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Russlands Bürger beeilen sich, zu Bargeldzahlungen überzugehen


Die Behörden verschärfen die Kontrolle von Geldüberweisungen und schränken die Kreditvergabe für die Bevölkerung mit halblegalen Einkommen ein. Russlands Bürger antworten mit einer sich beschleunigenden Migration in den Bereich des Bargeldumlaufs. Seit dem 1. Juli dieses Jahres müssen alle Internet-Überweisungen der Bevölkerung mit Steuerzahler-Attributen der Zahlenden und der Empfänger erfolgen. Laut Plänen der Regierung sollen ab dem kommenden Jahr die Steuerbehörden Angaben über große und regelmäßige Zahlungen der Bevölkerung erhalten. Die am 1. Juli begonnene steuerliche Fixierung von Zahlungen wird der Bevölkerung mit einer Bekämpfung von Droppern und Betrügern begründet.

Am ersten Julitag dieses Jahres haben Russlands Bürger von drei Schlüsselfakten über im Land erfolgende Ereignisse erfahren. Der erste Fakt: Die Bürger ersetzen bargeldlose Zahlungen durch Bargeldzahlungen. Der Umfang des Bargeldes im Land hat im vergangenen Monat um 450 Milliarden Rubel zugenommen, was um 18 Prozent mehr ist als im Mai 2026.

Der zweite Fakt: Die Banken müssen seit dem 1. Juli alle bargeldlosen Zahlungen mit dem einmaligen Steuerattribut des Bürgers, das man nicht einmal im Falle einer Änderung des Nachnamens oder der Ausstellung eines neuen Passes verändern kann (gemeint ist die Steuerzahler-ID – Anmerkung der Redaktion), verbinden. Solch eine Fixierung soll dem Steuerdienst helfen, die Einkommen von Bürgern in einer Höhe von mehr als 2,4 Millionen Rubel im Jahr nachzuverfolgen und die Zahlung zusätzlicher Steuern von der Bevölkerung zu verlangen.

Der dritte Fakt: Seit dem 1. Juli erschwert die Zentralbank der Russischen Föderation den Erhalt von Krediten durch potenzielle Kreditnehmer mit inoffiziellen Einkommen, darunter auch mit solchen, in deren Hinsicht keine Steuern entrichtet worden sind.

Seit Ende vergangenen Jahres realisiert die Regierung Russlands eine Politik für mehr Transparenz der Wirtschaft und deren Herausholen aus dem Schattenbereich, auf die die Bevölkerung mit einer zunehmenden Nachfrage nach Bargeld reagiert. Anfang dieses Jahres wurde in der Russischen Föderation eine wichtige qualitative Veränderung fixiert: Der langjährige Trend zur Verringerung der Nutzung von Bargeld wurde von einer stabilen Tendenz zur Zunahme des Anteils der Bargeldzahlungen abgelöst.

Im Zeitraum Februar-Mai dieses Jahres hat die Bargeldmenge in der Russischen Föderation um 1,455 Billionen Rubel zugenommen. Im Durchschnitt machte deren Zunahme bis zum Juni 363,5 Milliarden Rubel im Monat aus. Doch im vergangenen Monat erhöhte sich die Monatszunahme sprunghaft gleich um 24 Prozent. Und daher hat die summarische Zunahme des Bargelds im Zeitraum Februar-Juni bereits 1,9 Billionen Rubel überschritten. Die monatliche Zunahme des Bargelds in Russland beschleunigt sich. Die Beamten der Zentralbank erklären offiziell die Zunahme der Nachfrage nach Bargeld im laufenden Jahr mit den Fällen einer Abschaltung des mobilen Internets, die die Bevölkerung und das Business veranlassen würden, eine Reserve an Geldscheinen anzulegen. Jedoch sind die Fälle von Internet-Blockierungen nicht die einzige Ursache.

Im März dieses Jahres gab die Regierung der Russischen Föderation Pläne für die Einführung einer steuerlichen Kontrolle von Geldüberweisungen der Bürger bekannt. Für diese Kontrolle war es erforderlich gewesen, eine Anbindung einer jeden Überweisung an das Steuerattribut eines jeden konkreten Bürgers (an die Steuerzahler-ID – Anmerkung der Redaktion) vorzunehmen.

