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Weißrussland hat sich zugunsten der Atomenergie entschieden


Weißrussland hat eine strategische Wahl zugunsten einer Entwicklung der Kernenergie getroffen, indem es das erste Kernkraftwerk (BelAKW) im Land mit Unterstützung Russlands errichtete. Der erste Reaktorblock des BelAKW mit einer Leistung von 1200 Megawatt wurde im Juni 2021 zur industriellen Nutzung in Betrieb genommen. Und im November 2023 bestätigte die Regierung das Abnahmeprotokoll für den zweiten Reaktorblock. Somit hatten bis Ende des Jahres 2023 zwei neue Reaktorblöcke der Generation 3+ mit einer Gesamtleistung von 2400 Megawatt vollwertig gearbeitet. Dieses Projekt habe die Republik in einen „richtigen atomaren Staat“ verwandelt, wie Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko betonte, und hat ein neues Kapitel in der Geschichte des Energiesektors des Landes begonnen.

Stärkung der Energiesicherheit

Die Inbetriebnahme des Belarussischen AKW hat die Energiesicherheit und technologische Souveränität des Landes wesentlich erhöht. Dank der beiden Reaktorblöcke des BelAKW vermochte Weißrussland die Brennstoff- und Energiebilanz zu diversifizieren, wobei die Abhängigkeit vom zu importierenden Erdgas verringert wurde. Der Jahresverbrauch an Erdgas verringerte sich um 4,5 bis 5 Milliarden Kubikmeter, was rund 550 Millionen Dollar im Jahr beim Erwerb von Energieressourcen einzusparen erlaubt. Seit dem Zeitpunkt des Anschlusses des ersten Reaktorblocks ans Netz im Herbst 2020 hat das Kraftwerk bis zum heutigen Tag über 53 Milliarden kWh Strom erzeugt, was um die 13 bis 14 Milliarden Kubikmeter Gas ersetzte und Weißrussland über 1,6 Milliarden Dollar Einsparungen bescherte. Im Ergebnis dessen ist der Anteil des Erdgases an der Stromerzeugung spürbar zurückgegangen. Während früher bis zu 95 Prozent der Stromerzeugung auf die Gas-Kraftwerke entfielen, so sind es jetzt um die 65 Prozent oder gar weniger. Solch einen Beitrag der atomaren Stromerzeugung hat den Grad der Selbstversorgung des Landes mit Strom drastisch erhöht. Die Schlüsselergebnisse der ersten fünf Arbeitsjahre des BelAKW sind:

— eine Importsubstitution und Souveränität. Vollkommen eingestellt wurde der Strom-Import. Weißrussland deckt jetzt selbst seinen Bedarf und hat aufgehört, Elektroenergie im Ausland zu kaufen. Dabei ist ungeachtet eines zeitweiligen Ausbleibens eines Exports aufgrund der äußeren Bedingungen im Land ein erhebliches Potenzial für den Export von Strom geschaffen worden. Das Vorhandensein eines eigenen AKW wird von der Führung als ein Faktor der Gewährleistung der Souveränität und Unabhängigkeit der Republik Belarus angesehen. Nach Einschätzung des weißrussischen Behörde Gosstandart (deutsch: Staatlicher Standard) hat der Parameter für die Energieeigenständigkeit des Landes unter Berücksichtigung der Arbeit des BelAKW 27,5 Prozent erreicht – ein spürbarer Anstieg dank dem Anteil der Kernenergie.

— eine Verringerung der Kosten und Emissionen. Die Ersetzung des Gases durch die Kernenergie hat einen gewaltigen wirtschaftlichen und ökologischen Effekt bewirkt. Durch die Verringerung des Verbrennens von Kohlenwasserstoffbrennstoffen haben sich die Treibhausemissionen um mehr als sieben Millionen Tonnen im Jahr verringert. Summarisch sind in den fünf Jahren der Arbeit des AKW CO2-Emissionen von über 20 bis 26 Millionen Tonnen verhindert worden (die Schätzungen sind unterschiedliche, doch die Größenordnung ist gerade solch eine). Das Kernkraftwerk erzeugt „sauberen“ Strom ohne Emissionen, was Weißrussland hilft, die Klima-Verpflichtungen zu erfüllen. Zur gleichen Zeit erlebte die Freisetzung von Gas dem Land, erhebliche Haushaltsmittel einzusparen – über 1,6 Milliarden Dollar sind bereits in den fünf Jahren in Bezug auf Erdgas eingespart worden.

