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Es ist schwierig, den Exodus der jungen Menschen aus dem Fernen Osten zu stoppen


Die Schaffung neuer Industrieunternehmen im Fernen Osten oder die Vergabe des sogenannten „fernöstlichen Hektars“ (gemeint ist die kostenlose Bereitstellung von Bodenflächen für eine weitere Nutzung durch die Empfänger – Anmerkung der Redaktion) sind nicht in der Lage, den Bevölkerungsexodus aus den Regionen des Fernöstlichen föderalen Bezirks zu stoppen. Die Migration der Bevölkerung aus dem Bezirk wird andauern, wenn auch mit einem geringeren Tempo. Solche Schlussfolgerungen haben Spezialisten des Instituts für soziale Demografie der Russischen Akademie der Wissenschaften gezogen. Sie verweisen darauf, dass in vielen Regionen des Fernen Ostens mit einem rauen Klima die Löhne und Gehälter heute unter dem russischen Durchschnittsniveau bleiben würden. Die von der russischen Regierung bestätigte neue Strategie für die Entwicklung des Fernöstlichen föderalen Bezirks bis zum Jahr 2030 sieht eine Fortsetzung des Migrationsexodus in einem Basis-Szenario vor. Freilich wollen die Offiziellen im angestrebten Szenario die Bevölkerungszahl des Bezirks durch einen Migrationszustrom im Umfang von über 140.000 Menschen stabilisieren.

Die heutige Migrationssituation im Fernen Osten Russlands wird durch einen stabilen Bevölkerungsexodus geprägt. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Region junge Menschen und Spezialisten verliert. Und dies schaffe eine Gefahr für die demografische, wirtschaftliche und politische Sicherheit des Territoriums, wird in einer Studie von Sergej Tkatschjow, des leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiters des Akademie-Instituts für soziale Demografie, betont. Zu den entscheidenden Ursachen für den Bevölkerungsexodus rechnet er wirtschaftliche Gründe, und zwar die geringen Einkommen der Bevölkerungsmehrheit bei den gleichzeitig hohen Preisen in der Region. Noch ein wichtiger Grund für den Weggang der Bevölkerung sind die Infrastruktur-Probleme, die geringe Transport-Zugänglichkeit und die geringe Lebensqualität. Der Autor verweist auf Vergleichszahlen für die Lebensqualität in den Regionen Russlands entsprechend einer 100-Punkte-Skala. Im Durchschnitt wird die Lebensqualität in den Regionen des Fernöstlichen föderalen Bezirks mit 40,7 Punkten bewertet, während in Moskau die Bewertung für die Lebensqualität über 79 Punkte liegt.

In vielen Gebieten des russischen Fernen Ostens, für die raue Klima-Bedingungen charakteristisch sind, liege der Reallohn unterhalb des für Russland durchschnittlichen, unterstreicht der Experte. Laut Angaben des russischen Statistikamts Rosstat hat in der Tat der durchschnittliche monatliche nominelle berechnete Lohn im Juli dieses Jahres mehr als 109.500 Rubel ausgemacht. Und dies ist mehr als der durchschnittliche berechnete Lohn zum Beispiel in Burjatien (90.600 Rubel), in der Verwaltungsregion Transbaikalien (105.700 Rubel) oder in der Verwaltungsregion Primorje (106.000 Rubel).

Eine wichtige Ursache für den Weggang junger Menschen ist der Wunsch, eine qualitativ gute Ausbildung und Perspektiven für ein Karrierewachstum zu erhalten. Außerdem fördern den Bevölkerungsexodus im Fernen Osten die schwierigen Klima-Bedingungen, die relativ geringe Zugänglichkeit einer qualitativ guten Ausbildung und Medizin, aber auch die Attraktivität der zentralen und südlichen Regionen des Landes, wo oft Verwandtschaftsbeziehungen bewahrt werden.

Das Hauptziel der neue Strategie für die Entwicklung der Region sei eine Fortsetzung der Umgestaltung des Fernöstlichen föderalen Bezirks in eine konkurrenzfähige und für das Leben komfortable Makroregion mit einer hochtechnologischen und diversifizierten Wirtschaft und modernen Infrastruktur, die eine Schlüsselrolle bei der Kooperation Russlands mit den Ländern der asiatisch-pazifischen Region spielt, erklärte im vergangenen September Premierminister Michail Mischustin. „Das Erreichen dieses Orientierungsziel sieht den Start eines neuen Investitions- und Technologie-Zyklus nicht nur durch eine Erhöhung der Förderung und Verarbeitung von Bodenschätzen vor, sondern auch, was sehr wichtig ist, durch eine Erweiterung der Wirtschaft für eine tiefe Verarbeitung, Entwicklung von Wissenschaft und Technologien, aber auch durch eine Verbesserung des Geschäftsklimas“, hatte der Regierungschef betont.

