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Wie wäre es denn damit – Data-Zentren in einstigen Tagebauen?


In Russland dauert bereits einige Jahre lang die Kohle-Krise an, die von immensen Verlusten der Unternehmen begleitet wird. Sie machen hunderte Milliarden Rubel im Jahr aus. Früher hatte die Regierung (vergeblich) gehofft, diese Krise im laufenden Jahr zu überwinden. Jetzt aber hat man im Energieministerium gewarnt, dass es wahrscheinlich nicht gelingen werde, vollkommen die Verluste zu verringern und das Jahr 2027 bereits zum vierten Jahr der finanziellen Verluste der Branche werde. Die Kohle-Unternehmen und regionalen Behörden versuchen sich anzupassen und schlagen ungewöhnliche Ideen vor. Früher war solch eine Idee die Förderung von „Krypto-Kohle“. Nun erklang der Vorschlag, Data-Zentren in erschöpften bzw. bereits ausgebeuteten Kohle-Tagebauen zu dislozieren.

Die Russische Energiewoche verläuft in einer extrem heißen Atmosphäre (und endet am Freitag, dem 16. Oktober) – unter Bedingungen der andauernden Attacken ukrainischer Drohnen gegen russische Ölraffinerien und der Liquidierung der Folgen von Angriffen gegen Data-Zentren. Dies diktierte seine Akzente.

Doch hinter ihnen ist gleichfalls die Notwendigkeit einer Lösung älterer Probleme auszumachen – im Land dauert bereits seit einigen Jahren eine Kohle-Krise an.

In dem Fall, dass es den Kohle-Unternehmen gelingt, die Ausfuhr von Kohle zu steigern, könnte sich der Verlust der Branche bis auf 100 Milliarden Rubel im Jahr 2027 im Vergleich zu den 300 bis 310 Milliarden Rubel, die entsprechend den Ergebnissen des laufenden Jahres erwartet werden, verringern. Dies hatte am 15. Oktober am Rande der Russischen Energiewoche der stellvertretende Energieminister Dmitrij Islamow mitgeteilt, wobei er präzisierte, dass „es sicherlich nicht gelingen wird, vollkommen die Verluste abzubauen“.

Somit kann das Jahr 2027 bereits zum vierten Jahr der Kohlekrise in Russland werden. Die Branche erleidet seit 2024 große Verluste, als das saldierte Finanzergebnis (das heißt der Gewinn minus Verluste) der Kohle-Unternehmen in die negative Zone abrutschte und der reine Verlust des Sektors fast 113 Milliarden Rubel erreichte, hatte das russische Statistikamt Rosstat mitgeteilt.

Danach machte entsprechend den Ergebnissen von 2025 der reine Verlust der Kohle-Unternehmen 408 Milliarden Rubel aus. Für den Zeitraum Januar-Juli dieses Jahres wurde der reine Verlust für die Kohleförderung von Rosstat mit 178 Milliarden Rubel beziffert.

Der Anteil der Verluste machenden Unternehmen in der Kohle-Branche werde entsprechend den Ergebnissen des laufenden Jahres auf einem Stand von 70 Prozent bleiben, folgt aus Materialien von Dmitrij Islamow, die im Verlauf seines Auftritts bei der Russischen Energiewoche vorgestellt wurden. Während im Jahr 2024 der Anteil der Verluste machenden Unternehmen in der Kohle-Industrie geringer gewesen war – rund 53 Prozent.

Islamow erläuterte, dass die Verluste in der Branche durch drei Faktoren bedingt werden: Dies seien die internationalen Preise, die Mengen an ausgeführter Kohle und die Veränderung der Devisenkurse. „Hinsichtlich der Preise ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Dynamik eine positive. Die Devisenkurse sind etwas angestiegen, haben aber bisher nicht den Vorkrisenstand erreicht. Hinsichtlich der Ausfuhr ist die Logik eine simple: Die Preise sind angestiegen. Und je mehr Kohle die Branche ausführen kann, desto schneller werden sich die Verluste verringern und das Finanzergebnis verbessern“, zählte der stellvertretende Energieminister auf.

Experten hatten früher die auf die Branche einwirkenden negativen Faktoren in härteren Formulierungen beschrieben, wobei sie vor allem die stagnierende Nachfrage im Land vor dem Hintergrund der beinahe Verbotspolitik für Geld und Kredite sowie des von der Regierung eingeschlagenen Kurses zur Verringerung des Anteils der Stromerzeugung auf der Basis von Kohle in Russland erwähnt hatte.

