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Selenskij will eine Atempause und keine Beendigung des Konflikts


Das von Kiew ab dem 6. Mai verkündete Regime der Stille ähnelt dem Versuch, eine Pause in den Kampfhandlungen der Streitkräfte der Ukraine einzulegen, die ihnen erlauben soll, Kräfte zu sammeln. In Estland, über das in der letzten Zeit mehrfach Drohnen geflogen waren und danach Russland attackierten, haben am Vorabend die NATO-Manöver „Spring Storm 2026“ begonnen (sie werden bis zum 1. Juni andauern – Anmerkung der Redaktion). Im Verlauf der Übungen planen die Vertreter der ukrainischen Armee und der NATO-Länder, in der Praxis den „Einsatz von unbemannten Systemen auf der Grundlage der Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte“ zu trainieren.

Über einen erneuten Angriff der Streitkräfte der Ukraine gegen das Leningrader Verwaltungsgebiet informiert Gouverneur Alexander Drosdenko. Nach seinen Worten war das Hauptziel der Attacke in der Nacht zum Dienstag der große russische Erdölverarbeitungsbetrieb in der Stadt Kirischi gewesen. Laut Angaben des Staatsbeamten seien in der Nacht zum Dienstag im Leningrader Verwaltungsgebiet 29 Drohnen abgeschossen worden. Ob sie dieses Mal aus der Richtung Estlands geflogen seien, wurde nicht mitgeteilt, obgleich am Vorabend über solch eine Möglichkeit der Premier dieses Landes Kristen Michal informiert hatte. Nach seinen Worten rechne Tallinn damit, dass die Folgen der Kampfhandlungen zwischen Moskau und Kiew sein Land nicht berühren werden. Dabei unterstützt Estland weiterhin die Handlungen der Ukraine, obgleich es sich auch an Kiew mit der Bitte gewandt hatte, ein Abstürzen von Drohnen und deren Trümmerteile auf das estnische Territorium zu vermeiden. Unterstützung für die Ukraine signalisierte auch der frinnische Premier Petteri Orpo bei einer Begegnung mit dem ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij in Jerewan. Die Streitkräfte Finnlands hatten zuvor gemeldet, dass sie keinerlei Handlungen unternehmen würden, wenn ukrainische Drohnen in Richtung Russland fliegen würden.

Laut Mitteilungen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation würden die Streitkräfte der Ukraine weiterhin massiv die Russische Föderation nicht nur mit Drohnen angreifen. In den letzten 24 Stunden seien neun lenkbare Fliegerbomben, zwei reaktive Geschosse von HIMARS-Systemen, sechs „Flamingo“-Flügelraketen großer Reichweite sowie 601 Drohnen des Flugzeugtyps abgeschossen worden, teilte das Ministerium am Dienstag in Moskau mit. Eine Raketen-Gefahr war in der Nacht zum Dienstag in Tatarstan, Tschuwaschien sowie in den Verwaltungsgebieten Samara, Pensa und Swerdlowsk und auch zum ersten Mal im Autonomen Bezirk der Chanten und Mansen verkündet worden. Wo konkret die FP-5-Flügelraketen „Flamingo“, deren Gefechtskopf über eine Tonne wiegt, abgeschossen wurden, wurde nicht mitgeteilt. Über massive Schläge der Streitkräfte der Ukraine gegen Tscheboksary, wo sich wichtige Industriebetriebe befinden, berichtete nicht nur das Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschuwaschien Oleg Nikolajew.

Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation informierte gleichfalls, dass die russischen Streitkräfte auch einen Gruppenschlag mit boden- und luftgestützten weitreichenden hochpräzisen Waffen sowie Drohnen gegen Objekte der Rüstungsindustrie sowie des Brennstoff- und Energiekomplexes der Ukraine, die im Interesse der ukrainischen Armee genutzt werden, geführt hätte (wie beinahe jeden Tag – Anmerkung der Redaktion). Laut Medienberichten wurden neun Verwaltungsgebiete der Ukraine angegriffen.

„Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich die Ukraine darauf vorbereitet, die Kampfhandlungen einzustellen“, sagte der „NG“ der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolak Schulgin, wobei er das Augenmerk darauf lenkte, dass Wladimir Selenskij, der ein „Regime der Stille“ vorgeschlagen hatte, keinen Hehl daraus gemacht hätte, dass er auf die Hilfe Europas hoffe. Beim VIII. Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Jerewan hatte das Oberhaupt der Ukraine die Kollegen aufgerufen, eine gemeinsame europäische Haltung in Bezug auf Russland von „einer Position der Stärke aus“ auszuarbeiten. „Europa muss in der Lage sein, selbständig alles Notwendige für einen Schutz vor jeglichen Gefahren herzustellen – vor allen ballistischen Raketen und jeglichen anderen Waffen“, erklärte er.

Dass die Kampfhandlungen in der Ukraine in diesem Jahr weitergehen würden, hatte Finnlands Präsident Alexander Stubb nach Gesprächen mit Tschechiens Präsident Petr Pavel am 4. Mai in Prag erklärt. Man müsse nicht darüber sprechen, was die Ukraine von Europa brauche, sondern darüber, was Europa von der Ukraine brauche, betonte er. Gerade daher sei er von Anfang an ein entschiedener Befürworter einer EU- und NATO-Mitgliedschaft der Ukraine gewesen. Stubb betonte, dass er die Streitkräfte der Ukraine gern im Bestand der NATO sehen möchte. Nach seinen Worten gebe es heutzutage nicht eine Armee in Europa oder Amerika, die in der Lage sei, einen modernen Krieg so zu führen, wie dies die ukrainischen Streitkräfte tun würden. Und er erinnerte daran, dass gerade daher die Ukrainer im Nahen Osten helfen würden.

„Selenskij signalisierte dieser Tage den Beginn einer Militärreform, die auf eine Erhöhung der Gefechtsmotivation der Militärs der Streitkräfte der Ukraine abzielt“, erinnerte Schulgin (https://ngdeutschland.de/die-militars-der-ukrainischen-streitkrafte-sollen-mit-geld-motiviert-werden/). „Er hat gleichfalls den Kriegszustand und die allgemeine Mobilmachung ab dem 4. Mai um 90 Tage verlängert. Er lässt sich bei den Verhandlungen mit der Russischen Föderation auf territoriale Zugeständnisse ein und bereitet Brückenköpfe für neue Attacken gegen Moskau vor“, betonte Schulgin.

Es sei hervorgehoben, dass die Ukraine, Finnland, Italien, Norwegen, Schweden und Großbritannien eine multinationale Koalition auf dem Gebiet der Verteidigungsabsicherung gebildet haben, die CORPUS – Coalition for Resilient Procurement and Unified Support. Ihr Hauptziel ist eine „Verstärkung der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine und deren Partner“. Die NATO-Länder werden dabei den Streitkräften der Ukraine mit neuen Lieferungen von Munition und Waffen, die in Europa hergestellt wurden, helfen.

Hinsichtlich der Perspektiven für eine Beendigung des Konflikts hat sich auch US-Präsident Donald Trump erneut geäußert. „Wir wollen eine Regelung (in der Ukraine — „NG“) erreichen. Sie verliert Territorien, Doch dies kommt beiden Seiten teuer zu stehen“, erklärte er. „Mir gefällt Selenskij. Ich bin stets in irgendeiner Weise mit ihm zurechtgekommen. Mit Ausnahme eines Moments im Weißen Haus, als es, wie mir schien, es seitens Selenskijs eine gewisse Aggression gab“ (Im russischen Staatsfernsehen demonstriert man gern und oft das eskalierende Gespräch der beiden Präsidenten vom 28. Februar 2025. — Anmerkung der Redaktion). Nach Meinung von Trump führe die Ukraine die Kampfhandlungen nicht nur dank den Einkäufen von Waffen in den USA mit Geldern Europas. „Sie ist besser als jeder beliebiger unserer NATO-Verbündeten. Sie ist ein riesiges Monster. Sie ist besser als alle in Europa in diesem Kampf“, erklärte Trump. Medien zitierten jedoch auch einen Diplomaten eines der westlichen Länder, die Waffen an die ukrainische Armee liefern, der berichtete: Die USA würden die Auffassung vertreten, dass sich die Ukraine nicht einmal zwei Tage lang ohne die militärische Hilfe der Partner über Wasser halten würden.