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Wie man zu Hochtechnologien gelangen kann


Die Schlussfolgerungen der analytischen Übersicht „Die Entwicklung progressiver Produktionstechnologien in Russland“, die auf Daten des russischen Statistikamtes Rosstat und einem eigenen Monitoring des Instituts für Statistikforschungen und Wissenswirtschaft der Nationalen Forschungsuniversität „Hochschule für Wirtschaftswissenschaften“ basieren, können keinen besonderen Optimismus wecken. Die Entwicklung progressiver Produktionstechnologien ist eine Aufgabe, die für einen äußerst kleinen Kreis russischer Organisationen aktuell ist. Im vergangenen Jahr haben solch eine Tätigkeit lediglich 1,4 Prozent von ihnen vorgenommen, obgleich die Zahl der Entwickler solcher Technologien im Land heute 749 ausmacht. Am aktivsten sind in dieser Frage die Einrichtungen des Bereichs für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und des Hochschulwesens – 4,6 bzw. 4,4 Prozent. Und dies übersteigt um mehr als das 3fache den Mittelwert für das Land. Zu den Outsidern gehören die Unternehmen zur Förderung von Bodenschätzen und die Vereinigungen von Industrieunternehmen, die auf dem Gebiet der Strom-, Gas- und Dampfversorgung, der Klimatisierung, Wasserversorgung und -ableitung, der Erfassung und Verwertung von Abfällen sowie der Beseitigung von Verschmutzungen arbeiten (0,5 Prozent).

Die Situation ist eine unangenehme, aber eine bereits durchaus chronische für die einheimische Wirtschaft. Obgleich die Zahl der Organisationen, die industrielle Spitzentechnologien entwickeln, ansteigt (im Jahr 2010 waren es 438 solcher), bleibt die Intensität der Entwicklung neuer progressiver Produktionstechnologien eine äußerst geringe. Im Durchschnitt in jedem Unternehmen drei im Jahr. Alle Risiken einer derartigen Situation begreift man auch in der Regierung und versucht, sie zu beheben.

Dieser Tage ordnete beispielsweise Premier Michail Mischustin an, im Namen der Russischen Föderation die Aktiengesellschaft „Perspektivreiche Industrie- und Infrastrukturtechnologien“ zu gründen. Das Stammkapital soll sich auf 4,5 Milliarden Rubel belaufen, und es wird sich vollkommen im föderalen Eigentum befinden. Experten haben bereits betont, dass die Etablierung dieser AG das „Auftauchen einer institutionellen Struktur, die nicht mit einer einzigen der bekannten politisch-ökonomischen Gruppen inklusive der Rohstoffvertreter und der Branchen-Oligarchie verbunden ist“, bedeuten könne. „Diese Struktur wird zur Grundlage für das Treffen eigenständiger Entscheidungen in der Zeit des Machttransfers.“

Etwas früher erteilte Mischustin den Auftrag, bis zum 1. September dieses Jahres eine Strategie zur Entwicklung naturähnlicher Technologien vorzustellen.

Vizepremier Dmitrij Tschernyschenko wies an, eine aktualisierte Strategie für die nächsten drei Jahre für die Autonome nichtkommerzielle Organisation „Digitale Wirtschaft“ bis zum 1. Oktober dieses Jahres auszuarbeiten. Interessant ist, dass eine der Forderungen die Entwicklung von Indikatoren für das konkrete messbare Arbeitsergebnis dieser Organisation ist.

Der Apparat der Regierung bereitet eine Liste von Aufträgen im Bereich der Industriepolitik vor. Laut den vorliegenden Informationen steht eine vollkommene Inventarisierung der Maßnahmen zur staatlichen Unterstützung für die verschiedenen Industriezweige bevor. Ermittelt werden die effizientesten, für die zusätzliche Finanzen bereitgestellt werden. Das Ziel ist das Anschieben einer realen Digitalisierung der Industrie.

Eine der Branchen, die von der Idee her intensiv progressive Produktionstechnologien hervorbringen müsste, ist die Raumfahrt, ist der Bereich der Weltraum-Dienstleistungen. Der erste vollwertige suborbitale Flug des Raumflugzeugs Unity 22, das durch das private Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic des Briten Richard Branson entwickelt worden war, ist ein weitere Bestätigung für diese Tatsache. In der russischen Raumfahrtbranche beobachten wir nichts dergleichen. Mehr noch, der Chef des russischen Raumfahrtkonzerns Roskosmos Dmitrij Rogosin erklärte, dass die russischen Oligarchen nicht in eine private Entwicklung der Raumfahrt und Kosmos-Forschung investieren würden. Aber gerade die einheimischen Investoren spüren deutlichen die internationalen technologischen Trends. Seit 1. Juni werden an der Moskauer Börse Aktien von Virgin Galactic gehandelt. Und daher hat man nicht zufällig jetzt erneut begonnen, von einer Rückbildung des staatlichen Konzerns „Roskosmos“ in eine föderale Agentur zu sprechen.

Es sieht so aus, dass der Staat Gelder für die Ziele einer Entwicklung progressiver Industrietechnologien hat. Mit den Projekten aber, in die man diese Mittel investieren könnte, ergibt sich wirklich ein Problem. Derer gibt es kritisch wenige. Es gibt keine Produktionsstätten für diese fortschrittlichen Produktionstechnologien. Es fehlt Organisationskapital oder es ist schwach entwickelt. Und der erneute Versuch der Regierung, diese Situation zu ändern, kann sich erneut lediglich auf die Schaffung neuer administrativer Hierarchien reduzieren, für die auch die Aufgabe, Key-Performance-Indicators (KPI – Leistungskennzahlen) zu finden, keine triviale ist.