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In Kiew ist man bereit, Ponton-Brücken über den Dnepr zu bauen


Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij wartet auf militärische Hilfe des Westens und versprach, die Intensität der Schläge gegen russische Raffinerien aufgrund der Attacken Russlands, in deren Verlauf unter anderem Dnepr-Brücken in Kiew in Mitleidenschaft gezogen wurden, zu verdoppeln. Als Antwort auf diese Erklärungen teilte das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation am Sonntag mit, dass die Schläge der russischen Armee „gegen militärische Objekte und Objekte der Rüstungsindustrie, aber auch gegen die mit ihnen verbundene Infrastruktur in Kiew und in anderen Verwaltungsgebieten der Ukraine“ gleichfalls verstärkt werden würden (https://ngdeutschland.de/der-ukraine-konflikt-eskaliert-weiter/). In Kiew weilte derweil am 4. Oktober der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der Selenskij Waffen für weitere mehr als eine Milliarde Euro versprach.

In der vergangenen Woche hätten die Streitkräfte Russlands in der Zone der militärischen Sonderoperation 18 Ortschaften unter ihre Kontrolle gebracht, meldete das Verteidigungsministerium in Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin teilte am 1. Oktober mit, dass die russischen Truppen insgesamt im September 1301 Quadratkilometer Territorium unter ihre Kontrolle gebracht hätte (was zum Beispiel durch das in Washington ansässige Institute for the Study of – ISW – widerlegt wurde – siehe www.understandingwar.org). Das Tempo des Vorrückens der Armee der Russischen Föderation an der Front nehme zu, meinte das russische Staatsoberhaupt. Und nach seinen Einschätzungen müssten im Donbass noch etwa elf Prozent dessen Territorium eingenommen werden.

Selenskij und westliche Medien lenkten die Aufmerksamkeit darauf, dass die russischen Militärs begonnen haben, Schläge gegen große Brücken in Kiew zu führen (in der ukrainischen Hauptstadt gibt es insgesamt sieben Dnepr-Brücken – Anmerkung der Redaktion). Das amerikanische Blatt „The New York Times“ schrieb beispielsweise, dass das systematische Treffen von Dnepr-Brücken drohe, zu einem großen logistischen Kollaps für die Hauptstadt und das ganze Land zu führen, da alternative Verbindungswege in der Stadt eingeschränkt seien. Nach Einschätzungen von Experten sei das Ziel der Schläge eine Untergrabung der ukrainischen Wirtschaft, eine Störung der Versorgungsketten und Demoralisierung der Bevölkerung vor dem kommenden Winter. Selenskij bezeichnete dies als eine „neue Doktrin“ der Militärschläge Russlands.

Und die britische Zeitung „Independent“ betonte, dass die Streitkräfte der Russischen Föderation „den entscheidende Vorteil bewahren und in der Luft dominieren, was vor dem Hintergrund der massiven Schläge gegen die Infrastruktur Kiew vor die Gefahr einer Niederlage in den nächsten Monaten stellt“. London müsse die harten Antwortmaßnahmen gegen Moskau inklusive Cyberattacken und einer Anhebung der Verteidigungsausgaben aktivieren, da die große Wahrscheinlichkeit eines Sieges Russlands über die Ukraine kritische Gefahren für die europäische Sicherheit schaffe“ resümieren die Autoren des Blattes „Independent“.

Dabei plant Kiew weiter umfangreiche Kampfhandlungen gegen die Russische Föderation in der Zukunft. Wie Selenskij der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, habe die Ukraine nach Gesprächen mit offiziellen EU-Vertretern in Brüssel in der vergangenen Woche „eine Finanzierung für die Fortsetzung des Erwerbs von Drohnen gesucht, die für die Führung von Kampfhandlungen Anfang des Jahres 2027 notwendig sind“. Dabei betonte er, dass die „Ukraine die Intensität der Schläge gegen russische Erdölverarbeitungsbetriebe als Antwort auf die neue Taktik der Luftschläge Moskaus verdoppeln wird“.

Derweil wollen, wie die Zeitung „The Guardian“ meldet, ausländische Diplomaten Kiew verlassen. Das Blatt berichtete, dass die westlichen Länder Pläne für eine Verlegung ihrer Botschaften aus Kiew im Falle einer Verschlechterung der Situation in Bezug auf die Sicherheit ausarbeiten würden. Nach Aussagen von Quellen des Blattes könnten die diplomatischen Mission nach Lwow oder in den Osten Polens „im Falle unvorhergesehener Umstände“ verlegt werden. Das ukrainische Außenministerium dementierte dies, wobei es mitteilte, dass es von den ausländischen diplomatischen Missionen keine Mitteilungen über Pläne, die Botschaften aus Kiew zu verlegen, erhalten habe.

