Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Der neue Verteidigungsminister der Ukraine setzt auf „asymmetrische Handlungen“ gegen Russland


Die russischen Truppen setzen aktive Offensivhandlungen in der Zone der militärischen Sonderoperation fort. Innerhalb von 24 Stunden hätten sie vier Dörfer im Donbass und im Norden der Ukraine eingenommen, wurde am Donnerstag in Moskau gemeldet. Nach Einschätzungen des russischen Verteidigungsministers Andrej Belousow würden die Handlungen der Armee „strategische Bedeutung“ erlangen, da sie in der überschaubaren Zukunft Möglichkeiten für ein Vorrücken gen Sumy eröffnen würden. Die ukrainischen Militärs setzen derweil die Drohnen-Schläge gegen Objekte in der Tiefe Russlands fort. Und urteilt man anhand der Erklärungen des amtierenden Verteidigungsministers Jewgenij Chmara und der Einschätzungen von Experten, kann eine Aktivierung der Sabotage- und terroristischen sowie Informationsattacken gegen die Russische Föderation erwarten.

Wie das russische Verteidigungsministerium am Donnerstagmittag mitteilte, hätten die russischen Truppen die Dörfer Krasnojarskoje in der Donezker Volksrepublik, Malaja Slobodka und Mogriza im Verwaltungsgebiet Sumy und Jurtschenkowo im Verwaltungsgebiet Charkow eingenommen. 24 Stunden später wurde bekanntgegeben, dass die Siedlung Werowka im Verwaltungsgebiet Charkow unter russische Kontrolle gebracht worden sei. Gemeldet wurde gleichfalls, dass bei den Angriffen gegen Kiew in der Nacht zum Donnerstag 284 Drohnen und 74 Raketen zum Einsatz gebracht worden seien. Ganz zu schweigen von den russischen Attacken gegen Schiffe, die ukrainische Häfen mit „militärischen Gütern für die Streitkräfte der Ukraine“ anlaufen wollten, und Objekte der Hafen-Infrastruktur. Ja, und die ukrainische Armee hatte in dieser Zeit die Russische Föderation unvermindert mit hunderten Drohnen, lenkbaren Fliegerbomben und reaktiven Geschossen attackiert. Dies führte dazu, dass Objekte des Kaspi-Pipeline-Konsortiums am Schwarzen Meer die Arbeit einstellen mussten. Überdies wurden wieder Logistikzentren des Online-Händlers Wildberries – dieses Mal in Sarapul, Pensa und Wolgograd – durch ukrainische Drohnen angegriffen.

Die Erhöhung der Effektivität der Mobilmachungsmaßnahmen und der Schläge gegen die Russische Föderation sowie die Organisation von Sabotageakten und eines kognitiven Krieges – dies ist in etwa der Kreis der Fragen, mit denen sich derzeit der amtierende Verteidigungsminister der Ukraine Jewgenij Chmara befasst. Am 30. Juli organisierte er Überprüfungen in über 100 territorialen Zentren für eine Auffüllung (entspricht den russischen Militärkommissariaten). Konkret befasste sich damit das Staatliche Büro für Nachforschungen zusammen mit dem Kommando des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine. Bezeichnet wurde die Operation als „Ehrliche Einberufung“. Ihr Ziel ist eine Bekämpfung der Korruption auf diesem Gebiet. Für die weitere Kontrolle dieses Prozesses ernannte die Regierung die junge Menschenrechtlerin Ljubow Galan zu einem Stellvertreter Chmaras, die „für die Entwicklung und Bewahrung des menschlichen Kapitals der Verteidigungskräfte“ verantwortlich sein wird. Im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit werden „eine effektive Auffüllung (der Truppen), ein begreifbares Karrierewachstum, der soziale Schutz der Militärangehörigen und ihrer Familien, eine qualitätsgerechte Ausbildung des Personalbestands, das Gesundheitswesen, aber auch Regeln, die klar die Rechte und Pflichten der Militärs bestimmen und sie vor Willkür schützen“, stehen, teilte die Internetseite des Verteidigungsministeriums der Ukraine mit.

