Laut Angaben des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation seien in der vergangenen Woche 30 Schiffe (wobei das Ministerium vorsätzlich verschweigt, dass sie unter anderem unter der Flagge Indiens, Togos, Tansanias, Liberias usw. fuhren – Anmerkung der Redaktion), aber auch Objekte aller Schwarzmeerhäfen der Ukraine, die im Interessen deren Verteidigung genutzt werden, getroffen worden. Um zu versuchen, deren weitere Blockade zu umgehen, hat der Präsident der Ukraine Wladimir Selenskij der neuen Militärführung die Aufgabe gestellt, das Funktionieren des „Getreidekorridors“ zu gewährleisten, unter anderem unter Einsatz amerikanischer F-16-Jagdflugzeuge, für die Großbritannien Raketen bereitstellt.
Einheiten der Truppengruppierung „Zentrum“ der Streitkräfte der Russischen Föderation haben das Dorf Schewtschenko in der Donezker Volksrepublik und die Truppengruppierung „Osten“ die Siedlung Kommunarowka im ukrainischen Verwaltungsgebiet Dnepropetrowsk unter ihre Kontrollen gebracht. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche neun derartige Siedlungen befreit worden. Dabei wurden die Schläge gegen Infrastruktur-Objekte der Häfen Odessa, Tschernomorsk, Juschnyj, Ismail und Nikolajew, die laut Moskauer Darstellungen für das Entladen und die Lagerung von militärischen Gütern, aber auch von Kraft- und Brenn- sowie Schmierstoff-Materialien genutzt werden (das dabei auch die ukrainischen Getreideexporte beeinträchtigt werden, wird jedoch in den Meldungen des russischen Verteidigungsministeriums ausgeklammert – Anmerkung der Redaktion). Außerdem wurden Unternehmen des Verteidigungskomplexes in Kiew sowie in anderen Städten und Regionen der Ukraine getroffen. Der spektakulärste Angriff der russischen Truppen erfolgte gegen ein privates Übungsgelände vor den Toren Kiews am Freitag, wo eine Ausstellung von Waffen erfolgte (gemeldet wurden sechs Tote und etwa 100 Verletzte nach dieser Attacke sowie der Beginn von Untersuchungen aufgrund von Fahrlässigkeit bei der Organisation der Veranstaltung – Anmerkung der Redaktion).
Die ukrainischen Militärs führen jedoch weiterhin Schläge gegen Russland. Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation meldete, dass durch Mittel der Luftverteidigung in der vergangenen Woche 71 Lenkbomben, 23 reaktive Geschosse des Mehrfachfeuersystems HIMARS aus US-amerikanischer Produktion, 13 (ukrainische) „Flamingo“-Flügelraketen, zwei weitreichende lenkbare „Neptun“-Raketen aus ukrainischer Fertigung, aber auch 5249 Drohnen des Flugzeugtyps neutralisiert wurden. Im Vergleich zu entsprechenden Daten des vergangenen Jahres hat die Anzahl der Drohnen, die das Territorium der Russischen Föderation außerhalb der Konfliktzone attackierten, laut Moskauer Angaben um mehr als das 2fache zugenommen. Und Informationen zu den „Flamingo“-Raketen hatte es nicht gegeben.
Dabei hofft die neue Militärführung in Kiew dank der Unterstützung von Washington und London darauf, dass die Anzahl der Schläge gegen die Russische Föderation zunehmen und die Effektivität der Luftabwehr der Streitkräfte der Ukraine verstärkt werden. Der amtierende Verteidigungsminister der Ukraine Jewegnij Chmara erklärte nach einem Treffen mit US-amerikanischen Generäle am 24. Juli, dass je „eine Verstärkung der Positionen der Ukraine auf dem Schlachtfeld betonten“. „Wir unternehmen alles Mögliche, damit die unterschiedlichen Drohnen-Typen, die Roboter-Bodenkomplexe und netzzentrischen Operationen uns einen Vorteil gegenüber der Armee Russlands verschaffen“, erklärte Chmara.
Bei einem ersten Gespräch mit dem britischen Verteidigungsminister Wesley Paul William Streeting erörtere Chmara „Schritte für eine Verstärkung des Schutzes des ukrainischen Himmels“ und beklagte, dass Russland die Anzahl der Schläge mittels reaktiver Drohnen forciere. Laut Angaben aus Kiew habe die Russische Föderation in der vergangenen Woche die Ukraine unter Einsatz von „fast 1700 Drohnen, über 1630 Fliegerbomben und 95 Raketen unterschiedlicher Typen“ angegriffen. Chmara rechnet damit, dass die Unterstützung des Projekts zur Lieferung von Gripen-Flugzeugen und Meteor-Raketen für sie durch London erlauben werde, dem Paroli zu bieten. „Gleichfalls kritisch wichtig ist, die Lieferungen von Waffen für F-16-Jets fortzusetzen“, sagte Chmara, wobei er mitteilte, dass eine der von Selenskij gestellten Aufgaben sei, den „Getreidekorridor“ vor russischen Attacken zu schützen. „Dafür braucht die Ukraine starke Fähigkeiten auf dem Gebiet der Luftverteidigung“, betonte er, wobei er erklärte, dass London hinsichtlich der Militärhilfe für Kiew den ersten Platz einnehme.