Medien berichteten über eine Sondersitzung des Verteidigungsrates von Kiew aufgrund der Einschränkungen für den Verkehr über die Dnepr-Brücken nach „einigen Treffern“. Neben ihnen sind jetzt Positionen von Luftverteidigungsmitteln eingerichtet worden. Der ukrainische Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Transportwesen Nikolaj Kalaschnik betonte, dass in Kiew ab der neuen Kalenderwoche geplant sei, den Bau mehrerer Reserve-Pontonbrücken über den Dnepr zu beginnen. Und in der Perspektive werde die Möglichkeit des Baus eines Tunnels unter dem Fluß erörtert.

Bei der Erklärung des genauen Treffens von Brücken in Kiew erklärte der Berater des ukrainischen Staatsoberhauptes Sergej Beskrestnow, dass es in Kiew russische Relaissender gebe, die Angriffsdrohnen einen Steuerungskanal für die Korrektur von Schlägen sichern würden. Nach seinen Worten sei es schwer, solche Anlagen auszumachen. Solange sie jedoch arbeiten würden, werde es schwer sei, die Stadt vollkommen durch Mittel für den funkelektronischen Kampf zu schützen.

Im Übrigen hatte am Samstag, dem 3. Oktober Moskau erneut ausländische Bürger und Diplomaten vor einem Aufenthalt in Kiew und unweit von militärischen Objekten der Ukraine gewarnt (https://mid.ru/ru/foreign_policy/news/2151808/?lang=de). Bisher wirken aber scheinbar solche Warnungen nicht auf die „Freunde der Ukraine“. Am Sonntag, dem 4. Oktober, als über der Stadt noch russische reaktiven Drohnen im Einsatz waren, traf der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew ein. Er gab ein neues Hilfspaket für die Ukraine bekannt, das Waffen im Wert von rund einer Milliarde Euro einschließt, kündigte aber auch 350 Millionen Euro für den Wiederaufbau des ukrainischen Energiesektors an. Merz führte gleichfalls Gespräche über die gemeinsame Herstellung unterschiedlicher Typen von Drohnen, darunter von Abfangdrohnen, aber auch von weitreichenden Waffen.

Wie früher mitgeteilt wurde, hat die Bundesrepublik Deutschland Kiew bei der Schaffung der ballistischen FP-7-Rakete aus eigener Fertigung geholfen, wobei für diese ein Selbstsucher-Kopf bereitgestellt wurde. Die Rakete an sich und deren Luftabwehr-Modifikation hat das ukrainische Unternehmen Fire Point entwickelt. Und wie Selenskij mitteilte, ist in der vergangenen Woche deren erster Kampfeinsatz mit einer Reichweite von rund 250 Kilometern bekanntgegeben worden. Vertreter Deutschlands haben Luftabwehrraketen für Selbstfahrstartrampen des Typs Gepard versprochen und übergeben, die jetzt die Dnepr-Brücken in Kiew sichern sollen.

Unterstützung erhält Kiew auch von anderen Ländern Europas. Der ukrainische Außenminister Alexej Sibiga teilte mit, dass die Ukraine in der nächsten Zeit mehrere Millionen 20-Millimeter-Geschosse für F-16-Jagdflugzeuge erhalten könne, die für eine Bekämpfung reaktiver Drohnen genutzt werden. Spanien, Belgien und Polen haben angeblich bereits den Prozess der Übergabe dieser Munition begonnen. Selenskij ist der Auffassung, dass die amerikanischen F-16-Jagdflugzeuge der vierten Generation derzeit am effektivsten gegen reaktive Drohnen seien. Aber rund die Hälfte der Flugzeuge, die der Ukraine übergeben worden sind, befinden sich lange in Europa zwecks Instandsetzungsarbeiten. Kiew würde gern deren Wartung auf das Territorium der Ukraine verlegen.

„Ich denke, dass diese Frage kaum in der NATO unterstützt wird“, sagte der „NG“ der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin. „Erstens mangelt es der Ukraine an qualifizierten Fachkräften für eine Wartung und Reparatur von F-16-Flugzeugen. Zweitens wollen dies die Amerikaner nicht, da unter ihrer Kontrolle und mit ihren Geldern derzeit die Instandsetzung der an Kiew übergebenen Jagdflugzeuge erfolgt“.