Der 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des ZK der KPRF, Jurij Afonin, hat das Partei-Aktiv der Verwaltungsregion Wologda an die Aufgaben der nächsten Zeit erinnert. Dies sind die Gewinnung junger Menschen, insgesamt eine Erhöhung der Mitgliederzahl und eine Verstärkung der Parteistrukturen. Dieses Verwaltungsgebiet hatte der Partei eines der besten Ergebnisse bei den jüngsten Staatsduma-Wahlen gebracht. Und die Kommunisten-Fraktion im Regionalparlament hat sich verdoppelt. Es gibt aber eine Frage: Nicht etwa aufgrund des Bestehens eines innerparteilichen Konflikts in dieser Region? Dabei haben laut Angaben der KPRF 27 Gebietskomitees bisher überhaupt nicht die Ergebnisse der Wahlen bilanziert. Und 15 haben ihnen keine politische Wertung gegeben. Logischer wäre es da bereits, nicht so sehr solch eine Konstruktion zu verjüngen als vielmehr zu erneuern.
Der 49jährige Afonin begrüßte die Leistungen der Wologda-Kommunisten bei allen Wahlen, ging aber besonders auf die Erfolge ein, die in Tscherepowez erzielt wurden. Die Partei hatte in allen städtischen Wahlbezirken gesiegt und damit gleich vier Abgeordnete in das Parlament der Region gebracht. Insgesamt verdoppelte sich dort die Mitgliedszahl der KPRF-Fraktion.
Das Ergebnis der Staatsduma-Wahlkampagne im Verwaltungsgebiet Wologda war auch zu einem der besten für die KPRF geworden. Dies ist ein fester zweiter Platz hinter „Einiges Russland“. Jedoch hatte es hier im Unterschied zu den anderen Subjekten der Russischen Föderation zwischen beiden Parteien keinen erheblichen Abstand gegeben. Dabei zeigte Afonin durchaus anschaulich, dass er begreift, worin die Ursache für die Wologda-Siege der Kommunisten besteht, die buchstäblich umwerfende vor dem Hintergrund einer ganzen Serie von Misserfolgen und Niederlagen der KPRF insgesamt im Land waren. Es sei daran erinnert, dass in dieser Region der Konflikt innerhalb der Elite zwischen dem amtierenden Gouverneur des Verwaltungsgebietes Wologda Georgij Filimonow und der früher im Gebiet herrschenden Gruppierung, die in Tscherepowez ihre Basis hat, nicht aufhört. Dieser Konflikt ist vor allem einer hinter den Kulissen und auf dem Informationsgebiet. Doch bei den Wahlen wurde er bereits in vollem Maße offenkundig. Und es ergibt sich, dass die jetzigen Herrschenden es nicht vermocht haben, den Kontrahenten eine vollwertige Abfuhr zu erteilen.
Urteilt man anhand der sozialen Netzwerke von Filimonow ist der Besuch der Region Wologda durch Afonin zu einem großen Ereignis für diese geworden. Man kann jedoch nicht ausschließen, dass eher seitens der KPRF dem Gouverneur gewisse Erläuterungen gegeben worden waren. Zumindest sieht der Ton der Mitteilungen über Details des Afonin-Besuchs mehr als ein gönnerhafter aus. Ja, und die Erklärungen des 1. Stellvertreters des ZK-Vorsitzenden an sich bei dem Treffen mit dem Wologda-Parteiaktiv über eine unumgängliche Verjüngung der Reihen klingen möglicherweise wie eine Warnung an jene, die administrativen Ressourcen der gegen den Gouverneur kämpfenden Kräfte in Anspruch genommen hatten.
Im Rahmen des Aufenthaltsprogramms von Afonin hatte Filimonow den Kommunisten natürlich zu einem der Stalin-Denkmäler in Wologda geführt – zu dem, dass sich im Hof des Museums „Wologda-Verbannung“ befindet und gleichfalls dem sowjetischen Führer gewidmet ist. Der Gouverneur erinnerte den 1. Stellvertreter des ZK-Vorsitzenden gleichfalls daran, dass sein Vorschlag gültig bleibe, in der Region Wologda einen Gesamtrussischen Kongress der linkspatriotischen konservativen Organisationen auszurichten. Jedoch ist es durchaus verständlich, dass bei Bestehen der heutigen Regionalorganisation der KPRF dies wohl kaum möglich sein wird.
