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Zentralbank definierte vier Stadien für Russlands Regress


Die strukturelle Transformation der russischen Wirtschaft wird von einem technologischen Regress begleitet werden, behaupten Beamte der russischen Zentralbank. Entsprechend dieser Logik sei der Import ausländischer Technik für Russland ein Fortschritt, die eigene Herstellung aber – eine technologische Degradierung. Solche originellen Vorstellungen von der Realität haben Beamten der Zentralbank geholfen, für unser Land vier Etappen eines technologischen Regresses und für den strukturellen Umbau der Wirtschaft zu bestimmen.

Im Verlauf der strukturellen Transformation werde die Wirtschaft der Russischen Föderation unter den Bedingungen des langen Wirkens der westlichen Sanktionen vier Etappen durchlaufen, ist man sich in der von Elvira Nabiullina geleiteten Zentralbank sicher. Die ersten beiden Etappen macht das Land scheinbar gerade jetzt durch, wobei es immer mehr Abbrüche in den Geschäfts- und logistischen Kontakten zur Kenntnis nehmen muss, aber auch von durch die Regierung vorgeschlagenen Wegen zur Überwindung dieser ersten Schwierigkeiten, die man noch vor kurzem als widerrechtliche bezeichnet hätte, erfährt. Die strukturelle Transformation der russischen Wirtschaft unter den Bedingungen des langanhaltenden Wirkens der äußeren Restriktionen werde von einem technologischen Regress in einigen Branchen bei einem gleichzeitigen Ansteigen der Produktion von Investitionswaren und -technologien begleitet werden, heißt es im neuen Informationsbulletin der Zentralbank.

In der ersten Etappe der Transformation erfolge ein Abbruch der sich herausgebildeten technologischen, Produktions- und Logistik-Ketten. Der Abbruch tangiere die Unternehmen, die kritisch wichtige Produktionskomponenten importieren, die sogar einen geringen Anteil an den Selbstkosten ausmachen können. Im Großen und Ganzen habe diese Etappe begonnen, da bereits im März in der Wirtschaft der Russischen Föderation ein Rückgang begonnen hätte, betonen die Analytiker. Die Arbeit vieler Produktions- und Logistik-Ketten, die mit Im- und Export- sowie Finanzoperationen verbunden sind, aber auch mit einem Zusammenwirken mit ausländischen Unternehmen, die eine Einstellung der Tätigkeit in Russland bekanntgegeben haben, ist bereits unterbrochen worden. Ein erheblicher Schlag ist dem Flugzeugbau zugefügt worden, in dem die russischen Offiziellen als Antwortmaßnahme die Herstellung noch von sowjetischen Technikmodellen ankündigten. Und die Termine für die Fertigung moderner Flugzeuge ist verschoben worden.

In der zweiten Etappe muss sich eine primäre Anpassung der Unternehmen und Produktionsketten an die neuen Bedingungen des Funktionierens mit einer operativen Umstellung auf alternative Lieferanten vollziehen. Bei der Organisierung der Lieferungen von alternativen ausländischen Lieferanten werde die Rolle kleiner vermittelnder Außenhandelsunternehmen und des sogenannten „pendelnden“ Kleinunternehmertums, der Shuttle-Händler, zunehmen, meinen die Analytiker. Dabei sei eine drastische Zunahme der Herstellung substituierender Erzeugnisse nach ihrer Meinung nicht zu erwarten.

Zur dritten Etappe werde eine „umgekehrte Industrialisierung“ auf der Grundlage der Entwicklung weniger fortgeschrittener Technologien. Es komme zu einer teilweisen Importsubstitution von Technologien und Fertigungen, doch die technische und wirtschaftliche Effektivität der Technik werde den heutigen Modellen nachstehen. Dabei werde der Anteil der Industrie in der Wirtschaft zunehmen. Zu einem „Neben“-Effekt des Prozesses werde die Zunahme der Beschäftigtenzahl in den Branchen, die die Technik und Technologien einsetzen, da dies die geringere Leistung und die Effizienz der Technik und Technologien erfordern.

