US-Präsident Donald Trump ist bereit, Kiew Unterstützung durch Waffen zu gewähren, unter anderem durch Luftverteidigungsmittel. Und im Gegenzug rechnen die amerikanischen Militärs damit, ukrainische Technologien für die Entwicklung und den Einsatz von Luftabwehrdrohnen mit künstlicher Intelligenz (KI) zu erhalten. Die russische Armee setzt derweil weiter die Angriffshandlungen an der Front fort und vermochte, im Donbass einen neuen Kessel zu schaffen. Und in der Tiefe der Ukraine vernichtet sie weiter wichtige Objekte der Rüstungsindustrie und Logistik, aber nicht nur solche.
Die Streitkräfte der Russischen Föderation haben in den Nächten zum 22. und zum 23. September Schläge gegen militärische Objekte, Industriebetriebe und Lager-Komplexe in elf Verwaltungsgebieten der Ukraine geführt. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums seien Unternehmen der Metallurgie- und Chemie-Industrie, den Brennstoff- und Energie-Komplexes und der Rüstungsindustrie, Objekte der Hafeninfrastruktur in Kiew sowie in den Verwaltungsgebieten Dnepropetrowsk, Poltawa und Odessa getroffen worden.
Dabei demonstrierte das Verteidigungsministerium dieser Tage den Gefechtseinsatz seegestützter Hyperschall-Schiffsbekämpfungsraketen vom Typ „Zirkon“ durch die Schwarzmeerflotte. Über den Einsatz von „Zirkon“-Raketen durch Kräfte der russischen Schwarzmeerflotte berichten schon seit langem ausländische Ressourcen, doch das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation hat erst jetzt ein Foto veröffentlicht, dass den Start dieser Raketen demonstrieren sollte. Der Schlag sei von der See aus geführt worden, aber durch welche Schiffe ist unbekannt.
Der Chef der Kommunikationsverwaltung der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine Jurij Ignat hält den Einsatz von „Zirkon“-Raketen durch Russland für ein ernsthaftes Problem. Die Geschwindigkeit dieser Raketen könne nach einer Einschätzung von Ignat rund 10.000 km/h erreichen. „Für ein Reagieren nach deren Start hat die Ukraine wenige Minuten, Sekunden“, sagte Ignat. Der Mensch ist faktisch nicht in der Lage, solch eine Rakete visuell zu verfolgen. „Dies ist eine Geschwindigkeit, die vom menschlichen Auge nicht zu erfassen ist. Das Auge kann nichts sehen, maximal den Anflug“, betonte der Vertreter der ukrainischen Armee. Ignat unterstrich die Wichtigkeit eines operativen Erhalts von Informationen über Raketenstarts durch Kiew. Nach seinen Worten „rechnet die Ukraine mit der Hilfe der westlichen Partner, unter anderem mit den Erhalt von Daten über die Starts ballistischer, aeroballistischer und Schiffsabwehrraketen aus den Zentren der NATO“.
Derweil setzen die Streitkräfte der Russischen Föderation in der Zone der seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden militärischen Sonderoperation die Offensive in den meisten Richtungen fort. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums habe sich im Bereich der Gefecht noch ein großer „Kessel“ gebildet. Neben der eingekreisten Gruppierung des Gegners im Verwaltungsgebiet Charkow (mit deren Vernichtung befassen sich Truppen der Gruppierung „Nord“) ist ein „Kessel“ auch im Donbass dank der Handlungen der Truppen-Gruppierung „Zentrum“ entstanden. Über den Abschluss der Einkesselung eines großen Verteidigungsknotens der Streitkräfte der Ukraine in der Stadt Dobropolje der Volksrepublik Donezk (Russland kontrolliert bekanntlich nach wie vor nicht vollkommen deren Territorium, will dies aber mit aller Macht erreichen – Anmerkung der Redaktion) informierte Russlands Verteidigungsministerium erstmals in den Morgenstunden des 22. September. Präzisiert wurde, dass Einheiten der 4. und der 15. Brigade der Nationalgarde der Ukraine und des 425. Sturmregiments „Skala“ (deutsch: „Fels“) eingekreist worden seien. Dies sind Formationen aus dem Bestand des 1. Armeekorps der Nationalgarde der Ukraine, das die Grundlage der jüngst im Bestand der ukrainischen Streitkräfte gebildeten Truppen-Gruppierung „Asow“ (die gleichnamige Einheit „Asow“ ist in der Russischen Föderation als eine terroristische Organisation anerkannt und verboten worden) bildet und für eine Verteidigung der Agglomeration Slawjansk-Kramatorsk in der südwestlichen Richtung bestimmt ist.