Es war angenommen worden, dass die Branche die Verluste durch den Export wettmache. Die äußere Konjunktur, die Sanktionen und die inneren Logistik-Barrieren wirkten jedoch gegen die russischen Kohle-Produzenten. Die Unternehmen wurden früher nicht nur mit einem Rückgang der Preise für Kohle auf den internationalen Märkten konfrontiert, sondern auch mit den eingeschränkten Möglichkeiten der Infrastruktur im Land. Die Bezahlung für deren Nutzung wurde dabei zu einer immer schweren finanziellen Last.

„Lange Zeit hatten bei der schwachen Preis-Konjunktur des Kohle-Marktes die Logistik-Unternehmen, vor allem die Hafen-Betreiber und Reedereien, die Kosten ihrer Leistungen gezügelt, wobei sie mit einer Wiederherstellung des Marktes gerechnet hatten. Jedoch hat die akkumulierte Wirkung der aufgeschobenen Anhebung der Preise begonnen, zu einer Realität zu werden. Die Tarife für den Umschlag und die Verladung sind angestiegen, während die Kohle-Notierungen keine vergleichbare Wiederherstellung der Rentabilität sicherten“, erläuterte jetzt Maria Nikitina, die Gründerin des Projekts N.Trans LAB und Expertin des Instituts für eine Wirtschaft des Wachstums, in einem Kommentar für die „NG“.

„Dazu kommen der Mangel an Transportkapazitäten in der Östlichen Region, die Einschränkungen für die Ausfuhr über die Ostsee und der Verlust der Nutzbarkeit eines Teils der südlichen Routen. Im Endergebnis schluckt die Logistik in einzelnen Richtungen bis zu 50 bis 60 Prozent des Endwertes der Kohle. Die Branche wurde mit der Realisierung der aufgestauten Preis-Erwartungen des Logistik-Marktes bei einer anhaltenden geringen Rentabilität der Kohle an sich konfrontiert“, teilte Nikitina mit.

Die Regierung hatte früher systematische Antikrisen-Maßnahmen ergriffen, die unter anderem steuerliche Erleichterungen vorgesehen hatten, aber auch eine Überwindung der Engpässe in der Logistik-Infrastruktur (Aufmerksamkeit wurde der Kapazität der Bahnstrecken, den Kosten für das Mieten von Waggons und den Umschlag von Frachtgut in den Häfen geschenkt). Daneben hatte es zielgerichtete Maßnahmen gegeben – eine finanzielle Hilfe für konkrete, durch das Finanzministerium ausgewählte Unternehmen. All dies wurde beinahe als eine Garantie für die Überwindung der Kohle-Krise bereits im Jahr 2026 präsentiert.

„Was denken Sie, wird die Krise im nächsten Jahr überwunden?“, hatte ein Journalist der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS im Sommer vergangenen Jahres den stellvertretenden Energieminister Dmitrij Islamow gefragt. „Wir sind uns dessen gewiss. Im nächsten Jahr erwarten wir bereits ein Ansteigen der Produktionsparameter“, hatte der Staatsbeamte geantwortet. Doch die Fristen werden dennoch, wie man urteilen kann, verschoben.

Vor diesem Hintergrund können einige andere Erklärungen von Regierungsbeamten etwas merkwürdig aussehen. Zum Beispiel hatte am 15. Oktober im Verlauf einer Sitzung der Kommission für Energiewirtschaft des Staatsrates der Minister für die Entwicklung des Fernen Ostens, Alexej Tschekunow, berichtet, dass der Umfang der erkundeten Kohle-Vorräte im Fernen Osten 25,8 Milliarden Tonnen ausmache. Und beinahe 75 Prozent dieser Menge seien ein „nicht aufgeteilter Fonds“. Dies seien nach seinen Worten „Ressourcen, die bisher nicht in den Wirtschaftsumlauf einbezogen worden sind, aber in der Lage sind, zu einer zuverlässigen Stütze für die wachsende Wirtschaft zu werden“.

Jedoch wächst offenkundig die russische Wirtschaft unzureichend, um auch ohne den erwähnten „nicht aufgeteilten Fonds“ die bereits drei Jahre in Folge andauernde Kohle-Krise zu überwinden, die nicht in einem Mangel an Rohstoffen zum Ausdruck kommt, sondern erstens in deren Nichtbeanspruchung und zweitens in den Barrieren auf dem Weg ihrer Lieferungen.

