Amerikanische Medien bewerten die aktuellen Beziehungen von US-Präsident Donald Trump und des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij als einem Konflikt nahekommende. Axios schreibt, dass Trump „erbost über Selenskij“ sei, das der „die Unterstützung Washingtons als ein Muss auffasst“. Nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Bloomberg schaue der amerikanische Präsident immer häufiger durch das Prisma der Brenn- und Kraftstoffpreise auf den russisch-ukrainischen Konflikt. Er sei darüber ungehalten, dass Selenskij nicht seinen Bitten Gehör schenke und weiter Schläge gegen Raffinerien in der Russischen Föderation führe. Von Bloomberg befragte Militäranalytiker nehmen an, dass Washington aufhören könne, Aufklärungsdaten an Kiew weiterzugeben, die es für Schläge gegen Erdölraffinerien nutzt, aber auch aufhören könne, Waffen im Rahmen des NATO-Programms zu liefern.
Man kann sagen, dass dies seit Februar vergangenen Jahres und des berühmten verbalen Zoffs von Trump und Selenskij im Oval Office der tiefste Punkt in den Beziehungen der beiden Präsidenten, auf jeden Fall in deren öffentlichen Dimension ist. Der Berater des US-Präsidenten Alex Bruesewitz schrieb im sozialen Netzwerk X: „Man muss aufhören so zu tun, dass Selenskij ein guter Verbündeter ist“. Nach seinen Worten schade der ukrainische Präsident „Trump und dem amerikanischen Volk“. Selbst Trump hat direkt die Ukrainer aufgefordert, einen neuen Präsidenten zu wählen, „der einen Deal abschließen kann“. Er ist der Auffassung, dass Selenskij mit dem Führen von Schlägen gegen russische Raffinerien Probleme für die amerikanischen Farmer und Viehzüchter schaffen wolle. Der ukrainische Präsident erwiderte, dass es eine Sache seines Volkes sei zu entscheiden, wer das Land führen wird. Doch zu Wahlen sei er vom Prinzip bereit, wenn der russische Präsident Wladimir Putin einer 60tägigen Feuerpause zustimmt. (Dies ist aber am Montag noch einmal in Moskau ausgeschlossen worden, lediglich für den Wahltag könne Russland eine Feuerpause erklären. — Anmerkung der Redaktion)
Trump hat mehrfach im Zusammenhang mit den Kraftstoffpreisen die Farmer, Viehzüchter und Trucker (LKW-Fahrer) erwähnt, das heißt die Wählerschaft der Republikaner. Den Versuch zu unternehmen, die Preise für Kraftstoffe zu drücken, ist für ihn vor den Kongress-Wahlen am 3. November sehr wichtig. Der amerikanische Präsident spricht und schreibt im sozialen Netzwerk Truth Social viel und oft, seine Stimmung ändert sich. Nicht selten beeilt er sich, über noch nicht stattgefundene Ereignisse kundzutun, zum Beispiel über eine Energie-Waffenruhe, die weder Moskau noch Kiew offiziell bestätigt haben. Aber die aktuellen Prioritäten von Trump kann man verstehen. Derzeit sind dies die Wahlen. Und es ergibt sich da, dass Putin, mit dem der Hausherr des Weißen Hauses innerhalb von zehn Jahren keine schlechten Beziehungen erreicht hat, dem geholfen hat, indem er auf den Diesel-Deal eingegangen ist. Selenskij aber, dem gegenüber sich Trump ohnehin auch mit einem gewissen Maß an Misstrauen verhält, wirft dagegen Knüppel ins Räderwerk.
Bedeutet der Unmut Trumps über Selenskij derzeit, dass Russland dem Abschluss eines Friedensvertrages zu seinen Bedingungen nahegekommen ist? Während des jüngsten Telefonats mit dem amerikanischen Präsidenten hatte, wie mitgeteilt wurde, Wladimir Putin erklärt, dass die Ziele der militärischen Sonderoperation unveränderte seien. Diese Ziele sind bekannt. Unter ihnen sind die Wichtigsten die Aufgabe der territorialen Ansprüche Kiews und dessen neutraler Status plus eine Verankerung dieser Bestimmungen auf der Ebene von Verträgen, Instituten und Garantien. Zur gleichen Zeit haben die russischen Offiziellen mehrfach erklärt, dass sie bereit seien, die Frage auf diplomatischem Wege zu lösen. Dies könnte Kompromisse und Zugeständnisse bedeuten, von denen nach Anchorage gesprochen wurde. Jedoch hat Moskau schon zu verstehen gegeben, dass Washington keinen Druck auf Kiew ausgeübt habe, es nicht gezwungen habe, rechtzeitig die Angebote anzunehmen. Und jetzt versucht Russland, indem es die militärische Sonderoperation fortsetzt und auf die ukrainische Schläge gegen die Infrastruktur antwortet, die Verhandlungspositionen der Ukraine bis zu solch einem Grade zu schwächen, dass es eine Beendigung des Konflikts an sich als einen Kompromiss ansieht.
Derart ist die Sichtweise Moskaus. Eine potenzielle, sogar zeitweilige Aufgabe einer Hilfe für Kiew durch Washington hilft ihm (Moskau), dem Ziel nahezukommen. Daher ist es wichtig, den Wechsel der Prioritäten von Trump auszunutzen und rechtzeitig die Fähigkeit zu demonstrieren, als Partner Vereinbarungen abzuschließen. Jegliche Zwischen-Deals mit Kiew ohne das garantierte Erreichen eines finalen Friedensvertrages lassen das Ziel in die Ferne rücken, helfen der Ukraine, zumindest teilweise die Kräfte wiederherzustellen.