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Russland weicht von einer industriellen Souveränität für eine Zusammenarbeit mit Amerika ab


Am Vorabend der russisch-amerikanischen Wirtschaftsgespräche in dieser Woche in Genf veröffentlichten internationale Agenturen eine Liste von Investitionsprojekten, die Russland angeblich den Amerikanern vorschlagen wolle. Die westlichen Quellen legen dabei den Akzent darauf, dass die Russische Föderation bereit sei, zu einer Nutzung des US-Dollars in den gegenseitigen Zahlungen zurückzukehren. Und einheimische Experten haben in der Liste der den Amerikanern vorgeschlagenen Projekte ein Abgehen von den Ideen einer industriellen Souveränität ausgemacht. Russische Staatsbeamte verleugnen nicht die Bereitschaft zu einer Wirtschaftszusammenarbeit mit den USA hinsichtlich der genannten Themen. Und der Pressesekretär des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, erinnerte daran, dass die Russische Föderation selbst nie auf eine Nutzung des Dollars verzichtet habe. Und der Übergang zu alternativen Währungen hänge mit den westlichen Sanktionen zusammen. Bemerkenswert ist, dass sich russische Spezialisten nicht erst seit einem Monat zugunsten einer Wende zu einer Industriekooperation mit den USA anstelle des harten Dominierens der Volksrepublik China aussprechen.

Der Sondervertreter von Russlands Präsident für Investitions- und Wirtschaftskooperation mit dem Ausland, der Leiter des Russischen Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitrijew, wird in Genf mit einer Delegation der USA Gespräche führen, teilte lt. der russischen Nachrichtenagentur Interfax am Montag Kremlsprecher Peskow mit. Eine Quelle der Agentur hatte zuvor mitgeteilt: „Dmitrijew ist auf eine Wiederherstellung der Beziehungen Russlands und der USA fokussiert. Und er wird – wie auch früher – nicht der russischen Delegation angehören, die an den trilateralen Ukraine-Verhandlungen teilnehmen wird (am 17. und 18. Februar – Anmerkung der Redaktion)“.

Der Russische Fonds für Direktinvestitionen ist ein souveräner Fonds der Russischen Föderation, der rund 2,3 Billionen Rubel als Investitionen für die Realisierung von über 100 Projekten in unser Land geholt hat.

In der vergangenen Woche zählte die Nachrichtenagentur Bloomberg mehrere Richtungen einer künftigen Zusammenarbeit auf, die die Russische Föderation den Amerikanern angeblich offeriere. Und die nachfolgenden Kommentare russischer Staatsbeamter erlaubten die Annahme, dass eine derartige Liste von Investitionsvorhaben wirklich auf dem Tisch der russisch-amerikanischen Wirtschaftsgespräche liegen kann.

Laut der Version der westlichen Quellen könne das Business in Russland und in den USA an einer Zusammenarbeit in den folgenden sieben Richtungen interessiert sein. Die erste sind langfristige Verträge für eine Modernisierung des russischen Flugzeugparks mit einer möglichen Beteiligung amerikanischer Unternehmen an der russischen Fertigung. Die zweite Richtung sind gemeinsame Öl- und Gasprojekte inklusive einer Offshore-Förderung oder Erschließung schwer zu gewinnender Vorräte. Künftige Öl- und Gasprojekte könnten die früheren amerikanischen Investitionen berücksichtigen, was den amerikanischen Unternehmen erlauben würde, die früheren Verluste zu kompensieren, die mit dem Abbruch von Wirtschaftsvorhaben mit der Russischen Föderation verbunden waren. Die dritte Richtung ist die Bestimmung von Bedingungen für amerikanische Unternehmen für eine Rückkehr auf den russischen Verbrauchermarkt.

Die vierte Richtung umfasst eine Zusammenarbeit im Bereich der Atomenergiewirtschaft, darunter energieaufwendige Projekte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Die fünfte Richtung betrifft eine Rückkehr Russlands zum System der Zahlungen in amerikanischen Dollar, darunter eventuell auch für russische Energieunternehmen.

Die sechste Richtung sehe eine russisch-amerikanische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Förderung und Verarbeitung solcher Rohstoffe wie Lithium, Kupfer, Nickel und Platin vor. Die siebte Richtung einer künftigen Zusammenarbeit sehe eine gemeinsame Arbeit bei der Vermarktung fossiler Brennstoffe als Alternative zum Diktat der „grünen“ Energie, auf die mehrere Europäer und Chinesen setzen, vor.

