Ins Stadium einer Umsetzung ist die im Sommer des Jahres 2024 durch die USA, Kanada und Finnland abgeschlossene Vereinbarung getreten, die darauf abzielt, den Rückstand gegenüber der Russischen Föderation hinsichtlich des Umfangs und der Qualität der Eisbrecher-Flotte zu liquidieren. Gestartet wurde der Bau des Eisbrechers „Polar Max“. Er wird für Kanada der größte und modernste werden. Die Zusammenarbeit, die nur durch geopolitische Ziele motiviert ist, wird jedoch unweigerlich mit ernsthaften Hindernissen konfrontiert werden.
In Finnland hat man bei einer feierlichen Zeremonie den Beginn der Arbeiten für den neuen Eisbrecher „Polar Max“ für Kanada bekanntgegeben. Er soll bis zum Jahr 2030 gebaut werden. Die Bauarbeiten werden zuerst auf einer Werft in Helsinki erfolgen. Und danach wird man den Eisbrecher in Lévis, das in der kanadischen Provinz Quebec liegt, fertigstellen. Es wird erwartet, dass das Schiff in der Lage sein wird, Eis mit einer Stärke von bis zu 6,40 Metern zu überwinden und den starken Temperaturschwankungen, die für die Arktis charakteristisch sind, standzuhalten. Am Start des Vorhabens nahmen der kanadische Minister für die Beschaffung von Verteidigungsgütern, Stephen Fuhr, der Wirtschaftsminister von Quebec, Christopher Skeete, aber auch die CEOs der Unternehmen, die die Bauarbeiten durchführen werden: der Kanadier James Davis und der Finne Kim Salmi. Dies ist das erste Projekt im Rahmen einer dreiseitigen Partnerschaft der USA, von Kanada und Finnland.
Die Etablierung des Pakts ICE (Ice-Breaker Collaboration Effort – deutsch: Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Baus von Eisbrechern) hatte man im Weißen Haus im Juni 2024 verkündet. Die Auswahl gerade solcher Beteiligten dieses Abkommens ist keine zufällige. Finnland gehört zu den weltweiten Spitzenreitern hinsichtlich des Baus von Schiffen, die für einen Einsatz unter den Bedingungen der Arktis geeignet sind. Dabei hat es aber keinen Zugang zum Nördlichen Eismeer. Die Bau- und Projektierungskapazitäten dieses nordeuropäischen Landes wollen die Amerikaner und Kanadier nutzen, die ausgedehnte Bereiche der Arktis kontrollieren. Im Juni 2024 hatte beim Abschluss des ICE-Paktes der damalige US-amerikanische Präsident Joseph Biden von der Notwendigkeit gesprochen, in den nächsten 10 bis 15 Jahren 70 bis 90 Eisbrecher vom Stapel laufen zu lassen.
Weder durch die damalige noch durch die jetzige Administration des Weißen Hauses wird in keiner Weise ein Hehl daraus gemacht, dass die Anstrengungen der USA, Kanadas und Finnlands darauf abzielen, den Versuch zu unternehmen, eine Konkurrenz für die russische Eisbrecher-Flotte in der Region der nördlichen Meere zu schaffen. Dieses Ziel zu erreichen, kann sich jedoch in der Praxis als weitaus schwieriger herausstellen als die offiziellen Vertreter der Länder des Westens annehmen.
Laut unterschiedlichen Schätzungen hat Finnland acht bis elf Eisbrecher. Kanada hat 17. Gegenwärtig baut es noch zwei große Eisbrecher, „Arpatuuq” und „Imnaryuaq“, die laut Plan bis zum Jahr 2030 vom Stapel laufen sollen. In den USA sieht es hinsichtlich der Schiffe, die für einen Einsatz in Eisgebieten geeignet sind, schlecht aus. USCGC Polar Star – dies ist bisher der einzige für einen Einsatz geeignete Eisbrecher, der – sage und schreibe – 1976 vom Stapel lief. Bis zum Jahr 2020 wurde gleichfalls das Schiff USCGC Healy genutzt, jedoch kam es vor mehr als fünf Jahren zu einem Brand auf ihm, und das Schiff ist nach wie vor nicht einsatzfähig.