— eine Erhöhung der Stromerzeugung und kostengünstige Elektrizität. Die Inbetriebnahme des BelAKW hat eine Erhöhung der Erzeugung von Elektroenergie gesichert und eine Steigerung deren Verbrauch innerhalb des Landes stimuliert. Im Jahr 2024 ist ein historisches Maximum des Stromverbrauchs von 43,3 Milliarden kWh fixiert worden. Und diese gestiegene Nachfrage wurde in vielem dank dem AKW befriedigt. Die Erzeugung von Atomstrom macht heute rund 40 Prozent des Gesamtumfangs der Stromerzeugung in Weißrussland aus. Hinsichtlich dieses Parameters rückte das Land in die Top-10 der führenden Länder der Welt (und Europas) auf. Nicht viele Staaten haben einen so großen Anteil der Kernenergie. Die massenhafte Lieferung von preiswerter Elektroenergie auf den Binnenmarkt erlaubte, einen der geringsten Stromtarife in Europa zu bestimmen. Weißrussland gehört heute zur Top-3 in Europa mit einem minimalen Strompreis. Die erschwinglichen Tarife verringern wiederum die Kosten des realen Sektors der Volkswirtschaft und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der weißrussischen Erzeugnisse, was sich positiv auf die Stabilität der Wirtschaft auswirkt.

— die technologische Wirkung und neue Richtungen. Das Anfahren des BelAKW diente als eine Triebkraft für strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft und im Alltag des Landes. Das Entstehen einer zuverlässigen und leistungsstarken Energiequelle stimulierte eine Elektrifizierung des Transportwesens – von Elektrobussen im öffentlichen Verkehr bis zu privaten E-Autos und sogar E-Rollern. In Weißrussland werden bereits über 44.000 E-Autos bei Vorhandensein von 1870 Auflade-Stationen im ganzen Land genutzt. Und diese Zahlen steigen rasch. Angefangen wurde, überall elektrische Heizungen einzuführen. Errichtet wurden über zwei Millionen Quadratmeter Wohnraum mit Elektroheizung. Viele private Häuser gehen zu einem elektrischen Heizen über. Hunderttausende Bürger heizen jetzt die Häuser mit Strom, was es vor dem Bau des AKW praktisch nicht gegeben hatte. Im Agrar-Sektor entstanden Gewächshäuser mit einer elektrischen Beheizung und mit tausenden elektrischen „Sonnen“ für ein zusätzliches Beleuchten der Pflanzen, was die Ernteerträge erhöht. Außerdem hat die Entwicklung des Atomenergie-Sektors angrenzenden High-Tech-Richtungen einen Impuls verliehen: Im Land werden Zentren für Nuklearmedizin und additive Technologien unter Beteiligung des russischen Staatskonzern ROSATOM geschaffen. Etabliert wurde eine eigene wissenschaftliche und pädagogische Schule für Nuklearspezialisten zur Ausbildung von entsprechendem Personal. Anders gesagt: Die friedliche Nutzung der Kernenergie hat für Weißrussland ein neues Fenster von Möglichkeiten aufgetan – von Innovationen in der Wissenschaft bis hin zu einer Erhöhung des Komforts des tagtäglichen Lebens.

