Die moldawische Armee bereitet sich auf eine Jubiläumsmilitärparade vor. Am 27. August wird der 35. Jahrestag der Unabhängigkeit der Republik Moldowa begangen. Abnehmen wird die Parade die Oberkommandierende der nationalen Streitkräfte, die Präsidentin der Republik Maia Sanda. Neben ihr werden die Präsidenten der Ukraine und Rumäniens präsent sein. Und über den Paradeplatz werden Formationen von Militärs sowohl aus diesen Ländern als auch aus Litauen, Italien, Polen, Frankreich, Tschechien und den USA marschieren. Moldawiens Ex-Botschafter in der Russischen Föderation Anatol Țăranu (in den Jahren 1993 und 1994 – Anmerkung der Redaktion) sagte der „NG“, dass dies eine „Demonstration von Solidarität“ der EU-Länder mit Moldawien vor dem Hintergrund der Verschlechterung der Beziehungen mit Russland sei. Nach Aussagen von Țăranu „stuft Moldowa den Grad der diplomatischen Beziehungen mit der Russischen Föderation herunter, was die Abberufung des moldawischen Botschafters aus Moskau belegt“.
„Die Teilnahme ausländischer Militärs an der Parade aus Anlass des Unabhängigkeitstages der Republik Moldowa ist erklärbar. Erstens ist dies ein Jubiläum. 35 Jahre Unabhängigkeit des Landes. Zweitens kommen unsere Partner nach Moldowa. Und natürlich ist dies eine Demonstration dieser Partnerschaftsbeziehungen für Russland, besonders vor dem Hintergrund der zu uns anfliegenden Drohnen“, erläuterte der „NG“ der ehemalige Botschafter der Republik Moldowa in der Russischen Föderation und Leiter des Zentrums für strategische Studien und politisches Consulting Politicon Anatol Țăranu. Er erinnerte an die Abberufung des moldawischen Botschafters aus Moskau nach dem erneuten Eindringen einer Drohnen in den Luftraum des Landes. Und er merkte an, dass „wahrscheinlich der Grad der diplomatischen Beziehungen Moldowas mit Russlands zurückgestuft wird“.
Anatol Țăranu bestätigte gleichfalls gegenüber der „NG“ die Gerüchte über die Absicht der moldawischen Offiziellen, in der Republik Drohnen herzustellen. Der 75jährige ist der Auffassung, dass dies nicht gegen den neutralen Status der Republik Moldowa verstoße: „Die Schweiz ist ein neutrales Land. Doch in ihm arbeiten Rüstungsbetriebe“. „Wir können herstellen, was wir wollen, und das Hergestellte an den verkaufen, für den es von Vorteil ist“, betonte er.
Es ist verständlich, dass es vor allem für die Ukraine vorteilhaft ist zu erwerben. Und Țăranu hat dies nicht verhehlt. Obgleich er auch anmerkte, dass „die Sicherheit Moldowas in diesem Fall einer Gefahr ausgesetzt wird. Russland warnte vor einem möglichen Schlag gegen alle Rüstungsbetriebe, die mit der Ukraine verbunden sind“. Jedoch „hat Moldowa Partner, die die Russische Föderation zurückhalten können“.
Der Leiter der Verwaltung für Verteidigungspolitik und Verteidigungsplanung des Verteidigungsministeriums Ion Rotaru erklärte in einer Sendung des öffentlichen Rundfunks: „Natürlich rechneten wir mit den verstärkten Partnerschaftsbeziehungen, die sich für uns mit verschiedenen Ländern herausgebildet haben. Sie erhielten Einladungen zum Tag der Unabhängigkeit Moldowas und haben ihre Teilnahme bestätigt. Am 27. August werden sie an der Parade im Bestand einer erweiterten Gruppe auf dem Platz der Großen Nationalversammlung teilnehmen“.
Rotaru betonte, dass Moldawien gleichfalls Einladungen von Partnerländern zwecks Teilnahme an unterschiedlichen Veranstaltungen im Ausland erhalte. „Daher ist dies eine gewisse Verstärkung einer Message – sowohl hinsichtlich unserer Teilnahme dort als auch deren Teilnahme bei uns“, unterstrich der Vertreter des moldawischen Verteidigungsministeriums.
Es sei daran erinnert, dass über 2000 Militärs und Mitarbeiter bewaffneter Strukturen, aber auch Veteranen und Kontingente aus Partnerländern an der Parade am 27. August im Herzen Kischinjows, die dem 35. Jahrestag der Proklamierung der Unabhängigkeit der Republik Moldowa gewidmet sein wird, teilnehmen werden. Bei der Parade werden gleichfalls über 100 Militärfahrzeuge und andere Technik, die mit Geldern des Europäischen Friedensfonds (Europäische Friedensfazilität) erworben wurde, vorgestellt. Außer Militärtechnik kaufte Kischinjow auch Radaranlagen. Die aber hatten nicht die Drohnen entdeckt, die über dem Territorium der Republik Moldowa geflogen waren.