Russland — wie auch zuvor die UdSSR – besitzt die stärkste Eisbrecher-Flotte in der Welt. Sie besteht, wie auf der offiziellen Kreml-Internetseite am 18 November 2025 ausgewiesen wurde, aus 42 Schiffen, von denen acht atomgetriebene sind – vorerst die einzigen weltweit. Unter Berücksichtigung dessen erscheinen die Pläne der USA, Kanadas und Finnlands, mit der Russischen Föderation zu konkurrieren, als unerfüllbare – selbst unter Berücksichtigung der ambitiösen Ziele des Dreier-Paktes.
Der Arktis Aufmerksamkeit zu schenken, hat man in den USA zu spät begonnen. Für die UdSSR und danach auch Russland war die Entwicklung des Nördlichen Seeweges eine strategisch wichtige Aufgabe für die Gewährleistung der Sicherheit im Polargebiet und für die Versorgung der Städte des Hohen und Russischen Nordens. Der Haupttransportkorridor, der die West- und die Ostküste der Vereinigten Staaten verbindet, verläuft über den Panama-Kanal und nicht über die Arktis. Die Klimaveränderungen und das Ansteigen der Temperaturen an den Polen machen die Erschließung des Nordens zu einer realisierbareren. Jedoch ist dies alles dennoch langwierig, schwierig und teuer, obgleich dies natürlich einige Vorteile verheißt. Und der gegenwärtige US-Präsident Donald Trump sieht sie.
Es genügt, sich seiner Ansprüche auf Grönland zu erinnern, von denen er nach dem Sieg bei den Wahlen sprach, in der jüngsten Vergangenheit erneut vehement die amerikanischen Ansprüchen auf die Insel anmeldet. Und die sind gerade mit dem Wunsch verbunden, die amerikanische Präsenz in der Region zu verstärken und sie nicht Russland und China zu überlassen. Nach einer Angliederung der von Dänemark verwalteten Insel könnte man die vom Land kontrollierten Territorien hinter dem Polarkreis ausdehnen. Zwischenzeitlich hatte das Interesse des Präsidenten der USA für diese Idee nachgelassen, was aber nur damit zu erklären ist, dass er zu sehr mit anderen außenpolitischen Angelegenheiten beschäftigt war.
Trump weist auch nicht die Möglichkeit einer Vergrößerung der Nordflotte des Landes zurück. Beim NATO-Gipfeltreffen im Juni 2025 hatte der Chef des White House gesagt, dass die USA nichts dagegen hätten, bis zu 15 Eisbrecher aus finnischer Produktion zu kaufen. Die Wahrscheinlichkeit dessen, dass diese Absicht auch eine Absicht bleibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Für Washington ist die Verstärkung der Positionen in der Arktis Teil eines geopolitischen Spiels und keine akute Notwendigkeit. Daher verfolgt auch der ICE-Pakt in erster Linie keine wirtschaftlichen, sondern politische Ziele, die darin bestehen, den Einfluss Russlands und auch von China in der Region zu verringern. Peking bekundet großes Interesse für die Arktis, was den gegenwärtigen US-Präsidenten, der China als Hauptrivalen Washingtons in der internationalen Arena ansieht, beunruhigt.
P. S.
Russland ist der größte Arktis-Staat, erklärte Präsident Wladimir Putin beim internationalen Arktis-Forum am 27. März 2025. „Wir plädierten und plädieren heute für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit in der Region, die Forschungsarbeiten, den Schutz der biologischen Vielfalt, Klimafragen, das Reagieren auf außerordentliche Situationen und natürlich eine wirtschaftliche, eine industriele Erschließung der Arktis einschließt. Dabei sind wir zu einer gemeinsamen Arbeit nicht nur mit den Arktisstaaten bereit, sondern mit allen, die genauso wie wir die Verantwortung für eine stabile Zukunft des Planeten teilen…“.
