Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Russlands Eltern sind hinsichtlich einer Ausbildung der Kinder zu Hause auf den Geschmack gekommen


Auf verschiedenen Media-Plattformen dauert die Diskussion um eine Initiative von Abgeordneten der Staatsduma (Russlands Unterhaus – Anmerkung der Redaktion) zur Verschärfung der Regeln für einen Übergang zu einer Ausbildungsform im Kreis der Familie an. Die Ergebnisse der Umfragen, die zu diesem Thema durchgeführt wurden, belegen zumindest ein Interesse für die Alternative zu den heutigen Bildungseinrichtungen. Die Schule als eine Institution verliert scheinbar ihr Ansehen und ihre Attraktivität.

Es sei daran erinnert, dass der Staatsduma-Abgeordnete von Tatarstan Ilja Wolfson (aus der Fraktion der Kremlpartei „Einiges Russland“ — Anmerkung der Redaktion) an den Leiter des Ministeriums für Bildungswesen Russlands, Sergej Krawzow, ein Schreiben sandte, in dem er betonte, dass sich in den letzten Jahren in den russischen Regionen eine besorgniserregende Tendenz abgezeichnet hätte: Immer mehr Eltern würden ihre Kinder zu einer Ausbildungsform im Kreis der Familie (Hausunterricht – Anmerkung der Redaktion) überführen. In Tatarstan beispielsweise hat laut Angaben des Ministeriums für Bildungswesen und Wissenschaft der Republik allein im Unterrichtsjahr 2024/2025 die Anzahl solcher Kinder um 50 Prozent erhöht. Heute würden 2329 Kinder zu Hause unterrichtet werden.

Die Nachrichtenagentur RBC organisierte eine Bevölkerungsbefragung zum Thema des Nutzens einer Ausbildung im Kreis der Familie. An der Umfrage beteiligten sich über 24.000 Menschen. Für eine Ausbildung zu Hause sprachen sich rund 54 Prozent der Umfrageteilnehmer. Eine neutrale Meinung vertraten 20 Prozent der Teilnehmer. Eine analoge Umfrage organisierte der Telegram-Kanal „Wissenschaften und Universitäten“. Laut den Ergebnissen dieser Befragung haben 39 Prozent der Teilnehmer die Vorzüge eines Unterrichtens zu Hause positiv bewertet.

Einer der Hauptgründe für einen Übergang zu einer häuslichen Ausbildung ist die Schule an sich: das zu einem fast üblichen gewordene Bulling, der psychologische Druck, die in jeder Hinsicht komplizierten Programme, die Konflikte mit den Lehrern und der Verwaltung usw. Die Schule wird von den Erwachsenen und Kindern nicht mehr als ein sicherer Raum wahrgenommen. Im Ergebnis dessen urteilen einige Familien so: Wenn die Schule eine schlechte ist, muss man für das Kind ein Unterrichten zu Hause organisieren.

Aber jeder erfahrene Lehrer wird sofort alle Punkte auf die „i“s setzen: Die Kinder würden nicht nur deshalb in die Schule gehen, um Wissen zu erhalten, sondern auch, um sozialisiert zu werden. Gerade durch Konflikte, Zwistigkeiten, Streitereien und gar Prügeleien mit einem Übergang zu einer friedlichen Koexistenz und später auch zu einer Freundschaft begreife das Kind die Welt. Indem dem Teenager dieser Vorzug genommen wird, selbst seine Kommunikationsprobleme zu lösen, würden die Eltern, wie Psychologen anmerken würden, die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes bremsen. Überdies überschätzen die meisten Erwachsenen offenkundig ihrer Fähigkeiten hinsichtlich der Organisation eines selbständigen Studiums des Kindes. Dieser Prozess ist ein schwieriger, arbeitsintensiver und energieaufwendiger.

Andererseits beeinflusst das Ausprägen dieser Selbstsicherheit der Eltern das von Tag zu Tag erstarkende System der Online-Ausbildung. Die riesige Anzahl von Lehrgängen für Eltern und Schüler für eine Selbstausbildung heizen die ehrgeizigen elterlichen Absichten an. Das Interesse stimuliert auch die Reklame für erfolgreiche Praktiken alternativer Schulen.

Zum Thema des Hausunterrichts haben sich neben Ilja Wolfson auch andere Abgeordnete geäußert. Das Wesen ihrer Kommentare läuft darauf hinaus, dass die Kinder beim Hausunterricht im Durchschnitt geringere Ergebnisse als ihre Altersgefährten in gewöhnlichen Schulen demonstrieren würden. Dies sei besonders spürbar beim Ablegen der Abschlussprüfungen.

Eine andere Sache ist die, wenn der Hausunterricht eine erzwungene Entscheidung der Eltern ist. Wenn ein Kind eingeschränkte Möglichkeiten aufgrund der Gesundheit hat, so ist ein Hausunterricht nicht nur gerechtfertigt, sondern oft auch effektiver.

Der Abgeordnete Wolfson schlägt vor, eine aus Vertretern verschiedener Institution bestehende Kommission zu bilden, die entsprechende Anträge behandeln und die Entscheidung über die Überführung von Kindern zu einem Unterrichten außerhalb der Schule treffen werden. Solch einer Kommission können Vertreter der Bildungseinrichtung, aus Vormundschaftsbehörden, ein Kinderpsychologe und andere Spezialisten angehören.

Nach Meinung des Abgeordneten müsse man gleichfalls die Anzahl der Zwischenprüfungen für die Kinder im Hausunterricht mindestens bis auf zweimal im Jahr erhöhen, um besser den Grad der Aneignung der Bildungsprogramme zu kontrollieren. Gegenwärtig wird empfohlen, solch einen Test einmal im Jahr zu absolvieren. Eine Pflichtprüfung absolvieren aber die Kinder mit Hausunterricht in der 9. Klasse. Vorgeschlagen wird ebenfalls, den Bildungsbehörden das Recht zu geben, das jeweilig in die Schule zurückzuholen, wenn es zweimal in Folge die Zwischenprüfung nicht bestanden hat.

Im Bildungsministerium der Russischen Föderation verleugnet man nicht, dass die Zunahme der Anzahl der Kinder im Hausunterricht eine Realität ist. Die Anzahl der russischen Schüler in einer häuslichen Ausbildung hat innerhalb eines Jahres fast um 17 Prozent zugenommen. Wie RBC unter Berufung auf Angaben des Bildungsministeriums berichtete, lernten zu Beginn des Schuljahres 2025/2026 bereits 99.400 Kinder zu Hause. Es gibt eine Zunahme. Man muss aber verstehen, dass die Gesamtzahl der Schüler außerhalb der Schulen nicht einmal ein Prozent von der Gesamtzahl der Schüler übersteigt, betonte das Ministerium.

Allerdings gibt es auch Zweifel hinsichtlich der Korrektheit der angeführten Zahlen. Sie berücksichtigen nur jene, die bei einer Schule für eine Prüfung registriert wurden. Die Sache ist aber die, dass auch die Anzahl der Absolventen der 9. und der 11. Klassen zunimmt. Man muss gleichfalls noch jene berücksichtigen, die nicht die Abschlussprüfungen mit einer positiven Bewertung bestanden haben und heute zu einem Hausunterricht übergegangen sind. Oder ganz und gar nirgends lernen. Denn der Gesetzentwurf, der ihnen erlaubt, weiter einen Beruf zu erlernen, , ist bereits nach Beginn des Unterrichtsjahres angenommen worden.