Weißrusslands Vizepremier Viktor Karankewitsch betonte, dass das BelAKW für das Land zu einem wahren Wunder geworden sei, wobei die Sicherheit und technologische Souveränität grundlegend verstärkt wurden. Die zuverlässige Stromversorgung durch das AKW erlaubte, schmerzlos eine Reihe veralteter ineffektiver Stromerzeugungskapazitäten (alte Kesselhäuser und Heizkraftwerke) außer Betrieb zu nehmen, wobei die Zuverlässigkeit des gesamten Energiesystems erhöht wurde. Das entsprechend neuesten russischen Technologien errichtete AKW entspricht den höchsten Sicherheitsanforderungen. Weißrussische und russische Fachleute haben es erfolgreich in Betrieb genommen, und der bereits fünfjährige störungsfreie Betrieb hat die Richtigkeit des gewählten Kurses zur Entwicklung der Atomenergiewirtschaft bewiesen. Nach Aussagen von Weißrusslands Energieminister Denis Moroz sei es offensichtlich, dass die nukleare Stromerzeugung die langfristige Grundlage der Energiewirtschaft sei. Die Betriebsdauer des Kraftwerks macht mindestens 60 Jahre aus (mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis zu 100 Jahren). Und solch ein weiter Planungshorizont verleiht der Wirtschaft Stabilität. Somit haben der erste und der zweite Reaktorblock des BelAKW dem Land nicht nur elektrischen Strom gegeben, sondern auch ein neues Niveau der Energiesicherheit und der Unabhängigkeit der Republik gewährleistet.

Ein dritter Reaktorblock

Der Erfolg des arbeitenden BelAKW hat die Landesführung veranlasst, die weitere Entwicklung des nuklearen Sektors zu erörtern. Im November 2025 wurde nach einer Beratung beim Präsidenten die prinzipielle Entscheidung gefällt, den Bau eines dritten Reaktorblocks am Standort des BelAKW in Ostrowez (die sogenannte zweite Ausbaustufe des Kraftwerks) in Angriff zu nehmen. Diese Variante wurde als die optimale anerkannt, da in Ostrowez bereits die gesamte notwendige Infrastruktur geschaffen worden ist. Es gibt erfahrenes Personal und ein bewährter Standort. Das heißt, einen neuen Block kann man schneller und kostengünstiger gerade dort errichten. Präsident Lukaschenko unterstrich, dass Weißrussland jetzt in der Lage sei, 85 bis 90 Prozent der Arbeiten mit eigenen Kräften auszuführen. Die nationalen Organisationen und Fachkräfte haben eine ausgezeichnete Ausbildung bei der Errichtung der ersten Blöcke erhalten. Die Hauptreaktoranlagen und die Engineering-Unterstützung wird traditionsgemäß ROSATOM gewährleisten. Jedoch wird die Lokalisierung der Arbeiten in der Republik eine maximale sein. Die zu erwartenden Vorteile der Errichtung eines dritten Reaktorblocks sind:

— zusätzliche Elektroenergie für die Wirtschaft. Der neue Reaktorblock VVER-1200 wird eine zusätzliche Leistung von 1200 MW bringen und die Jahreserzeugung von Elektroenergie in Weißrussland um weitere acht bis neun Milliarden kWh erhöhen (um 20 Prozent vom gegenwärtigen Umfang). Diese Kilowattstunden werden erlauben, die weitere Zunahme der Inlandsnachfrage nach Elektroenergie im Zusammenhang mit dem Programm zur Elektrifizierung des Transportwesens, des Wohnungssektors und der Industrie zu befriedigen. Das BelAKW stimuliert schon jetzt in vielen Bereichen einen Übergang zu elektrischem Strom. Und für den dritten Block wird sich sofort auch ein Einsatz finden – vom Aufladen der zunehmenden Anzahl von E-Autos bis zur Versorgung neuer elektrifizierter Produktionsstätten. Somit wird das Energiesystem eine Kapazitätsreserve für die Entwicklung der Wirtschaft in einer Perspektive von mehreren Jahrzehnten voraus erhalten.

