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Russland verfolgt keine Fristen in der Ukraine-Operation


Vor genau neunzig Tagen erteilte Russlands Präsident Wladimir Putin den Befehl zum Beginn der sogenannten militärischen Sonderoperation in der Ukraine, die nach seinen Worten auf einen Schutz der am 21. Februar von Moskau anerkannten Donbass-Republik DVR und LVR, aber auch auf eine „Demilitarisierung und Entnazifizierung“ des Nachbarlandes abzielt. Drei Monate sind inzwischen ins Land gegangen, die tiefe Wunden hinterlassen haben – nicht nur unter den Militärs und der Zivilbevölkerung, sondern auch in den Köpfen der Menschen. Die Zerstörungen auf dem Territorium der Ukraine sind erhebliche, wirken sich aber auch außerhalb des Landes aus. Wie viele Opfer Russlands Krieg gegen die Ukraine bisher gefordert hat, ist unbekannt. Der Westen will dem von Präsident Wladimir Selenskij geführten Land helfen: mit Hilfs- und Waffenlieferungen sowie Sanktionen gegen den russischen Staat. Die Redaktion „NG Deutschland“ hat auch unter Verwendung von Materialien der Nachrichtenagenturen dpa und afp die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 90 Tage zusammengestellt.

  1. Februar:

Russland beginnt auf Befehl von Präsident Wladimir Putin eine militärische Sonderoperation in der Ukraine, womit sich die Befürchtungen der USA und Großbritanniens auf der Grundlage von Geheimdienstangaben über massive russische Truppenkonzentrationen an der Grenze zu dem Nachbarland bewahrheiten.

 

  1. Februar:

Deutschland entscheidet, Waffen aus Beständen der Bundeswehr an die Ukraine zu liefern. Russische Geldhäuser sollen aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk SWIFT ausgeschlossen werden. Der Luftraum in Europa und den USA wird für russische Flugzeuge gesperrt. Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnet den russischen Angriff als „Zeitenwende“.

 

  1. Februar:

Russlands Präsident Wladimir Putin versetzt die Abschreckungswaffen der Atommacht in Bereitschaft. Als Grund nennt er die Finanzsanktionen sowie „aggressive Äußerungen“ der NATO-Mitgliedsstaaten.

 

  1. Februar:                                                                                         1.Runde russisch-ukrainischer Verhandlungen auf dem Territorium von Weißrussland zwecks Konfliktlösung.

 

  1. März:

Die UN-Vollversammlung verurteilt die russische Militäroperation mit historisch großer Mehrheit. Russland Verteidigungsministerium gibt erstmals offiziell Zahlen zu den eigenen Verlusten bekannt – 498 Tote und 1597 Verwundete.

 

  1. März:

Als erste ukrainische Stadt wird Cherson im Landessüden von russischen Truppen eingenommen.

 

  1. März:

Ein Feuer an Europas größtem Atomkraftwerk nahe Saporischschja schürt Ängste vor einer nuklearen Katastrophe.

 

  1. März:

Tausende Zivilisten werden aus der umkämpften Stadt Sumy im Nordosten gerettet, wofür erste Fluchtkorridore eingerichtet wurden. Die USA verbieten den Import von Öl aus Russland.

 

  1. März:

Die TV-Mitarbeiterin Marina Owsjannikowa protestiert im russischen Staatsfernsehen Channel One während der Hauptnachrichtensendung „Wremja“ mit einem Plakat gegen den Krieg, wofür sie mit einer Geldstrafe zur Verantwortung gezogen wurde. Ein weiteres Verfahren gegen die Journalistin ist noch im Gange.Inzwischen befindet sich Sie schon in Deutschland.

 

  1. März:

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag ordnet das sofortige Ende der russischen Gewalt in der Ukraine an.

 

  1. März:

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht in einer Videobotschaft vor dem Bundestag. Derweil bezeichnet US-Präsident Joe Biden den Kremlchef als einen „Kriegsverbrecher“ – vor allem unter dem Eindruck des Bombenangriffs gegen ein Theater in der Hafenstadt Mariupol, in dem Familien Schutz gesucht hatten. Russland bestreitet diesen Angriff durchzuführen.

 

  1. März:

Die NATO beschließt eine massive Aufrüstung und aktiviert die Abwehr chemischer, biologischer und atomarer Bedrohungen.

