Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Das Land braucht einen friedlichen Himmel


Im April und Mai dieses Jahres hat sich die Situation im Luftraum über Russland radikal zugespitzt. Zu einem bisherigen Kulminationspunkt wurden die Nächte vom 3. bis 6. Mai. Die Armadas feindlicher Drohnen zählten 334, 536 bzw. 605 innerhalb von jeweils 24 Stunden, meldete das russische Verteidigungsministerium. Tagtäglich müssen derzeit Hunderte registriert werden.

Die systematischen Attacken der Streitkräfte der Ukraine wurden hinsichtlich der Entfernungen zu weitreichenderen, hinsichtlich der Geografie umfangreicher und bezüglich der Taktik organisierter. Es vollziehen sich Veränderungen auf strategischer Ebene, die unweigerlich eine Antwortreaktion der Russischen Föderation auslösen.

Die Attacken ukrainischer Drohnen des Flugzeugtyps („Grimmig“, FP-1, FP-2) haben in der Ural-Region Jekaterinburg, Tscheljabinsk, Orsk und zweimal Perm (1800 bis 1900 Kilometer von der Ukraine entfernt) erreicht. Die Grenzen für Angriffe hat sich bis zum Ural im Osten und bis Murmansk im Norden verschoben und erstreckt sich auf den gesamten Bereich des Kaspischen Meeres im Süden. Faktisch ist zu einer Zone des Drohnen-Krieges bereits der gesamte europäische Teil der Russischen Föderation geworden. Das Hinterland hat sich nach Sibirien verschoben.

Und noch ein Wesenszug in der Taktik der Streitkräfte der Ukraine: die Konzentration der Luftschläge gegen einzelne, besonders wichtige Objekte bis zu deren vollständigen und garantierten Lahmlegung. Hinsichtlich eines Ziels wird eine Serie von Attacken mit Intervallen von mehreren Tagen für eine Bewertung der Zwischenergebnisse vorgenommen. Die Drohnen attackieren wellenartig, wobei eine Netzwerk-Koordination genutzt wird.

Den gesamten April über dauerten Drohnen-Angriffe auf die Hafenkomplexe von Ust-Luga, Primorsk an der Ostsee und gegen andere Objekte des Brennstoff- und Energiekomplexes des Leningrader Verwaltungsgebietes an. Innerhalb einer Nacht zum 3. Mai waren über dem Leningrader Gebiet über 60 feindliche Drohnen abgeschossen worden. Das Hauptziel war Primorsk gewesen, das sich vorbildlich verteidigte.

Zum schwersten Fall des Aprils wurde Tuapse am Schwarzen Meer, wo sich eine für den Export arbeitende überaus große Raffinerie mit einem maritimen Umschlagsterminal befindet. Innerhalb von drei Wochen attackierten Drohnen der ukrainischen Armee viermal Tuapse. Jedes Mal kam es zu großen Bränden (auch mit großen Umweltschäden – Anmerkung der Redaktion). Die Arbeiten zur Beseitigung der Folgen eines Austritts von Erdöl auf dem Land und im Meer dauern.

Noch eine Neuheit ist die, dass für die Attacken gegen das Leningrader Gebiet die Drohnen der Streitkräfte der Ukraine eine Route über Litauen, Lettland und besonders Estland nutzten (deren Regierungen verneinen, dass sie dies sanktioniert hätten). Und die Attacken gegen den Ural konnten laut kursierenden Vermutungen dank einem nichtsanktionierten Eindringen in den Luftraum Kasachstans erfolgen.

Für die Bedürfnisse Kiews werden mit dessen Beteiligung immer mehr neue Linien für eine Massenproduktion von Drohnen in anderen Ländern eingerichtet. Ständig vervollkommnet werden die Gefechtsmöglichkeiten der Drohnen und die Taktik ihres Einsatzes. Hinzugefügt werden satellitengestützte Fernmeldemittel sowie Steuerungsplattformen mit Elementen einer künstlichen Intelligenz. Die erklärten Umfänge der Fertigung von Drohnen machen monatlich hunderttausende und über eine Million im Jahr aus. Selbst wenn nicht alle im Rahmen einer Eigenwerbung verkündeten Pläne der Drohnen-„Millionäre“ aus Kiew aufgehen, ist das Wettrüsten auf dem Gebiet der Drohnen zu einer Tatsache geworden. Ein totaler Luftkrieg erfolgt über dem europäischen Territorium der Russischen Föderation. Zu den Drohnen werden – was durchaus wahrscheinlich ist – Flügelraketen hinzukommen. Auf diese Herausforderung muss unverzüglich reagiert werden.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass zu erstrangigen die seit langem notwendig gewordenen Schritte zu einer Absicherung des Luftraums über besonders wertvolle und anfällige Objekte des Brennstoff- und Energiekomplexes werden.

Laut Angaben von Anfang dieses Jahres befinden sich im europäischen Teil der Russischen Föderation etwa 27 Erdölverarbeitungsbetriebe, unter ihnen acht große (mit einer Verarbeitungskapazität von über zehn Millionen Tonnen). Praktisch gegen all diese Betriebe – in Kirischi, Rjasan, Nishnij Nowgorod, Jaroslawl, Wolgograd, Perm, Tuapse und Moskau – erfolgten zerstörerische Luftangriffe mit danach folgenden Bränden.

Das gleiche Unglück ereilten die Seeterminals für einen Umschlag von Erdöl und Erdölprodukten. An den „gefährdeten“ Meeren – am Schwarzen Meer und an der Ostsee – hat die Russische Föderation zwölf Komplexe für das Umschlagen von Erdöl, Kondensat, Erdölprodukten und LNG. Die größten befinden sich an der Ostseeküste – in Petersburg, Primorsk, Ust-Luga und Wyssozk. Andere bedeutsame sind in den Schwarzmeerhäfen Noworossijsk, Tuapse und Taman. D. h., es gibt sozusagen zwei besonderes maritime Zonen für die Luftverteidigung. Nicht eine von ihnen wird heute zuverlässig abgesichert.

Die beste systematische Arbeit, die Ergebnisse bringt, wird im Leningrader Verwaltungsgebiet geleistet. Gouverneur Alexander Drosdenko informierte über die Errichtung eines Netzes von Betontürmen mit technischen Beobachtungsposten, unter anderem auf Inseln des Finnischen Meerbusens. Die Anzahl der mobilen Gefechtsgruppen, für die aktiv Reservisten unter Vertrag genommen werden, soll bis zum Juni bis zu 150 ausmachen. Diese Anstrengungen, die es verdient haben, in anderen Verwaltungsgebieten studiert zu werden, beseitigen jedoch nicht die globale Bedrohung.

Der totale Drohnen- und Raketen-Krieg, in den Kiew und dessen Verbündeten die Russische Föderation hineinziehen, verlangt eine strategische Antwort des Staates. Anzeichen für deren Vorbereitung tauchen auf: Am 4. Mai wurde der Befehlshaber der Luft- und Kosmos-Streitkräfte abgelöst. An seine Stelle trat Generaloberst Alexander Tschaiko. Augenscheinlich ist ihm die Aufgabe gestellt worden, das gesamte föderale System der Luftverteidigung auf ein entschieden höheres technologisches und organisatorisches Niveau zu bringen. Zu den Luft- und Kosmos-Streitkräften gehören die Luftstreitkräfte, die Kosmos-Truppen und die Truppen der Raketen-abwehr und Luftverteidigung. Dem Land muss ein friedlicher Himmel zurückgegeben werden.