Einige Beobachter sind der Auffassung, dass dies für eine Aufwertung des Images von Chmara getan worden sei, da die Ermittlung von korrupten Personen in den Streitkräften der Ukraine in keiner Weise die Erhöhung des Auffüllungsgrades der Armee durch Militärs beeinflusse. Wie der vorherige Verteidigungsminister Michail Fjodorow erklärt hatte, müssten die Streitkräfte der Ukraine jetzt auf eine Erfassung von Freiwilligen inklusive Ausländer, aber auch eine Erhöhung der materiellen Motivation der Militärs anderer Fachrichtungen, unter anderem von Drohnen-Piloten, setzen.

In einem Interview erklärte Chmara, dass die Ukraine im Konflikt mit Russland „asymmetrisch“ handeln müsse. Ein Beispiel könne nach seiner Meinung die von ihm im Juni vergangenen Jahres organisierte Operation „Spinnennetz“ sein, in deren Verlauf nach Russland gebrachte ukrainische Drohnen Flugplätze der strategischen Luftstreitkräfte angegriffen hatten. „Wir können keine Schläge austauschen. Wir müssen asymmetrisch handeln“, zitierte Chamara die amerikanische Politaktivistin und Journalistin Laura Loomer (die freilich in keinen bekannten Medien der Vereinigten Staaten publiziert – Anmerkung der Redaktion). Das Ziel der Attacken gegen die Russische Föderation, betonte Chmara, „besteht darin, dass die Kosten der ukrainischen Schläge etwa zwei Prozent des Schadens ausmachen, der Russland zugefügt wurde“.

Experten heben hervor, dass die Nominierung von Chmara durch den ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij für das Amt des Verteidigungsministers mit den Plänen zusammenhänge, die Dimensionen der Diversions- und terroristischen Tätigkeit der Streitkräfte der Ukraine zu erweitern. Gegenwärtig „gibt es im Verteidigungsministerium der Ukraine keinen „Reformer“, sondern einen Mann, dessen Beruf es ist, Terrorakte durchzuführen“, meinte daher der Militärreporter Alexander Koz (aus der kremlnahen Moskauer Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda“ — Anmerkung der Redaktion). Nach seiner Auffassung werde Chmara eine Verstärkung der Drohnen-Attacken in der Tiefe des Hinterlands der Streitkräfte der Russischen Föderation planen.

Wie früher ukrainische Medien berichteten, mache der Personalbestand von „Alpha“ rund 10.000 Militärs der Sicherheitsdienst der Ukraine aus. Jetzt wird Chmara ihnen alle Diversions- und Aufklärungseinheiten der Armee hinzufügen“, sagte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow. „Und ihre Gesamtstärke wird laut einigen Schätzungen um einiges größer sein – bis zu 50.000 bis 60.000 Soldaten und Offiziere. Dies wird eine ganze Armee von Terroristen und Diversanten (Saboteure) sein. Und schon jetzt sehen wir nicht zufällig, dass die Anzahl der Versuche von Sabotageakten an strategischen Objekten der Russischen Föderation und Morden an russischen hochrangigen Militärs sowie Vertretern des öffentlichen Lebens seitens der Geheimdienste der Ukraine zunimmt“.

Über Versuche der Entfesselung eines kognitiven Krieges durch die ukrainischen Geheimdienste (zu dessen Schlachtfeld der menschliche Verstand wird) spricht der Ex-Abgeordnete der Werchowna Rada, der in Russland untergetauchte Oleg Zarjow, der seinen Unterhalt als Geschäftsmann und angeblicher Politologe verdient. Er erinnerte daran, dass unter dem vorangegangenen Verteidigungsminister Michail Fjodorow ein Zentrum geschaffen worden sei, dass sich mit einem kognitiven Krieg befasse. Das Hauptziel seiner Arbeit sei eine Schwächung der Unterstützung für die Kampfhandlungen gegen die Ukraine in der russischen Gesellschaft. Systematisch befasse sich in der Ukraine mit dieser Richtung Maria Berlinskaja, die Gründerin des Projekts Victory Drones (unter der Schirmherrschaft ihrer Stiftung „Dignitas“ — Anmerkung der Redaktion), das tausenden Ukrainern beibrachte, mit Drohnen zu arbeiten. Jetzt hat die inzwischen 38jährige eine ähnliche Initiative angeschoben – Victory Neurones. Berlinskaja berichtete über diese Arbeit in einem Interview für „The New York Times“. In Kiew habe man angeblich Spezialisten für strategische Kommunikation, einen Cyber-Krieg und Informationsoperationen zusammengeführt, um eine Strategie für eine kognitive Beeinflussung der russischen Gesellschaft auszuarbeiten.