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Den Mangel an Kämpfern wollen die ukrainischen Streitkräfte durch Drohnen wettmachen


Die ukrainischen Militärs führen weiterhin Schläge gegen Erdöl- und Erdgasobjekte der Russischen Föderation. Im Verwaltungsgebiet Leningrad ist nach einer Drohnen-Attacke eine Ölleitung beschädigt worden. Schäden wurden gleichfalls in einem Unternehmen in Nischnij Nowgorod gemeldet. Der Oberkommandierende der Streitkräfte der Ukraine, Alexander Syrskij, hat derweil die 2fache Überlegenheit der russischen Kräfte an der Front eingestanden und als Hauptmittel für die Führung der Gefechtshandlungen Kampfdrohnen bezeichnet. Das Verteidigungsministerium der Ukraine hat seinen Militärs die Vernichtung von Drohnen-Piloten als Ziel gestellt. Für die russischen Truppen für unbemannte Systeme steht an der Front die analoge Aufgabe.

Den Meldungen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation vom Sonntag nach zu urteilen, haben die russischen Truppen innerhalb einer Woche in der Zone der Sonderoperation sieben Ortschaften unter ihre Kontrolle gebracht. Sie haben die Initiative an den meisten Frontabschnitten. Medien berichteten, dass der Oberkommandierende der Streitkräfte der Ukraine, Alexander Syrskij, eingestanden habe: Die Armee Russlands besitze an der Front „eine zweifache Überlegenheit hinsichtlich des Personalbestands und der Technik“. Unter diesen Bedingungen plant man in den Verteidigungskräften der Ukraine, die Ausbildung der Militärs zu verändern und eine Auffüllung der Einheiten der ukrainischen Streitkräfte zu gewährleisten. Ukrainische Gesetzgeber haben neue Mechanismen für die Suche nach denjenigen ausgearbeitet, die gegen die militärische Erfassung verstoßen. Die Konzeption der Gesetzesänderungen für die Mobilmachung ist bereits den Abgeordneten der Werchowna Rada (das Parlament der Ukraine – Anmerkung der Redaktion) vorgestellt worden. Gemäß dem Projekt der Veränderungen werden die Herangehensweisen an die Befreiung von Mitarbeitern kritisch wichtiger Unternehmen vom Militärdienst revidiert werden. Zum Einsatz kommen sollen neue Mechanismen für die Suche nach Wehrdienstverweigerern. Und vorgenommen werden soll gleichfalls eine Reform der territorialen Zentren für eine Auffüllung der Truppen, die die Funktionen von Wehrkreiskommandos wahrnehmen. Die Funktionen der Streifendienste und Überprüfungen werden der Polizei übergeben, berichteten ukrainische Medien.

In den Streitkräften der Ukraine an sich werde man, wie Syrskij erklärte, den Akzent „auf die technologischen Fertigkeiten und die Abwehr von Drohnen“ setzen. Gemeldet wurde gleichfalls, dass in der Armee der Ukraine die Verlegung von Übungsgeländen und Ausbildungszentren in sicherere Gebiete fortgesetzt und Schutzeinrichtungen ausgebaut werden. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nehmen die allgemeine militärische Grundausbildung 68 Truppenteile auf einer eigenen Ausbildungsbasis vor“, berichteten ukrainische Quellen. Nach Aussagen von Syrskij hätten die Streitkräfte der Ukraine beschlossen, Korrekturen am Inhalt der Ausbildung für eine Drohnen-Bekämpfung vorzunehmen, wobei man sich auf eine Abwehr von unbemannten Flugapparaten der Russischen Föderation fokussiere.

Dieser Tage hatte der Verteidigungsminister der Ukraine, Michail Fjodorow, gleichfalls den Einheiten der ukrainischen Streitkräfte die Aufgabe zu einer „totalen Vernichtung der russischen Drohnen-Piloten“ gestellt. Dafür ist eine materielle Vergütung vorgesehen worden. Fjodorow teilte mit: „Die Ukraine hat bereits begonnen, einzelne Einheiten zu bilden, die auf russische Piloten (von Drohnen — „NG“) Jagd machen.

