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Umfrageergebnisse lassen Ratings der Parteien weiter schwanken


Das staatliche Meinungsforschungszentrum VTsIOM und die Stiftung „Öffentliche Meinung“ unterscheiden sich weiterhin bei den Bewertungen der der Umfrageergebnisse zu den Partei-Ratings vor den Wahlen zur Staatsduma (erfolgen vom 18. bis 20. September dieses Jahres – Anmerkung der Redaktion), beginnen aber, sich hinsichtlich der dominierenden Trends zu decken. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Bekämpfung des Internets durch die Herrschenden erweisen sich jedoch in den Umfragen andere Neuheiten als interessantere. Zum Beispiel die Daten dazu, dass die Bürger scheinbar diesen Kampf nicht bemerken würden, obgleich deren Vertrauen in die Herrschenden einen Sinkflug begonnen hat. Dabei ist interessant, dass selbst gar die Soziologen – allem nach zu urteilen – ihre Befragten gerade in verschiedenen sozialen Netzwerken finden. Und daher ist unklar, wen und wie sie im Weiteren zu befragen beabsichtigen.

Einer der Trends, in deren Hinsicht sich offenkundig eine Eintracht zwischen dem VTsIOM und der Stiftung „Öffentliche Meinung“ abzeichnet, ist die Zunahme der Unterstützung für die Partei „Neue Leute“ und die schwächelnden Positionen der KPRF. Das Allrussische Meinungsforschungszentrum setzte wieder die fünfte Duma-Partei auf den zweiten Platz nach der Kremlpartei „Einiges Russland“. Das Rating von „Neue Leute“ erreichte 10,8 Prozent vor dem Hintergrund von 30,3 Prozent für „Einiges Russland“. Die Stiftung „Öffentliche Meinung“ ermittelte für die „Neuen Leute“ einen stabilen vierten Platz mit 6 Prozent. Freilich hat die Stiftung die regierende Partei aber von 41 Prozent bis auf 38 Prozent herabgestuft. Die KPRF nimmt lt. den VTsIOM-Erhebungen den 4. Platz im Parteien-Rating mit 9,8 Prozent ein, womit sie auch noch die LDPR vorbeiziehen ließ (10,5 Prozent). Die Stiftung „Öffentliche Meinung“ erklärt, dass die Liberaldemokraten etwas eingebrochen seien (9 Prozent), dennoch aber vor den Kommunisten mit deren 8 Prozent liegen. Die Partei „Gerechtes Russland“ hat sich lt. VTsIOM und der Stiftung auf dem fünften Platz festgesetzt, aber auf einem unterschiedlichen Niveau: Im ersten Fall befindet sie sich in einer Art Übergangszone, im zweiten – in einer weniger aussichtsreichen Position.

Allerdings vermittelt die Stiftung „Öffentliche Meinung“ ihre soziologischen Nachrichten sozusagen nicht aus der Parteien-Sparte, sondern im Zusammenhang mit dem Abnehmen der positiven Haltung ihrer Befragten gegenüber den Herrschenden. Beispielsweise hat sich die Bewertung für das Wirken des Präsidenten von 76 bis auf 74 Prozent verschlechtert. Und das Vertrauen in ihn ist ganz und gar um fünf Prozentpunkte – bis auf 71 Prozent – eingebrochen. Schwächeln tun auch die Werte sowohl für die Regierung insgesamt als auch persönlich für Premierminister Michail Mischustin. Jedoch hätten die Bekämpfung des Internets durch die Offiziellen vorerst lediglich ein Prozent der Befragten bemerkt (offensichtlich haben die kremlnahen Soziologen nicht die aktuellsten Zahlen der Öffentlichkeit vorgelegt – Anmerkung der Redaktion). Zwei Prozent erinnerten sich, dass auch noch der Messenger Telegram ausgebremst worden sei. Der Grad der Protestaktivitäten, der durch die Stiftung „Öffentliche Meinung“ sowohl direkt als auch indirekt gemessen wurde, bleibt insgesamt auf dem bisherigen Niveau. Gleichfalls haben die Befragten auf einmal aus irgendeinem Grunde aufgehört, auch nur irgendeine wesentliche Zunahme der Preise für Konsumgüter und die gefragtesten Dienstleistungen zur Kenntnis zu nehmen.

Derweil werfen die Schwierigkeiten mit den Internet- und Fernmelde-Dienstleistungen die Frage auf, wie die Soziologen an sich weiter arbeiten wollen. Es sei daran erinnert, dass den Unterschied in den Werten zu den Ratings der Parteien viele Experten mit den unterschiedlichen Methoden für die Durchführung der Befragungen verbinden. Das VTsIOM befasse sich ja mit Telefonbefragungen, während die Stiftung „Öffentliche Meinung“ am Wohnort befrage. Die „NG“ hat allerdings ermittelt, dass es im Internet tatsächlich auch eine Vielzahl von Ressourcen gibt, die den Bürgern ein geringes Honorar zahlen – sowohl einfach für die Tatsache der Kommunikation als auch für eine reale Beteiligung. Es ist klar, dass im ersten Fall ein rein symbolische Summe – etwa 5 Rubel – gezahlt wird. Im zweiten Fall kann man auch gut und gern eine zweistellige Rubelsumme verdienen, was bei einer massenhafte Beteiligung an Befragungen irgendein Einkommen beschert. Es besteht der Verdacht, dass gerade von diesen Internetseiten die Ergebnisse sowohl von Telefonbefragungen als auch von denen am Wohnung stammen. Wenn es jedoch mit dem Internet gänzlich den Bach runtergeht, so wird man sich dann sicherlich die soziologischen Daten überhaupt ausdenken müssen.