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Zyperns Synode stimmte der ukrainischen Autokephalie zu


Die Synode der Zypriotischen Orthodoxen Kirche hat am 25. November die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) anerkannt. Ihre Entscheidung haben die Zyprioten unter den Bedingungen eines Drucks sowohl seitens des (Ökumenischen) Patriarchats von Konstantinopel als auch des Moskauer Patriarchats, die hinsichtlich der Frage der ukrainischen Autokephalie entgegengesetzte Positionen einnehmen. In der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) reagierte man auf die synodale Entscheidung mit einer recht pflichtgemäßen Verurteilung. 

Die Tagung der zypriotischen Synode dauerte zwei Tage. Und die Abschlussentscheidung hat den Unmut eines Teils der Hierarchen ausgelöst und wurde mit zehn Ja- bei sieben Nein-Stimmen angenommen. Metropolit Nikiphoros (Kykkotis) von Kykkos erklärte nach der Tagung der Hierarchen, dass die Entscheidung der Synodalen „keinen bindenden Charakter trägt, da dies eine Frage des Glaubens ist… Wir traten gegen den Vorschlag hinsichtlich einer Anerkennung von Epifanij auf. Wir waren mit ihm nicht einverstanden. Die Abschlussentscheidung bindet uns nicht“, behauptet der Bischof. 

„Die Spaltung der weltweiten Orthodoxie dauert an, deren Schuldiger Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel ist. Die von ihm in der Ukraine begangene antikanonische Tat führt nun zu einem Verlust der inneren Einheit in den orthodoxen Landeskirchen“, kommentierte das zypriotische Kommuniqué der Vorsitzende der Abteilung für auswärtige Kirchenbeziehungen, Metropolit Hilarion (Alfejew). Er lenkte das Augenmerk darauf, dass ein Teil der zypriotischen Bischöfe mit der Mehrheit in der Synode nicht einer Meinung gewesen war.

Es sei daran erinnert, dass am 24. Oktober das Oberhaupt der Zypriotischen Orthodoxen Kirche, Erzbischof Chrysostomos II., bei einem Gottesdienst das Oberhaupt der OKU, Metropolit Epifanij (Dumenko) kommemoriert hatte, was faktisch eine Anerkennung der Kiewer Autokephalie bedeutete. Der Erzbischof selbst erklärte seine Tat so: „Seit vergangenem Jahr haben wir den Ökumenischen Patriarchen informiert, dass wir eine neutrale Position wahren und uns dem Dienst an der Orthodoxie durch die Oberhäupter der verschiedenen autokephalen Kirchen widmen werden. Aber ich musste eine bestimmte Stellung einnehmen. Ich bin sicher, meine Entscheidung wird der Orthodoxie und der Kirche Zyperns dienen“.

Nicht einverstanden damit sind mehrere zypriotische Hierarchen: die Metropoliten Athanasios (Nikolaou) von Limassol, Isaias (Kykkotis) und Nikiphoros (Kykkotis), aber auch Nikolaos (Timiadis) von Amathous. Sie unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, in der sie Chrysostomos II. aufriefen, unverzüglich den „antikanonischen Akt“ aufzuheben, wobei sie erklärten, dass „die Handlungen des Erzbischofs eine grobe Verletzung des synodalen, kollektiven und demokratischen Aufbaus sowie des Funktionierens unserer orthodoxen Kirche auf dieser Grundlage darstellen“. Sie warnten, dass sie nicht beabsichtigen würden, weder mit Chrysostomos noch mit Epifanij im Falle eines Besuchs des Oberhauptes der OKU Gottesdienste zu zelebrieren.

