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Russlands Bürger holen ihre Ersparnisse aus den Banken


Die reale Rentabilität der Ersparnisse der russischen Bürger ist aufgrund des Inflationsanstiegs und des Rückgangs der Rentabilität von Depositenkonten zu einer negativen geworden. Vorerst bewahren Russlands Bürger über 30 Billionen Rubel in den Banken. Doch entsprechend den Ergebnissen für März hat sich der Umfang der Gelder der Bevölkerung in den Banken der Russischen Föderation um 0,3 Prozent verringert, teilte die Zentralbank dieser Tage mit. Um den Abfluss der Gelder von den verlustbringenden Bank-Spareinlagen zu stoppen, verheißen die Beamten aus der Zentralbank, dass die Zinssätze bezüglich der Einlagen in den kommerziellen Banken bald ansteigen würden.

Im März dauerte der Trend zur Verringerung der zeitlich befristeten Spareinlagen der Bevölkerung aufgrund ihrer negativen Rentabilität an. Die Bürger hoben im März von den Festgelddepositenkonten 231 Milliarden Rubel oder 1,1 Prozent des gesamten Volumens ab. Dabei nahmen die Mittel auf den laufenden Konten der Bevölkerung um 138 Milliarden Rubel zu. Insgesamt verringerten sich die Geldmittel der Bevölkerung in den russischen Banken um 93 Milliarden Rubel (minus 0,3 Prozent) nach einem geringen Anstieg im Februar (plus 0,4 Prozent), teilte die Zentralbank mit.

Die aktuelle Inflationsrate in der Russischen Föderation liegt derzeit bei rund 5,7-5,8 Prozent. Doch die Zinssätze bei den Rubel-Depositenkonten in den russischen Banken sind erheblich geringer. Dies bedeutet, dass alle, die ihre Ersparnisse in Rubel in Banken Russlands aufbewahren, einem Verlust dieser Mittel zustimmen.

Der Abfluss der Gelder der Bürger aus den Banken beunruhigt die Beamten aus der Zentralbank. Daher versprechen sie, dass die Zinssätze für die Depositenkonten ansteigen würden.

Der Zyklus der Verringerung der Zinssätze für Kredite und Spareinlagen in Russland ist zu Ende gegangen. Die Banken sind bereits zu einer Anhebung der Rentabilität der Spareinlagen und der Kosten von Anleihen übergegangen. Im Endergebnis kann dies zu einer Trendwende hinsichtlich des Abflusses von Geldern von den Depositenkonten führen, teilte der Leiter des Zentralbank-Departments für die Gewährleistung der Bankenaufsicht, Alexander Danilow, mit. Er hofft, dass die Anhebung der Zinssätze bezüglich der Spareinlagen zu einer Rückkehr von Mitteln von den laufenden Konten zu den Festgeld-Depositenkonten führen kann. „Wenn sich bei den Zinssätzen ein deutlicherer Unterschied zwischen den laufenden Konten und Depositenkonten zeigt, ist so etwas durchaus möglich“, urteilte der Departmentschef aus der Zentralbank.

Dabei versichert Danilow, dass der Abfluss von Mitteln für die Banken keinen kritischen Charakter tragen würde, denn die Banken würden flexibel die Liquidität steuern. „Ich würde keinerlei große Besorgnis aufgrund dessen, dass sich bei uns die Struktur so verändert hat, bekunden. Es gibt sehr viel Liquidität“, meint Danilow. Laut Angaben der Zentralbank nimmt der durchschnittliche maximale Zinssatz der zehn größten Banken ab der dritten Märzdekade zu. Entsprechend den Ergebnissen der zweiten Dekade ist er bis auf 4,72 Prozent angestiegen.

„Viele Bürger Russlands machen sich um die Frage nach dem Schutz ihrer Ersparnisse vor der Inflation Sorgen, deren Tempo begonnen hat, schnell zu steigen, beginnend ab Ende des Jahres 2020. Die bestehenden Zinssätze für Rubel-Bankeinlagen geben keinen Schutz und sichern den Inhabern der Gelder keine reale Zunahme für diese. Daher machen sich die meisten von ihnen Sorgen um die Suche nach alternativen Richtungen, um diese anzulegen. Traditionell werden als solche Anlagen in Devisen, in Immobilien sowie in Wertpapiere angesehen“, urteilt Maxim Markow, Dozent an der Russischen G.-V.-Plechanow-Wirtschaftsuniversität. Seinen Worten zufolge seien heute Anlagen in Euro als günstigere anzusehen, da aufgrund der schwierigen Beziehungen mit den USA die Perspektiven für das Zirkulieren von Dollar in unserem Land recht unbestimmte seien. „Für das Anlegen in Immobilien werden große Summen gebraucht, über die die meisten Bürger Russlands nicht verfügen. Außerdem sind die Immobilienpreise gleichfalls instabil, und ihre Dynamik ist nicht voraussagbar.

