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Trump hat beschlossen, in die Fußstapfen der Gegner Amerikas zu treten


Seit Beginn der amerikanischen Schläge gegen den Iran haben die NATO-Verbündeten der USA von Donald Trump Erklärungen oder zumindest irgendeinen Appell an sie erwartet. Am dritten Tag des Krieges erfolgte eine, aber ganz und gar keine solche, die man scheinbar hätte erwarten müssen. Trump gab bekannt, dass er die Handelsbeziehungen mit Spanien abbreche, und gleichzeitig kundgetan, dass er vom Premierminister Großbritanniens, Keir Starmer, stark enttäuscht sei. Und folglich kann in der Perspektive auch den Briten etwas Ähnliches drohen.

Die Liste der „Sünden“ der beiden Länder gegenüber den USA formulierte der amerikanische Präsident so: Die Spanier hätten ihre Stützpunkte nicht für die amerikanischen Flugzeuge zur Verfügung gestellt, die zum Bombardieren des Irans unterwegs sind (unklar ist, warum sie verpflichtet sind, dies zu tun, wenn Trump sich nicht an die NATO zwecks Hilfe gewandt hat). Und Großbritannien hatte sie zur Verfügung gestellt, aber nicht schnell genug. Starmer hätte entsprechend dem Gedankengang des Chefs des Weißen Hauses sofort eine Unterstützung für die USA erklären müssen. Doch getan hat er dies erst nach einer Zurechtweisung aus Washington. Augenscheinlich hatte Trump entschieden, dass man jetzt jedes Wort auf die Goldwaage legen müsse, und Spanien an die „Ablehnung, die Verteidigungsausgaben bis auf 5 Prozent des BIP bis zum Jahr 2030 anzuheben“, erinnert. Gemeint ist die Ausnahme aus den allgemeinen Regeln der NATO, die dieses Land für sich eingefordert hatte. Dem, dass die Spanier diesen Parameter bis zum Jahr 2035 erreichen werden, hatten alle Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer der Allianz zugestimmt. Außer, wie sich jetzt herausstellte, Trump. Und seine eigene Meinung erscheint ihm als eine hinreichende Grundlage, um Spanien dafür zu strafen, was er als eine Verletzung dessen Pflichten gegenüber der NATO hält.

Sicherlich wären die amerikanischen Verbündeten schockiert gewesen, wenn Trump in der Zeit seiner Präsidentschaft nicht so viel Schockierendes getan hätte. Im Vergleich zu seinen – sagen wir einmal Androhungen, Dänemark Grönland wegzunehmen, überrascht in keiner Weise die Erinnerung daran, dass die Meinung anderer, selbst der mit Amerika befreundeten Länder für ihn nichts sei. Jedoch ist in der Geschichte der amerikanischen Außenpolitik das, was sich derzeit ereignet, natürlich eine Zäsur. Eine Grenze, hinter der, wenn der Kurs von Trump fortgesetzt wird, unumkehrbare Veränderungen in den Beziehungen der USA mit der übrigen Welt folgen werden.

Aus den Erfahrungen der zwei Weltkriege hat man in Washington und insgesamt im Westen eine wichtige Lehre gezogen: Es siegt derjenige, der Verbündete hat. Gerade Verbündete und keine abhängigen Satelliten, die davon träumen, mit Ihnen die Beziehungen abzubrechen, sobald sie mit Ihrer Hilfe ihre eigenen Aufgaben lösen. Eine große Anzahl von Verbündeten gewährleistet nicht nur ein Übergewicht an Kräften und Ressourcen, was an und für sich bei einer langen Konfrontation sehr wichtig ist. Sie verleiht der Gesellschaft ein Gefühl von der Rechtmäßigkeit der Sache, um die der Kampf erfolgt, denn große Bündnisse werden stets so oder anders um eine Idee herum geschaffen und nicht um Interessen. In einem demokratischen Staat müssen die Menschen verstehen, für was sie ihre Nächsten losschicken, ihr Leben zu riskieren. Andernfalls vergelten sie es den Herrschenden bei den nächsten Wahlen.

Daher, welchen Krieg man auch immer von jenen nehmen mag, die die USA geführt haben – sei es der Korea- oder der Vietnamkrieg, der Irak- oder der Afghanistankrieg -, überall hatten sie sich bemüht, eine breite Koalition zu schaffen, selbst wenn der reale Beitrag ihrer Beteiligten zum Verlauf der Kampfhandlungen ein minimaler war. Und nun sagt der Präsident der USA erstmals beinahe frank und frei: Gebraucht werde keinerlei Koalition. Es reiche allein Israel (das hinsichtlich des Grades der wirtschaftlichen und militärischen Abhängigkeit von Amerika unter die Definition eines Satelliten fällt). Und euch, ihr Schmarotzer aus der NATO, werden wir nichts erklären. Wenn ihr wollt – helft im meinem (und nicht in unserem) Kampf, wenn ihr nicht wollt, werden wir ohne euch auskommen.

Dies ist die Logik der Staats- und Regierungschefs der Länder, gegen die die USA gekämpft hatten. Wir sind stark, unsere Armee ist solch eine schneidige bei Paraden. Und der Feind ist schwach und erbärmlich. Und wir werden mit ihm jetzt mit links fertig werden, schnell – wozu sollen wir irgendwem irgendetwas beweisen? So hatte Saddam Hussein gedacht, als er in den Iran eindrang und danach auch in Kuwait. Die USA haben wohl kaum per Zufall den nunmehrigen Krieg am 28. Februar begonnen, an dem Tag, an dem 1991 die Operation „Dessert Storm“ für die von den Amerikanern angeführte anti-irakische Koalition siegreich endete. Trump vergleicht sich wohl mit dem damaligen Präsidenten George Bush Senior. Vorerst freilich ergibt sich da nicht Bush, sondern Hussein.