In den vergangenen 24 Stunden (mit Stand vom 18. August) hatten die russischen Luftverteidigungsmittel eine Rekordanzahl von weitreichenden ukrainischen Drohnen abgeschossen – über 1600 (mit Stand vom 19. August waren es 965 – Anmerkung der Redaktion). Dabei wurde in der Nacht zum 18. August die umfangreichste Attacke gegen die hauptstädtische Region im Verlauf des bereits rund 4,5 Jahre andauernden Konflikts fixiert: In Richtung Moskau seien laut russischen Angaben 620 Drohnen geflogen. Nach Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij würden derartige Angriffe fortgesetzt werden und sie seien bereits für den kommenden September geplant. Wobei laut Medienangaben Attacken auf Objekte auf dem Territorium des Urals und Sibiriens vorgesehen seien. Die verlangt von der Russischen Föderation eine Verstärkung der Luftverteidigungssysteme und noch aktivere Schläge gegen Standorte einer Waffenherstellung in der Ukraine.
Die russischen Streitkräfte führten in der Nacht zum 18. August kombinierte Schläge gegen Militärobjekte in sechs Verwaltungsgebieten der Ukraine. In Saporoschje wurden Brände auf dem Territorium von Industriebetrieben fixiert. Im Verwaltungsgebiet Kiew wurden Lager angegriffen. Eine Serie von Schlägen wurde gegen Ziele in der Industriezone in der Stadt Kamenskoje des Dnepropetrowsker Verwaltungsgebietes geführt. Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation erklärte, dass es Schläge gegen 148 Objekte geführt hätte, darunter auch gegen Drohnen- und Raketen-Startrampen. Gegen welche konkret ist unbekannt. Doch am 16. August hatte das russische Verteidigungsministerium ausführlich über Attacken gegen das Unternehmen Fire Point in Kiew berichtet, das Bauteile, Gefechtsteile und Feststoff-Beschleuniger für die „Flamingo“-Flügelraketen großer Reichweite herstellt (wobei diese Angaben aus anderen Quellen nicht überprüfbar sind – Anmerkung der Redaktion). Gleichfalls seien da auch dutzende andere Objekte getroffen worden, unter anderem das Unternehmen „Kiew-111“, wo Bauteile für Kampfdrohnen, Abfangmittel „Chruschtsch“ (deutsch: „Maikäfer“) und „Harpyie“-Drohnen produziert werden.
„Die punktuellen Schläge gegen Kapazitäten der Rüstungsindustrie sind notwendig, aber unzureichend. Für eine Gewährleistung der militärischen Sicherheit Russlands ist eine vollständige logistische Isolierung der Ukraine – eine Blockierung aller Kanäle für Lieferungen von Bauteilen, Anlagen und Ausrüstungen, Brenn- und Kraftstoffen sowie Technologien – erforderlich“. Solch eine Schlussfolgerung ziehen die Autoren des russischen Telegram-Kanals „Zwei Majore“. Die Richtigkeit ihrer Überlegungen wird dadurch bestätigt, dass die Streitkräfte der Ukraine mit Unterstützung des Westens die Anzahl der gegen die Russische Föderation eingesetzten Drohnen und Raketen weiter erhöhen – und dies ungeachtet der Schläge der russischen Armee.
In der vergangenen Woche hat sich ihre Durchschnittszahl pro Tag von 1000 bis 1500 erhöht. Dabei nimmt im Ergebnis der Schläge die Anzahl der Opfer unter der friedlichen Bevölkerung zu (und nicht nur auf russischer Seite – Anmerkung der Redaktion). Im Ergebnis der Attacken der ukrainischen Armee in der Nacht zum 18. August gegen die früher relativ ruhige hauptstädtische Region kam es zu Bränden in Lagerhäusern und Wohngebäuden, wurden drei Menschen verletzt. Die ernsthaftesten Folgen wurden im Bezirk Pawlowo-Posadsk fixiert, wo mehr als 10.000 Menschen und 46 soziale Objekte ohne Strom geblieben waren. Auch in anderen Regionen Zentralrussland kam es zu Bränden, wurden Gebäude vernichtet.
Im Online-Messenger Telegram schrieb Wladimir Selenskij, dass er bei einem Treffen mit hochrangigen Militärs die Vornahme „weitreichender Operationen“ in der ersten Augusthälfte erörtert hätte. „Wir bestätigten die Prioritäten der Deep-Strikes für die nächsten Wochen und für September, betonte das Staatsoberhaupt der Ukraine. Allem nach zu urteilen, wird deren Geografie erweitert werden. Medien berichteten, dass die Streitkräfte der Ukraine die neue ukrainische Drohne „Dowbusch T40“ mit einer Reichweite von 2000 Kilometer in die Bewaffnung aufgenommen hätten, die angeblich speziell für einen Einsatz gegen Ziele in abgelegenen Regionen Russlands, unter anderem hinter dem Ural und in Sibirien, bestimmt sei.