Eine realere und zugänglichere Richtung für ein Investieren ist das Anlegen von Geldern in Wertpapiere“, sagt Markow. Zu noch einer Richtung für das Investieren ist in der letzten Zeit der Markt der Krypto-Währungen geworden, der ein wesentliches Wachstum demonstriert, betont der Experte. „Aber für Operationen auf dem sind noch mehr Kenntnisse und Wissen erforderlich als bei Operationen auf dem Effektenmarkt. Daher zieht es eine Reihe von russischen Bürgern vor, ihre Geldmittel von den Sparkonten auf die laufenden Rechnungskonten zu transferieren, auf die die Banken ebenfalls Zinsen zahlen, doch sie geben mehr Freiheit und Flexibilität hinsichtlich des Verfügens über die Geldmittel“, erklärt Markow.

„Als Alternativen für die gestrigen Sparer treten immer häufiger Aktien und Obligationen auf. Dabei wählen die neuen Investoren oft fertige Lösungen aus, die auf Wertpapieren beruhen. Insbesondere hat die Popularität der Anteilsinvestitionsfonds zugenommen“, sagt Alexander Bachtin, Investitionsstratege der Investmentfirma „BKS Welt der Investitionen“. Der Erwerb ausländischer Devisen sei nach seinen Worten ein schwierigerer Weg zur Bewahrung der Ersparnisse. „Beim Kauf von Devisen in der Hoffnung, durch die Änderung des Devisenkurses zu verdienen, ergibt sich das Risiko, mit der Prognose falsch zu liegen“, meint Bachtin. „Dollar und Euro zu erwerben, macht Sinn, wenn Sie ins Ausland fahren, einen großen Einkauf in Devisen vornehmen oder aber aus der Sicht der Devisen ein optimales Verhältnis der Ersparnisse zu schaffen. Für diejenigen, die in Rubel verdienen und Ausgaben vornehmen, kann als optimal ein Anteil an Devisen-Ersparnissen von 40 bis 50 Prozent angesehen werden. Solch eine Diversifizierung stabilisiert das Portfolio bei Kursturbulenzen“, empfiehlt der Experte.

„Wenn es keinen äußeren Schlag gegen den Rubel geben wird, können die Dollar-Ersparnisse eine signifikante Einnahme bringen, aber nur bei einem Anlegen in einem Portfolio aus Aktien führender Unternehmen, die an der Wall Street gehandelt werden. Das irrsinnige Wachstum der Börsen sowohl in den USA als auch in Europa hängt mit der Kapitalflucht aus den Geldgeschäften zusammen. Und zwar in den Erwerb von Anteilen eines anderen, gut monetarisierten Business, was auch Aktien sind“, sagt Pjotr Puschkarjow, Chefanalytiker des Unternehmens „TeleTrade“. Die Inflationsrate sei seinen Worten zufolge nicht nur in Russland gewaltig. „In den USA sind innerhalb eines Monats die Benzinpreise um 9 Prozent angestiegen. Und in Washington, im District Columbia, sind sie innerhalb eines Jahres um mehr als 35 Prozent in die Höhe geschnellt. Große Haushaltstechnik ist in den USA innerhalb eines Jahres um 15 Prozent teurer geworden. Propan und Brennholz für das Heizen von Häusern – um 16 Prozent. Und etwa genauso ist der mittlere Verkaufspreis vorhandener Fertighäuser angestiegen“, weist der Experte nach.

„Daher kann man als die einzige Form, die Inflation zu überholen, sei es bei uns oder in Amerika, das Anlegen eines Teils von Vermögen auf dem Wertpapiermarkt ansehen. Wenn sich ein Mensch nicht bereit fühlt, indem er ein Brokerkonto einrichtet, direkt Aktion zu erwerben, das heißt, indem er auf die Knöpfe auf seinem Konto persönlich drückt, so gibt es die Möglichkeit, ETF (ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index abbildet – entsprechend dem ausgewählten Wirtschaftssektor) zu erwerben“, sagt Puschkarjow. Dabei gesteht er ein, dass das Spielen an der Börse mit Risiken verbunden sei.

„Die Rentabilität hinsichtlich der Rubel-Depositenkonten ist heute offenkundig geringer, als sie insgesamt in 12 bis 15 Monaten ausfallen kann, wenn die Zentralbank auch weiter schrittweise den Leitzins anheben wird“, prognostiziert der Experte.