Der Befehlshaber des ausgewiesenen 1. Armeekorps der ukrainischen Nationalgarde, der zur gleichen Zeit die Gruppierung „Asow“ kommandiert, Brigadegeneral Denis Prokopenko, teilte Medien mit, dass die ukrainischen Streitkräfte eine größere Offensive der russischen Armee im Raum Dobropolje mit einem massenhaften Einsatz gepanzerter Technik erwarten würden. Dies werde erfolgen, wenn sich die Wetterbedingungen verschlechtern und die Möglichkeiten für einen Einsatz von Drohnen durch die Gruppierung „Asow“ eingeschränkt sein werden, betonte Prokopenko. Laut Informationen des russischen Verteidigungsministeriums hätten aber Truppen der Gruppierung „Zentrum“ schon jetzt nach Einkreisung der ukrainischen Einheiten in Dobropolje dort bis zu 50 Militärs vernichtet. Die russischen Truppen würden weiter in der Richtung Alexandrowka vorrücken, das heißt die Agglomeration Slawjansk-Kramatorsk vom Südwesten aus einnehmen, folgt aus den Meldungen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation.
Die Ukraine und ihre Verbündeten aus der NATO wollen sich mit solch einer Entwicklung der Ereignisse nicht abfinden. Nach einem am 22. September erfolgten Treffen mit Trump erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dass die Seiten sich einig seien, dass man „rasch und entschieden“ Kiew helfen müsse, die Verteidigung zu verstärken. Man plane, den Streitkräfte der Ukraine mit Abfangraketen zu helfen. Es sei daran erinnert, dass das vom US-Außenministerium in der vergangenen Woche vorgeschlagene Hilfspaket im Umfang von 2,68 Milliarden Dollar für eine „Modernisierung der Luftverteidigung und der entsprechenden Anlagen und Ausrüstungen“ bestimmt ist. Dabei hatten Medien berichtet, dass die USA aus ihren Reserven den ukrainischen Streitkräfte lediglich zehn „Patriot“-Raketen und einige Mengen anderer Waffen zur Verfügung stellen würden. Geschrieben wurde noch über Lieferungen gewisser Klons sowjetischer S-300-Luftabwehrraketen. Solche Raketen stellen jedoch die Rüstungsunternehmen der USA nicht her. Woher kommen sie also? Experten sind der Auffassung, dass die Basis für solche Raketen Entwicklungen und Ressourcen der ukrainischen Rüstungsindustrie bilden würden. Genutzt werden könnten vor allem Glider und Feststoff-Triebwerke schwerer sowjetischer Raketen aus der Serie S-300-5W55 und 48N6. Laut Angaben einiger Medien sei die Herstellung dieser Raketen zu Zeiten der UdSSR bei Shitomir im Betrieb „Vizar“ vorgenommen worden, wo noch ein Teil der Zubehörteile, technischen Zeichnungen und Ausrüstungen verblieben sei. Für eine Wiederaufnahme der Produktion wird jedoch Zeit gebraucht. Wie im Internet nachzulesen war, plane die Rüstungsindustrie der USA, erst zum Ende des laufenden Jahres eine Serienfertigung von S-300-Klons anzufahren. Und das maximale Herstellungstempo würde ganze 100 bis 200 Raketen im Jahr ausmachen. „Für die Luftverteidigung der Ukraine ist dies wenig“, meint der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow.
