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Ungeschriebene Regeln für den staatlichen Auftrag für Filme


Filme und Serien, in denen Mitarbeiter der Rechtsschutzorgane Bestechungen annehmen oder an kriminellen Schemas teilnehmen, können eine staatliche Finanzierung verlieren. Laut Medienberichten hätten das Kulturministerium Russlands und das Institut für die Entwicklung des Internets (IEI) – einer der größten Verwalter staatlicher Gelder für Filmproduktionen – den Filmstudios solch eine Position vermittelt.

Formal ist diese Regel nicht verankert worden. Dabei existierten auch früher andere inoffizielle Einschränkungen. Der Generaldirektor des IEI, Alexej Gorjeslawskij, sagte, dass die Organisation keine Filme über Psychopathen, Triebtäter und Serienmörder unterstütze. Derartige Inhalte würden nach seinen Worten an einer ungesunden Neugier des Publikums parasitieren. Und Sujets über Korruption in den Rechtsschutzorganen (die in Russland eine bekannte Erscheinung ist, wie erst jüngst wieder die Benzinkrise demonstriert hat – Anmerkung der Redaktion) können, wie Teilnehmer des Marktes annehmen, aus dem gleichen Grunde unter eine Beschränkung fallen, da sie das Vertrauen in die staatlichen Institutionen untergraben würden.

Bisher geht nur um eine Verwehrung staatlicher Gelder. Der Staat hat auch härtere Hebel. Laut Gesetz wird den Filmen keine Verleih-Erlaubnis erteilt, die die traditionellen russischen geistigen und moralischen Werte diskreditieren oder negieren würden. Solche Inhalte sind heutzutage verboten. Im Frühjahr hatten auf Verlangen der Aufsichtsbehörde Roskomnadzor die Online-Kinos Russlands die dritte Staffel der russischen Serie „Die Methode“ entfernt: Eine Überprüfung des Kulturministeriums will in ihr Materialien gefunden haben, die diese Werte diskreditieren würden. Worin konkret das Problem bestand, wurde nicht mitgeteilt. Doch die Serie handelt bekanntlich von Psychopathen.

Es gibt aber auch positive Kriterien. Der Staat unterstützt direkt Projekte, die als die traditionellen Werte festigende erklärt wurden und den thematischen Prioritäten des Kulturministeriums entsprechen. Willst du Gelder aus dem Staatshaushalt, drehe beispielsweise über eine Familie und Kinder, über militärisches Heldentum und die Einheit der Völker.

Die Erörterung dieser Situation läuft gewöhnlich auf eine Zusammenprallen von zwei banalen Umständen hinaus. Einerseits ist der Staat berechtigt, nach seinem Ermessen über den Haushalt zu verfügen. Und in besonderen Fällen die Verbreitung eines bestimmten Contents einzuschränken. Andererseits aber, wenn man die unbequemen Tatsachen umgeht und nur ein geschöntes Bild von der Wirklichkeit zeichnet, wird es unglaubwürdig. Es gibt aber auch noch mehrere wesentliche Umstände.

Der erste ist die Unbestimmtheit der Grenzen. Weshalb man konkret die dritte Staffel von „Die Methode“ untersagte, ist nicht triftig erklärt worden. Aufgrund der widersprüchlichen Personen? Entsprechend dem Sujet helfen die einen Psychopathen, andere zu fassen (das Schema erinnert im Übrigen an „Das Schweigen der Lämmer“, dem Hollywood-Klassiker von 1991). Es ist verständlich, dass man nicht alle Regeln absolut klar formulieren kann. Aber wenn die Autoren zu oft zwischen den Zeilen lesen müssen, sind eine Subjektivität der Bewertungen und eine Selbstzensur unausweichlich.

Der zweite ist die ausbleibende Flexibilität. Das Verbot für ganze Themen geht augenscheinlich von der Annahme aus, dass ihre kreative Aufarbeitung unweigerlich zu einer Verlogenheit und düsteren Überzeichnung führt, die die gesellschaftliche Moral zersetzen. Es geht aber auch anders. Die erfolgreichste chinesische TV-Serie der letzten Jahre — „Im Namen des Volkes“ („Rénmín de míngyì“) aus dem Jahr 2017 – ist der Korruptionsbekämpfung gewidmet. Da werden riesige Summen von Bestechungsgeldern, Vetternwirtschaft, Verschwörungen von Beamten, darunter aus dem Rechtsschutzsystem gezeigt. Die Serie wurde mit Unterstützung der Obersten Volksstaatsanwaltschaft Chinas produziert. Die Entscheidung hatte zweifellos einen bestimmten bürokratischen Mut verlangt. Dieses Beispiel zeigt aber, dass man nicht unbedingt ein brisantes Thema verschweigen muss. Und die öffentliche Moral hatte aufgrund dessen Behandlung nicht gelitten. Umso bezeichnender ist, dass die Serie (mit 55 Folgen) Teil einer offiziellen Kampagne gegen Korruption gewesen war. Das Thema ist nicht gefährlich, wenn sich der Staat seiner sicher ist.

Und ein dritter Umstand – ein vergessenes Ziel. Die staatliche Unterstützung soll, wie es scheint, vor allem Bedingungen dafür schaffen, damit qualitativ hochwertige, interessante und „starke“ Filme gedreht werden. Gerade dies ist das Wichtigste. Man kann einen guten Streifen zu einem nicht einfachen Thema auch entsprechend einem direkten staatlichen Auftrag drehen. Wenn aber ein Film ein schlechter, stümperhafter und langweiliger, aber thematisch und ideologisch tadelloser ist, sind dies nicht nur vergebliche Ausgaben, sondern auch ein direkter Schaden für die Werte, die er verteidigen sollte: Der Zuschauer wird sich von ihnen zusammen mit dem gefloppten Film abwenden.