Die Branchen-Krise führt unter anderem auch zum Aufkommen ungewöhnlicher Ideen vor Ort. Im vergangenen Jahr hat man sich im Verwaltungsgebiet Kemerowo mit Berechnungen dafür befasst, wie wirtschaftlich zweckmäßig es sein werde, Mining-Farmen auf dem Territorium von Kohle-Unternehmen zu errichten. Die Offiziellen des Kusbass waren damals zu dem Schluss gekommen, dass sich ein Kraftwerk mit einer Mining-Farm neben Kohle-Tagebauen innerhalb von etwa vier Jahren rentieren könne. Die Kooperation der Krypto-Industrie und Kohle-Branche war als eine der Formen betrachtet worden, um die Verringerung der Kohleförderung zu verlangsamen.

Der Gouverneur des Verwaltungsgebietes Kemerowo, Ilja Seredjuk, hat sich auf der Russischen Energiewoche auch über die Zweckmäßigkeit einer Dislozierung von Data-Zentren in ausgebeuteten Kohle-Tagebauen ausgesprochen.

„Heute müssen die Kohle-Produzenten nach Abschluss des Abbaus erhebliche Ressourcen zur Rekultivierung und zur Unterhaltung ausgeben. Da aber muss man nur einfach ein Haus aus monolithischem Beton mit mehreren Etagen errichten. Nicht nach oben, sondern nach unten“, sagte er. „Dies ist grob gesagt so eine große Grube mit einer Tiefe von 300 Metern (gemeint ist ein stillgelegter Tagebau – Anmerkung der Redaktion). Wenn man dort die gesamte Infrastruktur eines Data-Zentrums, eines Rechenzentrums, eines Mining-Zentrums anlegt, werden die Investitionsausgaben für die Schaffung solcher Data-Zentren minimale sein“, erklärte der Gouverneur. „Oben legt man eine Deckschicht an, begrünt sie, gestaltet einen Park. Und das Data-Zentrum ist abgedeckt“.

Nach Aussagen des Gouverneurs werde das Anlegen einer Rechner-Infrastruktur in stillgelegten Tagebauen auch den eigentlichen IT-Unternehmen erlauben, die Kosten zu verringern, vor allem für eine Kühlung der Anlagen. Und außerdem ist dies jetzt auch eine aktuelle Lösung aus der Sicht der Erhöhung des Schutzgrades der Objekte, der Gewährleistung ihrer Sicherheit unter Berücksichtigung der jüngsten Schläge gegen die Infrastruktur von Datenverarbeitungszentren.

Die Idee sei durch die Möglichkeit interessant, die Kohle für eine Stromerzeugung unmittelbar in der Region zu nutzen, wobei deren Transport über tausende Kilometer ausgeschlossen werde, kommentierte Maria Nikitina für die „NG“. Obgleich nach ihrer Einschätzung solche Projekte auch ihre Risiken haben werden. Die Umrüstung untertage verlange doch Investitionen. Dabei sei die Wettbewerbsfähigkeit solcher Data-Zentren nicht garantiert.

Als noch eine aussichtsreiche Richtung für den Kusbass nannte Seredjuk die Verbrennung von Kohle entsprechend der Technologie für hochkritische Dampfparameter. „Die wird Sibirien und dem Kusbass die Möglichkeit verschaffen, zu einem der Schlüssel-Data-Zentren zu werden, dass wir als ein industrielles Öko-System betrachten. Es wird die Energiewirtschaft, eine Rechner-Infrastruktur, die künstliche Intelligenz, eine Industrieproduktion, Engineering und Ausbildung von Personal vereinen“, erzählte der Gouverneur. „Mit der Menge an Kohle, die wir zu verarbeiten vorschlagen, wird dieses System die Möglichkeit verschaffen, 40.000 alternative Arbeitsplätze zu schaffen. Wobei dies hochbezahlte Arbeitsplätze sein werden“.

Macht es jedoch Sinn, darüber zu sprechen, dass die Idee für die Schaffung neuer hochbezahlter Arbeitsplätze jetzt an und für sich auch für einige Beobachter beinahe genauso wie eine extravagante wie die Förderung von „Krypto-Kohle“ oder die Verlegung von Data-Zentren in stillgelegte Tagebaue aussieht? Denn derzeit werden die geringe Arbeitslosigkeit und die steigenden Löhne und Gehälter von den Offiziellen des Finanzbereichs häufiger als ein Problem denn als eine Errungenschaft der russischen Wirtschaft dargestellt.