Vor einigen Tagen tauchten in Medien Meldungen auf, wonach die klimatisierte Vitrine, in der sich die Ikone „Dreifaltigkeit“ von Andrej Rubljow im Sergius-Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Possad bei Moskau befindet, einige Zeit lang nicht intakt sei. Und dies habe sich auf den Zustand eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Russlands ausgewirkt. In den Medien tauchten sogar Fotos auf, die, wie behauptet wurde, aufgetretene Schäden festgehalten hätten. Die Reaktion der für den Zustand des Kunstwerkes Verantwortlichen veranlasste dazu, einige wichtige Fragen zu stellen, auf die es bisher kaum Antworten gibt, genauso wie auch die bisherigen Informationen über den Zustand der Ikone wenig Aufschluss geben.
Die Dreifaltigkeitsikone war im Jahr 2023 der Russischen orthodoxen Kirche für 49 Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung übergeben worden. Die Frage darüber, ob es gelingen wird, deren Unversehrtheit in der Dreifaltigkeitskathedrale des ausgewiesenen Klosters zu gewährleisten, wurde von Kunstwissenschaftlern sofort gestellt. Spezialisten befürchtete, dass es unmöglich sein werde, außerhalb der Tretjakow-Galerie, in der Dreifaltigkeitskathedrale, die entsprechenden Bedingungen zu garantieren. Der Tretjakow-Galerie war es nicht gelungen, die wertvolle Ikone in ihrer Ausstellung zu behalten. Es gelang aber, das Recht auf eine Beobachtung des Denkmals und Überprüfungen dessen Zustands zu bewahren. Mit der Tatsache des Umzugs der Dreifaltigkeitsikone in das Kloster hatten die Öffentlichkeit ein wenig die Erklärungen über die ausschließliche Zuverlässigkeit der Technik, die für die Aufbewahrung der Ikone genutzt wird, beruhigt. So hatten es die Vertreter der Kirche, des Kulturministeriums und die Sponsoren zugesagt.
Die Ereignisse hatten sich aber dieses Mal nicht so entwickelt, wie es die Hüter der Ikone erwartet hatten. Angaben über Defekte der teuren Vitrine tauchten in Medien und privaten Mitteilungen in sozialen Netzwerken auf. Die Informationen lauteten zusammengefasst, dass die Klima-Kontrolle angeblich schon mehrere Monate lang nicht intakt gewesen sei. Die Luftfeuchtigkeit innerhalb der Vitrine mit dem Kunstwerk sei bis auf 80 Prozent bei einer Norm von 50 bis 55 Prozent angestiegen, die Ikone werde zerstört, die verantwortlichen Personen würden nicht handeln.
Allein der Weg für die Verbreitung dieser Informationen ist symptomatisch. Veröffentlicht hatten sie nicht Museumsspezialisten, die offiziell für das Monitoring zuständig sind, nicht das Kulturministerium und nicht die Patriarchie über ihre Kanäle, sondern von all diesen Institutionen unabhängige Menschen. Und dies obendrein anonym. Irgendwer (der möglicherweise mit dem System für den Schutz der Dreifaltigkeitsikone zu tun hat) hatte Informationen inoffiziell weitergegeben. Und dann gelangten die Mitteilungen in die Medien. Die Moskauer Patriarchie gab eine Erklärung über eine planmäßige Überprüfung der Ikone ab, aber nur nachdem sich der Skandal hochzuschaukeln begann und Liebhaber der Malerei anfingen, die Fotos mit Rissen, die angeblich an dem Kunstwerk aufgetreten seien, zu erörtern. Etwas später teilte der Pressedienst der Staatlichen Tretjakow-Galerie der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS mit, dass man die Arbeit von Andrej Rubljow in die Restaurierungswerkstätten des Sergius-Dreifaltigkeitskloster gebracht habe.
In den offiziellen Erklärungen, die nicht so sehr wie der Versuch aussehen, die Öffentlichkeit zu informieren, als vielmehr wie ein Bemühen, vor ihr den realen Zustand der Dinge zu verbergen, wurde nicht die Tatsache eines Defekts der Vitrine und irgendwelcher Probleme mit der Dreifaltigkeitsikone eingestanden. Und das Einschalten von Influencern, die einfach die bereits von der Öffentlichkeit diskutierten Informationen abschwächen (die Probleme mit der Vitrine wurden nicht vor einigen Monaten, sondern vor zwei Wochen festgestellt, die Veränderungen an den Holztafeln seien keine katastrophalen und so weiter), verstärken nur die Verdachtsmomente, dass etwas Ernsthaftes passierte. Das einzige, was genau bekannt ist: Man hat die Ikone in Restaurierungswerkstätte gebracht.
