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Russlands Kulturministerium fixiert Erscheinungen für eine künstlerische Verarbeitung


In der ersten Dezemberhälfte fand das V. Wachtangow-Festival der Theatermanager statt, bei dessen Eröffnung der stellvertretende Kulturminister Russlands, Sergej Perschin, mit einer programmatischen Rede auftrat. Er lenkte unter anderem das Augenmerk der Anwesenden auf ein Dokument, das für das Ministerium ein wichtiges ist. Die Rede war von der Publikation „Hauptthemen Russlands: 2025. Katalog aktueller Themen, bedeutsamer Daten und Geschichten für ein künstlerisches Verarbeiten“.

Das Dokument stellt auf 500 Seiten Vorschläge vor, die in den 89 Subjekten (Verwaltungsgebieten) der Russischen Föderation und in 46 föderalen Machtorganen erfasst wurden. Die Vorschläge sind in Kategorien unterteilt worden – aktuelle Themen, bedeutsame Daten, die Menschen inspirierende Geschichten sowie für die Institutionen oder Regionen wichtige Ereignisse.

Die Autoren betonen, dass „die über 420 im Katalog vorgeschlagenen aktuellen Themen ein breites Spektrum an Fragen erfassen: die Bewahrung des historischen und kulturellen Erbes des Landes, Tendenzen der heutigen kulturellen Entwicklung der Regionen, die Verteidigung historischer Erinnerungen und die Verewigung der Heldentaten von Verteidigern des Vaterlands, die Anhebung des Lebensniveaus der Bevölkerung und die Implementierung von Neuerungen“. Im Katalog gibt es „über 400 markante Menschenschicksale und bedeutende Ereignisse … Beispiele von zivilem Mut und einer beruflichen Heldentat“.

Das Ziel der so großangelegten Arbeit erschließt sich aus dem Titel des Katalogs: die Vorgabe thematischer Richtungen für ein künstlerisches Aufarbeiten. Somit drängt der Staat nicht eine Sammlung von Erscheinungen auf, sondern schlägt sie vor. Erlaubt und empfohlen wird kreativ Tätigen und jenen, wenn man sich einmal bildlich ausdrückt, die bei ihnen die Musik bestellen, sich über sie Gedanken zu machen.

Unter anderem lenkt beispielsweise der Staatliche Feldjägerdienst in der Kategorie „bedeutende Daten“ die Aufmerksamkeit auf den 17. Dezember 2026 – die Institution wird den 230. Jahrestag ihrer Gründung begehen. Und noch ein wichtiges Datum – der 120. Geburtstag von Boris Krasnopewzew, des Leiters des Feldjägerdienstes der UdSSR in den Jahren 1949-1983, der in einer Reihe von Staatsorganen 54 Jahre lang gedient hatte. Wenn dies keine Anlässe für die Schaffung interessanter künstlerischer Arbeiten sind!

Die vom Staat gebilligten Themen hatten sich früher in einem zerstreuten, nichtsystematisierten Zustand befunden. Nunmehr gibt es die „Grundlagen der Staatspolitik zur Bewahrung und Festigung der traditionellen russischen geistigen und moralischen Werte“, an denen man sich orientieren kann. Aber dieses Dokument ist ein vages und skizziert eher das, was nicht machbar ist, und nicht das, was man kann. An staatlichen Feiertagen gibt es nicht so viele, Themen-Jahre werden sporadisch zelebriert, und jedes Mal lösen sie eine gigantische Serie von Opera (deutsch: „Werke“) aus, die mit Dostojewskij, Ostrowskij (bald – mit Lew Tolstoi) usw. verbunden sind.

Nun aber kann der Kulturschaffende die eigenen künstlerischen Bestrebungen mit den Bedürfnissen des Staates abstimmen oder das Thema auswählen, für das es eine Nachfrage geben wird. Oder ein Arbeiten an diesem ganz bestimmt nicht zu Problemen mit den Gesetzen führt. Verdient etwa nicht ein ehemaliger Leiter einer föderalen Institution ein einzelnes Projekt, wenn das Kulturministerium seine Figur in die Zahl besonders bedeutsamer Personen aufnimmt? Verfasst wurde auch ein 500seitiges Buch, das zum Gegenstand einer stürmischer Diskussion wurde, über Irina Antonowa, die über 70 Jahre im Moskauer Puschkin-Museum für bildende Künste gearbeitet hatte.

Die Ministerien und regionalen Behörden Russlands haben noch nicht wenige Themen, die von den Kulturschaffenden ignoriert werden. Der eingangs erwähnte Katalog ist eine der Maßnahmen, die eine Überwindung dieses bedauerlichen Fehlers fördern. Ohne dabei etwas aufzuzwingen. Dennoch aber einen Rahmen bestimmend.