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Steht die Russisch-Tadschikische Uni in Duschanbe vor dem Aus?


Ein halbes Jahr nach der Schließung der russischsprachigen Slawischen Universität in Chisinau (Moldawien) ist das Schicksal der ähnlichen Bildungseinrichtung in Duschanbe in Gefahr geraten. Schwierigkeiten haben sich mit dem Abschluss eines Abkommens über die Tätigkeit der Hochschule ergeben: Die russische und die tadschikische Seite können sich nicht über die Bedingungen für die weitere Arbeit der Einrichtung einigen. Aufs Spiel gesetzt werden die Diplome der Absolventen sowie die Zusammenarbeit Moskaus und Duschanbes im Bereich der Hochschulausbildung.

Die Russisch-Tadschikische (Slawische) Universität (RTSU) war bereits 1996 im Rahmen des Vertrags über Freundschaft und Zusammenarbeit gemeinsam durch die Regierungen beider Länder geschaffen worden. Entsprechend der Ausgangsidee sollten in der Hochschule hochqualifizierte Fachleute mit Russisch-Kenntnissen ausgebildet werden. Nunmehr hängt das Schicksal der RTSU davon ab, ob die Seiten zu einem Kompromiss hinsichtlich der Bedingungen für ein neues Abkommen gelangen. Gegenwärtig wird die Tätigkeit der Universität durch das „Abkommen zwischen der Regierung der Russischen Föderation und der Regierung der Republik Tadschikistan über die Bedingungen für die Schaffung und Tätigkeit der Russisch-Tadschikischen (Slawischen) Universität in der Stadt Duschanbe“ geregelt.

Eine der Studenten der RTSU berichtete der „NG“, dass in der Universität große personelle Umbesetzungen begonnen hätten, die sowohl der Lehrkörper als auch die Verwaltung betreffen würden. Zur Ursache wurde die Ernennung von Ilchomuddin Ibrochimsod Radschabali zum neuen Rektor im November vergangenen Jahres. Er besitzt solide Erfahrungen aus der Arbeit im Bereich der Hochschulbildung Tadschikistans. In der RTSU war er unter anderem ab Mai 2024 der amtierende Rektor. Jetzt aber, nach dem offiziellen Erhalt des Amts des Leiters der Universität, hat sich Radschabali ernsthaft dem angenommen, Ordnung in der RTSU zu schaffen. Gerade zu dieser Zeit hat sich auch der Konflikt mit Moskau aufgrund des neuen Vertrags ergeben. Ohne ihnkanndie Hochschule die Akkreditierung verlieren. Und die Absolventen werden ohne Diplome staatlichen Musters bleiben.

Dabei zeichnet sich in Zentralasien vorerst ein Trend zum Verzicht auf die russische Sprache und zu einem Umschreiben der Geschichtslehrbücher ab. In Tadschikistan ist man bestrebt, sowohl das sowjetische Erbe als auch die festen Bande mit Russland zu bewahren. Das vergangene Jahr war für die Beziehungen beider Länder voll von Ereignissen und neuen Projekten. Zu einem markanten wurde die Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin am Summit „Russland – Zentralasien“, die den freundschaftlichen Charakter der tadschikischen Offiziellen bekräftigte. Und der Warenaustausch zwischen den zwei Ländern hat um 17,3 Prozent zugenommen.

Eine Ursache, die das Schicksal der RTSU in Gefahr gebracht hat, kann sowohl das Auseinandergehen der Ansichten der Offiziellen beider Länder, unter anderem in der Finanzfrage, als auch die Ablehnung bestimmter Punkte, die die Tätigkeit der Hochschule regeln, durch die neue Universitätsleitung sein. Hervorheben muss man auch die generellen Probleme der Hochschulausbildung Tadschikistans, zum Beispiel den Mangel an Hochschullehrern und die Unzugänglichkeit der Ausbildung aufgrund der geringen Einkommen der Haushalte. Laut Angaben für das Jahr 2017 (die einzigen zugänglichen) haben lediglich rund 12 Prozent der Tadschiken eine Hochschulausbildung. Zum Vergleich: Dieser Parameter lag in Russland im Jahr 2021 bei rund 41 Prozent.

Dennoch wird, selbst wenn keine Bestimmungen des neuen Vertrags für die RTSU formuliert werden, die Zusammenarbeit im Bildungsbereich auch mithilfe anderer Mechanismen fortgesetzt werden, und nicht nur mittels der gemeinsamen Universität. Beispielsweise durch die Eröffnung von Filialen großer russischer Hochschulen in Tadschikistan oder durch das Organisieren einer großen Anzahl von Austausch-Bildungsprogramme.