Verteidigungsminister Anatolie Nosatii gestand ein, dass nicht alle Drohnen durch die Radars entdeckt werden könnten. Er erklärte, dass „die Anzahl der Funkortungsstationen, die sich im Bestand der Armee befinden, keine vollständige Kontrolle über dem nationalen Luftraum gewährleisten“. Nach Aussagen von Nosatii, der von Kischinjower Medien zitiert wird, sei es unmöglich, aufgrund des Drohnentyps, des Reliefs der Landschaft oder der Höhe, in der sie fliegen, sofort die Apparate zu identifizieren. Der Minister erklärte: „Wir müssen weiter in das Potenzial der nationalen Armee investieren, um die Möglichkeit zu haben, Drohnen zu identifizieren und zu neutralisieren“. Diese Erklärungen erklängen nach dem Absturz einer Drohnen am 9. August in der Umgebung des moldawischen Dorfes Krokmaz im Verwaltungskreis Ștefan Vodă.
Zuvor hatte Präsidentin Maia Sandu am 7. August erklärt, dass sich Moldawien mit der Herstellung von Drohnen ungeachtet des in der Verfassung verankerten Status einer ständigen Neutralität des Landes befassen werde. Sie teilte mit, dass sie bereits die Regierung beauftragt hätte, die Gesetzgebung zu ändern, um eine Partnerschaft von Staat und privatem Kapital und ausländische Investitionen in solch eine Fertigung zu erlauben. Sandu betonte, dass sie hoffe, bei der Herstellung von Drohnen von der Ukraine Hilfe zu erhalten, da Moldawien nicht über die notwendigen Technologien verfüge.
Dieser Tage sagte der russische Botschafter in Moldawien Oleg Oserow einem Korrespondenten der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS, dass in Moldawien bereits hergestellt und an die Ukraine geliefert werden würden. Die Agentur meldete unter Berufung auf Vertreter der bewaffneten Organe, dass in der Kleinstadt Vadul lui Vodă Drohnen-Tests stattgefunden hätten.
Der Chef der pro-russischen Partei der Sozialsten und Ex-Präsident Igor Dodon hält „ein Hineinziehen in den Konflikt für eine reale Gefahr, wenn auf dem Territorium von Moldowa eine Fertigung von Drohnen für die Ukraine organisiert wird“. In einer Sendung des rumänischen Senders Realitatea TV betonte er, dass nach Aussagen von Präsidentin Maia Sandu „die Fertigung von Abfang-Drohnen aus der Ukraine auf das Territorium von Moldowa verlegt wird“. Der moldawische Politiker Anatol Țăranu sagte jedoch der „NG“, dass keiner „eine Fertigung vom Territorium der Ukraine nach Moldowa verlegen wird. Die Produktion wird man vor Ort organisieren“.
Derweil äußerte Dodon Befürchtungen: „Dies schafft riesige Risiken für unsere Sicherheit. Moldowa hat weder Technologien noch Ressourcen für eine Massenfertigung solcher Drohnen. Es ergibt sich die Frage: Für wen werden sie dann hergestellt? Dies ist eine reale Gefahr für ein Hinziehen der Republik Moldowa in den Konflikt (zwischen Russland und der Ukraine – Anmerkung der Redaktion) und ein Verwandeln unseres Landes in einen Teil der militärischen Infrastruktur der Ukraine“.
Es gibt aber Experten, die darin einen Nutzen für die Gesellschaft sehen. „Die industriemäßige Fertigung von Drohnen und andere Möglichkeiten für eine Partnerschaft von Staat und privatem Kapital im Verteidigungsbereich sind eine reale Chance für neue Investitionen und eine Entwicklung neuer Branchen in der Republik Moldowa“, meint der Wirtschaftsfachmann Veaceslav Ioniță.
In einem Interview für das Nachrichtenportal www.moldova.org kommentierte er die jüngste Erklärung von Präsidentin Maia Sandu über die Notwendigkeit von Gesetzesänderungen, die erlauben werden, eine Partnerschaft von Staat und privatem Kapital im Verteidigungsbereich zu realisieren.
„Eine neue Gesetzgebung (in diesem Bereich — „NG“) garantiert nicht, dass morgen Betriebe für die Herstellung von Drohnen in Moldowa auftauchen werden. Es wäre naiv, so etwas anzunehmen. Dies erhöht aber erheblich die Wahrscheinlichkeit neuer Investitionen. Investitionen werden nicht dort auftauchen, wo es nur hehre Absichten gibt. Sie tauchen dort auf, wo es voraussagbare und mit der internationalen Praxis kompatible Normen gibt“, meint Ioniță. Der Experte lenkte das Augenmerk darauf, dass eine moderne Fertigung von Drohnen nicht bloß Anlagen und Ausrüstungen seien. Dies seien auch noch Arbeitsplätze für Bürger des Landes.
Früher hatte die regierende Partei PAS (Partidul Acțiune și Solidaritate – Partei der Aktion und Solidarität) bereits Pläne zur Entwicklung der Rüstungsindustrie in Moldawien annonciert. Parlamentschef Igor Grosu hatte diese Informationen damals jedoch dementiert, wobei er erklärt hatte, dass es maximal um die Herstellung von Patronen für Jagdwaffen gehe.