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Drohnen gefährden in der Russischen Föderation nicht nur Flugzeuge, sondern auch Flughäfen


Die Truppen der Russischen Föderation führen weiterhin Schläge gegen die Logistik des Gegners. Dies wirkt sich nicht nur auf die Lage der ukrainischen Bevölkerung, sondern auch auf die Situation in den Streitkräften der Ukraine aus. Dort bestehe laut Medienangaben ein Mangel an Kraft- und Schmierstoffen. Und Kiew führt weiter weitreichende Schläge gegen Objekte in der Russischen Föderation, wobei unter anderem versucht wird, den zivilen Luftverkehr zu stören. In vielen Flughäfen im Zentrum der Russischen Föderation und im Süden werden beinahe täglich Einschränkungen für Flüge verhängt. Derartige Einschränkungen seien nicht kritisch, man müsse sich ihnen gegenüber aber ernsthaft verhalten, betonen Experten.

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Donnerstagmittag die Vernichtung von rund 1000 weitreichenden Drohnen. In den Morgenstunden des Freitags wurde mitgeteilt, dass in der Nacht zum Freitag weitere 490 Drohnen vernichtet worden seien. Ein erheblicher Teil der Drohnen flog in Richtung der Moskauer Region. Wie der Pressedienst des hauptstädtischen Bürgermeisters Sergej Sobjanin im Messengerdienst MAX seien in Richtung Moskau und des Moskauer Verwaltungsgebietes in der Nacht zum Donnerstag 548 Drohnen geflogen. Der Großteil sei weit vor den Toren der Hauptstadt vernichtet worden. 143 – beim Anflug auf Moskau. In der Nacht zum Freitag lag die Zahl der vernichtet Drohnen bei 35 (Stand: kurz vor 6 Uhr Moskauer Zeit).

Die Aufmerksamkeit der Medien und Experten galt in den letzten Tagen der Situation um den Flugverkehr in der Russischen Föderation im Zusammenhang damit, dass der Präsident der Ukraine Wladimir Selenskij von der Möglichkeit einer „Schließung des Luftraums über Russland“ gesprochen hatte. Und der ukrainische Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Transportwesen Nikolaj Kalaschnik hatte ein Schreiben an den Generalsekretär der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO — International Civil Aviation Organization) Juan Carlos Salazar Gómez mit dem Appell gerichtet, ein Flugverbot im Luftraum über Russland zu verhängen (ein NOTAM – eine Notice to Air Missions -, eine offizielle, kurzfristige Bekanntmachung für den Luftverkehr, die über Gefahren, Sperrungen oder Änderungen im Luftraum informiert – Anmerkung der Redaktion).

Die ICAO reagierte in ihrer Erklärung zu diesem Appell zurückhaltend. Die Organisation rief in einer Pressemitteilung alle Mitgliedsstaaten auf, feste Verpflichtungen zum Schutz von Zivilflugzeugen vor jeglichen Risiken im Zusammenhang mit Konfliktzonen zu übernehmen. Und die russische Aufsichtsbehörde für den zivilen Flugverkehr Rosaviazija veröffentlichte ein eigens NOTAM, wobei erklärt wurde, dass die ukrainischen Dokumente hinsichtlich des russischen Luftraums keine Rechtskraft besitzen und die Konvention über die internationale Zivilluftfahrt verletzen würden. Der Luftraum und die Boden-Infrastruktur würden planmäßig Flüge, darunter auch von ausländischen Fluggesellschaften abfertigen, und es würden zusätzliche Maßnahmen für eine sichere Nutzung des russischen Luftraums und zur Erhöhung des Schutzes der Transportobjekte auf dem Boden ergriffen werden, erklärte man in der Behörde.

