Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Über 35 Millionen Bürger Russlands haben einen Teil der Renten-Ersparnisse verloren


Die neuen Daten über die Rentabilität der Renten-Ersparnisse haben Systemprobleme des Kapitalmarktes und des Rentensystems an sich aufgezeigt. Zu Opfern der in Russland aufgehobenen obligatorischen Renten-Ersparnisse sind über 35 Millionen Menschen aufgrund des Verlusts eines erheblichen Teils ihrer Abführungen, aber auch aufgrund der Gefahr einer Verringerung der Renten geworden. Die Versuche der Bürger, einen richtigen privaten Rentenfonds auszuwählen, haben im Vergleich zur Strategie der „Schweigenden“ mehr Verluste eingebracht. Letztere haben es abgelehnt, Zeit für die Auswahl des einen oder anderen nichtstaatlichen Rentenfonds aufzubringen. Die unter die Verwaltung des Staates gestellten Gelder der „Schweigenden“ haben in geringster Weise unter der Inflation gelitten, berechneten Wirtschaftsexperten. Dabei fanden sich die Mitarbeiter der privaten Rentenfonds unter den Rekordhaltern Russlands in Bezug auf die Löhne und Gehälter, indem sie im Durchschnitt rund 500.000 Rubel im Monat (umgerechnet etwa 5668 Euro) erhalten.

Die Zentralbank Russlands veröffentlicht regelmäßig ausführliche Daten über die Rentabilität des Systems der nichtstaatlichen Rentenfonds, das heute in Russland existiert. Dabei unterscheidet die Zentralbank nach der Rentabilität der privaten Fonds an sich und der Zunahme der Geldmenge auf den Konten der Bürger, die diesen Fonds ihre Rentenersparnisse übergeben haben. Und da ist eine erstaunliche Gesetzmäßigkeit auszumachen: Das Wachstum der Aktiva der eigentlichen nichtstaatlichen Rentenfonds übersteigt die Inflationsrate, während die Zunahme der Geldmenge auf den Konten der Bürger üblicherweise hinter der durchschnittlichen Zunahme der Verbraucherpreise zurückbleibt. Anders gesagt: Die privaten Fonds werden im Ergebnis ihrer Tätigkeit reicher, die Sparer bzw. Anleger werden ärmer. Für eine Ermittlung der Geschwindigkeit des Verlierens an Geldern durch die Bürger im System der privaten Rentenfonds reicht es, sich die sogenannte akkumulierte Rentabilität der privaten Rentenfonds seit Beginn des Jahres 2017 im Vergleich zur Inflation anzuschauen.

Zu Beginn dieses Jahres machte die akkumulierte (offizielle) Inflation 74,1 Prozent aus, doch die Zunahme der Geldmenge der Anleger belief sich nur auf 60,4 Prozent. Dies bedeutet, dass im Ergebnis des ständigen „Investierens“ Russlands Bürger in den letzten neun Jahren im System der privaten Rentenfonds im Durchschnitt 13,7 Prozent ihres Geldes verloren haben. Die privaten Fonds an sich haben aber in dem gleichen Zeitraum eine akkumulierte Rentabilität von 86,5 Prozent demonstriert, was erheblich mehr als die akkumulierte Inflation ist. Bei dem Veröffentlichen dieser Daten machen die Beamten der Zentralbank keinen Hehl daraus, dass diese „Rentabilität vor Auszahlung der Vergütung an den Fonds ausgewiesen worden ist“. Dabei kann man die Vergütungen für die Mitarbeiter der privaten Rentenfonds in keiner Weise als übermäßig bescheidene bezeichnen.

Zu den einzigen zwei Branchen in Russland, in denen der Durchschnittsverdienst über 500.000 Rubel lag, wurden im Dezember 2025 die nichtstaatlichen Rentenfonds und der Sektor der Geldmakler, ergibt sich aus einer Analyse der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. So erhielten die Mitarbeiter der nichtstaatlichen Rentenfonds im Durchschnitt 516.600 Rubel. Und die Geldmakler – 513.300 Rubel. Im Dezember 2024 war es nur Mitarbeitern nichtstaatlicher Rentenfonds gelungen, die Grenze von einer halben Million Rubel zu überwinden.

Aber die Rekordgehälter der Mitarbeiter der nichtstaatlichen Rentenfonds sind nicht der einzige Grund der Geldverluste für Millionen von Bürgern Russlands. Die Sache ist die, dass in unserem Land von 2002 bis einschließlich 2013 ein System obligatorischer (erzwungener) Rentenbeiträge galt. In dieser Zeit wurden für die Bürger , die nach 1967 geboren wurden, auf deren Personenkonten sechs Prozent der 22 Prozent der Versicherungsbeiträge vom Arbeitgeber überwiesen. Dabei verringerten sich dementsprechend die Beiträge für die Arbeitsmarktrenten.