Es kam die Empfindung auf, dass man das Problem bis zuletzt verschwiegen hat. Und nachdem man begriffen hatte, dass Informationen durchgesickert sind, bemühte man sich, der Situation eine allgemeinen Status zu verleihen. Und im Endergebnis kann man die Schlussfolgerung ziehen: Nicht funktioniert hat nicht nur das System des Monitorings und der Bewahrung der Ikone, sondern auch das System des Informieren über den Zustand des Kunstwerkes. Unter Berücksichtigung der riesigen öffentlichen Aufmerksamkeit, die die Übergabe der Dreifaltigkeitsikone an die Kirche ausgelöst hatte, wäre ein anderer Weg logisch gewesen: Wird ein Problem festgestellt, wird die Tretjakow-Galerie und das Kulturministerium darüber informiert, wird eine öffentliche Erklärung mit Illustrationen herausgegeben, die demonstrieren, dass die Ikone nicht ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Die Dreifaltigkeitsikone von Rubljow ist nicht die einzige Ikone, die an die Kirche übergeben wurde. Obgleich gerade dieser Fall der am meisten diskutierte bleibt. Im April dieses Jahres wurden zwei weitere Arbeiten aus der Sammlung der Tretjakow-Galerie an die Russische orthodoxe Kirche übergeben, die Ikone „Gottesmutter von Wladimir“ aus dem 12. Jahrhundert und die Ikone „Don-Gottesmutter“ aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Formal bleiben sie Teil des staatlichen Museumsfonds der Russischen Föderation und werden in der Sammlung der Galerie geführt, befinden sich aber in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale. Es ist offensichtlich, dass der Prozess einer Übergabe von Ikonen aus dem Museum an die Kirche fortgesetzt wird. Und daher ist das Thema ihrer Unversehrtheit besonders aktuell. Der Vorfall aber demonstrierte, dass die Prozedurfragen noch aktueller sind. Wie erfolgt die Kontrolle des Zustands der Ikonen, auf welche Art und Weise erhalten die Spezialisten und Öffentlichkeit Informationen über sie, wer trägt auf welcher Etappe die Verantwortung? Die Fragen zur Unversehrtheit von Kunstschätzen, die als nationales Gut gelten, solcher wie die Dreifaltigkeitsikone, können nicht hinter den Kulissen geklärt werden. Jeglicher nichtstaatlicher Anwärter auf eine Bewahrung russischer historischer Werte muss entsprechend den höchsten internationalen Standards für die Übereinstimmung von Ambitionen mit den realen technischen Möglichkeiten für die Gewährleistung der Unversehrtheit von Werten geprüft und zertifiziert werden. Andernfalls wird dies einer spezifischen Form von Diebstahl ähneln. Kompromisse sind hier nicht möglich!
P. S.
Die Leiterin der Tretjakow-Galerie Olga Galaktionowa, die Kunstgeschichte, Regie und Filmkunst studiert hat, sah sich am Mittwoch gezwungen, an die Öffentlichkeit zu treten. Sie gestand ein, dass sich die Rubljow-Ikone in Werkstätten des Sergius-Dreifaltigkeitsklosters „aufgrund einer Korrektur der Kapsel und deren technischen Arbeit“ befinde. Dabei stachelte sie jedoch auch herum: Sie befinde sich „unter der Kontrolle von Restauratoren der Tretjakow-Galerie und anderer Spezialisten, wahrer und keiner aus dem Internet. Die Kapsel wird justiert. Absolut ein Arbeitsmoment“, betonte die 49jährige Galaktionowa, die erst seit Januar dieses Jahres Chefin der Galerie ist. Auf eine Nachfrage hinsichtlich der Vornahme einer Restaurierung der Ikone kanzelte sie die Journalisten mit den Worten ab: „Von einer Restaurierung habe ich hier nicht gesprochen“. Sie betonte gleichfalls, dass die Ikone nicht aus den Werkstätten des Klosters gebracht werden müsse. In denen würden alle Bedingungen eingehalten werden. „Dies ist eine technische Frage. Diese technische Arbeit verdient keine solche Aufregung, keine solche Aufmerksamkeit.“