„Schwedische Gripen-Mehrzweck-Jagdflugzeuge der 4. Generation, deren Erhalt unter anderem auch London sponsort, sind in der Ukraine bisher nicht aufgetaucht“, teilte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow der „NG“ mit. „Aber gefährlich sind die analogen amerikanischen F-16, die die Ukraine bereits hat und die in das System der Luftverteidigung integriert worden sind. Raketen für die F-16 der Ukraine liefert auch Großbritannien. Im vergangenen Monat teilte das britische Verteidigungsministerium mit, dass es der Ukraine bis zum Jahresende 150.000 Drohnen, Radars und über 350 Raketen übergeben werde. Unter diesen Raketen werden mindestens 100 Luft-Luft-Raketen sein, unter anderem auch des modernsten Typs AIM-120, die die Möglichkeit der Luftverteidigung gewährleistet und die russische Flugzeuge abschießen können“.
Die Luftverteidigungsfähigkeiten der Streitkräfte der Ukraine zu unterstützen, haben auch die Amerikaner versprochen. Dies wurde bei einem Treffen Chmaras mit dem US-Botschafter bei der NATO Matthew Whitaker, der zeitweiligen bevollmächtigten Vertreterin der USA in der Ukraine Sandra Oudkirk und mit Generalleutnant Curtis Buzzard, des Befehlshabers der Security Assistance and Training Group – Ukraine NSATU und der Security Assistance Group – Ukraine (SAG-U), betont. Während der Begegnung wurden neben der Klärung von Problemen für die Lieferungen von Abfangraketen PAC-3 und PAC-2 GEM-T für die Streitkräfte der Ukraine auch Fragen des Ingangbringens einer gemeinsamen Fertigung und Lokalisierung der Herstellung von Raketen für die Patriot-Systeme in der Ukraine erörtert.
Berichtet wird gleichfalls über Kontakte von in der vergangenen Woche in Kiew weilenden Vertretern des US-amerikanischen Rüstungsunternehmens Raytheon, das die Patriot-Fla-Raketen-Komplexe und Raketen für sie herstellt. Geleitet wurde die Delegation vom Vizepräsidenten des Unternehmens Raython für Fragen der Boden- und Luftverteidigung Joseph D’Antona. Am 23. Juli traf er sich mit Selenskij, am 25. Juli mit dem neuen ukrainischen Premier Sergej Korezkij. „Gesprochen wurde darüber, wie vor dem Winter die Lieferungen von Raketen für die Patriot-Systeme schnell erhöht, deren Herstellung erweitert und die ukrainische Rüstungsindustrie noch stärker gemacht werden können. Unser Ziel ist es, nicht nur die Bedürfnisse der Ukraine abzusichern, sondern auch die ukrainischen Verteidigungsfähigkeiten in das globale Sicherheitssystem zu integrieren“, informiert die Internetseite der ukrainischen Regierung.
„Es ist nicht ausgeschlossen, dass Raytheon Raketen für die Patriot-Systeme auch auf dem Territorium der Ukraine herstellen wird. Dort gibt es Orte, wo man dies verdeckt tun kann, zum Beispiel in den Karpaten. Es gibt auch andere Varianten, beispielsweise in Polen. Die polnischen Offiziellen erklärten, dass sie voll entschlossen seien, unverzüglich die Lösung dieser Frage zu übernehmen, und wollen, dass die Patriot-Systeme „russische Raketen über Kiew und nicht über Warschau abschießen“, betont der Experte. Wie Medien berichteten, rechne die Ukraine mit einer Unterstützung Japans beim Anschieben einer Herstellung von Patriot-Systemen entsprechend einer US-amerikanischen Lizenz. „Bisher gibt es dazu, denke ich, keine Entscheidung. Ja, und daher waren auch Vertreter des Unternehmens Raytheon in Kiew aufgetaucht“, resümiert Popow.
P. S.
Am Dienstag wird der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im Weißen Haus von Donald Trump empfangen. Und mit Sicherheit wird es auch um die weitere amerikanische Militärhilfe für Kiew gehen, die laut Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft seit Beginn des Ukraine-Konflikts bis einschließlich Januar dieses Jahres schon 114 Milliarden Euro ausmachte (die der europäischen Länder im gleichen Zeitraum – 270 Milliarden Euro). Selenskij wird seinerseits darüber informieren, dass er am Sonntag zusammen mit seinen Militärs neue Ziele für Langstreckendrohnen festgelegt hat, um Russland die Fortsetzung des Krieges zu erschweren. Hauptziel sei dabei, Russland zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts zu drängen, berichtete er nach der Kommandeurssitzung. Welche Ideen Trump für eine Konfliktregelung unterbreiten wird, ist unklar, zumal sich derzeit die Situation mit Blick auf die Verhandlungen festgefahren hat.
Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa kommentierte im Übrigen am Montag die geplante Lieferung von 16 Gripen-Jets an die Ukraine. Großbritanniens Ex-Premier Keir Starmer, der dies verkündet hatte, ahne sicherlich: „Wenn sie gegen die Russische Föderation eingesetzt werden, was für ein Schicksal sie erwarten wird. Doch er hat sich aus irgendeinem Grunde nicht darauf konzentriert“, betonte die Diplomatin.
Und Kremlsprecher Dmitrij Peskow informierte am Dienstag, dass bisher keine Kontakte von Präsident Wladimir Putin mit Amtskollegen Donald Trump geplant seien – mit Blick auf dessen anstehenden Gespräche mit Selenskij. Peskow verwies aber darauf: „Die Geografie der terroristischen Aktivitäten des Kiewer Regimes wird erweitert. Dies unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit einer erfolgreichen Durchführung und Beendigung der militärischen Sonderoperation. Diese Bedrohung muss verhindert und endgültig vernichtet werden“, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax den Pressesekretär des Kremls.