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Das Buch eines HAMAS-Anführers wird in Russland ungehindert verbreitet


In Regalen von Buchläden und auf den Internetseiten von Online-Händlern ist ein russischsprachiges Buch aus der Feder des ehemaligen Kommandeurs des militanten Flügels der Palästinenser-Organisation HAMAS Yahya Sinwar, der im Oktober 2024 im Gaza-Streifen liquidiert wurde, aufgetaucht. Aufgelegt wurde das Buch in einer Auflage von 150 Exemplaren, wird aber in einer Vielzahl von Handelsnetzen – und dies nicht nur in der Russischen Föderation, sondern auch in Weißrussland – verbreitet. Gegen den Verkauf der Memoiren des Autors des Blutbades vom 7. Oktober 2023 im Süden Israels protestiert die Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands (FJGR), fürchtet dabei jedoch, den Buchläden zu schaden, obgleich sie auch die Buchhändler einer Prinzipienlosigkeit bezichtigt.

Das Auftauchen des semibiografischen Buchs von Yahya Sinwar unter dem Titel „Wie man Israel besiegen kann. Dornen und Rosen des Nahen Ostens“ (deutscher Titel „Die Dornen und die Nelken“ — Anmerkung der Redaktion) hatte man bereits am Dienstag, den 26. August zur Kenntnis genommen.

Bei einem der größten russischen Online-Händler wurde das Buch buchstäblich in Windeseile verkauft. Bis in den Abendstunden des 26. August waren nur wenige Exemplare geblieben. Und am nächsten Morgen war es bereits aus dem Verkauf verschwunden. Der Text ist jedoch auf anderen Plattformen noch zu haben, wo sein Preis etwa eintausend Rubel (umgerechnet etwas mehr als zeh Euro) ausmacht.

Yahya Sinwar war der Anführer des bewaffneten Flügels der radikalen palästinensischen Bewegung HAMAS im Gaze-Streifen. Gerade er hatte den Überfall auf südliche Städte und Siedlungen Israels in den Morgenstunden des 7. Oktober 2023 angeführt. Im Ergebnis des massiven Terroraktes waren über 1200 Israelis ums Leben gekommen, darunter Kinder, Frauen und betagte Menschen. Das brutale Vorgehen ging mit Vergewaltigungen und der Verbrennung minderjähriger Kinder einher. 253 Menschen wurden von den Terroristen verschleppt und als Geiseln genommen. Der Krieg der israelischen Streitkräfte gegen HAMAS-Formationen im Gaza-Streifen dauert nach wie vor an. 20 vermutlich lebende Geiseln befinden sich nach wie vor in den Händen der Terroristen. Yahya Sinwar an sich wurde von israelischen Militärs aufgespürt und am 16. Oktober 2024 getötet (zehn Tage vor seinem 62. Geburtstag – Anmerkung der Redaktion).

Die Neuerscheinung des Büchermarktes hatten israelische Medien sofort zur Kenntnis genommen, aus den russischen jüdischen Organisationen erfolgte jedoch nur von der FJGR eine Reaktion. „Es betrübt an sich die Tatsache, dass ein Buch unter der Autorenschaft des direkten Organisators des Mega-Terroraktes vom 7. Oktober in Israel, als man hunderte friedliche Menschen umbrachte, gedruckt wurde. Und dies ist völlig offen getan worden, wurde mit Videokameras aufgezeichnet. Und Sinwar war persönlich stolz darauf gewesen“, erklärte gegenüber der „NG“ der Leiter des Departments für Verbindungen mit der Öffentlichkeit der jüdischen Organisation Boruch Gorin. „Düster sieht das aus, dass solch ein Buch in Russland gedruckt wird, während es ein Verzeichnis extremistischer Materialien gibt und die Unterstützung von Terroristen entsprechend einem Paragrafen des Strafrechts geahndet wird. Und die offizielle Position der Russischen Föderation zum 7. Oktober ist, dass dies eine terroristische Attacke gewesen war. Dies ist, als würde man Bücher von Nazis oder Terroristen des Nordkaukasus aus den 1990er Jahren mit den Aufrufen, Russland zu besiegen, publizieren würde“. „Dies ist eine offenkundige Unterstützung von Terroristen“, meint der Vertreter der jüdischen Gemeinde.

Der Gesprächspartner der „NG“ betonte, dass das Buch eine erkläre minimale Auflage habe, die keine Druckgenehmigung verlange. Denn unter die Lizenz für eine Verlagstätigkeit fallen Auflagen von mehr als eintausend Exemplaren. „Wahrscheinlich gibt es im Rahmen des Verlagshauses („Rodina“ — Anmerkung der Redaktion) eine Müllgrube, die derartige Bücher herausgibt, um nicht der Hauptorganisation ein Bein zu stellen“, vermutete Gorin. „Ich bin mir fast sicher, dass sich hinter der Auflage von 150 Exemplaren irgendein Trick verbirgt, denn dies ist nicht die Auflage, die bei allen Online-Händler und in Buchläden von Ketten liegt. Ich denke, dass etwas mit der Anzahl der Exemplare herumgetrickst wurde“. Nach seinen Wortenüberlege die FJGR, wie man am besten auf die Situation mit einem geringsten Schaden für die unbeteiligten Menschen reagieren sollte, denn „jeglicher Appell zu Überprüfungen endet mit einer Schließung von Buchläden“. „Wir stehen dem recht vorsichtig gegenüber, denn dies ist ein Knüppel mit zwei Enden“, erläuterte der Vertreter der Föderation jüdischer Gemeinden Russlands.

P. S.

Derweil ist in der Tat bei solchen Online-Giganten wie Wildberries (https://www.wildberries.ru/catalog/1065715418/detail.aspx) oder Yandex Market (https://market.yandex.ru/card/kak-pobedit-izrail-shipy-i-rozy-blizhnego-vostoka_sinvar-ya/4669549136?do-waremd5=4bfeQsewPzYZ-d-kDiN47g&clid=703) das 224 Seiten umfassende Buch von Sinwar nach wie vor zu haben. Die Online-Händler können sich damit rechtfertigen, dass die HAMAS nicht als terroristische Organisation anerkannt wurde. Freilich kommt dennoch das Gefühl auf, dass hier in Russland mit zweierlei Maß gemessen wird. Und das nicht das erste Mal, wie die jüngste Geschichte des Landes beweist.