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Selenskij zieht Europa in einen Luftkrieg gegen Russland hinein


Die Ukraine hofft, dass das für Mittwoch, den 15. April geplante Gipfeltreffen im „Ramstein“-Format ein resultatives wird. Europäische Partner Kiews haben ihm bereits zusätzliche Militär- und finanzielle Hilfe – Drohnen, Luftabwehrmittel und die Entwicklung einer gemeinsamen Rüstungsfertigung – versprochen. Im Vorfeld seines Berlin-Besuchs hatte der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij Gespräche über die Schaffung eines „gemeinsamen Systems zum Schutz des Himmels“ mit europäischen Partnern angekündigt. Vom Wesen her ruft man die Partner Kiews auf, an Kampfhandlungen gegen die Russische Föderation in der Luft teilzunehmen.

Die Idee einer Beteiligung von Partnern der Ukraine an dessen Luftverteidigung, das heißt der Einrichtung einer flugfreien Zonen über dem Land, ist schon mehrfach erörtert worden. Zu einem besonders akuten wurde das Thema im September 2025, als sich in Polen ein Zwischenfall mit „verirrten“ Drohnen ereignete, die man für russische gehalten hatte.

Beweise hatte es dafür keine gegeben, doch westliche Medien schrieben, dass mehrere europäische Verbündete der Ukraine angeblich eine flugfreie Zone nicht nur über dem westlichen Teil des Landes schaffen, sondern „sie bis Kiew ausdehnen“ wollen. Mit solch einer Initiative sei eine Gruppe hochrangiger westlicher Politiker und Militärs aufgetreten, behauptete beispielsweise die britische Zeitung „The Telegraph“. Als Haupt-Lobbyisten der Idee nannte man den ukrainischen Präsidenten. Nach der Unterzeichnung eines Abkommens mit Polen über eine Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich im Juli 2024 hatte er erklärt, dass das Dokument „die Möglichkeit des Abfangens von Raketen durch polnische Luftabwehrmittel im ukrainischen Luftraum, die in westlicher Richtung abgefeuert werden, vorsieht“. Warschau hatte mitgeteilt, dass Polen keine Raketen abschießen werden, wenn es keine Zustimmung der Nordatlantischen Allianz erhalten. Und der damalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg war ganz und gar gegen solch eine Idee aufgetreten. „Die Politik der NATO ist unverändert. Wir werden nicht an diesem Konflikt teilnehmen“, hatte er erklärt.

Und jetzt wirft da Selenskij erneut das Thema auf. Er teilte mit, dass er mit dem derzeitigen NATO-Generalsekretär Mark Rutte über einen Schutz des Himmels gesprochen habe. „Es ist wichtig, dass wir alles koordinieren und einander verstärken. Kraft für die Luftverteidigung – dies ist unsere entscheidende Priorität. Und das Leben der Menschen muss ein geschütztes sein. Wir bereiten Neuigkeiten in Bezug auf PURL (Prioritised Ukraine Requirements List – ein Programm für den Einkauf amerikanischer Waffen mit Geldern der europäischen Länder — „NG“) vor. Dank an alle, die helfen!“, betonte er.

Zuvor hatte Selenskij in einem Interview für ukrainische Medien in Bezug auf die Notwendigkeit von Gesprächen mit den Europäern über die Schaffung eines gemeinsamen Systems zum Schutz des Himmels zwei mögliche Szenarios skizziert. Das erste – die Ukraine wird zu einem „untrennbaren Bestandteil des europäischen Sicherheitssystems“. Andernfalls „riskieren einige in Europa, zu einem Teil der russischen Welt zu werden“, erklärte er. Der Politiker unterstrich, dass die Ukraine bereits über Erfahrungen aus der Bekämpfung von Bedrohungen aus der Luft, unter anderem von Kamikaze-Drohnen verfüge und bereit sei, diese weiterzugeben. Nach Aussagen Selenskijs würden ukrainische Abfang-Kräfte bereits in Ländern des Nahen Ostens und des Persischen Golfs agieren. Und die Integration der Ukraine in das europäische Sicherheitssystem „ist eine Frage einer strategischen Entscheidung“.

Selenskij versucht wieder, europäische Partner für einen Schutz des Luftraums der Ukraine zu gewinnen, und schlägt jetzt vor, dies im Interesse einer gemeinsamen europäischen strategischen Sicherheit zu tun“, sagt der Militärexperte und Generalleutnant im Ruhestand Jurij Netkatschjow. „Nun, Sie schützen uns, wir schützen Sie. Doch auf so etwas werden sich die Europäer jetzt wohl kaum einlassen. Sie wollen sich nicht in den Konflikt zwischen Moskau und Kiew hineinziehen lassen“. Das einzige, was sie derzeit tun, sei, dass sie weiter Kiew mit Waffen und Munition helfen, aber auch sich gemeinsame Verteidigungstechnologien aneignen. Netkatschjow erinnerte daran, dass vor dem Berlin-Besuch Selenskijs Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius eine zusätzliche Finanzierung für die Herstellung und Lieferung von Drohnen für die Streitkräfte der Ukraine, insbesondere von Deep-strike- und Middle-strike-Drohnen (weitreichende Kampfdrohnen bzw. Drohnen mittlerer Reichweite, die bis zu 200 Kilometer weit fliegen) zugesagt habe, aber auch versicherte, die Entwicklungen von Laserwaffen fortzusetzen.

