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Tadschikistan sucht nach Eignern für Verluste machende Staatsunternehmen


Tadschikistans Regierung bereitet ein neues Programm zur Privatisierung großer staatlicher Unternehmen vor. Wie Finanzminister Faisiddin Kochchorsoda mitteilte, würden die Offiziellen nicht nur einen direkten Verkauf von Unternehmen, sondern auch die Realisierung eines Teils der staatlichen Aktien, eine Partnerschaft von Staat und Privatbusiness sowie andere Formen für eine Gewinnung von Kapital erörtern. Die endgültige Liste der entsprechenden Unternehmen ist bisher nicht bestätigt worden, jedoch ist separat die Verluste machende staatliche Fluggesellschaft „Tajik Air“ genannt worden.

Die Gründe für die Reform sind offensichtlich. Entsprechend den Ergebnissen des ersten Quartals dieses Jahres haben die Unternehmen der Republiksebene einen Gesamtverlust von 558,5 Millionen Somoni (umgerechnet etwa 60,3 Millionen US-Dollar) erhalten. Und ihre Kreditschulden haben 30,45 Milliarden Somoni (umgerechnet 3,29 Milliarden US-Dollar) erreicht, berichtete das Internetportal Asia-Plus. Der Staat ist faktisch gezwungen, zwischen einer ständigen Unterstützung der Problem-Unternehmen und der Gewinnung von Investoren, die Gelder, Technologien und ein effektiveres Management gewährleisten können, zu wählen.

Das Problem hat sich über Jahre hinweg akkumuliert. In Tadschikistan funktionieren über 850 Unternehmen und Gesellschaften mit einer staatlichen Beteiligung. Das Finanzministerium kontrolliert separat die 27 größten Unternehmen in der Energiewirtschaft, Metallurgie, Luftfahrt, in den Bereichen Eisenbahn, Fernmeldewesen und kommunale Wirtschaft, sowie im Banken- und Versicherungssektor.

Laut Angaben des Finanzministeriums, die das letzte Mal im Jahr 2023 veröffentlicht wurden, haben die großen nicht zum Finanzsektor gehörenden Unternehmen Einnahmen in einer Höhe von 18,3 Milliarden Somoni (umgerechnet 1,8 Milliarden US-Dollar) erhalten, das Jahr aber mit einem Gesamtverlust von rund 3,4 Milliarden Somoni (umgerechnet 362 Millionen US-Dollar) beendet. Ihre finanziellen Verbindlichkeiten haben 60,8 Milliarden Somoni (5,5 Milliarden US-Dollar) erreicht, womit sie innerhalb eines Jahres um 15 Prozent angestiegen sind. Die größten Verluste verbuchten des Energieunternehmen „Barki Totschik“, das Wasserkraftwerk Rogun und der tadschikische Aluminium-Konzern TALCO.

Eine Quelle in der Regierung Tadschikistans berichtete der „NG“, dass sich in den letzten zwei Jahren die Situation nur verschlechtert habe. Nach ihrer Meinung könne der Verkauf staatlicher Vermögen dem Budget nur eine einmalige Einnahme bescheren. Dies sei aber nicht der wichtigste potenzielle Vorteil. Ein privater Eigner sei in der Lage, überschüssige Ausgaben abzubauen, Anlagen und Ausrüstungen zu erneuern, die Buchhaltung in Ordnung bringen und das jeweilige Unternehmen auf neue Märkte zu bringen. Der Staat müsse in diesem Falle nicht mehr regelmäßig Schulden abschreiben oder das Unternehmen aus dem Staatshaushalt unterstützen. Das Auftauchen eines strategischen Investors könne gleichfalls moderne Technologien bringen und Arbeitsplätze schaffen.

Eine Privatisierung an und für sich macht jedoch ein Unternehmen nicht effizienter. Wenn ein Investor ein Monopol, begünstigte Tarife und einen Schutz vor Konnkurrenten erhält, wird der staatliche Monopolismus einfach durch einen privaten abgelöst. Für die Bevölkerung kann dies ein Ansteigen der Preise, ein Abbau von Arbeitsplätzen und eine Verschlechterung der Zugänglichkeit sozial bedeutsamer Leistungen bedeuten. Noch gefährlicher wird die Situation, in der alte Schulden beim Staat bleiben und kommerziell wertvolle Vermögenswerte an einen Käufer entsprechend einem verringerten Preis gehen.