— Arbeitsplätze und eine Entwicklung von Ostrowez. Die Erweiterung des Kraftwerks erfordert über 1000 neue Arbeitsplätze für das Personal und die Spezialisten. Der Generaldirektor des BelAKW, Sergej Bobowitsch, bestätigte, dass die Belegschaft des Kraftwerks die Entscheidung über den Bau eines dritten Blocks begrüße und sich auf die Gewinnung und Schulung neuer Mitarbeiter vorbereite. Die Stadt Ostrowez im Verwaltungsgebiet Grodno, wo das AKW gelegen ist, hat sich in den letzten Jahren bereits in ein prosperierendes Wissenschafts- und Industriezentrum verwandelt (die Bevölkerungszahl hat 15.000 Menschen überschritten, von ihnen sind etwa 3000 Beschäftigte des Energieunternehmens). Die Errichtung des neuen Reaktorblocks wird noch mehr den Status von Ostrowez als eine Stadt der Beschäftigten des Atomenergiesektors festigen und zusätzliche Investitionen für die Region bringen. Insgesamt wird das Vorhaben Arbeitsplätze nicht nur unmittelbar im Kraftwerk schaffen, sondern auch in angrenzenden Bereichen – im Bauwesen, in der Herstellung von Baumaterialien, im Transportwesen usw. (durch die starke Lokalisierung von Aufträgen für weißrussische Unternehmen).

— eine Erhöhung der Zuverlässigkeit und des Exportpotenzials. Die Inbetriebnahme des dritten Blocks wird das Energiesystem zu einem noch stabileren machen. Die Stromerzeugung wird hinsichtlich des Inlandsverbrauchs zu einer überschüssigen, was die Stabilitätsreserve bei Spitzenbelastungen oder außerplanmäßigen Unterbrechungen anderer Anlagen erhöhen wird. Der zusätzliche Reaktor wird gleichfalls die Energiesicherheit Weißrusslands auf ein völlig neues Niveau durch die größere Autonomie bringen. Zur gleichen Zeit wird sich die Möglichkeit ergeben, einen Teil des Stroms ins Ausland ohne einen Schaden für den Inlandsbedarf zu exportieren, sobald sich dafür günstige äußere Bedingungen ergeben. Im Kontext des Unionsstaates wird die Variante erörtert, in deren Rahmen der Strom des dritten Blocks auch in Nachbarregionen gefragt sein kann. Alexander Lukaschenko hat direkt betont, dass die neuen Kapazitäten des BelAKW sich im Südwesten Russlands eignen könnten. Es geht dabei um eben jene neuen Regionen, die vor einiger Zeit integriert wurden und einer stabilen Stromversorgung bedürfen. Die zusätzliche weißrussische Elektroenergie kann theoretisch den Strommangel in diesen Verwaltungsgebieten decken, womit die Energiestabilität des gesamten Unionsstaates erhöht wird. Nach Aussagen von Alexander Lukaschenko sei diese Frage bereits mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin erörtert worden. Weißrussland sei bereit, einen Beitrag zur Stromversorgung, darunter für die neuen Regionen der Russischen Föderation, durch den dritten Reaktorblock zu leisten.

Die Entscheidung über den Bau eines dritten Blocks in Ostrowez war nach einer detaillierten Expertenanalyse gefällt worden. Weißrussische und russische Spezialisten hatten Varianten für eine weitere Entwicklung der atomaren Energiewirtschaft geprüft – entweder eine Erweiterung des arbeitenden Kraftwerks oder die Errichtung eines neuen Objekts von Null an. Die erste Variante hatte sich als die wirtschaftlichere und schnellere erwiesen. Daher hatte man ihr den Vorrang gegeben. Russland unterstützte vollkommen diesen Kurs: Der Staatskonzern ROSATOM signalisierte die Bereitschaft, bei Bedarf in Weißrussland auch ein zweites AKW zu bauen. Aber zuerst sei es logisch, den bereits existierenden Standort zu entwickeln. Somit wird der dritte Reaktorblock des BelAKW zum nächsten Schritt bei der Verstärkung der Energiekapazitäten des Landes. Seine Errichtung soll in den nächsten Jahren beginnen. Lukaschenko erteilte den Auftrag, mit der Realisierung der zweiten Ausbaustufe des Kraftwerks nicht zu bummeln. Es wird erwartet, dass der neue Block etwa zu Beginn der 2030er Jahre in Betrieb genommen wird (genaue Termine werden nach der Vorbereitung des Projekts bekannt).