„Zu einer gegenseitig vorteilhaften und aktuellen kann die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energetik und Förderung seltener Erdmetalle, die Fortsetzung einer gemeinsamen Erschließung der Arktis und des Weltraums werden. Die Organisation einer gemeinsamen Förderung von kritisch wichtigen Ressourcen – solcher wie Lithium, Kupfer, Nickel, Platin und seltene Erdmetalle – kann zur Basis für eine schnellere Entwicklung einer freien Wirtschaftszone im Donbass werden“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Wirtschaftspolitik Sergej Altuchow (Kremlpartei „Einiges Russland“). Für Russland sei gleichfalls der Abschluss langfristiger Verträge über eine Modernisierung russischen Parks der Zivilluftfahrt interessant, aber auch eine mögliche Beteiligung der USA am russischen zivilen Flugzeugbau, teilte der Abgeordnete dem Nachrichtenportal „Lenta.ru“. Nach Aussagen des Politikers könne man auch das Vorhandensein sensibler Bereiche annehmen, wo eine technologische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten wohl kaum möglich sei.

In der vergangenen Woche teilte der Pressesekretär des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, mit, dass die neue Runde von Verhandlungen der Russischen Föderation, der USA und der Ukraine am 17./18. Februar in Genf stattfinde. Die russische Delegation bei diesen Verhandlungen wird der Berater des russischen Staatsoberhauptes Wladimir Medinskij leiten. Und außerdem werde dort auch der Sondervertreter des Präsidenten der Russischen Föderation für eine Investitions- und Wirtschaftskooperation mit dem Ausland, Kirill Dmitrijew, Gespräche mit einer Delegation der Vereinigten Staaten führen.

Dmitrij Peskow hatte dabei daran erinnert, dass Russland nicht auf Dollar-Verrechnungen verzichtet hätte. Und die Verwendung der amerikanischen Währung hätten die USA selbst eingeschränkt. „Das emittierende Land, das heißt die USA – sie haben eine ganze Reihe von Ländern in dem Recht eingeschränkt, den Dollar zu nutzen. Und diese Ländern nutzen natürlich alternative Zahlungsmittel und -formen“, sagte Peskow am Freitag gegenüber Journalisten. „Wenn die USA diese Praxis der Einschränkung der Verwendung des Dollars aufgeben, wird der Dollar dann den Konkurrenzkampf mit anderen alternativen, mit nationalen Währungen, die immer mehr in der Welt verwendet werden, gewinnen. Wenn der Dollar attraktiv sein wird, werden natürlich alle zu seiner Nutzung zurückkehren, darunter neben anderen Währungen“, erklärte Peskow.

Im Dezember des Jahres 2024 hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt: „Wir haben nie auf den Dollar verzichtet. Haben wir etwa Abstand genommen? Uns hatte man dessen Nutzung versagt“. Dabei hatte das Staatsoberhaupt daran erinnert, dass im Zusammenhang mit der Nutzung des Dollars als Druck- und Zwangsmittel durch die USA für die amerikanische Währung bestimmte Probleme aufgetreten seien.

Bemerkenswert ist, dass mehrere russische Industrielle, die mit einem harten Konkurrenzdruck der chinesischen Hersteller konfrontiert wurden, die Zusammenarbeit mit den USA für eine logische halten. Da das amerikanische Business im Wirtschaftswettbewerb mit den Chinesen, die geringe Selbstkosten ihrer Erzeugnisse aufgrund der Rekorddimensionen der Fertigung offerieren können, genauso als Verlierer hervorgegangen ist.

„China brennt heute vollkommen die Überreste der russischen Industrie aus, wobei in einem früher ungeahnten Tempo“, erläuterte Wladimir Boglajew, Generaldirektor des Tscherepowezer Gießerei- und Mechanik-Werks. Die Zusammenarbeit mit China bezeichnet er als eine gefährliche, da sie zu einer absoluten Rohstoff-Abhängigkeit Russlands von dem östlichen Nachbarn führe. „Wir werden nicht einmal auswählen können, von wem wir abhängige sein werden. China ist als ein Land gefährlich, das uns die technologische Souveränität nimmt. Der Westen hat uns der finanziellen Souveränität beraubt. Und China raubt die industrielle und technologische Souveränität“, warnt Boglajew (siehe auch: https://ngdeutschland.de/die-russischen-industriellen-haben-die-finstere-seite-des-handels-mit-china-zu-sehen-bekommen/).