Als attraktivste Objekt für ausländisches Kapital gilt TALCO. Es muss jedoch daran erinnert werden, dass bereits im Jahr 2009 das Parlament Tadschikistans die endgültige Entscheidung getroffen hatte, TALCO auf die Liste der strategischen Unternehmen zu setzen, die keiner Privatisierung unterliegen, da es offiziell als ein „nationales Gut“ anerkannt worden ist. Ungeachtet der Verluste und des Verschleißes der Anlagen und Ausrüstungen besitzt das Unternehmen einen großen Produktionsstandort, ausgebildetes Personal und Exportkanäle. Aluminium ist eine gefragte Ware, die man gegen Devisen verkaufen kann. Zu einem zusätzlichen Vorteil Tadschikistans kann theoretisch die Hydroenergetik werden. Der Einsatz von vergleichsweise billiger Elektroenergie ist dazu angetan, die Selbstkosten und die Kohlenstoffspur des Metalls (gemeint ist die CO2-Emission im Zusammenhang mit der Aluminiumherstellung – Anmerkung der Redaktion) verringern.

Doch die Arbeit von TALCO ist eng mit staatlichen Entscheidungen verknüpft. Die Herstellung von Aluminium erfordert einen riesigen Umfang an Elektroenergie. Und das Unternehmen nutzte historisch vergünstigte Tarife. Die Weltbank betonte, dass ein Teil der tatsächlichen Kosten für die Aluminium-Herstellung auf den staatlichen Energiesektor umverlegt wurden. Wenn der neue Besitzer den kompletten marktwirtschaftlichen Preis zahlen wird, könne sich die Attraktivität des Betriebes drastisch verringern.

Außerdem muss der Investor den realen Umfang der Verschuldung, die Rechte auf die Produktions- und Handelsaktiva, den Inhalt der Exportverträge und mögliche Umweltschutzpflichten ermitteln. Ein vollständiger Verkauf von TALCO ist wenig wahrscheinlich, da das Unternehmen als ein strategisches gilt. Realistischer sind ein Gemeinschaftsunternehmen, der Verkauf eines Pakets von Aktien, die Übergabe einzelner Produktionslinien oder ein Investitionsabkommen, in dessen Rahmen der Partner eine Modernisierung im Gegenzug für garantierte Aluminium-Lieferungen finanziert.

Gerade hier taucht eine chinesische Komponente auf. China ist bereit einer der Hauptgläubiger, Investoren und Handelspartner Tadschikistans. Die chinesischen Unternehmen verstehen es, in Ländern mit einer starken politische Rolle des Staates zu arbeiten, sind in der Lage, die Finanzierung, Lieferung von Anlagen und Ausrüstungen, Bauarbeiten und den Erwerb von Fertigerzeugnissen zu vereinen. Eine Beteiligung an der Modernisierung von TALCO wird Peking erlauben, die Positionen in der Metallurgie Tadschikistans zu verstärken und einen langfristigen Zugang zu Aluminium zu verankern.

Für Duschanbe ist das chinesische Kapiatl dadurch komfortabel, dass es schneller als das westliche fließt und üblicherweise durch Regierungsvereinbarungen flankiert wird. Solch ein Modell birgt aber Risiken in sich. Die Finanzierung kann die Abhängigkeit des Landes von einem Partner erhöhen, und die Vertragskonditionen können nicht öffentliche bleiben. Anstelle einer offenen Privatisierung kann ein Schema zur Geltung kommen, in dessen Rahmen ein chinesisches Unternehmen die Kontrolle über eine Fertigung, vergünstigten Strom und einen garantierten Absatz erhält, während die Schulden und sozialen Verpflichtungen bei Tadschikistan bleiben.

Mit der Fluggesellschaft Tajik Air ist die Situation eine schwierigere. Im Jahr 2023 machten die Einnahmen der Airline lediglich 2,4 Millionen Somoni (umgerechnet 259.200 US-Dollar) und die Verluste 29,6 Millionen Somoni (3,19 Millionen US-Dollar) aus. Das Unternehmen braucht faktisch keinen Wechsel des Eigentümers, sondern einen kompletten Neuanfang – neue Flugzeuge, Umlaufkapital, die Wiederherstellung von Zertifikaten, eine Schulung von Crews und eine Rückkehr der Passagiere.

Dabei ist es nach Verabschiedung der Politik eines „offenen Himmels“ für ausländische Airlines einfacher geworden, Flüge nach Tadschikistan abzuwickeln. Ein potenzieller Partner muss daher nicht unbedingt die mit Problemen belastete nationale Fluggesellschaft übernehmen. Er kann einfach eigene Flugrouten organisieren.

