten Pool für jene eingeschränkt, die nicht zur Kategorie der erstrangigen wichtigen Verbraucher gehören. Die Entscheidung dazu, welche Verbraucher konkret abgeschaltet werden, wird eigenständig durch die Teilnehmerländer getroffen.

Vorgesehen ist auch eine Haftung bei Verstößen. Jedes zum VES gehörende Land wird ein festgelegtes Limit für ein Abzapfen von Elektroenergie haben. Im Falle einer Überschreitung der festgelegten Obergrenzen oder Vornahme eines nichtsanktionierten Abzapfens von Strom wird dies als ein ernsthafter Verstoß angesehen. Solche Handlungen können zum Auftreten von Havarie-Situationen und als Folge zu großen Störungen in der Arbeit des gesamten Systems aufgrund des Wirkens eines Domino-Effekts führen.

Früher hatten sich über einen gegenseitigen Austausch von Strom und Wasserressourcen Kasachstan, Usbekistan und Kirgisienaustausch geeinigt. Gemäß einem im vergangenen November unterzeichneten Protokoll liefern Kasachstan und Usbekistan im Winter Strom nach Kirgisien, damit Bischkek die Stromerzeugung der Wasserkraftwerke im Winter reduzieren und Wasser im Toktogul-Stausee aufstauen kann. Und im Sommer wird Kirgisien Wasser für eine Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen an diese beiden Länder abgeben. Dies wird die Probleme der Energiesicherheit und des Wassermangels in der Region lösen.

Damit aber das VES zu arbeiten beginnt, müssen sich die Seiten über eine Modernisierung der Übertragungskapazitäten in Kasachstan und möglicherweise auch in Usbekistan einigen.

Es sei daran erinnert, dass das vereinte Energiesystem Zentralasiens (oder der Energiering) zu Sowjetzeiten, zu Beginn der 1960er Jahre geschaffen wurde. Dieses vereinte System vereinigte Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan und fünf Verwaltungsgebiete im Süden Kasachstans. Das in Taschkent gelegene koordinierende Zentrum regulierte das system ab den 1970er Jahren, wobei es half, die saisonbedingten Veränderungen der Nachfrage nach Elektroenergie und Wasser für eine Bewässerung auszugleichen.

Als erster hatte im Jahr 2003 Turkmenistan den Energiering verlassen, das seinen Markt im Iran gefunden hatte. Usbekistan folgte diesem Beispiel im Jahr 2009 und danach auch Tadschikistan. Seit 2019 haben die Länder Zentralasiens wieder begonnen, über die Notwendigkeit zu sprechen, den Energiering aufs Neue zu aktivieren. Die Initiative von Usbekistans Präsidenten Schawkat Mirsijojew erhielt Unterstützung seitens der Region. Der Grund dafür ist offensichtlich. Die Länder Zentralasiens sind zu der Schlussfolgerung gekommen, dass sie im Alleingang nicht in der Lage sind, ihre Energiesicherheit und Wasserversorgung für die Landwirtschaft zu gewährleisten.

Im VES wartet man auch auf Russland, das zu einem Stromlieferanten für die Länder der Region werden könnte. Wie Alexander Worobjow, Leiter des Zentrums für gesellschaftliche Diplomatie und Analyse der Weltpolitik sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, meint, sei die Absicht Russlands, sich dem zentralasiatischen Energiering anzuschließen, durchaus logisch. „Erstens sucht Russland unter den Bedingungen eines Rückgangs des Absatzes von Elektroenergie in der westlichen Richtung aktiv nach neuen Märkten für seine Energiewirtschaft. Zentralasien wird zu einer Schlüsselrichtung sowohl für Stromlieferungen als auch für den Export von Kohlenwasserstoffen. Zweitens verspürt die Region einen Mangel an Elektroenergie. Dies schafft gegenseitig vorteilhafte Bedingungen für eine Zusammenarbeit. Russland als ein Lieferant und die Staaten Zentralasiens als Verbraucher haben gemeinsame Interessen. Die Länder, solche wie Usbekistan und Kasachstan, können durch diese Partnerschaft erheblich gewinnen“, betonte Alexander Worobjow in einem Gespräch mit der „NG“.