Vor diesem Hintergrund hat der Präsident der Ukraine, Wladimir Selenskij, während seines Türkei-Besuchs am Sonntag ein weiteres Mal der Russischen Föderation eine Oster-Feuerpause und eine Fortsetzung der Friedensverhandlungen unter Vermittlung von Ankara vorgeschlagen. Moskau ist zwar nicht gegen Friedensverhandlungen, besteht aber weiterhin auf einen Abzug der Streitkräfte der Ukraine aus dem Donbass, was Kiew nicht akzeptiert. Selenskij verwies auf Angaben der ukrainischen und der britischen Aufklärung, die hervorheben, dass „gegenwärtig für die Ukraine die beste Situation seit den letzten zehn Monaten besteht“. Kiew ist sich gewiss, dass weiterhin Hilfe des Westens, darunter auch aus den USA, eintreffen werde. „Die Ukraine hat bisher kein Signal über eine mögliche Einstellung von Waffenlieferungen gemäß dem PURL-Programm erhalten“, betonte Selenskij.

Der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin hebt hervor, dass Kiew versuche, auch im Ausland den Wirtschaftsinteressen der Russischen Föderation Schaden zuzufügen. „In Serbien wurde Sprengstoff an der Gaspipeline „Turk Stream“ entdeckt, über die russisches Gas per Transit nach Ungarn und andere Länder Europas fließt. Dies ist offenkundig eine Sache ukrainischer Diversanten gewesen“, behauptete Schulgin. Selenskij weilte in der Türkei und habe sich augenscheinlich mit Ankara geeinigt, „Turk Stream“ im Schwarzen Meer nicht anzutasten. In Serbien gebe es jedoch kein solches Verbot. Dort gebe es eine große ukrainische Diaspora. Und deren Vertreter könnten daran interessiert sei, den Interessen der Russischen Föderation zu schaden, indem die Pipeline mit russischen Erdgas gesprengt wird, schlussfolgert der Experte.

Neben dem Balkan sind ukrainische Diversanten scheinbar auch in Libyen aktiv geworden. Der französische Hörfunksender RFI berichtete über einen Schattenkrieg gegen die Russische Föderation, der von Kiew an der Küste dieses afrikanischen Landes entfesselt worden sei. Der Sender betonte, dass Moskau am 4. März „die Ukrainer und die britische Aufklärung der Attacke gegen den russischen Gastanker „Arctic Metagaz“ von der libyschen Küste aus bezichtigte“. Der mit verflüssigtem Erdgas beladene Tanker befand sich im Mittelmeer und nach Port Said in Ägypten unterwegs, wurde aber durch ukrainische Seedrohnen angegriffen. Der Sender RFI berichtete, dass sich über 200 Offiziere und Militärexperten der Streitkräfte der Ukraine in Libyen in Absprache mit der dortigen Regierung befinden würden. Sie seien in drei Objekten präsent, von denen das erste die Akademie der Luftstreitkräfte in Misrata sei. Das zweite ist ein vollkommen ausgerüsteter Stützpunkt für das Starten von Flug- und Seedrohnen mit einem Zugang zum Mittelmeer in der Stadt az-Zawiyya. Das dritte Objekt werde für Koordinierungstreffen zwischen ukrainischen Einheiten und der libyschen Armee genutzt. Hervorgehoben wird, dass ein Abkommen von Kiew und Tripolis Waffenlieferungen und ukrainische Investitionen für den Ölsektor Libyens, aber auch eine Ausbildung libyscher Militärs vorsehe.

Nach Einschätzungen des angesehenen russischen Telegram-Kanals „Rybar“ würde sich „jegliche russische Fracht in der Region – von Erdöl bis Lebensmitteln -, solange in Tripolis und Misrata ukrainische Ausbilder sitzen, sie sich in ihrem Visier befinden“. Ein ähnliches Fazit zieht auch der Rundfunksender RFI: „Die Ukraine erklärt, dass sie eine Strategie zur Erweiterung ihrer Präsenz und der Verbindungen auf dem afrikanischen Kontinent ausarbeitet. Experten befürchten jedoch dort einen mittelbaren zwischen Moskau und Kiew“.

P. S.

Urteilt man anhand Meldungen der russischen Nachrichtenagentur INTERFAX, so machen auch russische Drohnen-Einheiten Jagd auf ukrainische Drohnen-Piloten. Am Montag berichtete die Agentur unter Berufung auf das Verteidigungsministerium Russlands, dass die Gruppierungen „Süden“, „Norden“ und „Westen“ 95 Punkte zur Steuerung von Drohnen der Armee der Ukraine im Verlauf von 24 Stunden in der Zone der militärischen Sonderoperation vernichtet hätten.