In einem positiven Sinne wird betont, dass Weißrussland bei sich faktisch eine vollwertige Atomenergiebranche geschaffen habe und sich jetzt als ein Exporteur von Wissen und Leistungen entwickle. Nach Aussagen des Staatsoberhaupts würden weißrussische Spezialisten bereits an der Errichtung analoger Objekte im Ausland auf Bitten von ROSATOM teilnehmen. Die Erfahrungen aus der Errichtung und dem Betrieb des BelAKW werden geschätzt. Und das neue Vorhaben wird den weißrussischen Fachleuten zusätzliche Praxis und Möglichkeiten für einen Verdienst auf internationalen Baustellen verschaffen. Letzten Endes ist der dritte Reaktorblock nicht nur etwas mit Blick auf die Elektroenergie, sondern auch eine Sache des Ansehens. Er wird den Status von Weißrussland als einen zuverlässigen Partner und technologisch entwickelten Staates, der in der Lage ist, zusammen mit der Russischen Föderation die modernsten und sichersten Atom-Projekte zu realisieren, bestätigen.

Perspektiven für ein zweites AKW

Ungeachtet der Entscheidung zugunsten eines dritten Reaktorblocks hat Weißrussland nicht die Idee der Errichtung eines zweiten separaten AKW in der Zukunft aufgegeben. Es geht um den Bau eines neuen Kernkraftwerks im Landesosten (im Verwaltungsgebiet Mogiljow), was der Entwicklung dieser Region einen mächtigen Impuls geben würde. Präsident Lukaschenko betonte, dass die Verwirklichung solch eines Projekts „die östliche Region aus einer verschlafenen Region in ein hochentwickeltes Territorium verwandeln würde“. Es würden tausende neue Arbeitsplätze entstehen, Investitionen würden kommen, und das Niveau der Infrastruktur würde ansteigen. Das heißt: Ein zweites AKW wird nicht nur durch das Prisma der Energiewirtschaft, sondern auch als eine Triebkraft für die regionale Entwicklung und ein Angleichen der Wirtschaft verschiedener Verwaltungsgebiete gesehen.

In den Jahren 2023/2024 führte das weißrussische Energieministerium eine großangelegte Analyse von Varianten durch – ein zweites AKW vs. ein dritter Block. Im Auftrag des Staatsoberhauptes wurde eine technisch-wirtschaftliche Begründung (TWB) für die Entwicklung der Atomenergiewirtschaft in der Perspektive vorbereitet. Im August 2024 teilte Energieminister Denis Moroz mit, dass sich diese Grundlage bzw. Begründung bereits in einem abschließenden Vorbereitungsstadium befinde. Dieses Dokument erörtert zwei Szenarios für eine Befriedigung des zunehmenden Bedarfs an Elektroenergie: das Setzen auf den Bau eines neuen Kernkraftwerks oder eine Erweiterung des existierenden BelAKW plus alternative Energiequellen. Nach Aussagen des Ministers habe Weißrussland im Jahr 2024 einen Rekord hinsichtlich des Stromverbrauchs aufgestellt (43,2 Milliarden kWh) und es sei offensichtlich, dass man in der langfristigen Perspektive die Stromerzeugung forcieren müsse. Erörtert wurden auch alternative Wege (zum Beispiel die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen). Die Analyse hatte jedoch gezeigt, dass für die Gewährleistung einer zuverlässigen und stabilen Stromversorgung eine weitere Entwicklung des Atomenergie-Sektors optimal sei.