 

  1. März:

Angesichts der stockenden Offensive im Norden der Ukraine verkündet Russland einen Strategiewechsel. Die Armee soll sich demnach auf die „Befreiung“ der ostukrainischen Donbass-Region konzentrieren. Am gleichen Tag nennt das russische Verteidigungsministerium das letzte Mal offizielle Zahlen zu den eigenen Verlusten in der Ukraine – 1351 Tote und 3825 Verwundete.

 

  1. März:

Bei einer Rede in Warschau nennt US-Präsident Joe Biden Putin einen „Diktator“.

 

  1. März:

Kiew nennt erstmals das Ausmaß der einmaligen Schäden aufgrund der russischen Militäroperation – 564,90 Mrd. US-Dollar

 

  1. März:

In Istanbul erfolgen erstmals vollwertige Verhandlungen zwischen den Außenministern beider Länder – Sergej Lawrow und Dmitrij Kuleba – statt, denen bereits am 10. März in Antalya kurze Gespräche vorausgegangen waren.

 

1.April:

Präsident Putin verkündet massive Gegensanktionen gegen den sogenannten kollektiven Westen. Um ihre russischen Gaslieferungen zu bezahlen, müssen europäische Staaten künftig ein Konto bei der russischen Gazprombank haben. Sie können angeblich aber weiter in Euro und Dollar zahlen.

 

  1. April:

Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben wieder volle militärische Kontrolle über die Region um Kiew. Moskau verstärkt die Angriffe im Osten und Süden des Landes.

 

  1. April:

Gräueltaten an der Zivilbevölkerung in der Kiewer Vorstadt Butscha sorgen für Entsetzen. Die Ukraine zählt mehr als 400 Leichen.Russland bestreitet das.Im Spiegel-Artikel wird auf einen Raketenschlag mit Splitterköpfen hingewiesen

 

  1. April:

Bei einem Raketenangriff auf den Bahnhof in Kramatorsk sterben mehr als 50 Menschen.

 

  1. April:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilt mit, die ukrainische Regierung habe ihm einen Besuch des Landes verwehrt. Kiew wirft Steinmeier eine zu russlandfreundliche Politik in seinen früheren Regierungsämtern vor.

 

  1. April:

Joe Biden wirft Russland Völkermord in der Ukraine vor. In Mariupol kapitulieren nach russischen Angaben mehr als eintausend ukrainische Kämpfer. Zahlreiche andere ukrainische Militärs bleiben jedoch in der riesigen Anlage des Asow-Stahlwerk, der letzten Bastion des Widerstands gegen die russischen Truppen und Donbass-Milizen.

 

  1. April:

Russland bestätigt den Untergang des Raketenkreuzers «Moskwa». Die Ukraine behauptet, das Flaggschiff der Schwarzmeerflotte versenkt zu haben.

 

  1. April:

Nach Angaben Selenskyjs wurden in den ersten sieben Wochen Krieg bis zu 3000 ukrainische Soldaten getötet.

 

  1. April:

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine überschreitet die Marke von fünf Millionen.

 

  1. April:

Im Osten der Ukraine hat die russische Armee mittlerweile den Großteil der Region Lugansk unter Kontrolle.

 

  1. April:

Die Regierung Moldawiens ruft nach mehreren Explosionen in der prorussischen Region Transnistrien die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Vorfälle schüren Ängste, dass Russland seine Operation auf die Republik Moldawien ausweiten könnte.

 

  1. April:

Der Bundestag gibt grünes Licht für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine, nachdem zwei Tage zuvor die Bundesregierung nach langem Zögern unter anderem der Bereitstellung von Gepard-Panzern zugestimmt hatte.

 

  1. Mai:

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgt mit einem Nazi-Vergleich vor allem unter Anspielung auf die jüdische Herkunft von Wladimir Selenskij vor allem in Israel für Empörung.

 

  1. Mai:

CDU-Chef Friedrich Merz zeigt sich in der Ukraine erschüttert über die Kriegsfolgen.

