Afghanistans Botschafter in Moskau, Mawlawi Gul Hassan, hat das mögliche Auftauchen afghanischer Arbeitsmigranten in Russland annonciert. Nach Aussagen des Leiters der diplomatischen Mission der Taliban verfüge sein Land über eine große Anzahl junger arbeitsfähiger Menschen, die beinahe schon morgen zum Arbeiten in die Russische Föderation kommen könnten. Die Erklärung von Mawlawi Gul Hassan löste eine widersprüchliche Reaktion in der russischen Gesellschaft aus: Die Bürger befürchten, dass in Gestalt von Arbeitsmigranten aus dem Taliban- „Emirat“ Terroristen und Drogenhändler in unserem Land auftauchen werden.
Das heutige Afghanistan ist wirklich ein sehr junges Land. Laut unterschiedlichen Schätzungen machen die Menschen im Alter von bis zu 30 Jahren 70 bis 80 Prozent seiner Bevölkerung aus. Und in Afghanistan haben die jungen Menschen praktisch keine Zukunft. Nach dem Machtantritt der Taliban-Bewegung im August 2021 haben sich in Afghanistan alle sozialen und wirtschaftlichen Hauptprobleme zugespitzt. In einer extremen Armut und einem Elend leben bis zu 90 Prozent der Afghanen. Die Wirtschaft und der Sozialbereich degradieren ganz bestimmt aufgrund des Ausbleibens von Investitionen. Arbeitslosigkeit, die Inflation, das Ansteigen der Preise sowie das Fehlen von Perspektiven in der Heimat veranlassen die Bürger des Landes, nach den unterschiedlichsten Formen für eine Flucht ins Ausland zu suchen. Für die Möglichkeit, Afghanistan zu verlassen, geben viele Afghanen heute nicht nur die letzten Ersparnisse, sondern verkaufen auch nicht selten ihre Nieren und sogar die eigenen Kinder.
Die sozial-ökonomische Hoffnungslosigkeit wird durch die absolute Gleichgültigkeit der Taliban-Behörden gegenüber den Bedürfnissen der faktisch von ihnen als Geisel genommenen fast 40 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung Afghanistans verstärkt. Vertreter des Regimes der „blindwütigen Mullahs“ haben mehrfach öffentlich erklärt, dass sie niemandem ein gutes Leben im Sinne eine würdigen Verdienstes, einer würdigen Arbeit und von Perspektiven für die Zukunft versprochen hätten. Hinreichend sei dies, dass im Land auf den Scharia-Prinzipien angeblich ein ideales „islamisches System“ errichtet worden sei, das an und für sich als ein großes Glück für die Afghanen angesehen werden müsse. Wer damit nicht einverstanden ist, ist verpflichtet, entweder angesichts der Gefahr von Bestrafungen zu schweigen oder nach Wegen für eine Flucht aus dem Scharia-Paradies zu suchen.
Bürger Afghanistans fliehen in die unterschiedlichsten Länder. Bis vor kurzem waren dies vor allem Pakistan und der Iran. Jedoch haben vor nicht allzu langer Zeit deren Behörden entschieden, aus verschiedenen Gründen einen großen Teil der afghanischen Einwanderer in die Heimat zu deportieren. Mehrere Millionen Menschen waren gezwungen, nach Afghanistan zurückzukehren, wo es für sie weder Arbeit noch normalen Wohnraum und eine reale Unterstützung seitens des „islamischen Systems“ der Taliban gibt.
In anderen Ländern wartet man heute nicht auf Auswanderer aus Afghanistan. In Europa ist das Einwanderer-Kontingent durch Flüchtlinge aus der Ukraine und aus dem Nahen Osten überschritten worden. Mit dem Machtantritt von Donald Trump errichtet Amerika immer mehr unüberwindliche Hürden auf dem Weg der Migranten. Ein gewisser Teil der Afghanen versucht, in die Staaten des Persischen Golfs und in die Republiken Zentralasiens zu gelangen. Dies ist aber unzureichend. Diese Länder können nicht Millionen von Bürgern Afghanistans zu sich lassen, da sie selbst oft einen Überschuss an Arbeitskräfteressourcen haben.