Russlands Ministerkabinett brachte in der Staatsduma Änderungen am Steuerkodex der Russischen Föderation ein, die eine Verstärkung des Identifizierens der Inhaber von Bankkonten durch die obligatorische Angabe der Steuerzahler-ID vorsehen, aber auch die Ausstattung des Föderalen Steuerdienstes mit dem Recht, von der Zentralbank Informationen über natürliche Personen mit Anzeichen einer nicht deklarierten unternehmerischen Tätigkeit zu erhalten.

Gegenwärtig befinden sich die Einkommen der natürlichen Personen, die bargeldlos von anderen natürlichen Personen erhalten werden, außerhalb der „Kontur“ der Steuerkontrolle, da sie aus der Besteuerung ausgeklammert sind“, erinnerten die Regierungsbeamten im Begleitschreiben zum Gesetzentwurf. . Nach dessen Verabschiedung wird die Zentralbank verpflichtet sein, an den Föderalen Steuerdienst Informationen über die Bankkunden zu übermitteln, die keine individuellen Unternehmer sind, aber deren Konten-Operationen Anzeichen für die Vornahme einer unternehmerischen Tätigkeit oder eines systematischen Erhalts von Einnahmen von anderen natürlichen Personen aufweisen. Die Anzeichen, die Form, das Format und die Häufigkeit der Übermittlung solcher Informationen werden durch ein gemeinsames Abkommen der Zentralbank und des Föderalen Steuerdienstes bestimmt.

Im Föderalen Steuerdienst erläuterte man, dass zum Ausgangspunkt der Kontrolle das Überschreiten des Limits der jährlichen nichtdeklarierten Einkommen von 2,4 Millionen Rubel (umgerechnet etwa 27.273 Euro) werde. „Zum heutigen Tag betrifft dies drei Prozent der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung. Die Maßnahme wird lediglich den Teil der Bürger betreffen, die entsprechend der Gesetzgebung ihr Einkommen nicht deklarieren“, teilte man im Steuerdienst mit.

Seit dem 1. Juli 2026 übermitteln alle Banken einander die Steuerzahler-ID der Bürger bei Vornahme von Überweisungen von natürlichen und Rechtspersonen mit dem System der schnellen Überweisungen. Die Steuerzahler-ID ist eine zwölfstellige Zahl, sie wird einmal vergeben, auf dem gesamten Territorium der Russischen Föderation genutzt und ändert sich nicht, selbst wenn der Steuerzahler den Wohnort, den Nachnamen und andere Pass-Daten ändert. Die Einführung des obligatorischen steuerlichen Attributs erklärten die Betreiber Nachrichtenagenturen mit dem „Kampf gegen Betrugshandlungen“.

Zu den Plänen der Regierung gehört auch die Einführung einer Strafe von 20.000 Rubel aufgrund der Eröffnung eines Kontos oder einer Spareinlage für eine natürliche Person ohne Erfassung der Steuerzahler-ID. Derzeit drohen solche Strafen nur bei Einrichtung von Konten für Organisationen, individuelle Unternehmer, Notare, Anwälte und ausländische Organisationen. Eine Gesetzesvorlage der Regierung sieht gleichfalls eine neue Strafe von 40.000 Rubel aufgrund einer Weitergabe falscher Angaben über die Eröffnung, Schließung oder Veränderung der Angaben von Konten und Spareinlagen durch eine Bank an die Steuerämter vor.

Laut Schätzungen des Föderalen Steuerdienstes werde der März-Gesetzesentwurf der Regierung über die Kontrolle von Geldüberweisungen dem föderalen Haushalt beginnend ab dem kommenden Jahr zusätzliche Jahreseinnahmen von mindestens 49,3 Milliarden Rubel bringen.

Zu einem Stimulus für eine Legalisierung der Einkommen der Bürger soll auch die neue Forderung der Zentralbank zur Erfassung unbestätigter Einkommen potenzieller Kreditnehmer werden. Die Bank Russlands hatte vorgeschlagen, ab 1. Juli Einschränkungen bei der Berechnung des Wertes für die Schuldenbelastung für Kreditnehmer in Gestalt eines verringerten Koeffizienten einzuführen. So sollen bei einer Berechnung der inoffiziellen Einnahmen eines Kreditnehmers nur 90 Prozent von der gesamten von ihm angegebenen Summe berücksichtigt werden. Dabei soll die vereinfachte Vorgehensweise beibehalten werden, bei der der Kreditnehmer im entsprechenden Fragebogen der Bank sein Einkommen angibt, ohne dabei bestätigende Dokumente vorzulegen.