Die russischen Profi-Fußballklubs werden auch in der Saison 2026/2027 nicht bei den Eurocup-Turnieren spielen. Solch eine Entscheidung fällte das Exekutivkomitee der europäische Fußballverband Union of European Football Associations (UEFA). Bereits im vergangenen Winter war bekannt geworden, dass in der Liga der Nationen die Sbornaja Russlands auch nicht in der Saison 2026/2027 teilnehmen wird. Anders gesagt: Der im Jahr 2022 verhängte Bann (aufgrund des Ukraine-Krieges – Anmerkung der Redaktion) ist nicht aufgehoben worden. Wahrscheinlich kann man dies als eine zu erwartende Nachricht ansehen. Vor dem Hintergrund der Entscheidungen anderer internationaler Verbände – wie beispielsweise der der Fechter und zuvor die für rhythmische Gymnastik und Turnen, Schwimmen und die anderen Wassersportarten sowie den Boxsport und das Ringen – enttäuscht jedoch die Haltung der UEFA.
Es gibt immer mehr solcher Sportarten, in denen man die russischen Athleten nicht bloß zu internationalen Turnieren zulässt, sondern ihnen auch erlaubt, mit der Flagge und der Hymne Russlands und nicht in einem neutralen Status an den Start zu gehen. Der zuständige Vizepremier Dmitrij Tschernyschenko erklärte bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Internationalen Petersburger Wirtschaftsforums in der vergangenen Woche, dass es derzeit zwölf solcher Sportarten seien. Sie alle gehören zum olympischen Programm. Im Vergleich zum Jahr 2022 ist dies einfach ein Tauwetter. Den Fußball betrifft es allerdings vorerst nicht.
Der UEFA-Präsident, der Slowene Aleksander Čeferin, hatte bereits im vergangenen Herbst in einem Interview für „Politico“ seine Position hinsichtlich des Themas des Banns in Bezug auf die russischen Kicker umrissen. „Ich bin kein Anhänger einer Suspendierung von Sportlern“, hatte er damals gesagt. „Denn, was kann ein Sportler tun, um Konflikte zu stoppen? Dies ist sehr, sehr schwer. Derzeit dauert die Suspendierung der russischen Mannschaften scheinbar dreieinhalb Jahre an. Haben aber die Kampfhandlungen aufgehört? Nein.“.
Čeferin hatte damals hinzugefügt, dass es in der Situation von Russland und der Ukraine „einen sehr starken politischen Druck gegeben hatte“, jetzt aber sei dies mehr ein „Druck der Zivilgesellschaft“. Die Politiker seien nach Meinung des UEFA-Chefs pragmatischer. Hier könnte man kommentieren: Ja, Politiker revidieren in der Tat oft die Position in Abhängigkeit von der Konjunktur. Doch gerade sie heizen auch mit ihren Entscheidungen auch die Gesellschaft auf und baden danach ihre Hände in Unschuld. So auch die großen Sportfunktionäre: Zuerst geben sie einem Druck nach, unterwerfen sich einem politischen Willen und finden danach keinen Moment, um einen Rückzieher zu machen. Auf der Ebene der Junioren-Auswahlmannschaften finden sich Hebel der UEFA. Zum Beispiel hat man der U19-Auswahl Lettlands eine technische Niederlage aufgrund der Weigerung, gegen die Belorussen zu spielen, angerechnet. Auf höheren Ebenen wählt der Verband aber einen Weg des geringsten Widerstands, eines Abwartens und des Konstatieren eines öffentlichen bzw. gesellschaftlichen Drucks.
So handelt man nicht nur im Fußball. Ende Mai hat der Disziplinarausschuss der Internationalen Eishockeyföderation (IIHF) eine Januar-Entscheidung des Rates dieser Organisation über eine Verlängerung des Banns für Russlands Auswahlmannschaften aufgehoben, da die vorgelegten Argumente und Einschätzungen für die Risiken unzureichend überzeugende gewesen waren. Den Ausschluss hat man jedoch nicht aufgehoben. Die IIHF hat den Fall an ihren Rat zurückgewiesen, der nun für jedes Turnier und jede Veranstaltung einzeln über eine mögliche Teilnahmeberechtigung Russlands unter Sicherheits- und sportlichen Aspekten entscheiden muss. Und es ist keine Tatsache, dass diese Entscheidungen für die russischen Sportler positive sein werden. Offizielle erklärten die IIHF wie auch viele andere Verbände den Bann (den Ausschluss) mit „Sicherheitserwägungen“. Dies erschien als an den Haaren herbeigezogen sowohl im Jahr 2022 als auch jetzt. Und die Argumentation kann sich einfach wiederholen. Ändern werden sich nur einige Formulierungen.
Nicht in einer einzigen Mannschaftssportart – mit Ausnahme des Wasserballs – hat man den Bann in Bezug auf die russischen Sportler aufgehoben. Möglicherweise wird dies durch logistische Schwierigkeiten bestimmt. Beinahe mit Sicherheit damit, dass in den Mannschaftssportarten die Positionen der Europäer sehr einflussreich sind, und die Beziehungen Russlands mit Europa sind zerstört. Die Mannschaftssportarten sind die populärsten, für die Sponsoren die attraktivsten. Und dies ist gerade auch der Kanal, über den die „Meinung der Zivilgesellschaft“ vermittelt werden kann. Wahrscheinlich haben die Spitzenvertreter der Sportverbände auch keine Angst, politischen Willen zu demonstrieren. Aber die Sponsoren zu verlieren, das heißt Gelder – ja, dies fürchten sie. Und sie ziehen es daher vor abzuwarten, solange die Konjunktur für ihre Entscheidungen zu einer sicheren wird. Und gerade von solch einer Sicherheit ist auch die Rede.