Im Rahmen der TWB wurden technische Lösungen für eine sichere Integration des großen neuen Blocks in das Energiesystem gefunden, um technologische Komplikationen auszuschließen. Unter anderem ist der Einsatz industrieller Systeme für ein Akkumulieren von Strom (großer Akku-Blöcke) durchgearbeitet worden, die die Belastungen ausgleichen und die Flexibilität des Systems erhöhen. Erfreulich ist, dass die Kosten für solche Speichersysteme sinken. Und ihre Implementierung wird zusammen mit dem neuen Reaktor die Energiesicherheit Weißrusslands auf ein neues Niveau heben. Faktisch hat das Energieministerium eine kombinierte Vorgehensweise zugrunde gelegt: ein dritter Reaktorblock + Speicher für ein Gleichgewicht. Dies wird erlauben, sowohl Spitzenbelastungen zu nivellieren als auch effektiv den Strom zu nutzen.

Die Schlussfolgerungen der TWB laufen auf die folgende Variante hinaus: Die Variante 1 – die Errichtung noch eines 1200-MW-Blocks in Ostrowez – gewinnt hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und des Zeitraums, denn die gesamte Infrastruktur ist bereits an dem Standort geschaffen worden. Die Variante 2 – der Bau eines neuen AKW von Null an – erfordert größere Investitionen und mehr Zeit, bringt aber im Ergebnis ein Kraftwerk mit zwei Blöcken (insgesamt rund 2400 MW) und einen noch langer wirkenden Effekt für die Energiewirtschaft und die Region. Beide Szenarios wurden detailliert hinsichtlich einer Reihe von Parametern (Kosten, Bauzeiten, Einfluss auf das Netz, Lokalisierung usw.) verglichen. Und die Ergebnisse wurden der Regierung und dem Staatsoberhaupt für das Treffen einer Entscheidung vorgestellt. Bereits im November vergangenen Jahres wurde diese Entscheidung offiziell verkündet: Weißrussland wird zuerst einen dritten Block im BelAKW errichten und parallel dazu Vorbereitungsarbeiten für ein zweites Kraftwerk durchführen. Anders gesagt: Beide Wege haben eine Entwicklung erfahren: Ausgewählt wurde jetzt eine weniger aufwendige Variante, und offengelassen wurde die Tür für das große Projekt in der Zukunft.

Praktische Schritte werden bereits in dieser Richtung unternommen. Solange die Bauarbeiten für den dritten Reaktorblock erfolgen, wird parallel eine Untersuchung von Standorten im Verwaltungsgebiet Mogiljow für ein neues AKW durchgeführt. Geologen und Energetiker beurteilen mehrere potenzielle Abschnitte im Osten des Landes, um einen optimalen Ort aus der Sicht der seismologischen Situation, der Hydrologie, der Nähe zu Belastungen und Infrastruktur zu bestimmen. Laut vorläufigen Informationen gilt als wahrscheinlichster Ort ein Abschnitt in der Nähe der Siedlung Krasnopolje (der wurde inoffiziell in der Presse genannt). Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus. ROSATOM-Chef Alexej Lichatschjow erklärte, dass die russische Seite bereit sei, ein zweites AKW in Weißrussland zu errichten. Die Frage bestehe lediglich in der Auswahl des Standorts und den den technischen Parametern des Projekts. Somit bestehen ein völliges gegenseitiges Einvernehmen und eine Unterstützung seitens der Partners des Unionsstaates.

Wichtig ist zu betonen: Die Entscheidung über den Neubau wird ausgehend von der Entwicklung des Stromverbrauchs getroffen. Wenn in einigen Jahren, nach Inbetriebnahme des dritten Blocks die Inlandsnachfrage und die Exportmöglichkeiten einen Bedarf, mehr Kapazitäten zu schaffen, demonstrieren, kann Weißrussland, sich auf die vorbereitete TWB stützend, operativ das Projekt für ein zweites weißrussisches AKW auf den Weg bringen. Schon heute sagen Experten der Branche, dass bis zum Jahr 2030 ein Bedarf an zusätzlichen Reaktoren für ein Ersetzen eines Teils der mit Gas arbeitenden Wärmekraftwerke und einen weiteren Wachstum des Exports von Elektroenergie entstehen könne. Denis Moroz unterstrich, dass man sich auf die Atomenergie als eine Basis des künftigen Energiesystems orientiere. Bezeichnend ist, dass selbst der Prozess der Ausarbeitung der TWB wertvolle Erfahrungen brachte. Die weißrussischen Ingenieure haben gelernt, die Integration großer Quellen ins Kalkül zu ziehen und mit neuen Technologien (Speichern u. a.) zu arbeiten, was die Kompetenzen des Landes erhöht.