In der letzten, in der vierten Etappe werde der strukturelle Umbau abgeschlossen und es würden ein neues Gleichgewicht und eine Entwicklung erreicht werden, aber auf einer neuen, weniger vollkommenen technologischen Basis, schreiben die Analytiker. Es werde eine schrittweise Rückkehr zu den einstigen technologischen Niveaus erfolgen. Insgesamt werde in der russischen Wirtschaft der Anteil der verarbeitenden Industrie und des Sektors der Business-Dienstleistungen zunehmen. Das Wachstumstempo der Wirtschaft werde unter anderem durch das Verhältnis zwischen dem staatlichen und dem privaten Wirtschaftssektor bestimmt werden. Und die Erweiterung der privaten Unternehmer-Initiativen und eine Verringerung der Regulierungsmaßnahmen bezeichnen die Analytiker als eine notwendige Bedingung für die Unterstützung eines potenziellen Wachstumstempos.

In dem analytischen Material wird traditionsgemäß ein Vorbehalt vorgebracht, wonach sich dessen Schlussfolgerungen und Empfehlungen nicht mit der offiziellen Position der Zentralbank decken könnten. Kurz zuvor hatte die Chefin der Bank Russlands Elvira Nabiullina bei einem Auftritt in der Staatsduma (dem Unterhaus des russischen Parlaments – Anmerkung der Redaktion) erklärt, dass die russische Wirtschaft ungeachtet dessen, dass sie von einem erheblichen Teil der Finanzmärkte abgeschnitten worden sei, eine wettbewerbsfähige sein müsse.

Der technologische Regress in der Wirtschaft der Russischen Föderation bedeute ein Abgehen von modernen ausländischen Technologien, die durch ausländische Lieferanten entwickelt werden, zu Technologien, die in der Russischen Föderation entwickelt werden oder in sie geliefert werden können. Das heißt: Insgesamt werde Russland einfach das eigene technologische Niveau aufgeben, erläuterte der „NG“ der amtierende Direktor des Departments für den Kapitalmarkt der Investitionsfirma „Univer Capital“, Artjom Tusow.

„Hinsichtlich der Luftfahrt beispielsweise besteht der Regress in einer Verringerung der wirtschaftlichen Effektivität der Flüge. Sie werden teurer und möglicherweise mit einem größeren Prozentsatz an Havarien. Es versteht sich aber, dass eine eigene Fertigung von Flugzeugen die vorderste Linie der ingenieurtechnischen Gedanken ist, die sich nicht mehr als zehn Länder in der Welt erlauben können, darunter Russland“, sagte der Experte.

Russlands Industrie- und Handelsminister Denis Manturow hat eine Anordnung unterschrieben, der entsprechend das Ministerium vorgeschlagen hat, ohne eine Genehmigung der Rechteinhaber über 50 Warengruppen von mehr als 200 Marken zu verkaufen, das heißt: einen sogenannten parallelen Import zu gestatten. Unter den Waren sind Anlagen und Ausrüstungen sowie mechanische Geräte und Vorrichtungen, Telefone, Computer, TV-Geräte und Transportmittel. Unter anderem ist die parallele Einfuhr von Elektronik der weltweit bekanntesten Marken – von Telefonen, Uhren, Gadgets und Druckern – erlaubt worden. Das gleiche gilt auch für Autos, unter denen auch hochtechnologische E-Autos sind. In dem Verzeichnis sind gleichfalls schwere Industrieanlagen und -ausrüstungen.

„Derzeit stellen wir mit großen Problemen Reifen her. In den Null- und 2010er Jahre sind eine Reihe russischer Betriebe stillgelegt worden, beispielsweise das Krasnojarsker Reifenwerk. Damit wir jetzt nicht mit den Risiken einer Deindustrialisierung konfrontiert werden, müssen massenhaft chinesische Ausrüstungen und Anlagen importiert werden, um auf deren Grundlage eine einheimische Produktion und technologische Basis zu entwickeln“, sagte der „NG“ Vitalij Mankjewitsch, Präsident des Russisch-Asiatischen Industriellen- und Unternehmerverbands. „Dabei wird eine Reihe von Unternehmen mit Finanzierungsproblemen konfrontiert, die zum Teil innere Ressourcen in Gestalt des Fonds für nationalen Wohlstand lösen können, zum Teil aber auch der Effektenmarkt Hongkongs, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt für russische Unternehmen zugänglich ist“.