Wenn einer Frau des Jahrgangs 1967 die ganze Zeit von 2002 bis einschließlich 2013 Beiträge für das obligatorische akkumulierende Element von der maximalen Höhe des beitragspflichtigen Lohnes zahlte, so können die Verluste bei der Arbeitsmarktrente 10.000 bis 11.000 Rubel im Monat ausmachen. Dabei kann die akkumulierte Rente lediglich 1500 bis 2000 Rubel im Monat ausmachen“, erläuterte die Staatsduma-Abgeordnete Oksana Dmitrijewa (Fraktion „Gerechtes Russland“). In der Zeit des Wirkens der Zwangsakkumulationen haben die privaten Fonds auf ihren Konten etwa 6,2 Billionen Rubel angehäuft. „Jetzt haben die nichtstaatlichen Rentenfonds einen aktiven Kampf begonnen, um die sich herausgebildeten Rentengelder bei sich zu behalten“, sagte die Abgeordnete.

Laut Berechnungen Dmitrijewas hätten jene Bürger, die für die Ersparnisse einen konkreten privaten Fonds ausgewählt hatten, im Vergleich zu den „Schweigenden“, die keinen konkreten privaten Rentenfonds ausgewählt hatten, Verluste gemacht. Die Beiträge der „Schweigenden“ waren einem staatlichen Verwaltungsunternehmen in Gestalt der VEB (Vneshekonombank) übergeben worden.

Das obligatorische akkumulierende Element wurde zwischen der VEB (das der „Schweigenden“) und den nichtstaatlichen Rentenfonds, die aktiv die Bürger zu sich riefen und rufen, aufgeteilt. Die Arbeit der VEB in Bezug des obligatorischen akkumulierenden Elements regelt und kontrolliert der Sozialfonds Russlands, der in der letzten Zeit verlangt, genau solche eine Rentabilität wie auch eine Indexierung der Versicherungsrenten (Arbeitsmarktrenten) zu sichern. Und die nichtstaatlichen Rentenfonds, die durch die Zentralbank Russlands und das Finanzministerium geregelt werden, demonstrieren eine wesentlich geringere Rentabilität wie vor der Auszahlung der Vergütung. Und in einem noch geringerem Maße eine Rentabilität, die sich auf den Personenkonten der versicherten Personen niederschlägt“, merkte Dmitrijewa an. Nach ihren Worten mache die akkumulierte Rentabilität für die Jahre 2017-2024 in der VEB hinsichtlich der Rentenersparnisse das 1,79fache sowohl bis zur Auszahlung der Vergütung als auch nach der Aufteilung entsprechend den Personenkonten aus. „Im Durchschnitt aber machten in den nichtstaatlichen Rentenfonds im gleichen Zeitraum die Rentabilität das 1,64fache bis zur Auszahlung der Vergütung und das 1,43fache bei der Aufteilung entsprechend den Personenkonten aus“, betonte die studierte Volkswirtin.

Solch ein Unterschied hinsichtlich der Rentabilität zwischen den staatlichen und privaten Managementfirmen sei Gegenstand einer gesonderten Untersuchung und Vornahme einer Finanzkontrolle der nichtstaatlichen Rentenfonds, ist sich Oksana Dmitrijewa sicher. „Der erste Schritt muss ein Vorschlag zur Änderung des Aufsichtsorgans für die nichtstaatlichen Rentenfonds zumindest hinsichtlich des obligatorischen Akkumulationselements sein. Dies muss der Sozialfonds Russlands sein“, schlägt die Abgeordnete vor. Sie erinnerte daran, dass die Funktionen zur staatlichen Regulierung der nichtstaatlichen Rentenfonds heute zwischen der Zentralbank Russlands und dem Ministerium für Finanzen aufgeteilt worden seien. Im Endergebnis sind 35,5 Millionen Menschen, die ihre Gelder hinsichtlich des obligatorischen akkumulierenden Elements an nichtstaatliche Rentenfonds überwiesen hatten, in eine benachteiligte Lage geraten. „Erstens sind sie durch das obligatorische Akkumulationselement im Vergleich zu jenen, denen nur Versicherungsrenten (Arbeitsmarktrenten) berechnet werden, diskriminiert. Zweitens sind die Bürger, die der Propaganda erlagen und ihre Gelder an nichtstaatliche Rentenfonds überwiesen, in eine schlechtere Lage im Vergleich zu den „Schweigenden“ geraten, die die Mittel nirgendwohin überwiesen und bei der VEB geblieben sind“, konstatierte Oksana Dmitrijewa.

Kurator des Systems der privaten Rentenfonds seitens der Zentralbank ist der stellvertretende ZB-Chef Filipp Gabunia. Seitens des Finanzministeriums ist für die Tätigkeit der privaten Rentenfonds der stellvertretende Finanzminister Iwan Tschebeskow zuständig.