Das Haupthindernis bleibt das Investitionsklima. Im Korruptionsindex von Transparency International (in der Russischen Föderation eine unerwünschte Organisation) erhielt Tadschikistan für das Jahr 2025 19 von 100 möglichen Punkten belegte unter den 182 indexierten Ländern den 166. Platz. Internationale Organisationen verweisen gleichfalls auf die Schwäche des Rechtsschutzes, die geringe Qualität der Regulierung und die unzureichende Transparenz der Staatsunternehmen.

Für einen Investor bedeuten diese Probleme ein Risiko hinsichtlich einer Revision von Vergünstigungen, eines Drucks der Steuer- und kontrollierenden Behörden, einer Einmischung von Staatsbeamten in das Management und die Unmöglichkeit, Verträge in einem unabhängigen Gericht zu verteidigen. Besonders vorsichtig werden die westlichen Unternehmen sei, die verpflichtet sind, die strenge Antikorruptionsgesetzung einzuhalten. Die fehlende Transparenz der Vermittler oder Zahlungen ist dazu angetan, für sie zu Untersuchungen bereits in der eigenen Jurisdiktion zu führen.

Eine reale Privatisierung ist nur nach einer internationalen Wirtschaftsprüfung, einer unabhängigen Bewertung der Vermögenswerte und einer vollkommenen Offenlegung der Schulden möglich. Die Offiziellen müssen die Bedingungen der Ausschreibungen, die End-Eigner der beteiligten Unternehmen und die Investitionspflichten der Gewinner veröffentlichen. Wünschenswert ist eine Teilnahme der Weltbank der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung oder der Internationalen Finanzkorporation als Berater.

Somit wird das Privatisierungsprogramm als ein wirtschaftlich gerechtfertigtes aussehen. Aber dessen Ergebnis wird nicht von der Anzahl der verkauften Aktien abhängen. Wenn der Staat einen wahren Wettbewerbs- und transparenten Prozess schafft, kann privates Kapital wirklich die Haushaltsrisiken verringern und die Unternehmen sanieren. Wenn aber die Verträge hinter verschlossenen Türen abgeschlossen werden, riskiert die Privatisierung, sich in eine Übergabe staatlicher Vermögenswerte an einen engen Kreis von Käufern zu verwandeln. In solch einem Fall bleiben die Schulden bei der Gesellschaft, und der Gewinn und die Kontrolle über die strategischen Ressourcen gehen an neue Inhaber über.

P. S.

Derweil tauchten in den letzten Tagen zahlreiche Meldungen auf, die von einer recht erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung der mittelasiatischen Republik zeugen. Am 28. Juli leitete beispielsweise Präsident Emomali Rachmon eine Regierungssitzung, bei der mitgeteilt wurde, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres die Wirtschaft Tadschikistans um 8,2 Prozent auf das Jahr hochgerechnet gewachsen sei (für Russland eine vorerst unerreichbare Traumzahl – Anmerkung der Redaktion). Das Volumen des Bruttoinlandsprodukts erreichte 81,7 Milliarden Somoni. Das Wachstum wurde u. a. durch eine Steigerung der Industrieproduktion um 14,1 Prozent, der Landwirtschaft um 7,2 Prozent, der Investitionen in das Grundkapital um 18,4 Prozent und des Handelsumsatzes um 26,1 Prozent gewährleistet. Dabei lag die Inflationsrate im Berichtszeitraum bei 2,4 Prozent (in Russland liegt sie bei rund 6 Prozent).

Zieht man einen Vergleich mit anderen GUS-Ländern, demonstrierte Tadschikistan im ersten Halbjahr dieses Jahres das größte Wachstum der Industrieproduktion (um 14,1 Prozent) im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres (in Russland lediglich um 0,4 Prozent).

Vor diesem Hintergrund erregte noch eine Nachricht Aufmerksamkeit. Tajik Air bekommt bald spürbaren Gegenwind im eigenen Land, denn die private Fluggesellschaft Tadschikistans Shohin Airlines wird den Markt in Bewegung bringen. Während der Internationalen Aviashow 2026 von Farnborough unterzeichnete die Airline mit dem Konzern Airbus ein Abkommen über die Lieferung von vier Jets aus der A320neo-Familie. Die im Juni 2025 in Duschanbe aus der Taufe gehobene Airline will ein weites Streckennetz mit den neuen Jets schaffen und eine moderne Marke in der internationalen Zivilluftfahrt etablieren, die Tadschikistan weltweit repräsentieren soll.