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Zwei Drittel der Bürger Russlands haben Übergewicht


Nach Schätzungen von Spezialisten des Gesundheitsministeriums haben zwei Drittel der Einwohner der Russischen Föderation Übergewicht. Neben Gesundheitsproblemen führt dies auch zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten, konstatieren Wissenschaftler aus der in Moskau ansässigen Wirtschaftshochschule (HSE). Laut ihren Berechnungen verliere die Wirtschaft über eine Billion Rubel im Jahr aufgrund eines vorzeitigen Ausfalls von Beschäftigten. Das Schlüsselproblem ist dabei die hohe Sterblichkeit von Männern im arbeitsfähigen Alter, unter anderem aufgrund der das Übergewicht begleitenden Erkrankungen.

Insgesamt verliere die russische Wirtschaft im Jahr rund 1,25 Billionen Rubel durch ein vorzeitiges Sterben aufgrund von Übergewicht, schätzen Experten aus der HSE. Dies entspricht 0,7 Prozent des BIP und 14 Prozent der staatlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen. Solch eine Berechnung der wirtschaftlichen Verluste basiert auf der Schätzung des nicht erzeugten aktuellen und künftigen BIP mit Blick auf die Ausgaben für das Gesundheitswesen.

Das heißt: Die ausgewiesenen 1,25 Billionen Rubel sind das, was die russische Wirtschaft im Ergebnis eines vorzeitigen Verlusts von Beschäftigten nicht produzierte. Dabei würden auf die Männer rund 73 Prozent aller wirtschaftlichen Verluste entfallen, unterstreichen die Wissenschaftler. Die Hauptursache ist eine höhere Sterblichkeit im arbeitsfähigen Alter. So ist bei den Männern Russlands die Sterblichkeit im arbeitsfähigen Alter aufgrund von Erkrankungen, die durch Übergewicht ausgelöst oder begünstigt werden, um 30 Prozent höher als unter den Frauen. Dabei ist die Beschäftigungsrate der Männer im Durchschnitt ebenfalls höher als die der Frauen. Und gerade Männer im arbeitsfähigen Alter machen den Großteil der Arbeitskräfte aus.

Die maximalen wirtschaftlichen Verluste entfallen auf die mittleren Altersgruppen (35 bis 59 Jahre). „Ihr Gesamtbeitrag zu den potenziell verlorenen künftigen Vorteilen macht rund 81 Prozent (962,3 Milliarden Rubel) aus“, weist man in der HSE. Dabei ist der höchste Wert der Verluste in absoluten Zahlen in der Gruppe 45 bis 49 Jahre zu beobachten (231 Milliarden Rubel).

Die hauptsächlichen Todesursachen in Russland bleiben ischämische Herzkrankheiten (49 Prozent), andere Blutkreislauferkrankungen (14 Prozent), Diabetes (12 Prozent), onkologische Erkrankungen (10 Prozent, andere Herzkrankheiten (9 Prozent) und andere Erkrankungen (5 Prozent). Und insgesamt haben laut Schätzungen der HSE die Erkrankungen im Zusammenhang mit Übergewicht und Fettsucht zum Tod von rund 109.000 Frauen und 97.000 Männern geführt. „Etwa 50 Prozent der Todesfälle von Frauen und 80 Prozent der Todesfälle von Männern entfielen allein im Jahr 2023 auf die Altersgruppen 20 bis 72 Jahre, was wesentliche wirtschaftliche Verluste infolge einer frühen Sterblichkeit signalisiert“, unterstreichen die Forscher.

Demografen aus der Präsidenten-Akademie hatten früher mitgeteilt, dass im Jahr 2023 in Russland über 200.000 Todesfälle mit Übergewicht und Fettsucht in einem Zusammenhang standen, das heißt etwa jeder achte Fall. Und in den letzten drei Jahrzehnten sind aufgrund der Folgen einer Fettsucht rund 5,4 Millionen Bürger Russlands gestorben.

Es existieren auch höhere Schätzungen für die wirtschaftlichen Verluste. Der wirtschaftliche Schaden aufgrund von Fettsucht mache in der Russischen Föderation vier Prozent des BIP aus, teilte Iwan Dejew, Direktor des Departments für Monitoring, Analyse und strategische Entwicklung des Gesundheitswesens im russischen Gesundheitsministerium, mit.

Im Zentrum für Begutachtung und Kontrolle der Qualität der medizinischen Hilfe des Gesundheitsministeriums hat man seinerseits berechnet, dass eine Medikamenten-Versorgung aller Patienten mit Fettsucht, für die sie entsprechend klinischen Empfehlungen angezeigt ist, im Jahr ungefähr 3,1 Billionen Rubel kosten könne. Dabei bezifferte man die Kosten für eine stationäre Behandlung von Komplikationen im Zusammenhang mit einer Fettsucht (Diabetes und ischämische Herzkrankheiten) mit etwa 470 Milliarden Rubel im Jahr, und eine medikamentöse Therapie zur Behandlung begleitender Erkrankungen koste beinahe 800 Milliarden Rubel.

