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Wie wichtig ist für Russlands Zukunft die Geschichte der Goldenen Horde?


Unter den Vertretern des öffentlichen Lebens, die auf eine Verteidigung der Interessen des russischen Volkes und des orthodoxen Christentums orientiert sind, hat eine Serie von Nachrichten eine Welle von Empörung ausgelöst, die mit dem Thema des sogenannten Erbes der Goldenen Horde zusammenhängen. Kasachstans Führung bezeichnete ihr Land als Erbe der Goldenen Horde. Etwa zur gleichen Zeit gab man in einer der am Baikalsee gelegenen Republiken Russlands die Schaffung eines Ordens bekannt, der einem mongolischen Heerführer gewidmet ist, der brutale Überfälle gegen altrussische Städte und Dörfer unternommen hatte (gemeint ist der Feldherr von Dschingis Khan Subutai, nach dem man in der Republik Tuva einen regionalen Orden benannt hat – Anmerkung der Redaktion). Zuvor war eine der moslemischen geistigen Verwaltungen Russlands durch mit der Russischen orthodoxen Kirche verbundenen Aktivisten aufgrund der Apologie der Goldenen Horde kritisiert worden. Es sei daran erinnert, dass dieser mittelalterliche Staat von Nomaden die Rus drei Jahrhunderte lang unter seinem Joch gehalten hatte.

Die „Horde-Frage“ wurde zu einem der Marker für die Teilung der patriotischen Gemeinschaft Russlands. Die einen rechnen sich zu den sogenannten Eurasiern und erklären, dass die russische Staatlichkeit auf den absolutistischen Traditionen der Khans der Horde in gleicher Weise wie auch auf der byzantinischen Autokratie beruhe. Andere halten das Wesen von Byzanz für das dominierende in der Grundlage der einheimischen Staatlichkeit, aber auch für ein Merkmal einer streng europäischen Zugehörigkeit der russischen Zivilisation. Russland und das orthodoxe Christentum halten sie natürlich für den besten Teil Europas, der das Bekenntnis zum wahren Christentum bewahrt hätte. Diese Menschen halten die illegale Migration und die Verbreitung des Panturkismus entlang der Südgrenze unseres Landes für die Hauptgefahr.

Die Haltung zur historischen Rolle der Goldenen Horde ist nicht das einzige Thema, das die Patrioten spaltet. Gerade erst haben sich der Rummel und die Streits hinsichtlich Lenins und dessen Erbe, die durch den Film „Die Mumie“ auf dem christlich-orthodoxen TV-Kanal „Spas“ (deutsch: „Der Erlöser“) ausgelöst worden waren, gelegt. Damals wurde so manche Lanze aufgrund der Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Frage nach dem Beitrag des Bolschewismus zur Entwicklung der russischen großen Staatlichkeit gebrochen.

Bei den historisch-philosophischen Auseinandersetzungen, die die Patrioten nach „rote“ und „weiße“, nach „Vertreter der Horde“ und „Byzantiner“ teilte, behaupten alle Streitparteien, dass sie sich um die Zukunft des Landes sorgen würden. Derweil belegen die Ergebnisse soziologischer Untersuchungen, dass die Agenda, die den Verteidigern des Kirchlichen als eine brandaktuelle erscheint, keine Ergebnisse hinsichtlich der Gewinnung der neuen Generation für die religiösen Traditionen bringt.

Jüngst löste eine Studie der Orthodoxen geisteswissenschaftlichen Universität zum heiligen Tichon große Resonanz aus. Ihre Ergebnisse wurden von den Medien umfangreich publiziert. Laut dieser Umfrage rechnen sich 65 Prozent der Bürger Russlands zu den christlich-orthodoxen Gläubigen. Im Jahre 2011 waren es 78 Prozent solcher gewesen. Auf diese Veröffentlichungen haben Vertreter der Russischen orthodoxen Kirche unterschiedlich reagiert. Der eine machte in dem Bild vom Rückgang der Zahl der Gläubigen ein Manipulieren der Zahlen aus. Ein anderer – die Besonderheiten der Vornahme der Untersuchung.

Und man muss auch noch berücksichtigen, dass die erwähnte Universität eine Hochschuleinrichtung ist, die durch den Moskauer Patriarchen und die Synode der Russischen orthodoxen Kirche gegründet wurde. Aber auch ein von der Kirche unabhängiges Meinungsforschungszentrum weist ähnliche Zahlen aus. Das Allrussische Meinungsforschungszentrum VTsIOM spricht von 67 Prozent der Befragten, die sich für christlich-orthodoxe Gläubige mit Stand für das Jahr 2025 halten. Und im Jahr 2017 waren es nach 75 Prozent gewesen.

Die ausgewiesenen Arbeiten enthalten keine besondere Untersuchung der jungen Generation. Die Dynamik der Haltung der Bevölkerung zur Religion vermittelt jedoch eine Vorstellung darüber, dass sich mit der Zeit die Anzahl jener verringert, die sich zum orthodoxen Christentum rechnen. Einige Beobachter haben hervorgehoben, dass sich eine erhebliche Anzahl von Bürgern Russlands herausgebildet, die sich mit keiner konkreten Religion in Verbindung bringen. Das heißt: Es existiert ein Interesse für Metaphysisches seitens der Menschen. Aber es realisiert sich nicht immer im Rahmen des Moskauer Patriarchats als eine etablierte und strukturierte Organisation mit ihrer gesellschaftlichen Agenda, die man in der Kirche als eine für die Entwicklung des Landes wichtige hält. In dieser Agenda ist schwer eine mehr oder weniger klare Konfiguration von Vorstellungen über die Zukunft Russlands auszumachen. Dafür lässt man sich aber in der Kirche und in deren Umfeld sehr gern und leidenschaftlich auf Diskussionen zu historischen Themen ein. Möglicherweise macht das Fixieren auf historische Fragen, über die man sich in Russlands bereits mehr als ein Jahrhundert streitet, die Russische orthodoxe Kirche zu einer für die Jugend uninteressanten.