Die Taliban sind ernsthaft aufgrund des Problems der „Verwertung“ der afghanischen Jugend beunruhigt, der sie keine vielversprechende Zukunft bieten können. Die „blindwütigen Mullahs“, die nicht in der Lage sind, notwendige Arbeitsplätze zu schaffen und ein minimales Niveau für ein relativ akzeptables Leben zu sichern, suchen nach Formen, um auf andere Länder die Verantwortung für die Lösung der sozial-ökonomischen Probleme der Bürger Afghanistans abzuwälzen. Unter anderem auf Russland, dass laut verschiedenen Schätzungen mindestens 10 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte für unterschiedliche Bereiche der nationalen Wirtschaft braucht.
Von daher auch die jüngsten Erklärungen des Taliban-Botschafters über die Bereitschaft, junge afghanische Gastarbeiter in die russischen Regionen zu entsenden, um auf Moskau die Notwendigkeit, sich um sie und um deren Familien zu sorgen, abzuschieben. Denn, wenn man die überschüssigen afghanischen jungen Menschen, die nicht in die bewaffneten Taliban-Formationen und Projekte einbezogen worden sind, nicht unter jeglichem beliebigen Vorwand aus Afghanistan entfernt, können sich die zur Verzweiflung getriebenen jungen Menschen früher oder später oppositionellen Gruppen anschließen. Oder was schlimmer ist – der rasant an Stärke gewinnenden afghanischen Filiale des „Islamischen Staates“ (IS, eine terroristische Organisation, die in der Russischen Föderation verboten ist), was für das „islamische System“ der Taliban große Unannehmlichkeiten verheißt.
Möglicherweise ist irgendwer in Moskau einverstanden, den Taliban zu helfen, ihr Regime zu retten, indem man das Problem der Arbeitsbeschaffung für junge afghanische Männer und deren Rettung vor dem Hungertod Russlands Bürgern aufbürdet. Aber hier gibt es ein wichtiges Problem, dass berücksichtigt werden muss, um nicht das Geschehen noch eines Unglücks in der Russischen Föderation in der Art des Terroraktes im Konzerthaus „Crocus City Hall“ zuzulassen. Der Überfall auf das Konzerthaus wurde, woran erinnert sei, am 22. März 2024 durch Anhänger der afghanischen Filiale des IS verübt. Die Sache ist die, dass die Taliban-Behörden in den letzten vier Jahren einer unbestimmt großen Anzahl unterschiedlichster Personen die Staatsbürgerschaft Afghanistans gewährten. Darunter Kämpfern, die in Pakistan, Syrien und im Irak gekämpft hatten und später ins Taliban-Emirat gekommen sind. Unter diesen Kämpfern sind mindestens mehrere Hundert operative Kräfte, Rekrutierer und Propagandisten von in der Russischen Föderation verbotenen terroristischen Organisationen: Al Kaida, Hay’at Tahrir al-Sham, die pakistanische Taliban-Bewegung, uigurische Jihadisten-Gruppen und schließlich eben jener IS. Formell sind sie alle jetzt Staatsbürger Afghanistans und können in der Perspektive als Arbeitsmigranten nach Russland kommen. Die russischen Behörden haben keine praktischen Möglichkeiten für eine reale Überprüfung und Ermittlung dieser Personen. Einem Ehrenwort und Garantien der Taliban zu vertrauen, können in solchen Fällen nur vollkommen naive Menschen.
Derweil sind laut einem Bericht der Pass-Verwaltung der Taliban-Regierung in Kabul und in den Provinzen Afghanistan seit Beginn dieses Jahres über 787.000 Pässe ausgestellt worden Ausgestellt werden sie nur für jene, die ins Ausland gehen wollen. Diese Zahlen belegen, wie viele Einwohner Afghanistans aus dem Taliban-„Paradies“ fliehen wollen.
Die Gefahr, dass als afghanische Arbeitsmigranten und mit afghanischen Pässen Rekrutierer, Aufklärer und Kamikaze-Terroristen radikaler Jihadisten-Gruppierung in die Russische Föderation gelangen, ist heute mehr als eine reale. Wie auch die Ausdehnung neuer krimineller Netzwerke für Drogenlieferungen und einen Transit illegaler Migranten aus Afghanistan und der Region Süd- und Zentralasiens auf die russischen Städte. Die reale armen Afghanen aber, die auf eine letzte glückliche Chance hoffen, um aus der Hoffnungslosigkeit des Taliban-Konzentrationslagers herauszukommen, erweisen sich fast unweigerlich lediglich als „Legenden zur Tarnung“ für unterschiedliche terroristischen Vorhaben, die heute auf dem Territorium Afghanistans organisiert werden. Und sie werden auch als erste leiden, wenn sich – Gott bewahre — eine Unglücksfall in irgendeiner russischen Stadt ereignet.