Der Anteil des regionalen Bruttoprodukts des Fernöstlichen föderalen Bezirks am gesamten regionalen Bruttoprodukt der Russischen Föderation soll von den gegenwärtigen 6,3 bis auf 6,7 Prozent im Jahr 2030 entsprechend dem verhaltenen Strategie-Szenario oder gar bis auf sieben Prozent im Ziel-Szenario ansteigen. Dabei soll der Anteil der Erzeugnisse der hochtechnologischen und wissenschaftsintensiven Branchen am regionalen Bruttoprodukt des Fernöstlichen föderalen Bezirks im Jahr 2030 von den gegenwärtigen 13,1 bis auf 15 oder 15,1 Prozent gemäß dem verhaltenen bzw. Ziel-Szenario ansteigen.

Die Region des Fernen Ostens sei auf eine Industrie aus, wobei oft auf eine recht fortgeschrittene. Aber nur allein diese Unternehmen könnten nicht das Problem des Bevölkerungsexodus lösen. Genauso wie auch nicht die Angebote von einem oder mehreren Hektar Boden, meint der Autor der Studie. Das Wettmachen des Bevölkerungsexodus durch Migranten verursache eine Vielzahl von Problemen. „Die Zunahme der epidemischen Erkrankungen im Land hängt in erheblichem Maße mit dem intensiven Zustrom von Migranten aus Ländern des nahen Auslands zusammen, besonders der illegalen. Allein im Jahr 2009 (also vor 17 (!) Jahren — Anmerkung der Redaktion) waren rund 1000 Arbeitsmigranten HIV-infizierte, rund 2000 waren an Tbc erkrankt, und fast 2.500 litten unter Geschlechtskrankheiten“, erinnert Sergej Tkatschjow (der offensichtlich über keine aktuelleren Zahlen verfügte – Anmerkung der Redaktion). Nach seinen Worten würden bald in den Fernen Osten große Gruppen von Koreanern aus der KDVR für Arbeiten auf Baustellen und in der Landwirtschaft kommen. „Dies sind von den Behörden Nordkoreas kontrollierbare Arbeitseinheiten, die motivierte sind und keine Probleme schaffen. Die Gesamtzahl solcher Migranten kann eine Million Menschen erreichen“, prognostiziert der Experte. Jedoch wird die Ankunft von Arbeitsmigranten aus der KDVR nicht das Problem der Verringerung der ständigen Bevölkerung des Fernöstlichen föderalen Bezirks lösen.

Die Strategie für die Demografie-Politik im Fernöstlichen föderalen Bezirk, die jüngst durch Russlands Regierung bestätigt wurde, enthalte eine Reihe konkreter Maßnahmen, die auf eine Verbesserung der Lebensqualität der Menschen, eine Erhöhung der Geburtenrate, die Vervollkommnung des Systems zur Unterstützung von Familien mit Kindern sowie die Schaffung von Bedingungen für eine Selbstregulierung sowie Gewinnung von Studenten und gefragten Spezialisten abzielen würden, erläutern Beamte des Ministeriums für die Entwicklung des Fernen Ostens. Das Hauptziel sei nach ihren Worten, dass in allen Regionen des Fernen Ostens in den nächsten zehn Jahren mindestens 7,86 Millionen Menschen leben. Laut Angaben von Rosstat lebten im Jahr 2020 im Fernöstlichen föderalen Bezirk 7,976 Millionen Menschen. Doch bis Anfang 2024 hatte sich die Bevölkerungszahl um fast 100.000 Menschen verringert.

Zu einem neuen schnell wachsenden Wirtschaftssektor im Fernen Osten sollen die sogenannten kreativen Industrien werden – Musik, Film, Fernsehen, Videospiele, Architektur und Urbanistik, Werbung, Mode und Design, erklärte man in der föderalen Regierung (die weit weg vom Fernen Osten in Moskau ihren Sitz hat – Anmerkung der Redaktion). Bis zum Jahr 2030 soll im Rahmen der Realisierung von Master-Plänen für Zentren eines Wirtschaftswachstums in Blagoweschtschensk, Wladiwostok, Chabarowsk, Jakutsk und in anderen Städten ein Netzwerk kreativer Cluster mit einer Gesamtfläche von mindestens 100.000 Quadratmetern geschaffen werden. Daneben ist geplant, das Netz der Colleges und Hochschulen für kreative Berufe zu erweitern. Diese Maßnahmen würden erlauben, den Anteil der Einwohner des Fernen Ostens zu erhöhen, die in der kreativen Wirtschaft tätig sind. Von neun Prozent entsprechend den Ergebnissen des vergangenen Jahres bis auf 15 Prozent im Jahr 2036. Die Entwicklung des Sektors der kreativen Wirtschaft werde ermöglichen, begabte junge Menschen in den fernöstlichen Regionen zu halten, sagen Staatsbeamte.

„Es muss ein Kulturbild des Fernen Ostens mit Hilfe von Museums- und Ausstellungskomplexen, von Geschichten und Narrativen geschaffen werden. Gegenwärtig gibt es in der Makroregion einen Boom von Museumsneubauten. Errichtet werden gleich sieben Museen“, teilte der Vorsitzende des öffentlichen Rates beim Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens und Direktor des Museums zur Geschichte des Fernen Ostens, Viktor Schalajon, mit.