Deutsche Medien berichteten über einen massenhaften Einsatz von HX-2-Kamikaze-Drohnen mit künstlicher Intelligenz (Entwickler ist das Unternehmen Helsing) durch Einheiten der ukrainischen Streitkräfte, die „die Artillerie, gepanzerte Technik und andere militärische Ziele in einer Entfernung von bis zu 100 Kilometern vernichten können“. Laut Informationen bundesdeutscher Journalisten habe das Unternehmen Helsing der Ukraine rund 2000 HX-2-Drohnen geliefert. „Der Preis einer solchen Drohne, die ganze zwölf Kilogramm wiegt, beträgt rund 16.000 Euro, die durch Deutschland gezahlt wurden. Die Herstellung erfolgt im Süden Deutschlands. Der genaue Standort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten“, schrieb eines der deutschen Medien. Neben HX—2-Drohnen seien Lieferungen von senkrecht startenden und landenden Kampf-Kamikaze-Drohnen Virtus (OWE-V) für die Streitkräfte der Ukraine geplant. Betont wird, dass sie bereits an der ukrainischen Front getestet und genauso wie die HX-2-Drohnen in der Bundeswehr in die Bewaffnung aufgenommen worden seien. Die Virtus-Drohnen können für die Aufklärung und für Schläge genutzt werden. Sie sind in der Lage, zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wenn kein Ziel gefunden wurde. Ihre Reichweite liegt bei einer vollständigen Auslastung (bis zu 5 Kilogramm Nutzlast – Anmerkung der Redaktion) bei 45 bis 60 Kilometer. Und sie kann in Abhängigkeit von der Nutzlast bis zu 100 Kilometer weit fliegen. An die ukrainischen Streitkräfte soll auch das sich in der Bundeswehr bewährte Loitering-Munitionssystem mit Starrflügeln vom Typ FV-014 (von der Rheinmetall AG – Anmerkung der Redaktion) geliefert werden. Bestimmt ist es für einen Einsatz unter Bedingungen eines fehlenden GPS. Die Gesamtmasse einer solchen Drohne liegt bei 14 bis 15 Kilogramm, wobei der Sprengkopf etwa 5 Kilogramm wiegt. Ihre Reichweite beträgt 100 Kilometer. Vorgesehen ist, die Lieferungen dieser Drohen für die ukrainischen Streitkräfte zu erhöhen. Und dies werde zu einem der Themen der Gespräche des „Ramstein“-Treffens am 15. April werden, betonen die Medien.

Laut einer Mitteilung des ukrainischen Verteidigungsministers Michail Fjodorow hätten Belgien und Spanien vor dem „Ramstein“-Treffen Militärhilfe für die Streitkräfte der Ukraine signalisiert. Sie würden der Ukraine für diese Ziele im laufenden Jahr jeweils eine Milliarde Euro bereitstellen. Gleichfalls seien durch sie Luftabwehrmittel, Drohnen und weitreichende Artilleriewaffen zugesagt worden. Belgien bekräftige ebenfalls „die Absicht, der Ukraine zusätzliche F-16-Jagdflugzeuge zu übergeben und die Lieferung von Ersatzteilen für die vorhandenen Flugzeuge zu sichern“, teilte Fjodorow mit. Derweil schrieben ukrainische Medien dieser Tage, dass von Belgien nicht ein einziger amerikanischer Jet der vierten Generation vom Typ F-16 erhalten worden sei. Obgleich Brüssel versprochen hatte, den Streitkräften der Ukraine mindestens 30 Stück zu übergeben. Sechs Flugzeuge an die Ukraine zu übergeben, hatte Norwegen zugesagt, doch es verzögere auch diesen Prozess, da seine F-16-Kampfjets sich aufgrund eines Ersatzteilmangels noch in der Instandsetzung befinden würden.

Wie die „NG“ bereits geschrieben hatte (siehe https://www.ng.ru/armies/2026-02-17/1_9439_sky.html), werden alle für die Ukraine bestimmten F-16-Jets (darunter auch aus Norwegen) in Belgien auf Kosten und mit Unterstützung der USA instandgesetzt. Das Pentagon hatte mit dem belgischen Unternehmen Sabena Aerospace Engineering einen entsprechenden Vertrag über die Durchführung von Arbeiten zur Instandsetzung und Wartung von F-16-Flugzeugen im Interesse der ukrainischen Armee über einen Gesamtwert von mehr als 235 Millionen Dollar im Januar dieses Jahres unterschrieben. Die Arbeiten gemäß diesem Vertrag sollen bis zum 28. Januar 2029 abgeschlossen werden. Somit wird in diesem Jahr wohl eine große Anzahl von F-16-Jets kaum die Luftstreitkräfte der ukrainischen Armee auffüllen. Zumal, wie Pentagon-Chef Pete Hegseth im vergangenen Monat erklärte, die Reserven an Waffen für die F-16 aufgrund des Krieges im Iran erschöpft seien und es aus den USA keine Lieferungen von Raketen und Munition für diese Flugzeuge an die Ukraine geben werde.