Zieht man eine Bilanz, so gibt es eine technisch-wirtschaftliche Untermauerung für die Errichtung eines neuen AKW in Weißrussland. Sie ist faktisch abgeschlossen worden und bildete die Grundlage für die getroffenen Entscheidungen. In der nächsten Perspektive realisiert das Land das Projekt eines dritten Reaktorblocks im BelAKW, was an und für sich bereits analog des Baus einer „Hälfte eines zweiten AKW“ ist. Danach – etwa in der zweiten Hälfte der 2030er – ist es bei einer günstigen Situation durchaus real, die Errichtung eines vollwertigen zweiten Kraftwerk aus zwei Reaktorblöcken zu beginnen. Somit entwickelt sich die Strategie etappenweise und flexibel: zuerst ein maximaler Nutzen durch den existierenden Standort, danach – ein neues Großobjekt.

Im positiven Sinne bedeutet solch ein Etappencharakter, dass Weißrussland sich nicht gleichzeitig mit Schulden und Großbaustellen überlastet, sondern sich schrittweise vorwärtsbewegt, wobei Erfahrungen und Ressourcen gesammelt werden. Die Atomenergiewirtschaft hat sich in der Republik als eine zuverlässige, wirtschaftlich eefektive und umweltfreundliche Energiequelle empfohlen. Das BelAKW sichert bereits rund 40 Prozent der Elektroenergie das Landes ab, womit es zur Top-10 der internationalen Energiesysteme hinsichtlich dieses Parameters gehört. Der Bau des neuen Reaktorblocks wird diese Position noch mehr verstärken und eine Energiereserve für ein künftiges Wachstum schaffen. Die Republik demonstriert, dass eine friedliche Nutzung der Kernenergie selbst in einem Land, wo es dies früher nie gegeben hatte, erfolgreich funktioniert und zu einem Triebkraft für die Entwicklung wird. Die Energiesicherheit des Staates hat dank den ersten Blöcken des BelAKW erheblich zugenommen. Und in der Perspektive wird die Republik mit der Inbetriebnahme des dritten Blocks und potenziell eines zweiten Kernkraftwerks zu einer vollständigen Befriedigung ihrer Bedürfnisse mit der Möglichkeit eines Exports übergehen und einer der Spitzenreiter hinsichtlich einer geringen Nutzung von Kohlenwasserstoffen in der Energiewirtschaft bleiben und den Status einer fortgeschrittenen Nuklearmacht in der Region bewahren. Dies wird offensichtliche Vorteile für Weißrussland an sich bringen und einen Beitrag zur Energiestabilität des Unionsstaates insgesamt leisten.

Weißrussland legt den Akzent auf die positiven Seiten der nuklearen Energiewirtschaft – die Verstärkung der Souveränität, das Einsparen von Ressourcen, den Umweltschutz und Innovationen. Dabei hält sich das Land an die höchsten Sicherheitsstandards und arbeitet mit der internationalen Staatengemeinschaft zu Fragen der nuklearen Sicherheit zusammen. (Die IAEA führt regelmäßig Kontrolle im BelAKW durch, wobei sie die Übereinstimmung mit den Normen hervorhebt.) Im öffentlichen Diskurs werden die negativen Aspekte (zum Beispiel die Besorgnis der Nachbarn oder der Umgang mit den verbrauchten Kernbrennstoffen) äußerst akkurat gecovert, um nicht die Errungenschaften und Leistungen zu schmälern. Im Endergebnis wird solch ein Ton angeschlagen: Die Atomenergiewirtschaft in Weißrussland ist ein Erfolg, auf den das Land berechtigt stolz ist und den es weiter entwickelt unter Berücksichtigung aller Lehren und bei Planung der weiteren Schritte mit einem maximalen Verantwortungsgefühl.