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China will Militärstützpunkt in Tadschikistan bauen


Duschanbe hat bekanntgegeben, dass Peking ihm 8,5 Millionen Dollar für den Bau eines Stützpunktes neben Afghanistan bereitstellen werde. Chinesische Soldaten werde es dort nicht geben. Kommentatoren in Hongkong bringen diese Entscheidung mit zwei Faktoren in einen Zusammenhang – erstens mit den Befürchtungen in der Volksrepublik China, dass über die schlecht gesicherte tadschikisch-afghanischen Grenze uigurische Rebellen nach Xinjiang gelangen könnten. Zweitens möchte Peking Bedingungen für die Realisierung des Plans einer „Neuen Seidenstraße“ gewährleisten. Dass China zum hauptsächlichen Investor und Warenlieferanten für Tadschikistan geworden ist, steht außer Zweifel. Die Russische Föderation bleibt aber der wichtigste militärische Beschützer der Republik, aber auch ein Magnet für deren Arbeitsmigranten.

Wie die „South China Morning Post“ betont, sei die Mitteilung über die Finanzierung der Errichtung eines Stützpunktes noch ein Beleg dafür, dass die Präsenz von Peking in Zentralasien weiter zunehme.

Was Tadschikistan angeht, so müssen hier zwei Momente beachtet werden. Die ärmste der früheren Sowjetrepubliken in dieser Region hat mit Afghanistan eine gemeinsame, 1357 Kilometer lange Grenze, und mit dem Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang – eine 447 Kilometer lange, wobei ein Großteil von ihr durch Gebirge verläuft. Es ist völlig klar, warum Peking darüber besorgt ist, dass die in Afghanistan und Syrien agierenden extremistischen Gruppierungen inklusive der uigurischen Rebellen das Territorium Tadschikistans für ein Vordringen nach China ausnutzen können.

Nach dem chaotischen Rückzug der USA aus Afghanistan waren über 1.000 afghanische Militärs nach Tadschikistan geflohen. Ausländische Analytiker erklären, dass für China das entscheidende Interesse die Sicherheit seiner Grenzen in Zentralasien sei. Und diese Aufgabe kann es lösen, indem es seinen Einfluss in der Region verstärkt. Im Jahr 2018 machten Chinas Investitionen in Tadschikistan 37 Prozent aller direkten ausländischen Investitionen im Land aus.

Beide Länder verfolgen eine harte Linie gegenüber denjenigen, die die Ideen des radikalen Islams predigen. China führt in Xinjiang seit einem Jahrzehnt eine Kampagne gegen Terrorismus und Extremismus durch. Die westlichen Länder haben China Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, unter anderem die Internierung von Uiguren in Lagern und die Ausnutzung von Zwangsarbeit.

Zur gleichen Zeit hat Peking versucht, die separatistische Bewegung in Xinjiang zu unterdrücken, indem es zu diplomatischen Mitteln griff. Im Jahr 2016 haben China, Pakistan, Afghanistan und Tadschikistan einen Antiterror-Mechanismus etabliert. Vorgesehen wurde, dass die Teilnehmer Aufklärungsinformationen austauschen und gemeinsame Militärmanöver durchführen werden. Nach der Machtübernahme durch die „Taliban“-Bewegung (die in Russland verboten ist) bleibt aber das Schicksal dieses Mechanismus ein unklares.

Jyh-Shyang Sheu, wissenschaftlicher Assistent am Institute for National Defense and Security Research in Taipei, sagt, dass nach 2016 folgende Informationen aufgetaucht waren: Chinesische Militäreinheiten würden sich doch auf einem Stützpunkt in Tadschikistan neben der afghanischen Grenze befinden. Laut anderen Angaben seien dies keine regulären Einheiten, sondern Formationen der bewaffneten Volkspolizei, das heißt halbmilitärische Einheiten.

US-amerikanische Think Tanks und Medien veröffentlichen regelmäßig Materialien, wonach China Russland aus dessen traditionellen Einflussbereich – aus Zentralasien – verdränge. Einer dieser Beiträge berichtet, dass in der tadschikischen Siedlung Schaimak unweit der Gebirgsgrenze Afghanistans ein geheimer chinesischer Stützpunkt eingerichtet worden sei. Dies demonstriere, dass sich China nicht auf eine Zunahme seines wirtschaftlichen Einflusses beschränke und schrittweise auch die Rolle auf dem Gebiet der Sicherheit erweitere.

In einem Gespräch mit der „NG“ betonte der wissenschaftliche Oberassistenz Wassilij Kaschin aus der Moskauer Hochschule für Wirtschaftswissenschaften: „Chinesische Militärs waren regelmäßig auf dem Territorium Tadschikistans präsent gewesen. Nach der Unterzeichnung eines Abkommens über Terrorismusbekämpfung zwischen Tadschikistan und der früheren Regierung von Afghanistan im Jahr 2016 sind die Chinesen periodisch auf das Territorium der angrenzenden Länder vorgerückt. Dort hatten sie Posten gehabt. Aber dieses Patrouillieren hat nicht in einem einzigen Fall zu einer andauernden militärischen Präsenz geführt. Zur gleichen Zeit gab es die Praxis einer Finanzierung der Errichtung von Militärstützpunkten durch die Chinesen. Das heißt: Peking half den angrenzenden Staaten dabei, dass sie die Sicherheit gewährleisten konnten“.

Nach Aussagen des Experten gelte das Abkommen weiterhin. Und die Chinesen könnten auf das Territorium von Tadschikistan kommen. „Ich denke aber, dass es dennoch nicht um eine ständige erhebliche Anwesenheit geht. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass sich dort Instrukteure oder Mitarbeiter der Aufklärung befinden, die für eine Koordinierung verantwortlich sind“, nimmt Kaschin an. „Für Russland stellen die Patrouillen an einzelnen Abschnitten kein ernsthaftes Problem dar. Nicht Russland hat Posten einzurichten und sich mit dem Schutz des chinesischen Bodens zu befassen. Russland hat einen Stützpunkt in Tadschikistan mit einer Truppenstärke von bis zu 10.000 Mann. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass Russland, China und Tadschikistan die Handlungen ihrer Militärs im Rahmen der Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit koordinieren“.