Zur gleichen Zeit betonte der Kremlchef, dass es offenkundig sei, dass die Rolle und die Bedeutung der Arktis sowohl für Russland als auch für die ganze Welt zunehme. „Es verstärkt sich aber gleichfalls leider auch die geopolitische Konkurrenz, der Kampf um Positionen in dieser Region.“ Und schon damals betonte Wladimir Putin, dass die von US-Präsident Donald Trump artikulierten Besitzansprüche auf Grönland keinerlei extravagantes Gerede der gegenwärtigen Washingtoner Administration seien.
Solche Pläne hatte es bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gegeben. Schon zu jener Zeit hatte man in Washington die Möglichkeit einer Annexion von Grönland und Island abgeklopft. Diese Idee fand jedoch keine Unterstützung im Kongress. Offensichtlich auch vor dem Hintergrund der amerikanischen Medienbeiträge, die 1868 den Erwerb von Alaska durch die Vereinigten Staaten ins Lächerliche zogen. Sie bezeichneten diesen als „Irrsinn“, „Eiskasten“ und „Eisbär-Garten von Andrew Johnson“ (der 17. Präsident der USA – Anmerkung der Redaktion). Ungeachtet dessen wurde 1910 ein neuer Deal für einen Austausch von Territorien zwischen den USA, Deutschland und Dänemark vorbereitet, in dessen Rahmen Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten gekommen wäre. Der platzte jedoch. Erst im Verlauf des Zweiten Weltkrieges konnten die USA erstmals auf der weltweit größten Insel mit über zwei Millionen Quadratkilometer Fläche Fuß fassen, indem sie dort Militärstützpunkte zum Schutz vor deren Einnahme durch deutschen Truppen einrichteten. Kurzum, hier geht es um ernsthafte Pläne seitens der Amerikaner, und es ist offenkundig, „dass die USA auch weiterhin auf einer systematischen Grundlage ihre geostrategischen, militärpolitischen und wirtschaftlichen Interessen in der Arktis verfolgen werden“, meinte dazu Russlands Staatsoberhaupt.
In Moskau verfolgt man aufmerksam diese Entwicklungen und rüstet sich für einen langen Konkurrenzkampf. Wladimir Putin erklärte deshalb am 18. November 2025: „Es ist wichtig, konsequent die Positionen Russlands in der Arktis zu verstärken, in vollem Maße das logistische Potenzial unseres Landes zu realisieren sowie die Entwicklung des perspektivreichen transarktischen Korridors von Sankt Petersburg bis nach Wladiwostok zu gewährleisten“.
Federführend bei der Entwicklung der russischen Flotte von Atomeisbrechern ist der Staatskonzern ROSATOM. Der kann lt. vorliegenden Informationen bereits auf Erfolge verweisen. Im Rahmen des Projekts 22220 sind bereits vier Eisbrecher im Einsatz – „Arktika“, „Sibir“, „Ural“ und „Jakutia“. Zwei weitere Eisbrecher dieser Serie – „Tschukotka“ und „Leningrad“ – sind noch im Bau, wobei ersterer am 6. November 2024 vom Stapel lief und voraussichtlich noch in diesem Jahr seine Jungfernfahrt antreten wird. Und am 18. November 2025 nahm Wladimir Putin online an der Kiellegung eines weiteren Schiffs dieser Serie, des Atom-Eisbrechers „Stalingrad“, teil. Den Antrieb der Eisbrecher gewährleistet die Reaktoranlage „Rhythmus-200“ mit einer Leistung von 60 Megawatt. Die projektierte Fahrgeschwindigkeit beträgt im offenen Meer 22 Knoten und, was für den Einsatz auf dem Nördlichen Seeweg besonders wichtig ist, Eisdecken mit einer Stärke von bis zu drei Metern stellen für die Eisbrecher kein Problem dar.