Adipositas (Fettsucht) und Übergewicht sind ein wesentliches Problem für die Russische Föderation. Laut Schätzungen des Gesundheitsministeriums mache die Zahl der Einwohner der Russischen Föderation mit einer Körpermasse, die nicht die Normwerte überschreitet, nur 35,7 Prozent der gesamten Bevölkerung aus. Dies deckt sich mit den Einschätzungen der Bürger Russlands an sich. Lediglich 36 Prozent der durch das Allrussische Zentrum für Meinungsforschung (VTsIOM) Befragten sind der Auffassung, dass sich ihr Körpergewicht im Normbereich befinde. Über der Norm liege es bei fast 60 Prozent der Befragten.

Nach Aussagen des russischen Gesundheitsministers Michail Muraschko mache der Verbreitungsgrad von Adipositas in Russland unter der erwachsenen Bevölkerung beinahe 25 Prozent aus. Dabei liege dieser Wert unter Männern bei 20,6 Prozent, unter Frauen – bei 27,4 Prozent. Früher hatte er mitgeteilt, dass man bei jedem fünften Bürger Russlands, der zu einer prophylaktischen medizinischen Untersuchung und Vorsorgeuntersuchung kommt, Übergewicht habe, jeder zehnte leide unter Fettsucht. Die Anzahl der Patienten mit Adipositas, die im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung beobachtet werden, habe sich innerhalb von fünf Jahren in Russland um 24 Prozent erhöht und mache über 1,2 Millionen Menschen aus.

Laut Angaben des Allrussischen Patientenverbands besitzen über 62 Prozent der erwachsenen Menschen in der Russischen Föderation Anzeichen für eine Fettsucht oder leiden bereits unter einer Fettsucht. Im September des Jahres 2024 hatte Michail Muraschko mitgeteilt, dass in Russland etwa 40 Millionen Menschen unter Adipositas leiden würden. Damals hatte er auch unterstrichen, dass diese Erkrankung eine Kaskade anderer Gesundheitsprobleme auslöse – Diapetes des zweiten Typs, arterielle Hypertonie u. a.

Im Endergebnis gehört Russland zu den acht Ländern, in denen mehr als die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Planeten mit Übergewicht und Fettsucht lebt.

Allerdings ist solch ein Problem nicht nur für die Russische Föderation charakteristisch. Laut Angaben der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden heute über eine Milliarde Menschen unter Adipositas oder jeder achte Erdbewohner. Die World Obesity Federation (Welt-Adipositas-Föderation) erwartet, dass bereits bis zum Jahr 2035 der Großteil der Weltbevölkerung – über vier Milliarden Menschen – Übergewicht haben werde, wobei fast zwei Milliarden Menschen (ungefähr jeder vierte) wahrscheinlich unter Adipositas leiden werde.

Die explosionsartige Zunahme der unter Übergewicht leidenden Menschen hat zu einem Boom in Bezug auf Mittel gegen Adipositas, die einen schnellen Gewichtsverlust verheißen, geführt. In Russland haben in den letzten Jahren die Verkaufszahlen für derartige Präparate um ein Mehrfaches zugenommen. Und russische Pharma-Unternehmen bringen ihre Produkte, die bekannten ausländischen Präparaten für eine Bekämpfung von Fettsucht analog sind, auf den Markt.

Eine der Ursachen für die Zunahme des Anteils der Bevölkerung mit Übergewicht ist eine falsche Ernährung. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums würden 50 Prozent der Bürger Russlands täglich Konditoreierzeugnisse konsumieren. Und 23 Prozent – Wurstwaren, was zu einem übermäßigen Konsum von Salz und Zucker führt. Im Ministerium hat man die Hauptfaktoren genannt, die ungesunde Essgewohnheiten verursachen. Der hauptsächliche ist der Wirtschaftsfaktor. Die Menschen würden zu viele billige kalorienreiche Produkte konsumieren. Und die Hersteller würden Zucker nicht nur für eine Verbesserung des Geschmacks, sondern auch zur Verlängerung der Haltbarkeitsdauer von Lebensmitteln hinzufügen.

Die russischen Offiziellen ergriffen und ergreifen einige Maßnahmen zur Bekämpfung des Übergewichts der Bürger Russlands. So hat man ins Programm der staatlichen Garantien für die kostenlose Gewährung medizinischer Hilfe für die Bürger eine chirurgische Behandlung von Adipositas aufgenommen. Und in der verabschiedeten Strategie für die Entwicklung des Gesundheitswesens bis zum Jahr 2030 wird das Ziel gesetzt, die Anzahl der Bürger zu erhöhen, die eine gesunde Lebensweise führen. Bis zum Jahr 2030 soll ihr Anteil bis auf 13,6 Prozent zunehmen. Dabei lenkten Wissenschaftler die Aufmerksamkeit auf das unzureichende Interesse der Bürger Russlands für solch einen Lebensstil und für eine Bewahrung ihrer Gesundheit.

Zwecks Vergleich sei angemerkt: In vielen westlichen Ländern gibt es verschiedenartige Programme zur Unterstützung der Gesundheit von Kindern. Unter den Maßnahmen sind eine Revision der Ernährungsnormen, eine Erhöhung der physischen Aktivität u. a. In Deutschland wirkt seit 2024 ein Programm zur Betreuung von Adipositas-Patienten. Im Rahmen dieses Programms wird den Patienten ein Komplex von Maßnahmen angeboten – von einer Auswahl physischer Übungen und einer Arbeit mit einen Psychologen bis hin zu einer medikamentösen Heilbehandlung.