Es versteht sich, dass man Chrysostomos II. im Moskauer Patriarchat verurteilte. Am 20. November beschloss die Synode der ROK, den Namen des Erzbischofs von Zypern aus ihrem Diptychon (Verzeichnis in der Liturgie, das die Namen von Toten und Lebenden enthält, die als Mitglieder der Kirche angesehen und unmittelbar vor oder während des Hochgebetes verlesen werden) zu streichen. Dabei erklärte man, dass die Entscheidung über den kanonischen Charakter der OKU „durch Erzbischof Chrysostomos allein, ohne eine Abstimmung mit den Mitgliedern der Heiligen Synode der Zypriotischen Orthodoxen Kirche getroffen wurde und folglich keinen kollektiven Charakter trage“. Dabei konstatierten die russischen Hierarchen die „Unmöglichkeit einer Kommemoration des Namens des Erzbischofs von Zypern Chrysostomos II. in den Diptychen, einer Gebets- und eucharistischen Kommunikation mit ihm, aber auch eines gemeinsamen Wirkens mit jenen Hierarchen der Zypriotischen Kirche, die mit Vertretern der ukrainischen Spaltung in einen kirchlichen Kontakt treten. Zuvor waren aus dem Diptychon der Russischen Orthodoxen Kirche aufgrund der Anerkennung der OKU die Namen der geistlichen Oberhäupter des Patriarchats von Alexandria und der Kirche von Griechenland gestrichen worden. Mit der Kirche von Konstantinopel, deren Oberhaupt Patriarch Bartholomäus I. der Initiator der Schaffung der von Moskau unabhängigen Struktur in der Ukraine war, sind die eucharistischen Kontakte vollkommen abgebrochen worden. 

Bemerkenswert ist, dass im Juli des Jahres 2018 Chrysostomos II. dem Patriarchen von Moskau und Ganz Russland, Kirill I., versichert hatte, dass „die Zypriotische Kirche niemals von ihrer Position abweichen und mit all ihren Kräften die Position der Russischen Orthodoxen Kirche in der Frage der sogenannten Autokephalie in der Ukraine unterstützen wird“. Am 18. Februar 2020 beschloss die zypriotische Synode, dass sie beabsichtige, hinsichtlich dieses Problem Neutralität zu wahren. Später warf Chrysostomos dem Oberhaupt der ROK in scharfer Form die Anzettelung einer Spaltung in der weltweiten Orthodoxie aufgrund des Unwillens, den kanonischen Charakter der Entscheidung des Ökumenischen Patriarchen anzuerkennen, vor. Doch bis zum nunmehrigen Oktober hatte er sich nicht entschlossen Dumenko während der Liturgie zu kommemorieren. 

Die offizielle Internetseite der Zypriotischen Kirche teilte am 18. November mit, dass zwischen Chrysostomos und Epifanij (Dumenko) ein Telefonat erfolgte, in dessen Verlauf der Erzbischof unterstrich, dass „alle neuen Kirchen die Autokephalie durch eine Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats erhielten und keiner Gründe habe, am kanonischen Charakter des Tomos für die Kirche der Ukraine zu zweifeln“, und deshalb müssten „die anderen Landeskirchen, darunter auch die Russische, diese Tatsache akzeptieren“. Es sei daran erinnert, dass die OKU den Tomos, d. h. den Erlass über ihre Autokephalie von Patriarch Bartholomäus I. erhielt. Der zypriotische Erzbischof hat Epifanij eingeladen, die Insel zu besuchen. Am 13. November gratulierte Dumenko auf seiner Facebookseite dem Oberhaupt der Zypriotischen Kirche zum Namenstag und bezeichnete ihn als „ein Beispiel der Unbeugsamkeit“. 

Bei der Synode der OKU, die am 24. November in Kiew stattfand, dankten die Hierarchen „dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Zypern, dem hochheiligen Erzbischof von Nea Justinianopolis und ganz Zypern Chrysostomos II., und den Hierarchen der Kirche von Zypern, die der kanonischen Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats bezüglich der Autokephalie der Orthodoxen Kirche der Ukraine gefolgt waren“, und beschlossen „zu konstatieren, dass zwischen der Orthodoxen Kirche der Ukraine und der Zypriotischen Orthodoxen Kirche eine vollständige kirchliche Gemeinschaft wie zwischen autokephalen orthodoxen Schwesterkirchen hergestellt wurde“.