Folglich bleibt die Frage: Wird die KPRF-Führung den regionalen Herrschenden entgegenkommen, die offenkundig auf ihrem Territorium eine loyale linke Opposition haben wollen, oder wird sie weiter zwischen den zwei administrativen Ressourcen lavieren? Derweil demonstrieren die Wahlergebnis insgesamt im Land, dass es in einer verstärkten Loyalität der einheimischen Kommunisten gegenüber den Herrschenden der Subjekte der Russischen Föderation nichts außerordentliches gibt. Solch eine Situation besteht bereits in mindestens einem Drittel der Regionen, wenn nicht gar in mehr. Solch eine Schlussfolgerung drängt sich dank dem Bericht des Zentrums für Untersuchungen der politischen Kultur Russlands auf, in dem analysiert worden ist, wie die Gebietskomitees die jüngsten Staatsduma-Wahlen und die Wahlen zu anderen legislativen Machtorganen bilanzierten.
„Das Bild hat sich als ein recht buntes erwiesen“, teilte das Zentrum mit. So hatten sich von 88 Regionalorganisationen zu den Wahlergebnissen 61 öffentlich ausgesprochen (69 Prozent). 27 Regionalorganisationen hatte keine Materialien vorgelegt. Die entsprechenden Internetseiten arbeiteten nicht oder wurden nicht aktualisiert, oder es wurden keine Materialien gefunden. Dies sind etwa ein Drittel der Gebietskomitees, die sozusagen die Wahlkampagne nicht bemerkt hatten oder ihr keine große Bedeutung beigemessen hatten. Die Sache ist die, dass einzelne 1. Sekretäre sich doch zu diesem Thema in anderen Massenmedien geäußert hatten, aber nur nicht auf den Partei-Ressourcen. Allerdings haben auch jene Gebietskomitees, die beschlossen hatten, die Wahlen zu bilanzieren, sich in mehrere Gruppen aufgeteilt. „Eine inhaltlich Bewertung haben den Ergebnissen der Wahlen vom 20. September 2026 39 Regionalorganisationen (44 Prozent) gegeben. 15 Regionalorganisationen (17 Prozent) erkennen direkt die Wahlergebnisse nicht an (vollkommen oder auf einem Teil des Territoriums), 13 (15 Prozent) bezeichnen die Wahlen als unehrliche oder gefälschte ohne eine Formel für eine Nichtanerkennung. Und elf (12,5 Prozent) beschränkten sich auf eine Kritik an der Prozedur (elektronische Fernabstimmung, mehrtägige Abstimmung, administrative Ressourcen)“, heißt es im Bericht des Zentrums für Untersuchungen der politischen Kultur Russlands. Dabei muss auch solch eine Besonderheit berücksichtigt werden: In einigen Regionen haben sich die Kommunisten auf einen Nachdruck der politischen Erklärung des ZK-Präsidiums der KPRF zu den Ergebnissen der Kampagne beschränkt.
Außerdem haben, wie das Zentrum ausweist, „weitere 22 Regionalorganisationen (25 Prozent) keine politische Reaktion abgegeben: Sie veröffentlichten Dankesworte an die Wähler, Berichte über Plenums und Sitzungen des Büros oder positive Bewertungen über das eigene Ergebnis – ohne eine politische Bewertung der Wahlen“. Hier gibt es gleichfalls eine interessante Statistik: Sieben Gebietskomitees bewerteten die Wahlergebnisse positiv, acht bekundeten den Wählern Dank, und weitere sieben veröffentlichten lediglich neutrale Informationen. Das Gesamtfazit der KPRF-Analytiker ist solch eines: Eine einheitliche harte Linie in der Reaktion der Regionalorganisationen der Partei ist nicht auszumachen. Somit hat sich die Konstruktion der KPRF als eine nicht ganz nicht nur auf die eigentliche Wahlkampagne, sondern auch auf politische PR-Aktionen um deren Verlauf und deren Parameter vorbereitete erwiesen. Es ist offensichtlich, dass man solch eine Partei auch weiter zu einer Verstärkung der Loyalität nötigen wird – sowohl über deren Führungsriegen als auch unten (über die Basis – Anmerkung der Redaktion). Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich für die künftige Generation kommunistischer Führungskräfte solch eine Situation gerade als die komfortabelste erweisen wird.