„Dowbusch T40 ist eine schwache Drohne“, meint der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow, nach dessen Aussagen Spezialisten die „Wirtschaftlichkeit des Motors, die extrem geringe Erkennbarkeit durch Funkortungsanlagen und die Stabilität gegenüber einer Einwirkung funkelektronischer Bekämpfungsmittel“ dieser Drohne hervorheben. „Für eine Kamikaze-Drohne ist dies offenkundig unzureichend“, meint der Experte. „Die Masse ihres Gefechtskopfes kann nicht größer als zehn bis zwölf Kilogramm sein. Dies ist sehr wenig, um in einer Entfernung von 2000 Kilometer irgendein relevantes Ziel zu treffen. Wahrscheinlich wird „Dowbusch T40“ als Aufklärer mit der Möglichkeit einer Rückkehr zur Startposition eingesetzt werden. Aber dann wird ihre Reichweite nicht mehr als 1000 Kilometer ausmachen“.
Popow verweist darauf, dass es im Arsenal der Streitkräfte der Ukraine bereits weitreichende Drohnen gebe, die in der Lage sind, einen Gefechtskopf mit einer Masse von bis zu 70-80 Kilogramm über eine Entfernung von bis zu 1500-3000 Kilometer zu tragen. Dies kann beispielsweise die Drohne An-196 „Ljutyj“ sein (handelt über eine Entfernung von bis zu 1500 Kilometer), die vom Unternehmen „Antonow“ entwickelt wurde. Die Streitkräfte der Ukraine haben sie bereits bei Attacken gegen Objekte in vielen Regionen der Russischen Föderation eingesetzt. Es gibt da auch die Kamikaze-Drohne FP-1, die von der Firma Fire Point entwickelt wurde. Fire Point-Chefkonstrukteur Denis Shilerman behauptet, dass diese Drohne imstande sei, über 3000 Kilometer weit zu fliegen. FP-1-Drohnen haben angeblich im Juli dieses Jahres versucht, Objekte in Omsk anzugreifen, das bis zu 2500 Kilometer von der Ukraine gelegen ist.
„Sehr gefährlich ist die weitreichende „Flamingo“-Flügelrakete, die in der Lage ist, bis zum Ural zu fliegen. Ihre Einsatzreichweite liegt bei 3000 Kilometer“, betonte Popow. „Die Luftverteidigungsmittel der Russischen Föderation schießen praktisch alle „Flamingo“-Raketen ab. Jedoch besteht nach wie vor die Wahrscheinlich eines Treffens von Objekten durch diese Waffe. Und die Explosion des Gefechtskopfes mit einer Masse von über einer Tonne bildet einen Krater mit einem Durchmesser von 100 bis 150 Metern“. Die Herstellung vieler Bauteile für diese weitreichenden Drohnen und Raketen ist außerhalb der Ukraine organisiert worden, in Ländern Europas. Daher sei es sehr wichtig, dass der Kanal für ihre Lieferungen von dort blockiert werde, meint der Experte.
Ukrainische Medien berichteten, dass die Industrie des Landes endlich die Herstellung von Flugzeugmunition mit einem Modul für einen Gleitflug und eine Korrektur in Griff bekommen habe. Eine Variante solch einer lenkbaren Fliegerbombe mit einer Masse von 250 Kilogramm und einer Flugweite von zehn bis 130 Kilometer erhielt den Namen „Virivnjuwatsch“ (deutsch: „Ausgleicher“). Der Abteilungsleiter aus der Zentralverwaltung für Innovationstätigkeit der ukrainischen Streitkräfte Wladislaw Woloschin erklärte, dass in der Ukraine rund ein dutzend zukunftsträchtiger Muster derartiger Waffen entwickelt werden und all diese Entwicklungen „erheblich billiger als die westlichen analogen“ seien. Die Kosten für eine neue Fliegerbombe seien dreimal geringer als der amerikanische Nachrüstungssatz JDAM für präzisionsgelenkte Gleitbomben, betonte er. Der relativ geringe Preis der ukrainischen Gleitbomben „erlaubt, schnell die Produktionsumfänge zu erweitern“, ist sich Woloschin sicher.
Es sei betont, dass, wenn man anhand der Meldungen des russischen Verteidigungsministeriums urteilt, gegenwärtig die Luftabwehrmittel täglich bis zu zehn ukrainische Gleitbomben abfangen, vor allem an der Frontlinie oder im nächsten Hinterland. Russland setzt derweil gelenkte Gleitbomben mit einer Masse von 500 bis 3000 Kilogramm ein, und diese weitaus mehr – rund 300 Stück pro Tag. „Die Streitkräfte der Ukraine haben keine Möglichkeit, massenhaft unsere Gleitbomben zu vernichten“, erläuterte Popow. „Und dies hilft unseren Truppen sehr bei den Gefechtshandlungen. Die gelenkten Gleitbomben werden aus einer großen Höhe mit einer Reichweite von über 100 Kilometern durch Front-Bomber und Jagdflugzeuge des Typs Su-24 und Su-34 eingesetzt. Die Ukraine hat nicht sehr viele derartiger Flugzeuge – Su-24 und MIG-29. Und die amerikanischen F-16-Jagdflugzeuge setzen die Streitkräfte der Ukraine für diese Ziele nicht ein, wobei sie hauptsächlich als Luftverteidigungsmittel genutzt werden. Somit kann Kiew die Herstellung von lenkbaren Gleitbomben forcieren. Aber für deren Einsatz muss man eine erhebliche Anzahl von Flugzeugen besitzen, die die ukrainische Armee gegenwärtig einfach nicht hat. Die Länder des Westen versprechen, die den Streitkräften der Ukraine in der überschaubaren Zukunft zu liefern“.