 

  1. Mai:

Die EU-Kommission schlägt ein Öl-Embargo vor, um den Druck auf Moskau zu erhöhen, kann aber bisher keinen Konsens unter den EU-Staaten erreichen. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Franziskus gewährte der Zeitung „Corriere della Sera“, in dem er sich auch über die russische Operation in der Ukraine äußert und Patriarch Kirill für dessen Haltung kritisiert. Der Pontifex betonte unter anderem, dass die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung habe, und gab zu bedenken, vielleicht habe „das Bellen der NATO an Russlands Tür“ Wladimir Putin dazu gebracht, den Konflikt auszulösen. Dieser Konflikt sei von außen geschaffen worden. Er könne nicht sagen, ob es richtig sei, die Ukraine jetzt mit Waffen zu versorgen.

 

  1. Mai:

Die durch die Absage an Steinmeier ausgelösten Irritationen zwischen Berlin und Kiew werden ausgeräumt. Selenskij lädt den Bundespräsidenten sowie die gesamte Bundesregierung ein.

 

  1. Mai:

Die Bundesregierung sagt der Ukraine sieben Panzerhaubitzen 2000 zu.

 

  1. Mai:

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas nimmt in Kiew am Gedenken zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa teil.

 

  1. Mai:

Bei der traditionellen Militärparade auf Moskaus Roten Platz zum 77. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland warnt Wladimir Putin vor einem neuen Weltkrieg.

 

  1. Mai:

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock trifft Selenskyj in Kiew. Zu ihren Reisestationen gehört auch Butscha. Sie sagt deutsche Hilfe bei der Aufklärung von Kriegsverbrechen zu. Die deutsche Botschaft wird wiedereröffnet.

 

  1. Mai:

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba fordert auf seinem viertägigen Deutschland-Besuch die Lieferung westlicher Kampfjets und Raketenabwehrsysteme.

 

  1. Mai:

Die ukrainische Armee gibt die Rückeroberung der Gelände um Millionenstadt Charkiw im Landesnorden bekannt.

 

  1. Mai:

Die ersten ukrainischen Militärs von „Asowstahl“ legen die Waffen nieder, ergeben sich und kommen in russische Gefangenschaft. Die vollständige Einnahme des Werkes wird am 20. Mai durch das russische Militär bekanntgegeben. Mit Stand vom 23. Mai haben sich insgesamt 2439 Menschen des ukrainischen Regiments „Asow“ ergeben, von denen viele vor ein russisches Tribunal gestellt werden sollen.

 

  1. Mai:

Schweden und Finnland beantragen offiziell die NATO-Mitgliedschaft. Russlands Vizepremier Jurij Borissow gibt derweil bekannt, dass im Verlauf der Ukraine-Operation auch neueste Laserwaffen eingesetzt werden würden – unter anderem gegen Kampfdrohnen.

 

  1. Mai:

Deutschland kündigt für Juli die Lieferung der ersten 15 Flugabwehrpanzer Gepard an die Ukraine an.

 

  1. Mai:

Russlands Armee hat nach eigenen Angaben die Hafenstadt Mariupol komplett unter Kontrolle.

 

  1. Mai:

Das ukrainische Parlament verlängert das Kriegsrecht und die Generalmobilmachung bis zum 23. August.

 

  1. Mai:

Im ersten ukrainischen Kriegsverbrecherprozess wird ein 21 Jahre alter russischer Panzersoldat wegen Erschießung eines 62jährigen Zivilisten zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Gegenteil bereitet Russland Prozesse gegen in Marupol gefangengenommenen ukrainischen Soldaten.

 

  1. Mai:

Russlands Verteidigungsministerium zieht Bilanz nach 90 Tagen Gefechten in der Ukraine und beziffert die Verluste des sogenannten „Kiewer Regimes“: unter anderem 178 vernichtete Flugzeuge, 125 Hubschrauber, 995 Drohnen und 3243 Panzer. Und Nikolaj Patruschew, Sekretär von Russlands Sicherheitsrat, erklärte, dass nicht die Ukraine, sondern Russland sowie die Donbass-Republiken DVR und LVR ein Recht hätten, Reparationen zu fordern. Er betonte gleichfalls, dass es für die Operation in der Ukraine keine Fristen gebe, doch die vom Präsidenten Russlands gestellten Ziele würden alle erfüllt werden. Schon jetzt ist klar, dass es die Ukraine nicht mehr in den Grenzen von vor dem 24. Februar geben wird, zumal Russland schon lange die europäischen Nachkriegsgrenzen nicht mehr für ewige hält.