Zu einer „Schließung des Himmels“ sei es nicht gekommen. In den letzten zwei, drei Tagen seien Flugzeuge im bisherigen Regime über der Russischen Föderation geflogen, was Rosaviazija bestätigte. Der russische Transportminister Andrej Nikitin versicherte beim XI. Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok, dass es in der Arbeit der Zivilluftfahrt keine erheblichen Unterbrechungen geben werde. Nikitin erklärte, dass Moskau den ausländischen Airlines, die Flüge durch den russischen Luftraum vornehmen, die erforderlichen Erläuterungen hinsichtlich der Drohungen von Selenskij gegeben hätte. Laut Aussagen des Ministers würden die meisten ausländischen Fluggesellschaft, die in die Russische Föderation fliegen, weiter eng mit der russischen Seite zusammenarbeiten sowie die geltenden Regeln und Standards für die Flugsicherheit einhalten würden.

In den Flughäfen der Russischen Föderation wird zwecks Gewährleistung der Sicherheit während drohender Drohnen-Attacken der Plan „Teppich“ in Kraft gesetzt. Während seines Wirkens müssen die Flugzeuge die entsprechend ausgewiesene Zone verlassen oder landen. Die Verhängung dieses Regimes geben die Luftverteidigungssysteme im Zusammenwirken mit Rosaviazija bekannt, wonach zivile Flugzeuge Informationen von den Fluglotsen des nächsten Flughafens erhalten, und die Militärflugzeuge vom Diensthabenden der Luftverteidigungssysteme. So haben allein in den ersten acht Stunden des Freitags (4. September) 14 russische Flughäfen zeitweilig keine Flüge abgefertigt, folgt aus den Meldungen der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Nach Meinung von Experten müsse man sich ernsthaft gegenüber den Drohungen von Selenskij verhalten. Solch eine Schlussfolgerung ziehen sie aus den Worten von Präsident Wladimir Putin, der sagte, dass Russland eine entsprechende Antwort finden werde, wenn die Ukraine versuchen sollte, den russischen Luftraum für Zivilflugzeuge zu blockieren, wobei er dies als einen „Antrag auf staatlichen Terrorismus“ bezeichnete. Nach Meinung Putins sei die Verstärkung der Luftverteidigung die einzige Form, um Schläge gegen die zivile Infrastruktur während der Militäroperation Russlands in der Ukraine zu verhindern.

Die Wahrscheinlichkeit des Zusammenstoßen einer feindlichen Drohne oder Rakete mit einem Zivilflugzeug unter den Bedingungen von Gefechtshandlungen gibt es immer. Und je mehr durch den Gegner solche Waffen eingesetzt werden, desto mehr nimmt die Wahrscheinlichkeit von Flugkatastrophen zu, selbst bei der stärksten Luftverteidigung. Man muss das militärische Potenzial solcher Schläge verringern“, meint der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin. Nach seiner Auffassung müsse man die Militärbetriebe, die Drohnen und Raketen herstellen, aber auch die Lager, in denen sie aufbewahrt werden, die logistischen Wege, über die diese Waffen zu den Startort gebracht werden, usw. vernichten.

Berücksichtigen muss man auch das, dass in den Erklärungen von Selenskij über eine „Schließung des Luftraums der Russischen Föderation“ die Androhung einer physischen Vernichtung von Objekten auf russischen Flugplätzen stecke. Und zwar die von Punkten für die Flugleitung und das Fernmeldewesen, für Depots mit Kerosin und anderen Schmier- und Kraftstoffen, im Grunde genommen auch von Flughafengebäuden, Elementen der Start- und Landebahnen usw. Wenn es keine solchen einsatzfähigen Objekte in den Flughäfen gibt, wird es auch keinen Flugverkehr geben. So denkt man offensichtlich in Kiew“, betonte Schulgin. Nach seiner Meinung müssten diese Objekte der Luftfahrt die Mittel der Luftverteidigung schützen. „Für eine Absicherung der zivilen Luftfahrtobjekte sind nicht nur die Kräfte der Armee wichtig. Gut bewährt haben sich die mobilen Feuergruppen, an denen Mitarbeiter von Unternehmen teilnehmen. Erweitert wird das Spektrum an Luftverteidigungsmitteln. (Der Staatskonzern) „Rostech“ berichtete beispielsweise über das neuen System zur Drohnen-Bekämpfung „Bison“, das selbständig Drohnen ausmacht und abfängt, indem es dem (diensthabenden) Operator Zielanweisungen übermittelt“, betonte Schulgin.