Veröffentlicht wurde der statistische Jahresband „Kosmos-2025“, der unter Federführung des Moskauer Kosmos-Clubs vorbereitet worden war. Wie der Autor und Chefredakteur des Sammelbands und Leiter des Instituts für Weltraumpolitik Iwan Moisejew betont, ist der Kontext im neuen Jahrbuch solch einer: „Seit dem 4. Oktober 1957 bis zum 1. Januar 2026 wurden in der Welt 6738 Starts von Trägerraketen mit einer summarischen Startmasse von zwei Millionen 360.861 Tonnen vorgenommen… Auf eine Erdumlaufbahn und weiter wurden 24.802 Kosmos-Apparate mit einer Gesamtmasse von 41.649 Tonnen gebracht. Weitere 420 Starts waren erfolglose gewesen. Die summarische Startmasse der verunglückten Trägerraketen betrug 100.017 Tonnen“.
Beeindruckende Zahlen. In einer Aufschlüsselung nach Ländern für das Jahr 2025 ergab sich solch ein Bild: USA (NASA) – 192 erfolgreich gestartete Trägerraketen mit einer Gesamtmasse von 3198 Tonnen; China – 90 bzw. 331 Tonnen; Russland (auf dem dritten Platz) – 17 bzw. 59,2 Tonnen.
In den letzten Jahren wurde die für Russland frustrierende Dynamik der Weltraumtätigkeit leider zu einer gewohnten. Sie zu ändern, helfen vorerst nicht einmal die politischen Anweisungen auf höchster Ebene. Im April vergangenen Jahres hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Kosmos-Richtung als eine der entscheidenden für die nationale Entwicklung technologische Erneuerung der russischen Wirtschaft sowie für die Anhebung der Lebensqualität der Bürger bestimmt.
Es ist verständlich, dass eine positive Veränderung der Situation mit einem Schlag unmöglich ist. Obgleich es Elon Musk und seinem Unternehmen SpaceX doch in weniger als zehn Jahren gelungen ist, den globalen Markt der Raketenstarts radikal zu verändern. Wenn man die anormale Aktivität von SpaceX berücksichtigt, das rund 180 Starts im Jahr vornimmt, wobei jeder im Durchschnitt jeweils 15 Satelliten auf eine Erdumlaufbahn bringt, brechen vor dem Hintergrund dieser „Anomalie“ wirklich die Zahlen der anderen Ländern, darunter die von Russland, ein. Aber in Russland sacken sie anormal stark ab. Und dieser Tage gab Musk bekannt, dass SpaceX beabsichtige, das mehrfach einsetzbare Raketensystem Starship häufiger als einmal in der Stunde zu starten. Über 10.000 Raketenstarts im Jahr!
Anhand der Daten des Sammelbands kann man die Dynamik der Veränderung des Beitrags der Russischen Föderation zur Startmasse der weltweit erfolgreich gestarteten Trägerraketen beurteilen. Von 1992 bis einschließlich 2013 lag dieser Wert ungefähr bei 35 bis 40 Prozent. Im Jahr 2004 wurde ein Rekord hinsichtlich des Anteils der auf Erdumlaufbahnen gebrachten Masse erzielt – rund 50 Prozent. Aber die russische Wirtschaft und die nationale Entwicklung hat dies nicht stark gefördert. Sobald die Sanktionen (des Westens aufgrund der Krim-Ereignisse) im Jahr 2014 einsetzten, ist ein drastischer Rückgang zu verzeichnen. Im Jahr 2025 lag der russische Anteil bei etwa vier Prozent. Übrigens, auch das Wachstumstempo des BIP brach im Jahr 2015 ein. Das heißt: Nicht nur die Raumfahrt (Russlands) ist solch eine „kranke“. Dies ist eine strukturelle Pathologie. Eine Steampunk-Wirtschaft.
Da ergibt sich, dass die russische Raumfahrt fast ein Vierteljahrhundert für den Auslandsmarkt arbeitete und Devisen verdiente. Aber im Interesse des Binnenmarkts gab es nichts. Beinahe. Wenn man das Fernmeldewesen, die Telekommunikation usw. berücksichtigt, ist doch nicht so. Es ergibt sich die Frage: Ja braucht denn das Land die Raumfahrt so sehr, mit ihren 4 Prozent? Die hauptsächlichen Bedürfnisse der Volkswirtschaft sind befriedigt.
Am stärksten unterstützen die russische Raumfahrt Verteidigungs- und duale Aufgaben: Fernmeldesatelliten, Satelliten für die Aufklärung und Beobachtung sowie Elemente der militärischen Kosmos-Infrastruktur. In diesem Segment bewahrt die Branche ihre Notwendigkeit. Daher gibt es keine vollkommene Krise der Leistungsfähigkeit. Aber gerade die zivilen und wissenschaftlichen Programme erweisen sich am häufigsten als anfällige hinsichtlich einer Kürzung der Finanzierung und der Personalprobleme. Das heißt: Für die Volkswirtschaft der Russischen Föderation ist die Raumfahrt insgesamt ein Ballast, obgleich auch mit einem großen symbolischen Gewicht?
Die russische Raumfahrt ist heutzutage ein stabiler, aber sich verringernder Kern mit einem Setzen auf die Verteidigung und die sogenannte Russische Orbitalstation (die korrigierte Konzeption für die ROS sieht wie eine pragmatische Vereinfachung aus) und nicht auf bahnbrechende zivile Projekte. Und die Havarie an einem der Startkomplexe von Baikonur im November vergangenen Jahres demonstrierte, dass die Infrastruktur-Risiken wesentliche bleiben. Insgesamt vermittelt dies ein Bild von der Branche, die in der Lage ist, die Basisfunktionen abzusichern. Vorerst aber demonstriert sie keinen stabilen Übergang zu einer neuen Entwicklungsetappe.
Dies ist eine Stabilität ohne einen Ruck. Die Starts erfolgen ordnungsgemäß, große Havarien hat es im Jahr 2025 nicht gegeben, Doch Anzeichen für ein wesentliches Forcieren des Tempos sind auch nicht zu beobachten. Nach Einschätzungen von Experten arbeite Roskosmos im Regime beschränkter Ressourcen, wo die Priorität auf eine Bewahrung der aktuellen Möglichkeiten fokussiert wird. Und nicht auf eine schnelle Entwicklung neuer Richtungen.