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Russland bereitet eine Revision seiner Strategie in der Arktis vor


Die gegenwärtige Arktis-Strategie Russlands wurde zwei Jahre vor Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine bestätigt und sah eine Zusammenarbeit mit allen Arktis-Staaten vor, die sich heute im unfreundlichen Lager (aus der Sicht Russlands) wiedergefunden haben. Heutzutage ist die Russische Föderation bereit, die Zahl der aktiv in der Arktis agierenden Staaten durch neutrale Länder zu erweitern. Die russische Regierung plant, Vorschläge für eine neue Arktis-Strategie nach dem 20. Mai 2025 zu beurteilen. Ein Internationales Arktisforum ist für Ende März in Murmansk geplant. Die russischen Offiziellen verändern aktiv die im Jahr 2020 bestätigte Strategie für die Entwicklung der Arktis, die bis zum Jahr 2035 gelten sollte. Ende vergangenen Jahres erteilte Premier Michail Mischustin offiziell den Auftrag, eine Revision der Arktis-Strategie Russlands unter Berücksichtigung der Gewährleistung der nationalen Sicherheit in dieser für das Land wichtigen Makroregion zu beginnen. Vorschläge zur Aktualisierung der Strategie sollen bis zum 20. Mai 2025 in der Regierung vorgelegt werden. Dabei ist das Ministerium für die Entwicklung des Ostens beauftragt worden, die Ziele, Aufgaben und Parameter der Strategie unter Berücksichtigung der neuen Herausforderungen zu überprüfen, aber auch Szenarios und Risiken für die Entwicklung der Arktis-Zone der Russischen Föderation durchzugehen. Das Ministerium für Bauwesen sollte bis 1. März 2025 Fragen der Projektierung, des Baus und der Finanzierung von Objekten der Bergungs- und Rettungsinfrastruktur in der Siedlung Chatanga der Verwaltungsregion Krasnojarsk unter Berücksichtigung der Stationierung von Struktureinheiten des Katastrophenschutzministeriums, der Föderalen medizinisch-biologischen Agentur und kommunaler Rettungseinheiten durcharbeiten. Am Montag, am 3. März, erfolgte auf der Basis des Projekt-Offices für die Entwicklung der Arktis eine Diskussion über die Veränderungen in der Strategie für die Entwicklung der Arktis-Zone der Russischen Föderation und Gewährleistung der nationalen Sicherheit für den Zeitraum bis 2035. Zu neuen Herausforderungen für die Arbeit in der Arktis wurde der Konflikt der Russischen Föderation mit den arktischen Küstenstaaten, die die Arbeit Russlands als Vorsitzender des internationalen Arktis-Rates blockiert hatten. Daher ist Russland heute an einer Erweiterung der Präsenz vieler Länder interessiert, die keinen direkten Zugang zum Nördlichen Eismeer haben. Außerdem haben die US-amerikanischen Militärs die Arktis direkt zu einer Zone ihres Interesses und eines „Monitorings“ erklärt. Eine eigene Arktis-Strategie veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium im Sommer vergangenen Jahres. „Die Arktis-Region der Vereinigten Staaten hat eine entscheidende Bedeutung für die Verteidigung unserer Heimat, den Schutz der nationalen Souveränität der USA und die Einhaltung unserer Pflichten gemäß dem Verteidigungsvertrag. Unsere Arktis-Strategie wird die Anstrengungen zur Gewährleistung dessen ausrichten, damit die Arktis eine sichere und stabile Region bleibt“, hatte im Vorwort die damalige Vizeverteidigungsministerin Kathleen Hicks geschrieben. Die Notwendigkeit der Aktualisierung der Strategie motivieren die amerikanischen Militärs damit, dass die „Arktis-Region strategische Veränderungen erlebt, sowohl strategische als auch physische“. Im Wortlaut heißt es unter anderem: „Das Wirken der Volksrepublik China und Russlands in der Arktis inklusive deren zunehmenden Zusammenarbeit, die Erweiterung der NATO und die sich verstärkenden Folgen des Klimawandels bilden eine neue, eine dynamischere Situation im Bereich der Sicherheit in der Arktis“. Betont wird, dass „diese Veränderungen, aber auch die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Russland und der Volksrepublik China die Stabilität und Gefahren in der Arktis verändern können“. Außerdem „räumen sie dem Verteidigungsministerium Möglichkeiten für eine Verstärkung der Sicherheit in der Region durch eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Verbündeten und Partnern ein“. Die neue Strategie des Pentagons sieht in der Arktis eine Methode des „Monitorings und Reagierens“ vor. In der Strategie werden drei Hauptrichtungen für die Tätigkeit abgesteckt. Die erste ist eine Erweiterung der Möglichkeiten „für die Durchführung von Kampagnen in der Arktis, besonders auf dem Gebiet des Informiertseins, der Verbindungen und Aufklärung sowie der Beobachtung und Rekognoszierung. Die zweite ist ein Zusammenwirken mit den Verbündeten und Partnern für die „Gewährleistung der Verteidigung und eine Zügelung in der Arktis, für eine Erhöhung der operativen Kompatibilität und Vertiefung des Begreifens dessen, wie man in der Region zu handeln hat“. Die dritte ist eine Präsenz in der Arktis durch eine Fortsetzung der Abhaltung sowohl bilateraler Manöver in der Region unter Hinzuziehung der arktischen Verbündeten als auch multilateraler unter Beteiligung von NATO-Spezialeinheiten. „Wir beobachten weiter aufmerksam die Militarisierung, die durch die Kanadier, Amerikaner und deren europäischen Verbündeten im Polargebiet vorgenommen wird. Unsererseits ergreifen wir alle erforderlichen Maßnahmen, die auf eine Absicherung der russischen Interessen und der Souveränität in den hohen (nördlichen) Breitengraden“, erklärte Ende Februar der russische Botschafter in Kanada, Oleg Stepanow. „Das Interesse der internationalen Staatengemeinschaft für die Arktis nimmt mit jedem Jahr zu. Neben den Ländern der arktischen Region bemüht sich eine große Anzahl von Ländern, die keinen direkten Zugang zum Nördlichen Eismeer haben, an der Agenda teilzunehmen“, erklärte am 7. Februar Vizepremier Jurij Trutnew. „Heute hat die hauptsächliche internationale Plattform für eine Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung der Region – der Arktische Rat – seine Arbeit praktisch eingestellt. Folglich müssen wir neue Formen für ein Zusammenwirken finden. Das Forum „Die Arktis – ein Territorium des Dialogs“ findet am 26./27. März in Murmansk statt und kann zu einer solcher Plattformen werden“, meinte Jurij Trutnew als Vorsitzender des Organisationskomitees des anstehenden Internationalen Arktis-Forums. Nach seinen Worten realisiere die Russische Föderation in der Arktis größte Investitionsprojekte, arbeitet an der Entwicklung des Nördlichen Seeweges. Entsprechend einer Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin werden Master-Pläne für eine Rekonstruktion der arktischen Hauptpunkte ausgearbeitet. Bemerkenswert ist, dass für die russischen Beamten nicht völlig klar ist, „was die Menschen im Hohen Norden tun sollen – leben und arbeiten oder nur arbeiten“. Sich hinsichtlich dieser Frage festzulegen, hatte Natalia Komarowa, die Senatorin des Autonomen Bezirkes der Chanten und Mansen, am 3. März vorgeschlagen.