Die USA haben gleichfalls offiziell Lieferungen gewisser Raketen vom Typ GAM-67 bekanntgegeben. Experten meinen, dass dies bereits in den 50er Jahren entwickelte extrem weitreichende luftgestützte Raketen seien (die Ziele in einer Entfernung von bis zu 500 Kilometer treffen), die von Radars schwer erfasst werden können. Möglicherweise ist in den letzten Jahren deren Modifizierung vorgenommen worden. Und diese Raketen könnten gefährlich sein, meint Popow. Gefährlich sind ebenfalls die Luftabwehrraketenkomplexe mit Laser-Zielsuchsystemen und einer größeren Reichweite, die Sets für eine Modifizierung von Startanlagen und mobiler Startrampen, aber auch Radarsysteme für eine Drohnenabwehr, über deren Lieferungen an die Streitkräfte der Ukraine westliche Medien berichten.
Über die mögliche Hilfe seitens der USA und die Unterzeichnung von Dokumenten im Rahmen eines neuen „Drone Deals“ während seines USA-Besuchs in dieser Woche informiert der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij. Vorgesehen sei, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine bei der Entwicklung, Herstellung und Lieferung von Drohnen mit künstlicher Intelligenz helfen werden. Besonders von Abfang-Drohnen, die in der Lage sein werden, reaktive Drohnen und Flügelraketen zu vernichten. Bisher werden solche Drohnen noch entwickelt. Medien zitierten den Vertreter der ukrainischen Luftstreitkräfte Jurij Ignat, der erklärt hatte, dass Russland „immer aktiver reaktive Drohnen während der Attacken gegen die Ukraine einsetzt und die Taktik in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen anpasst“. Nach seinen Worten würden Nebel und Bewölkung die Arbeit der ukrainischen Luftverteidigung erschweren. Ignat teilte mit, dass die Gesamtzahl der reaktiven Drohnen, die durch die Russische Föderation gegen die Ukraine eingesetzt werden, bereits rund 7700 ausmache. „Allein im noch laufenden September haben die russischen Truppen etwa 1900 reaktive Angriffsdrohnen eingesetzt“, präzisiert er.
Ignat erklärte, dass die Ukraine gegenwärtig aktiv Abfangdrohnen entwickele. Solche Waffen würden nach seiner Meinung sehr bald in die Truppen kommen. Ukraine Medien informierten über angeblich erfolgreiche Tests der Luftverteidigungsabfangdrohnen „Zorelit v5“, die das Unternehmen „Vlutschnik“ entwickelte. Die maximale erklärte Geschwindigkeit der neuen Abfangdrohne betrage 416km/h. Und die Flugreichweite mache mit einer Ladung bis zu 47 Kilometer aus.
„Solche Charakteristika der ukrainischen Drohne, die für eine Vernichtung russischer reaktiver Drohnen bestimmt ist, sind offenkundig schwache“, meint Popow. Er selbst hatte lange Zeit in den Luftverteidigungstruppen gedient und weiß um die Charakteristika der russischen Drohnen. „Unsere reaktiven Drohnen vom Typ „Geran-5“ oder „Geran-4“ attackieren die Ziele des Gegners mit einer Geschwindigkeit von bis zu 700 km/h. Die ukrainischen Drohnen werden sie kaum in einer großen Menge abfangen können“, meint er. Popow hält jedoch jene Tatsache für eine sehr beunruhigende, dass die USA planen würden, auf der Grundlage der Erfahrungen der Streitkräfte der Ukraine neue Typen von Luftabwehrdrohnen mit künstlicher Intelligenz zu schaffen, deren Ziel es ist, eine Überlegenheit der russischen reaktiven „Geran“-Drohnen und anderer ähnlicher Drohnen-Typen auszuschließen.